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Jun 07 2005
„Do it!“ – Soziales Lernen an Hochschulen Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfram Keppler   
Dienstag, 7. Juni 2005

2005_agent_mehrwert.gifEin neues Lernangebot für Studierende an Hochschulen hat die diakonische Agentur mehrwert gGmbH im vergangenen Jahr gestartet. „Do it! – Mach es!“ ist das Motto des Projekts, das an vier Hochschulen im Wintersemester 2004/2005 durchgeführt wurde. Über 100 Studierende haben daran bereits teilgenommen.

Wofür studentischer Einsatz?

„Ziel ist, das freiwillige Engagement von Studierenden anzuregen und zu unterstützen. Durch soziales Lernen werden die Teamfähigkeit, das vernetzte Denken und die Verantwortlichkeit für andere und für das eigene Tun gestärkt. Dies sind Schlüsselqualifikationen, die in allen Berufen, vor allem in Führungspositionen, gebraucht werden“, so Oberkirchenrat Helmut Beck, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg vor Journalisten.

2005Bartsch.JPGFür Gabriele Bartsch, Geschäftsführerin der Agentur mehrwert ist besonders wichtig, dass das Soziale Lernen im Studienbetrieb fest verankert wird. „Hier können wir von langjährigen Erfahrungen in den US-amerikanischen Hochschulen profitieren.“ Bis Ende 2006 ist die Finanzierung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg gesichert.

Geschäftsführer Professor Dr. Claus Eiselstein sagte, die Stiftung sehe Bildung „nicht eindimensional als das reine Erlernen von Wissen und Fertigkeiten“, sondern halte es für besonders wichtig, „Kompetenzen gerade auch sozialer Art mitzuerwerben“. Eine bessere Investition in die Zukunft des Landes könne man kaum machen.

Unterstützt wird das Projekt vom Wissenschaftsministerium Baden- Württemberg. „Respektvoller, dialogorientierter Umgang mit Menschen ist etwas, das jeder Akademiker beherrschen sollte. Daher freue ich mich besonders über die Initiative der württembergischen Diakonie, Studierenden einen Einblick in andere Lebenswelten zu ermöglichen. Hier wird nicht nur das Hirn, sondern auch das Herz für Soziales gebildet“, betont deshalb Professor Dr. Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg.

Do it! – Wie das Projekt abläuft

Studierende können sich während ihres Studiums in zahllosen Feldern sozial engagieren. Sie können wählen, ob sie sich über mehrere Monate in Einrichtungen für behinderte, ältere, kranke Menschen, für Kinder und Jugendliche engagieren oder en bloc für mehrere Wochen tätig sind.

Team_mehrwert_gGmbH_2004.jpg 

Mitarbeitende von mehrwert führen die Studierenden ein, begleiten sie während des Engagements und werten mit ihnen am Schluss den Einsatz gemeinsam aus. Ein Zertifikat bestätigt das Engagement der Studierenden: „Langfristig soll dieses Engagement fester Bestandteil des Lehrangebots an Hochschulen und als Studienleistung anerkannt werden“, betonte Gabriele Bartsch.

Im Wintersemester konnten an manchen Hochschulen nicht alle Interessenten berücksichtigt werden. Der Andrang war zu groß. Beteiligt sind bisher die Universität Hohenheim und die Fachhochschulen in Heilbronn, Reutlingen und Kehl. Im Sommersemester kommt die Universität Freiburg als weiterer Partner dazu. Bis Ende 2006 ist die Finanzierung gesichert. Danach sollen langfristige Finanzierungsmodelle gefunden werden.

Teilnehmende sagen: „eine super Erfahrung!

„Ich bin überzeugt, dass mir das Projekt später im Beruf weiterhelfen wird. Ich lerne einen ganz anderen Umgang mit Studienkollegen. Ich lerne, auf den anderen zu achten und kann besser zuhören“, zog Titus Theiß, Studierender der Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Reutlingen als Fazit. Er hat vor allem mit Menschen mit Behinderungen zusammengearbeitet. „Dieses Projekt hat mir auch die Ängste genommen im Umgang mit behinderten und anderen sozial ausgegrenzten Menschen.“

Für die Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim, Stefanie Senfter, war vor allem die Konfrontation mit der finanziellen Not vieler Menschen eine wichtige Erfahrung. „Ich war überrascht, wie groß die Armut inzwischen bei uns ist. Viele sind unverschuldet in diese Situation gekommen. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.“ Für sie war das Projekt eine „super Erfahrung“. „Ich habe gelernt, dass man nie aufgeben darf.“ Sie hat bei der Schwäbischen Tafel in Stuttgart gearbeitet.

„Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft setzt Gemeinsinn voraus“, betonte Minister Frankenberg. Durch das Projekt haben junge Menschen die Möglichkeit, „die Gesellschaft in ihrer ganzen Bandbreite kennen zu lernen und Maßstäbe neu zu justieren.“ Und für Oberkirchenrat Helmut Beck profitieren durch das Projekt alle Seiten: die jungen Menschen, da sie entscheidende Schlüsselqualifikationen erlernen, die betreuten Personen und soziale Einrichtungen, da junge Menschen oft mit neuen Ideen an die Arbeit herangehen und auch die Gesellschaft, da sie junge Menschen gewinnt, die sich für eine solidarischen und gerechten Gesellschaft einsetzen. „`Do it!´ Ist also die richtige Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit.“

Weitere Informationen

www.agentur-mehrwert.de/angebote/Hochschulen.html

Wolfram Keppler
mehrwert gGmbH
Agentur für Soziales Lernen
Firnhaberstraße 14
70174 Stuttgart
Tel. 0711/222966-38
Fax 0711/222966-56
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Internet: www.agentur-mehrwert.de

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