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Partizipation braucht Qualifikation! Politische Bildung befindet
sich in der Krise- eine bittere Wahrheit, die jüngst in einem Artikel
von Karsten Rudolf bestätigt wurde. Die Bildungslandschaft in
Deutschland ist gefordert, nicht nur neue Marketingmöglichkeiten zu
entwickeln, sondern neue Lernformen in der politischen Bildung zu
entwerfen. Ein möglicher Weg wird hier aufgezeigt: Politische Bildung
als Qualifikation zu aktivem Bürgerengagement!
Grundgedanke: Das Idealbild vom politisch mündigen,
interessierten und aktiven „Citoyen“ ist das Ziel politischer Bildung
in Deutschland. Obwohl, wie die 14. Shell-Studie zeigte, der
Freiwilligensektor durchaus boomt und gerade Jugendliche sich vielfach
in Netzwerken und Projekten meist zeitbefristet engagieren bleibt die
Tatsache, dass die Demokratie hierzulande massiv gefährdet ist:
Sinkende Wahlbeteiligung, der Rückzug aus dem Engagement in
traditionellen politischen Institutionen sowie schwindendes Interesse
an politische Bildung zeigen, dass das Engagement für die Demokratie
abnimmt.
Doch die Demokratie ist ein fragiles Gebildes: Ohne das
Interesse und v.a. der aktiven dezidiert politischen Betätigung ihrer
Bürger ist sie zum Scheitern verurteilt. Politische Bildung ist hier
gefordert, mit neuen Konzepten bereits im Kindesalter anzusetzen.
Amerikanische Partizipationsforscher wie Benjamin Barber oder der
hierzulande immer noch unterschätzte John Dewey zeigen: Die beste Form
politischer Bildung ist aktives Engagement und Partizipation in
demokratischen Institutionen. Doch Engagement macht nur dann wirklich
Spaß, wenn Erfolge und Wirkung zu verzeichnen sind. Um allerdings
wirklich erfolgreich und professionell Partizipation zu organisieren
müssen junge Bürger gezielt und professionell qualifiziert werden. Zwei
mögliche Wege, Qualifikation von Kindern und Jugendlichen zu
verwirklichen und darüber einen neuen Beitrag zur Erneuerung der
politischen Bildung in Deutschland zu leisten werden bereits in
Deutschland praktiziert: Die Technology of Participation (ToP®) und das
Konzept der Jugendbanken. Inhalte / Ziele:
In seinem Artikel „Politische Bildung: (k)ein Thema für die Bevölkerung? Was wollen die Bürger?“
bezieht sich Karsten Rudolf auf die 14. Shell Studie und schreibt:
„Auch die nachwachsende Generation zeigt sich zwar der Demokratie
verpflichtet, ist leistungsbereit und bringt sich (auch
gesellschaftlich und politisch) ein, sieht Politik aber nicht als etwas
Verpflichtendes und Notwendiges, sondern eher als etwas Nebensächliches
an.“ Damit ist ein Phänomen beschrieben dass Benjamin Barber als
allgemeine Krise der liberalen Demokratie wahrgenommen hat.

Demokratietheoretiker John Dewey
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Demnach
entwickelt sich eine Eigenschaft der liberalen Demokratie, das
Repräsentationsprinzip, gerade zur größten Gefahr der Demokratie
selbst: Bürger verlagern ihre Aktivität ins Private, zeigen keine
Betroffenheit mehr von öffentlichen Angelegenheiten und delegieren mit
ihrer Wahlstimme auch die eigene Verantwortung und politische
Mündigkeit auf die Entscheidungsträger in der Berufspolitik. Dabei
gerät aus dem Blickfeld was eine Demokratie wirklich ausmacht: „Die
Demokratie ist mehr als eine Regierungsform; sie ist in erster Linie
eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und miteinander geteilten
Erfahrung.“ (Dewey)
Eigene Interessen und Bedürfnisse als
öffentlich-politische wahrzunehmen, sie durch die Herstellung von
Gemeinschaften zu öffentlichen Gütern zu machen und schließlich aktiv
auf ihre Umsetzung hinzuwirken- das ist das Wesen wirklicher
Partizipation. Im Bereich selbstorganisierter Projekte
schließlich setzt der Bedarf der politischen Bildung an, denn wirklich
erfolgreiche Bildung erfolgt nicht im Seminarsaal, nicht im Vortrag,
Infostand oder ähnlichem sondern in der aktiven Betätigung; im
Organisieren, Verhandeln, Diskutieren und- Handeln. Wer selbst eine
Gruppe leiten und organisieren kann, wer selbst bereits eine
Schülerzeitung, eine Kampagne für das Jugendzentrum oder eine Protest-
und Widerstandsaktion gegen Abschiebehaft durchgeführt hat- und dies
erfolgreich; wer schließlich selbst die Herausforderung bewältigt hat,
divergierende Interessen in der Gruppe zu bündeln und in einen
Aktionsplan umzusetzen, für den ist Demokratie und Politik keine
nebensächliche Sache mehr sondern zentrales Ordnungsprinzip des
Alltags. Demokratie und Pluralismus können dann nicht mehr nur als
Begriffe für die Bezeichnung unseres politischen Systems angesehen
werden sondern, mit Dewey, als Lebensform.
Inhalte / Ziele: Doch
wie kann man möglichst gut individuelle Interessen zusammenführen und
daraus einen voluntèe generale entwickeln? Wie kann die Umsetzung
dieses gemeinsamen Willens möglichst effektiv geplant und der Erfolg
kontrolliert werden? Hier setzt die Forderung nach „Qualifikation zur
Partizipation“ an. Bereits Kinder und Jugendliche sollten das Angebot
bekommen in Sachen Gesprächsmoderation, Gruppenleitung, und
Projektmanagement qualifiziert zu werden, um in ihrem Bereich aktiv zu
werden. Das Projekt Gemeinsinn hat seit Juni
2002 zwei Ansätze implementiert, die einen Neuanfang in der
Partizipationspraxis und politische Bildung setzen können. Die Technology of Participation (ToP®),
eine Moderationsmethode aus den USA, wird seit Januar 2003 in
Deutschland angewendet und wurde im Januar 2004 in einem Handbuch
aufbereitet. Anschließend wurde die Methode an Jugendliche ab 12 Jahren
vermittelt, um diese zu befähigen, Beteiligung und Engagement in ihrem
Lebensbereich professionell zu moderieren.
Die ToP® beruht auf
drei Methodentools. Die "Austauschmethode" als zentraler Baustein soll
demokratische und offene Gesprächs- und Kommunikationskultur in einer
Gruppe verwirklichen und über die Formulierung gemeinsamer Anliegen zur
Handlung aktivieren. Mit Hilfe der beiden anderen Tools, dem
"Konsens-Workshop" und der "Aktionsplanung" wird die entstandene
Bereitschaft zum Engagement in konkrete Handlungsplanung umgesetzt. Die
Methode kann auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken, da sie in
bereits in 50 Ländern die Organisation von selbstverantwortlichen
Beteiligungsprojekten ermöglicht hat. Ein anderer Ansatz sind die sog. Jugendbanken (Youthbank),
die in England seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert werden. Ein
Bankgremium von ausschließlich Jugendlichen erhält eine gewisse
Geldsumme zur völlig freien Verfügung. Andere Jugendliche erhalten dann
die Möglichkeit, bei der Jugendbank Anträge zur Finanzierung ihrer
eignen Projekte zu stellen. Die Jugendbank stellt somit einerseits die
Möglichkeit dar, unbürokratisch und schnell die Anschubfinanzierung von
Jugendprojekten zu initiieren.
Auf das anderen Seite bietet
dieser Ansatz Jugendlichen eine enorme politische Lernerfahrung im oben
beschrieben Sinne: Die Erfahrung, als eigenverantwortliche Banker
Anträge zu begutachten, über Finanzierungen zu entscheiden, mit
Projektträgern zu verhandeln und anschubfinanzierte Projekte als
Geldgeber zu beraten. Zielgruppen / Verwendungsbereiche:Die ToP®
kann an Kinder und Jugendliche sowie an deren Multiplikatoren im
schulischen und außerschulischen Bereich vermittelt werden. Die Jugendbank
sind hingegen vor allem für Jugendliche und Bürgerinitiativen unter
Beteiligung von Jugendlichen geeignet, die Wert auf eine
partizipative Verteilung von Fördergeldern legen. Entstehungsrahmen:Der
vorliegende Text entstand im Rahmen der Arbeiten an
dem ToP-Benutzerhandbuch mit dem Titel „ToP®-fit für Beteiligung!
Methoden für junge Moderatorinnen und Moderatoren.“ Es wird im Rahmen
von ToP®-Vermittlungsseminaren ab Januar 2004 als Arbeitsgrundlage
verteilt und ist auch über die Bertelsmann-Stiftung zu bestellen. Höhepunkte:Genauso
wie die von Karsten Rudolf vorgeschlagenen Demokratiewerkstätten für
Bürger sollen auch die Jugendbank und die ToP® erste Anstöße sein, über
die dringend notwendige Erneuerung politischer Bildung zu debattieren.
Es ist an der Zeit! Anbieter:Wer Interesse an mehr Informationen über die ToP oder die Jugendbanken hat wendet sich an:
Max Schimmel c/o Akademie Führung & Kompetenz Centrum für angewandte Politikforschung Maria-Theresia-Str. 21 81675 München Tel.: +49 (0)89 / 2180-1321 Fax: +49 (0)89 / 2180-5850 E-Mail:
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Web: http://www.gemeinsinn-werkstatt.de Nur angemeldete Besucher können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an oder erstellen Sie sich ein neues Benutzerkonto. Powered by AkoComment 2.0! |