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"Ich weiß, dass ich nichts weiß" - Austausch zum Thema Lernen und Verlernen Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Ruth Sander   
Mittwoch, 24. August 2011

Das Regionaltreffen des Netzwerk Gemeinsinn e.V. stand im September unter dem Motto "Ich weiß, dass ich nichts weiß." 

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Was sich hinter dem Motto verbarg lesen Sie hier!

 

WAS

Obiger gut bekannter Ausspruch von Sokrates ist wohl die ideale Voraussetzung für Lernen: das Wissen darum, nicht(s) zu wissen.

 

dsc_1005 (kopie).jpgLeider begegnen wir in unserer Arbeit (damit ist gemeint: im weitesten Sinne Aushandlungs- oder Bildungsprozesse im Gemeinwesen oder zu gesellschaftspolitischen Themen zu begleiten oder zu prozessieren) sehr oft eine anderen Haltung:

„Ich weiß, dass ich weiß, und dass das, was ich weiß, richtig/das Richtige ist, und daher alle anderen, die meinen, dass es anders ist, falsch liegen und von meinem Richtigen überzeugt werden müssen!"

Dabei kann es sein, dass sich Personen mit dieser Einstellung selbst durchaus als wissbegierig und lernwillig beschreiben würden: Sie möchten noch mehr Zahlen/Daten/Fakten geliefert bekommen, um das eigene Wissen zu untermauern oder zu bestätigen.

Wie können wir durch Haltung und/oder Methoden bestmögliche Voraussetzungen für Lernen schaffen - im Sinne von Offenheit für und Neugier auf Neues und Austausch?

WIE

Teil A: Dialog-Austausch zu eigenen Erfahrungen, Haltung, Empfindungen zum Thema

Wir beginnen mit einer Dialog-ähnlichen Arbeitsform (Kugel ja, Kerze etc. nein), um auszuloten, was uns alle zum Thema Lernen in Gruppen beschäftigt. Die Statements reichen von  

  • ‚Den eigenen Lernstil reflektieren‘,
  • dem ‚Verlust der Neugierde zu Lernen bei Erwachsenden im Vergleich zu Kindern‘,
  • einer Umorientierung der Lernstrategie (von ‚auf Vorrat lernen/depositär‘ zu ‚ganzheitlich/ im Kontext reflektierend‘),
  • dem Zusammenhang zwischen Lernen, Erkenntnis und Veränderungen im Handeln mit der Unsicherheit und Angst davor
  • bis zu Lernkontexten in Politik und Organisationen
  • und der Aussage, dass man manchmal erst etwas verlernen muss, bevor etwas Neues lernen kann.
  • Zunächst einmal müsse ein Bedürfnis zu Lernen entstehen
  • Insbesondere ein Wir-Lernen statt eines Ich-Du-Lernens erfordere andere Konstellationen, die ein Einlassen auf andere ermögliche.

Strittig wurde diskutiert, ob man ein Lernen an zwei Aspekten erkennen könne:

  • zum einen, ob eine „persönliche Unmittelbarkeit" entstehe, aus der emergent etwas Neues erwachse. Hier trafen zwei Positionen aufeinander, wobei vor allem die jeweilige Definition von Abstraktion zu unterschiedlichen Sichtweisen führte: Die eine sah durch Abstraktion die Gefahr, das Neue und persönliche Handlungskonsequenzen sofort wieder aus dem Blick zu verlieren. Die andere wies darauf hin, dass Abstraktionen hilfreich für Lernprozesse sind, da sie den Blick für übergreifende Prozesse öffne
  • und zum Zweiten, ob eine Reflektion als Prozess erfolge.                                                                   

dsc_1009 (kopie).jpgMein Gewinn aus dieser Arbeitsform: Das Aha-Erlebnis, wie eng und wenig tolerant ich innerlich selbst bin, wenn ich von Anderen VERLANGE, dass sie lernen sollen - zwar ergebnisoffen, aber dennoch zielorientiert!

Im zweiten Teil des Abends versuchen wir zu strukturieren und zu clustern (siehe Foto), wie man Bereitschaft zu Lernen fördern kann: für den Einzelnen, in der Gruppe, in der Bürgerschaft... (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Den größten Fluss an Ideen gibt es zum Thema ‚Arbeiten mit Gruppen‘, das größte Fragezeichen zur Frage, wie man Bürger mobilisieren kann bzw. wann sich Bürger selbst engagieren. Es taucht der Wunsch in der Gruppe auf, zu diesem Thema eventuell einen extra Abend zu machen... - denn schon ist die Zeit wieder rum!

 

 

Nachgedanken zum Abend:

dsc_1007 (kopie).jpgIch habe inzwischen einen guten alten Klassiker der Gruppendynamik in die Finger bekommen (Antons: Praxis der Gruppendynamik). Bei seinem Diskurs zum Thema ‚Vorurteile‘ musste ich wieder an unseren Abend denken. Hier ein Exzerpt davon:

„Stereotype, ähnlich wie auch Gewohnheiten, sparen Zeit und Mühe, sich in jeder Situation jeweils neu entscheiden zu müssen - was sowieso nicht leistbar wäre und nur eine geringe Handlungsfähigkeit des Menschen ermöglichen würde, da es enorm viel Zeit und psychischer Energie brauchen würde, dauernd solche Entscheidungen zu treffen. Insofern sind Stereotype sinnvoll und werden beibehalten, solange sie das Individuum schützen und befriedigen. Sie wirken also entlastend, auch dadurch, dass sie eine Gruppenzugehörigkeit und damit Sicherheit vermitteln. Man kann sagen, dass mit Hilfe von Stereotypen Verhaltensweisen innerhalb von sozialen Gruppen bestimmt und reguliert werden. Eine Abwehr gegen die Infragestellung und Änderung von Stereotypen ist in diesem Sinne als Schutzfunktion für die entsprechende Sozietät zu verstehen...

dsc_1008 (kopie).jpg...Daraus wird vielleicht deutlich, dass es nicht darum gehen kann, bestehende Stereotype gewaltsam zu zerbrechen in der Illusion, man käme ohne sie aus. Es kommt vielmehr darauf an, sich seiner Stereotype, die man aufgrund diverser Gruppenzugehörigkeiten erworben hat, bewusst zu werden, und sie in den Situationen, in denen eine Konfrontation mit dem stereotypisierten Objekt ansteht, auf ihren Gehalt zu überprüfen."

Soweit Antons. Sodass jetzt nur noch die Frage bleibt: Wie viel Sicherheit braucht denn der Mensch, um ein Vorurteil in Frage stellen zu KÖNNEN? Bzw.: Wie können wir Engagierten so ‚konfrontieren‘, dass wir Neugierde wecken statt Irritation, Verstörung und Ablehnung zu erzeugen?! Oder habt Ihr noch andere Fragen?

WER

ModeratorInnen, FacilitatorInnen, BeraterInnen, Wissende und Unwissende

Referentin:

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Dr. Ruth Sander
Beratung & Training
Rainackerweg 42
D-80939 München
Tel. +49 89 324 55 682
Fax +49 89 324 55 683

Gastgeber:

Philippe Fortuné
Netzwerk Gemeinsinn e.V.

 

 

 
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