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Apr 05 2010
Wahre Kosten - Echte Preise Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Fänderl & Ingmar Redel   
Montag, 5. April 2010
 

Klicks : 2179

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Welche Kosten werden in Euro berechnet und welche Folgekosten stecken dahinter? Welchen Vorteil hat regionales, umweltverträgliches und faires Handeln? Wie machen wir das transparent und Teil der Kaufentscheidung von Konsumenten? Bei überregionalen Tagungen in München und Berlin gingen wir am 26.04.2010 den tatsächlichen Kosten unserer Produkte und Dienstleistungen auf den Grund und reflektierten bisherige und zukünftige Transparenz- und Marketing-Strategien. Und die Diskussion geht weiter... online!

WAS

Idee

Stellen wir uns zukünftig eine Flasche Milch im Regal des Supermarktes vor, die vier Zahlen ausweist: Marktpreis (0,80 €), Umweltfaktor (4,5), Sozialfaktor (0,9) ergeben multipliziert den "Echten Preis" bzw. international ausgedrückt den "True Prize" (3,24 TP).

  1. Der Marktpreis bewertet den aktuellen Kauf- und Verkaufspreis von Waren und Dienstleistungen incl. Personalkosten, Steuern, Sozialabgaben, Gewinnkalkulation etc. im jeweiligen Währungssystem -> Wirtschaft / Ökonomie
  2. Der Umweltfaktor bewertet die Frage, wieviele Planeten notwendig wären, wenn jeder Mensch auf der Erde das gleiche nutzen würde (vgl. Öko-Fußabdruck); die Orientierungszahl wären also die Menschen auf dieser Erde und die Umweltbelastung (Abgase, Rohstoffnutzung, Müll-Verschmutzung, Regenerationszeit...) die dieser Planet nachhaltig gut verkraften würde -> Umwelt / Ökologie
  3. Der Sozialfaktor beantwortet die Frage, wie sozial verträglich sich Produkt und Dienstleistung entwickelt haben und auswirken. Einzurechnen sind Ausbeutung, Korruption, Fairness beim Handel etc. die in der Regel nicht berücksichtigt werden -> Gesellschaft / Soziales

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Im Biomarkt nebenan ist der Marktpreis dann evtl. etwas höher, aber dafür sind die Klima- und Sozialfaktoren niedriger. Durch diese Art der Preisgestaltung würde transparent, was an realen Kosten pro Produkt anfällt.

Das gleiche ließe sich auf Dienstleistungen übertragen, wo ebenfalls Klima- und Sozialfaktoren einberechnet werden könnten. Lasse ich den Berater mit Flugzeug aus dem Ausland anreisen oder nutze ich jemanden aus der näheren Umgebung, der mit dem Rad kommt?

Einfache Idee, große Wirkung... doch wie lässt sich das umsetzen? Was müsste alles berücksichtigt werden? Wie ließe sich das auf einer Internet-Plattform transparent machen und darstellen? Wer würde das unterstützen und wie würden Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und nicht zuletzt der Verbraucher darauf reagieren? Und... was gibt es bereits in diesem Zusammenhang?

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Kurzbeschreibung

Am 26.04. wurde an unterschiedlichen Stellen in Deutschland der Startschuss für eine vernetzte Diskussion des Themas gegeben. Der Auftakt für einen intensiven Austausch von Argumenten und die mögliche Planung von einem oder mehreren Projekten via Internet.

Ziele

Die Debatte bezüglich Relevanz und Gewichtung unterschiedlicher Faktoren für die Preisgestaltung wird sicher unterschiedliche Meinungen generieren, die ausführlich besprochen und dokumentiert werden müssen. Damit die Idee trägt und einfach zu vermitteln ist müssen eben zahlreiche Details geklärt werden. Ziel wird sein

  • die Diskussion bereits auf hohem Niveau zu beginnen
  • Fachexperten zu bitten, ihre Forschungsergebnisse und ersten Erfahrungen in diesem Bereich darzustellen
  • Laien und Skeptiker einzuladen, ihre Bedenken zu äußern
  • um zu konstruktiven gemeinsamen Ansätzen im Sinne einer ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Preisgestaltung zu kommen.
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Kontext

Die Idee entstand in der Vorbereitung des 3. Münchner Methoden-Fachforums von 25. bis 27.03.2010 zum Thema "Wandel-Klima - mit Methode(n). Erfolgreiche Initiativen zum Klimawandel".

Ursprünglich sollten nur bei einem Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn unterschiedliche Bewertungsmodelle und Ansätze vorgestellt werden, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und deren Kosten beleuchten helfen. Das Thema zog jedoch schnell seine Kreise und das hohe Interesse an Vernetzung führte zu einer erweiterten Idee: an mehreren Standorten in Deutschland (München und Berlin) das Thema aufzugreifen und zu diskutieren. Selbst aus Stuttgart, Wien und Bristol hatten sich Kollegen angekündigt, die ebenfalls mitdiskutierten.

www.echologic.org wird als virtuelle Plattform helfen, die Ergebnisse zu dokumentieren und zu bündeln sowie sie gegenseitig zu kommentieren und zu bewerten. Ergebnisse des Auftakts werden auch über www.netzwerk-gemeinsinn.net kommuniziert.

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WER

Beteiligte 

Eingeladen waren und sind Fachleute wie Interessenten, die sich zum Thema informieren, austauschen und einbringen wollen... auch jene, die bei den Veranstaltungen nicht mit dabei sein konnten.

Impulsgeber

Die Referenten und Impulsgeber bei den Treffen werden in den Berichten zu den Veranstaltungen mit dargestellt.

Veranstalter und Kooperationspartner 

a) München: Netzwerk Gemeinsinn e.V. veranstaltet seit 2003 Regionaltreffen am letzten Montag im Monat (LeMoMo) im Ökologischen Bildungszentrum München, die als kollegialer Austausch mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten angelegt sind. Die Besonderheit ist eine frühzeitige Ankündigung über das Webportal und ausführliche Ergebnisdokumentation im Anschluss an die Veranstaltung. (Gastgeber Wolfgang Fänderl & Kollegen von www.netzwerk-gemeinsinn.net). Weiterer Veranstalter ist die Gesellschaft für Bürgergutachten (Dr. Hilmar Sturm www.buergergutachten.com)

b) Berlin: Echo Source e.V. entwickelt Plattformen für interaktiven gemeinschaftlichen Austausch. Echologic ist in diesem Zusammenhang ein Netzwerk von Freidenkern/innen und ihren Organisationen, die eine globale Agora mit neuen Formen teilnehmender Demokratie auf lokaler, regionaler und globaler Ebene entwickeln wollen. (Gastgeber Ingmar Redel + Jan Linhart von www.echologic.org) Medienpartner ist Glocalist Medien - Medien für Nachhaltigkeit www.glocalist.com.

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WIE

Zeit

Die Veranstaltungen finden am Montag dem 26.04.2010 statt. Dabei werden unterschiedliche Veranstaltungsverläufe und Impulse erwartet.

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a) Ablauf München (Bericht Wolfgang Fänderl 5.5.2010)

Die Veranstaltung im Ökologischen Bildungszentrum München (Englschalkinger Str. 166, 81927 München) gliederte sich in zwei Zeiträume:

  • die Expertentagung (13:00 bis 18:00 Uhr) mit 10 Personen und
  • die Informationsveranstaltung mit Umsetzungsfokus (18:00 bis 21:00 Uhr) mit 12 Personen
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Die Expertentagung begann am frühen Nachmittag (13.00 Uhr) mit einer Kennenlernaktion. Neben den Veranstaltern waren mit dabei Vertreterinnen und Vertreter von der TU München, Naturland e.V., Green City, The Foo, copino e.G., SOL, Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik u.s.w.

Einige von ihnen vermittelten ihre unterschiedlichen Konzepte und Erfahrungen und unterhielten sich über Assoziationen, Unterstützungsformen und Kritiken. Hier eine kurze Übersicht zu Ihren Impulsen:

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1.) "True Prizes - die Vision" stellte die Idee eines Kostenmodells vor, mit dem Kunden wie Anbieter soziale, ökonomische und wirtschaftliche Faktoren erkennen können (vgl. Einleitung). Die Anregung kam durch den "Ökologischen Fußabdruck", der den gesamten Ressourcenverbrauch in globale Hektar umrechnet und damit sehr anschaulich macht. Dabei wird ja auch deutlich, dass die Kosten, die wir nachhaltig für unseren Konsum zahlen müssten nichts mit den Preisen zu tun haben, die wir uns momentan leisten können.

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Eine hohe Ungerechtigkeitsdifferenz spaltet die Welt in Gewinner und Verlierer, auf der Ebene von Nationen als auch Generationen. Neue Preismodelle und Transparenzkriterien sind also überfällig und sollten möglichst rasch eingeführt werden, auch wenn die Berechnungsgrundlagen noch nicht perfekt sind. Fehlertoleranz ist wichtig um der völligen Ignoranz zu entgehen. Wolfgang Fänderl, www.netzwerk-gemeinsinn.net (20')

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2.) "Triple Bottom Line" nennt man das, was bei Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Kriterien "unterm Strich" als Redite heraus kommt. Es sind Qualitätskriterien und sie bilden die Säulen für nachhaltiges Wirtschaften. Damit soll unterstrichen werden, dass Firmen durchaus ihren Profit machen können, dabei aber auch auf weiteren Profit für Menschheit und Umwelt achten könnten. The Foo stellt dazu eine Plattform für Venture Capital zur Verfügung, mit der Investoren entsprechende Projekte finden können, die z.B. das schmutzige Verfahren zur Aluminium-Herstellung revolutionieren und eine saubere statt einer verschmutzten Umwelt hinterlassen. Lutz Dziarnowski www.the-foo.de

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3.) "Netzwerk Produktepass" : Jedes Produkt nimmt über seine Entwicklung, Herstellung, Nutzung und Entsorgung vielfach an den globalen gesellschaftlichen und ökologischen Prozessen teil und schafft Probleme. Mit mehr Transparenz könnte Politik die Rahmenbedingung in Gesetzen, Verordnungen und Steuern daran ausrichten und indirekte Kosten nach dem Verursacherprinzip auf die produzierenden Branchen, ihre Prozesse und Produkte umlegen.

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Der Produktepass geht von einer Gesamtmenge an Ressourcen aus, denen transparente Schätzungen und Berechnungen von Expertengremien zugrunde liegen: Wer? hat wann? wie? wo? was gesagt? und wieviel? wovon? prognostiziert? Eine Plattform und Berechnungstabellen helfen dann bei der Zuteilung auf den jährlichen Verbrauch pro Nation. Die Farben signalisieren unterschiedliche Qualitäten von Produkten und bilden branchenübergreifend ab, ob Qualitäten zunehmen, neutral oder auch schädlich und giftig sind. 

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Es soll eine offene Datensammlung mit vielen aktiven Partnern in Gang gesetzt werden, die Informationen zur Ressourcenintensität von Regionen, Branchen und Produkten aus verschiedenen Quellen zusammenführt. Ein Produktepass gibt dann an, wie viel Material, Energie, Wege, Fläche, Arbeit und Kapital z.B. direkt und indirekt in ein Produkt einfließen. Methodik und Werkzeuge des Produktepass stammen aus kleineren Projekten, die in dieselbe Richtung zielen. Die Vernetzung verlief bisher in den Bereichen Bio-Forschung, Ressourcen-Management, Ernährungs-Ökologie und ökologischer Fußabdruck. Hellmut von Koerber www.fleXinfo.ch (30')

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4.) "clean€uro -fair, öko, nahe - Orientierung für VerbraucherInnen" - mit dem "Futuro" und dem "clean€uro" wurden bereits seit 2002 zwei Modelle entwickelt, die ökonomische, ökologische und soziale Faktoren berechnen können. Während dem "Futuro" ein Algorhythmus zugrunde liegt, der die Komplexität solcher Berechnungen abbilden hilft, macht es der "clean€uro" dem Verbraucher mit 7 Alternativen und einer einfacheren Daumenregel leicht sich für oder gegen Produkte zu entscheiden.

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In beiden Fällen geht es darum, unbezahlte Kosten für Mensch und Natur deutlich zu machen. Basis ist eine Umfrage bei 2000 Verbrauchern, nach der Bedeutsamkeit einzelner Kriterien für Nachhaltigkeit incl. einer partizipativen Gewichtung der Kriterien. Ausgehend von der Entlohnungsgerechtigkeit in den unterschiedlichen Ländern (Wie lange muss ein Arbeiter arbeiten, um sich ein Mischbrot leisten zu können?) können dann Rückschlüsse gezogen werden auf die anderen Faktoren und deren Zusammenhänge. Vera Besse, SOL bzw. Aufbruch, Wien / Österreich (www.nachhaltig.at, www.futuro-preise.at, www.cleaneuro.at)

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5.) Das "Stiftung Warntest Modell" - Interessant ist das Renomee, das sich eine unabhängige Stiftung über Jahrzehnte aufbauen konnte und inzwischen auch als absolut effektive Werbemaßnahme von jenen Herstellern genutzt werden kann, die im Vergleich zu anderen bessere Qualität statt nur geringeren Preis vorweisen können. Solch einen Nimbus aufzubauen ist nicht leicht und es wäre zu überlegen, ob auch für True Prizes die Kooperation mit solch einem Träger Sinn machen würde.

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6.) "Die App zum True Prize" - eines der modernsten Transparenzmodelle, das über ein Smartphone aufgerufen werden kann, lautet derzeit "Codecheck.info" und kann über den Strichcode eines Produktes Informationen über Inhaltsstoffe und deren Bewertung darstellen. Das Netzwerk mit namhaften Unterstützern (z.B. ökotest) existiert schon seit mehreren Jahren.

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Spannend hierbei ist, dass vom Interesse des Kunden ausgegangen wird und ein möglichst einfacher Weg gesucht wird, dieses Interesse zu befriedigen. 30% aller Verbraucher sind am strategischen Konsum interessiert und wollen mit ihrem Geld Gutes bewirken. So entstanden auch eine Unzahl an Bewertungsportalen die ihrerseits bewertet werden könnten. Sie werden als mobile Applikationen, Internetportale und Offline-Angebote bereit gestellt. Aus sicht von "True Prizes" gehen jetzige Modelle noch nicht weit genug, sondern bieten in der Regel nur Bewertungs- und Kommentierungsmodelle oder führen von Firmen und Verbrauchern mehr oder minder wahllos gesammelte Informationen zusammen. Lutz Dziarnowski, The Foo e.V., www.befoo.de (20')

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7. "Repräsentative Befragung" - Neben einer Kommentierung durch Experten kann natürlich auch die Zufallsauswahl (z.B. bei Bürgergutachten) oder eine echt repräsentative Umfrage dabei helfen Kriterien und Einschätzungen zu Produkten und anderen Dienstleistungen festzulegen. Aus Kostengründen wird hierauf jedoch häufig verzichtet. 

8.) "copino - Vergleich von Standards" - Ein Überblick zu verschiedenen Öko-Lables (z.B. über www.label-online.de) sollte dann zeigen, wie aktuelle Standards und Initiativen mit den Kriterien "regional" und "fair" umgehen. Ein Biohändler erzählte von der Verwirrung von Verbrauchern, die sich bei den vielen, meist selbst-gestalteten bio-Auszeichnungen kaum noch auskennen. Thomas Becker, Biomitgliederladen in Stuttgart, Leitung copino-Projekt und Moderator (www.copino.de)

10-04-26_lemomo_echte_preise_-_10.jpg9.) "Pareto-Prinzip": Dabei entstand die Frage ob es noch Sinn macht, sich auf diesem hohen Niveau von Qualitätsunterschieden unterschiedlicher "Bio-Labels" zu verzetteln oder ob es nicht viel effektiver wäre, die Unterschiede zu konventionell hergestellten Produkten deutlich zu machen. Das True-Prizes-Modell wäre dazu evtl. differenzierter und besser geeignet als die Label-Flut, welche auf unterschiedlichsten Kriterien beruht. Die Pareto-Formel macht plausibel, dass mit 20% Aufwand bereits 80% Effekt hergestellt werden können, während die weiteren 80 % eher etwas für Perfektionisten ist, die nur noch minimalen Effekt haben.

Die Vertreterin von Naturland konnte diese Erfahrung unterstreichen, indem sie von der Streitfrage in der Bio-Branche berichtete, ob Discounter wie Lidl und Aldi bei ihrem Bemühen "Bio-Kost" in ihren Läden anzubieten unterstützt werden sollten, da damit auch die Legitimation und die Existenzgrundlage der kleineren Bio-Hersteller gefährdet sein könnte. Es gibt auch Stimmen die meinen, dass es evtl. aufgrund der großen Umsatzmengen aber auch förderlich wäre für die Bekanntheit und den Ausbau des ökologischen Landbaus an sich. Leider aber ist aus Sicht von Naturland der Ansatz der Discounter im Markt grundsätzlich nicht mit den Grundsätzen und den Werten von Öko nach Naturland Richtlinien und dem Fairem Handel vereinbar; Petra Heine, www.naturland.de

10.) "Preisbildung und Formen der Gerechtigkeit" - Zwischen den Vorträgen waren immer wieder ethische, wirtschaftswissenschaftliche und juristische Fragen zu hören, die das Spektrum der Hinterfragung solcher Bemühungen deutlich machte. Welche Grundlagen haben wir bei diesen Berechnungsmodellen zu bieten? Wie sehr erreichen Sie die Leute? Was zeichnet die einzelnen Bereiche aus und sind sie gleichermaßen relevant bzw. zu gewichten? Dr. Hilmar Sturm, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bürgergutachten (gfb), Vorstand des Instituts für Verbandsforschung und -beratung SVV, München (www.buergergutachten.com)

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Das öffentliche Regionaltreffen am Abend begann gegen 18:00 Uhr mit einem Mitbringbuffet. Um18:40 Uhr wurde mit einer neuen Vorstellungsrunde und der Zusammenfassung des Nachmittags mit Fokus auf Strategien und die Perspektive des Verbrauchers begonnen, um weitere strategische Anregungen zu vertiefen und direkt zu bearbeiten.

Es wurde bedauert, dass mit den Öko-Siegeln viel Energie verschlissen wird und dies nur wenige Verbraucher honorieren, weil die Differenzierung kaum noch nachzuvollziehen ist. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen "genau Ausrechnen" und "Faustformeln verwenden", was sich auch auf die Bereitschaft des Verbrauchers auswirkt sich damit auch weiterhin auseinander zu setzen. Immer mehr wird wieder die Intuition wichtig, da man den Rechenkünsten von Instituten nicht immer Glauben schenken kann. Kaufentscheidungen haben immer damit zu tun welchen Wert man selbst bestimmten Kriterien zubilligt und wie das in Wechselwirkung mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft steht (z.B. Markenjeans). 

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Es ist aber auch frappierend, wie wenig Verbraucher über die Anstrengungen wissen, welche bereits im ökologischen Landbau betrieben werden und wie groß die Netzwerke und wie hoch die Qualitätskriterien sind, welche dafür gerade stehen. Inzwischen ist es teilweise schon soweit, dass die Zertifizierer so teuer sind, dass es sich nur noch wenige Produkte leisten können diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Eigentlich sollten Systeme wie "clean-€uro" in Schulklassen eingeführt werden mit einem 2-3-Stunden Modul und dem kompakten "Entscheidungskärtchen". Des weiteren fokussiert sich die Öko-Label-Debatte zu sehr auf Lebensmittel und vernachlässigt viele weitere Umweltverschmutzer und Ressourcenräuber (Wohnbereich, Verkehr...). Hier ist der "Ökologische Fußabdruck" als Beispiel ganz gut, weil er CO2-Verbrauch für verschiedene Lebensbereiche berechnet. 

Auch wäre es interessant sich Strategien zu überlegen, die es Saulus leichter machen würden Paulus zu werden. Es bleibt die Frage wie mit wenigen Regeln oder eindeutigen Zahlen Lust auf mehr Informationen geschaffen werden könnte. Parallel müssen die Gesetzgeber und Behörden gestärkt werden in ihrem Bemühen die Bevölkerung und die Lebensgrundlagen zu schützen und gegenüber rein ökonomischen Interessen zu schützen. Die Rolle von Verbraucherschutz und Umweltschutz ist ein weiteres Diskussionsfeld, was beachtet werden muss. Unbedingt gehören aber Berechnungsgrundlagen auf den Prüfstand gestellt (Bruttosozialprodukt bzw. Human Development Index) und gegen Nachhaltigkeits-Kriterien ausgetauscht.

Für das Marketing war auch im Gespräch, ob wir nicht vom "Gläsernen Euro" sprechen. Wo geht was hin? Wir sollten eher die positive Ausrichtung und den Mehrwert für Ökonomie, Umwelt und Gesellschaft betonen. Der "Futuro" - vom Begriff her ja schon äußerst positiv - könnte dann so berechnet werden, dass ich statt einem ökonomischen Euro auch etwas in die anderen Bereich investiere. Je mehr Futuro ein Produkt dann kostet (obwohl nur wenige Euro real ausgegeben werden), desto mehr kümmere ich mich um die Zukunft unserer Kinder und nachfolgender Generationen!

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Die Versuche eine Skype-Verbindung mit Berlin aufzubauen scheiterten, auch am hohen Diskussionsbedarf vor Ort. Um 21:00 Uhr endete das Treffen mit einer Abschluss-Feedback-Runde:

  • Es war die volle Informationsflut, die ich jetzt erst mal für mich und mein Leben kanalisieren muss. Was brauche ich davon wirklich und was möchte ich in meinen Alltag integrieren. Es war aber sehr hilfreich um mein eigenes Kaufverhalten zu reflektieren.
  • Ich gehe davon aus, dass wir mit diesen Bewusstwerdungsprozessen auch Schüler erreichen müssen, die es dann ihren Eltern als Hausaufgabe weitergeben.
  • Die guten Rückmeldungen aus anderen Initiativen tun gut, um gestärkt am eigenen System weiterzumachen. Sehr gerne nehme ich Ideen auf und bin für Anknüpfungspunkte offen.
  • Ich gebe gerne meine Erfahrungen und Daten weiter und werde auch als Dozent an der Augsburger Universität diese Ergebnisse weiterverbreiten.
  • Wir sind als Verband gemeinnützig und arbeiten auch viel in geförderten Projekten. Daher sind wir immer offen für neue Kooperationspartner... schön, dass wir uns jetzt kennengelernt haben.
  • Ich sehe jetzt, dass die Kooperation untereinander doch nicht so schwer ist, wie ursprünglich gedacht. Meine Hoffnung liegt auf einer europa- wenn nicht weltweiten Kooperation unterschiedlicher Initiativen zu dem Thema.

Über die angekündigte echo-Plattform (s.u.) kann nun der Austausch intensiviert werden. Hier werden klare Fragen gestellt, unterschiedliche Ansichten und Meinungen zugelassen, Bewertungen ermöglicht und langfristig können hier Diskussionen zur Vernetzung und zum Handeln führen. 

 

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b) Ablauf Berlin (Bericht Ingmar Redel 03.05.2010)

Der Workshop in Berlin am 26.4.2010 fand von 18:00 bis 21:00 Uhr in den Büroräumen von Echo (Senefelderstr. 22, 10474 Berlin) statt. Es kamen an diesem Abend 9 engagierte Menschen, von barcoo.de, wegreen.de (Nachhaltigkeitsampel), fairvenience.de, echologic.org, letsusebarcoo.de und fairfood.org, die das Thema gemeinsam diskutierten.

Begonnen hatten wir mit den Präsentationen.

1.) "True Prizes - die Vision" - ein Kostenmodell, mit dem Kunden wie Anbieter soziale, ökonomische und wirtschaftliche Faktoren erkennen können (vgl. Einleitung). Ingmar Redel und Jan Linhart, www.echologic.org

Dann stellten sich BarCoo und WeGreen mit der Nachhaltigkeitsampel vor, gefolgt von Fairvenience.

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2.) BarCoo & WeGreen

BarCoo hat 2007 begonnen mit der Möglichkeit, dass Verbraucher mit einem Smartphone Strichcodes von Produkten einscannen können, um weitere Informationen zu erhalten. Neben Lebensmittelhinweisen werden auch Wahrentestergebnisse und Preisvergleiche angeboten. Nutzer können auch teils selbst Inhalte für den Dienst beisteuern. Durch seine große Erfahrung in dem Bereich wurden schnell die Grenzen deutlich, um solche Informationen auf der Ebene des einzelnen Produktes anbieten zu können, wie z.B.:

  • Es besteht eine unglaubliche Menge an Produkten und oft ist es nur auf der Ebene des Herstellers oder der Produktkategorie möglich Informationen anzubieten. Allein 100.000 neue Lebensmittel gibt es im Jahr in Deutschland, wovon nur 20.000 Angebote ein Jahr überstehen.
  • Viele Unternehmen haben selbst keine Informationen oder geben sie an Agenturen wie Nielsen ab, um sie später bei Bedarf wieder zurückzukaufen.
  • Viele kleine Unternehmen können sich nicht umfassende Analysen (z.B. zur Nachhaltigkeit) für jedes einzelne Produkt leisten.
  • WeGreen (Nachhaltigkeitsampel) basiert technisch auf BarCoo. Das Projekt der Nachhaltigkeitsampel befasst sich mit der Frage, wie zusätzlich zu den allgemeinen Informationen von BarCoo Nachhaltigkeitsinformationen für Verbraucher mobil aufbereitet werden könnnen.
  • WeGreen hat hierfür alle großen Nachhaltigkeitsrating von Unternehmen aufgenommen, kategorisiert und zeigt die Ergebnisse in einer Art Ampel an, sobald der Verbraucher ein Produkt scannt: grün, das Unternehmen hat in einem Nachhaltigkeitsraking gut abgeschnitten, gelb für mittelmässig und rot für ganz schlechte Ergebnisse.
  • Es werden jeweils alle Rankingergebnisse zu einem Hersteller angezeigt, da es noch extrem schwierig ist die einzelnen Rankings in einem Raking zu verbinden.

Die Nachhaltigkeitsampel kam inhaltlich und auch auf Basis der Technologie von BarCoo in der Runde in Berlin sehr gut an.

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3.) "Fairvenience - Aufbau einer Non-Profit Bio+Fair-Agentur" - über Netzwerke und Gruppen im Web sollen sich in Zukunft nach individuellen ökologischen, sozialen Kriterien eigene Labels gestalten lassen, die jeweils engagierte Menschen zusammen betreuen. Produkte die ihren Kriterien entsprechen werden dann ihrem Label hinzugefügt und es ensteht ein Wettbewerb der besten Kriterien sowie zu jedem Label auch gleich ein Online Shop mit entsprechenden Produkten.

 

fairvenience-screenshot.jpg

 

Am Ende der Veranstaltung, nach 3 Stunden, sprachen wir insbesondere über die Frage, was als Nächstes geschehen sollte, um gemeinsam mehr zu erreichen.

Als Vision wurde das Ziel "nachhaltiger Kosum und nachhaltige Produktion" zu fördern auf einem Whiteboard niedergeschrieben. Unter dem Ziel haben wir aufgelistet, was die einzelnen Teilnehmer für den weiteren Fortschritt beitragen könnten. Unten ein Foto davon:

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Die Diskussionsplattform

Wir sind nun gespannt auf die verschiedenen Inhalte, welche auf echologic.org Institutionen und Städte übergreifend aufgegriffen werden:

"Preistransparenz - ökonomisch, ökologisch, fair":
http://www.echologic.org/de/discuss/featured

Oder direkt zu den 12 Diskussionen unter:
http://www.echologic.org/de/discuss/category/realprices

3mmff_2010_03_27_70_of_201.jpgGemeinsame Nachbereitung

Die zusammengefassten Ergebnisse werden einerseits auf dem Webportal von Netzwerk Gemeinsinn e.V. erscheinen. Die Bewertung und Kommentierung der einzelnen Inhalte wird über das Dialog-Forum von echologic.org laufen.

Auch das weitere Vorgehen wird vor Ort besprochen und konkretisiert sowie virtuell mitgeteilt.

KONTAKTE & Anmeldungen

a) München:

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Wolfgang Fänderl
Netzwerk Gemeinsinn e.V.
c/o Ökologisches Bildungszentrum München
Englschalkingerstr. 166
81927 München
Tel.: +49/89/95422911
Fax: +49/89/41155290
Mobil: +49/179/5319938
www.netzwerk-gemeinsinn.net

b) Berlin:

Ingmar Redel
OneAim.org | World Synergy Network
Tel.: +49/30/64826657
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

www.echologic.org

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Angezeigt werden 1 von 1 Kommentar(en)

Super Sache!

Geschrieben von: Fan () am 08-04-2010 13:49

Super Sache!

Geschrieben von: Fan am 08-04-2010 13:49

Find ich gut!!!

 

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