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Am 22. Februar 2010 wurde beim Münchner Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn e.V. ein besonderes Brettspiel vorgestellt, das u.a. bei Teambildung, Projektentwicklung und fröhlichem Miteinander eingesetzt werden kann. Es erhielt an diesem Abend eigene Spielregeln zum Thema "Umgang mit dem Klimawandel".
WAS
Kurzbeschreibung
"Pregame" war eine Art 'Vorspiel' zum 3. Münchner Methoden-Fachforum Ende März. Es wollte helfen, Regeln zu entwickeln und auszutesten, die im weitesten Sinne mit "Wandel-Klima - mit Methode(n). Erfolgreichen Initiativen zum Klimawandel" zu tun haben.
Bei jeder Spielrunde werden zu einem anfangs vereinbarten Oberthema Ideen entwickelt, die in Spielregeln gegossen werden, nach denen dann das weitere Spiel abläuft. Das Spiel(erische) dient dazu, eine wirkliche Vision, eine „gemeinsame Sache“ so miteinander zu entwickeln, dass unter den Mitspielern eine emotionale Verbundenheit geschaffen wird, die über längere Zeit Bestand hat.

Jeder Mitspieler erlebt (erfährt) im spielerischen Feedback direkt die Auswirkungen seiner eigenen von ihm mit aufgestellten Regeln. Werkzeuge sind das vorgedruckte Spielfeld, leere Bierdeckel zum Beschriften mit den Brainstorming-Ideen und Spielregeln sowie die Spielfiguren und Würfel.
Die offizielle Homepage für das Spiel: www.pregame.de
Kontext
Der Vorgänger hieß "Hartz IV Monopoly", doch das Spiel "Pregame" ist
noch beliebter – denn es gibt keine Regeln, keine Beschränkungen. "Es
entwickelt sich während des Spielens", sagt Erfinder Peter Uthess.
"Jeder, der sich auf ein Feld würfelt, personalisiert dieses, gibt vor,
was die Mitspieler, die auf dieses Feld kommen, machen müssen." Das
können Dinge sein, wie von ihrem Lebenstraum erzählen, etwas rot
anmalen oder kurz den Raum verlassen. Das Ziel des eigentlich ziellosen
Spieles: "Jeder soll gewinnen, es regt die Kreativität an und motiviert
Menschen".
WER
Zielgruppe
Es kamen 11 Kolleginen und Kollegen sowie Interessierte, die sich zum Thema einbringen und das Spiel für die eigene Arbeit nutzen wollten.
Schwerpunktreferenten
Peter Uthess,
der Spiel-Erfinder ist selbstständiger Coach, All-WIr (www.all-wir.de), IdeeTT (www.ideett.de), pregame (www.pregame.de), Soziales Netzwerk (all-wir.ning.com), eigener Blog (http://all-wir.blogspot.com).
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Martin Schmidt-Bredow, Diplomkaufmann, Wirtschaftsgeograf, social
Entrepeneur; er war zehn Jahre in der Politik engagiert, war 23 Jahre
in Medien und Marktforschung tätig und arbeitete 18 Semester bei
Lehraufträgen an Hochschulen und Universitäten; er ist Gründer von
ZeitBank e.V. (gemeinnützig) und hat damit den 1. Preis der
Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München 2007 gewonnen.
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Gastgeber
Netzwerk Gemeinsinn
e.V. veranstaltet seit 2003 Regionaltreffen am letzten Montag im Monat (LeMoMo),
die als kollegiale Beratung mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten
angelegt sind. Die Besonderheit ist eine frühzeitige Ankündigung über das
Webportal und ausführliche Ergebnisdokumentation im Anschluss an die
Veranstaltung. Seit Anfang an ist das Ökologische Bildungszentrum
zuverlässiger Kooperationspartner und seit 2007 Vereinsadresse des
gemeinnützigen Vereins. Gastgeber war diesmal Hubert Schiefer (unten links im Bild), unterstützt durch weitere
Kolleginnen und Kollegen von www.netzwerk-gemeinsinn.net.
WIE
Ablauf (Bericht Peter Uthes und Wolfgang Fänderl)
Das
Regionaltreffen fand am Montag dem 22.02.2010 statt. Der Abend begann gegen
18:00 Uhr mit einem Mitbringbuffet und diesmal waren Tische mitten im Raum.
Ungewohnt, da wir doch weit häufiger mit offenen Stuhlkreisen tagen... aber auf
den Tischen waren 1 x 1 Meter große Spielpläne, auf denen das Schicksal des
Abends entwickelt werden sollte.
Um 18:40 Uhr
stiegen wir mit einer Vorstellungs- und Erwartungsrunde der Beteiligten ein.
Die Kolleginnen und Kollegen waren einfach von der Idee des Spiels fasziniert,
spielten gerne Brettspiele oder wollten mehr zu den Regeln des Klimaschutzes
wissen und erarbeiten.
Peter Uthes
begann damit, zunächst ein paar erläuternde Informationen zu vermitteln. Wie unter "Kontext" bereits beschrieben, hat das
Spiel „Pregame" seinen Ursprung in einem Spiel, das von einer Initiative von
Arbeitslosen entwickelt wurde und sich Hartz IV Monopoly nannte. Die Absicht
des H4 Monopoly war, bei den Veranstaltungen des 1. Mai 2008 auf dem Viktualienmarkt in München, das Publikum
spielerisch mit den Problematiken der verarmten Gesellschaft vertraut zu machen.
Bei der Entwicklung des Spiels waren alle Beteiligten mit sehr großem
Engagement bei der Sache. Nach der
Aufführung war die „Luft" raus und das Spiel wurde
nicht mehr - wie zuerst gedacht - zur „Marktreife" weiterentwickelt. Aus den daraus
folgenden Überlegungen wurde eindeutig die Erkenntnis gewonnen, dass die Motivation zum Spiel in der Entwicklung des Spiels lag. Aus dieser Einsicht
wurde dann das Spiel für „Spielentwicklung", das Spiel vor dem Spiel, das
„Pregame" geboren. Darum stand am Ende des einleitenden Überblicks der Satz:
Gegen 19.00
Uhr konnten wir uns dann tatsächlich, mit Bierdeckeln und Tierfiguren aus dem
Spielzimmer von Peter Uthess Tochter, ans Werk machen.
Obwohl das Spiel für nicht mehr als acht Leute geplant war, entschied er, trotz Bedenken seiner Co-Spielleiter, dass mit 11 Leuten an einem Tisch gespielt werden sollte, um die Dynamik und das Verständnis des Spiels gemeinsam zu erkennen und anschließend besser auswerten zu können.
Die Form der Beschriftung eines Spielfeldes (Bierdeckels) wurde vorgeschrieben, und um möglichst
schnell ins Spielgeschehen zu kommen, wurden fünf Spielkarten vordefiniert.
Dann wurde
mit einer einfachen Frage (Wer hat im Jahr am spätesten Geburtstag) bestimmt wer anfängt. Mit einer beliebigen Auswahl von unterschiedlichen Würfeln konnte die Anzahl der Schritte bestimmt werden, mit der die eigene Spielfigur vorrücken musste. War auf dem Feld schon eine Anweisung (auf Bierdeckel geschrieben) dann musste sie erfüllt werden. War dort noch ein freies Feld, dann konnte man sich eine Regel bzw. Anweisung überlegen und auf einen Bierdeckel schreiben:
- Bestimme
einen Mitspieler Deiner Wahl zu einer Performance.
- Was hat Klimawandel mit
dem Märchen Rotkäppchen zu tun?
- Wie beeinflusst das soziale Klima (Umfeld)
unsere Bereitschaft, uns aktiv für Klimaschutz einzusetzen?
- Schalte den
Beamer aus, um Strom zu sparen, und wenn der Beamer bereits aus ist, finde etwas
anders, was Du jetzt sofort für die Umwelt tun kannst
Dies waren nur vier Beispiele von weiteren 20 Spielkarten, die während der
Stunde "pregame" generiert wurden. Bei der Karte „Beamer ausschalten" wurde die
Magie des Spiels (Untertitel - das Spiel denkt mit) sichtbar. In dem Augenblick
als die Karte von einem Mitspieler geschrieben wurde, stand der Spielleiter von sich aus auf - ohne von der Kartenbeschriftung zu wissen - und schaltete den Beamer aus.
An dieser
Stelle hatte das Spiel auch den „emotionalen Höhepunkt" erreicht. Es war ein gruppendynamischer Prozess entstanden, in dem die einen ihrem "Spieltrieb" folgten, die anderen eher inhaltlich interessiert das Treiben kaum fassen konnten. Die Regeln wurden von den einen immer wieder hinterfragt, von den anderen neu gestaltet und von den dritten wurde fassungslos gestaunt was da vor sich ging. Einigen gelang es nicht nicht mehr sich auf das „Spiel" zu konzentrieren.
So kündigte einer der Spieler seinen Ausstieg an und löste eine kurze Diskussion auf Metaebene an, worauf er nicht ganz den Raum verlies und das Spiel weiterhin aus der Distanz heraus
beobachtete. Einzelne gesellten sich zu ihm und diskutierten über notwendige Rahmenbedingungen des
Spiels, andere spielten weiter, wobei die Energie langsam abflachte (Peter Uthes: zu seinem natürlichen Ende hin).
Reflexionsphase
Im Anschluss
an das Spiel wurde eine kleine Pause und etwas Abstand gebraucht. Alle
Beteiligten saßen dann um 20:50 Uhr wieder um einen der Spieltische herum und äußerten
ihre Eindrücke:
- Mir
war es an einigen Stellen zu langwierig
- Es
waren hier sehr unterschiedliche Spielverständnisse und Energien am Werk und es
fehlte eine Phase in der man sich auf einen roten Faden im Spiel einigte, um
dann auch wieder Spielspaß an Regelverstößen zu empfinden
- Ich
hatte immer wieder Angst, dass das Spiel kippt und einzelne das Geschehen zu
sehr dominieren
- Es
war schade, dass einzelne während des Spiels raus gingen, insgesamt hat es mir
gut gefallen
- Ich
habe es als sehr persönlichen Prozess wahrgenommen... es kam schon recht
chaotisch an
- Ich
habe regelrecht Angst entwickelt, auf bestimmte Felder zu kommen, da dort so
persönliche Fragen standen
- Mir
haben die leeren Felder mehr Angst gemacht
- Ich
war am Anfang zwar noch verunsichert, habe mich später aber wohl gefühlt
- Es
war relativ unklar am Anfang wer die Leitung des Spiels hat.
- Ich
fand es zu viele Leute für einen Tisch - ich fand es gut dass wir uns bei 11
Leuten nicht aufgeteilt haben
- Ich
hatte viel inneren Abstand und hatte dem Treiben etwas ungläubig zugesehen mit
der Hoffnung, dass jemand was sagt
- Ich
fand die grundsätzliche Infragestellung des Spiels und der Situation sehr
bereichernd... da kam viel Authentizität ins Spiel und es wurde klar, dass es
kein normales Brettspiel ist
- Mir
wurde klar, dass nicht alles bei Netzwerk Gemeinsinn und in München toll ist
und gehe befriedigt wieder nach Augsburg zurück
- Ich
war tief bestürzt über die Unfähigkeit von Experten sinnvolle Regeln zu entwickeln...
was heißt das dann für den Klimawandel?
- Ich
bin nach wie vor fasziniert von der Idee, gemeinsam ein Spiel entstehen zu
lassen
- Die
Grundidee ist super, aber an der Umsetzung muss noch gearbeitet werden
- Das
Spiel hat eine Magie, mit der manche nicht umgehen können; ich hatte mich als
Leitung bewusst herausgenommen und empfinde es als Werkzeug, um Begegnung
stattfinden zu lassen
- Ich
kenne das Spiel und habe heute neu hinzugelernt, dass letztlich Emotionen
entscheiden
Die Feedbacks
zu Methodik:
- Wir
waren am Anfang mit einer zu hohen Komplexität konfrontiert
- Mir
schien es Encounter-Charakter gehabt zu haben... dafür hätten wir aber mehr
Zeit gebraucht
- Es
war eine „Zauberlehrling"-Atmosphäre: „Die Geister die ich rief, wurde ich
nicht mehr los"; evtl. hätte eine klare Regel als „Rückfall-Option" für alle
gelten sollen (z.B. wer dran ist darf die Regel bestimmen)
- Mir
wäre wichtig, dass wir niemanden in der Runde komplett verlieren - als es angekündigt wurde kam von einem Mitspieler der Kommentar: "o.k., dann
geh halt". Das ist wohl auch eine Minimalregel
- Da
es hier um keine Therapie-Sitzung geht, kann jemand doch auch ganz gehen
- Die
Spielsystematik war noch zu offen und hat viel Anspannung verursacht... die
Leichtigkeit konnte nicht entstehen
- Für
Neue und bei unbekannten Mitspielern braucht es Stufen der Entwicklung um nicht
zu früh überfordert zu sein, die Gruppenharmonie muss erst hergestellt werden
bevor man sich zoffen kann
Die Einschätzung aller gipfelte dann aber dennoch in der Aussage: "Es könnte ein Mercedes unter den Spielen werden, lasst uns deshalb noch gemeinsam an einer stufenweisen Spielsystematik arbeiten, die echten Spielspaß ermöglicht!"
KONTAKT
Hubert Schiefer
Netzwerk Gemeinsinn e.V.
Tel.: 089 / 23347565
Mail:
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Kreativität durch Regeln unterstützen
Geschrieben von: Yamun Goerlitz () am 28-02-2010 10:38