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Der Methodenansatz
ist eine Kombination aus Aufstellungsarbeit und
anschließender Vergemeinschaftung. Behandelt werden im weitesten Sinne
gesellschaftspolitische Themen, die im Raum abgebildet werden: Anwesende
stellen sich als Rollenträger von System-Elementen zur Verfügung, die Dynamiken
im System werden sicht- und erlebbar.
WAS
In früheren Jahren war ich regelmäßig Zuseherin
politischer Talkshows. Nach so einer spätabendlichen Sendung wusste ich zwar
über das jeweilige Thema faktisch recht viel, habe ich aber meist deprimiert
und niedergeschlagen gefühlt, nach dem Motto: „und was jetzt?!“
Siegfried Essen war einer der ersten Aufsteller der nicht nach dem System von Bernd Hellinger arbeitete. Er erzählte davon, mit einer
Weiterbildungsgruppe die Ereignisse von Hoyerswerda aufgestellt zu haben; damals brannte
ein von Neonazis angezündetes Asylbewerberheim. Dabei hatte ich ein zündendes
Aha-Erlebnis: man kann noch andere Dynamiken als nur die von Familien oder Organisationen
aufstellen!
Es dauerte dann noch so manches Jahr, bevor Politik im
Raum in seiner jetzigen Form Gestalt annahm: Zuerst traute ich mir selbst das
nötige handwerkliche Geschick nicht zu, dann erschien mir die Idee, Politisches
aufzustellen, als zu gewagt und anmaßend. Erst ab Frühjahr 2003
experimentierten wir zuerst im Aufsteller-Kollegenkreis, ab 2005 gibt es
öffentlich zugängliche Veranstaltungen.
Der unter WIE beschriebene Ablauf (s.u.) bezieht sich auf
öffentlich zugängliche Veranstaltungen, die der politischen Meinungsbildung und
dem Meinungsaustausch dienen. In abgewandelter Form kann das Format auch
eingesetzt werden
- als Mittel zum ganzheitlichen Lernen bei
politischen Bildungsveranstaltungen
- zur Strategieentwicklung von Verbänden, Vereinen
und politischen Parteien und zur Aktivierung der Mitglieder
- zum „Anwärmen“ und zum Einstieg von TeilnehmerInnen
auf Tagungen, Kongressen und Open Space Konferenzen
- zur Mobilisierung von InteressentInnen und
AktivistInnen von NGOs
- zur Beratung und Darstellung komplexer Situationen
von Firmen, siehe auch „Topoi“.
Die meisten der Münchner Abende sind
auch hier auf dieser Website dokumentiert (25.07.2005 bis 20.05.2009). Hier die Themen:
"Politik im Raum", "Vision Vollbeschäftigung", "Macht Geiz geil?", "Bedingungsloses Grundeinkommen", "Ein neuerwachtes Nationalgefühl", "Multikulturelle Teams", "Ausländer rein und / oder raus?", "Kein Krieg in Europa durch die EU? ", "Friedenssicherung durch Truppenpräsenz?", "Friedenssicherung durch Entwicklungshilfe ", "Ich habe 70 Wochenstunden gearbeitet, um die 35-Stunden-Woche durchzusetzen... ", "Gesicht zeigen gegen Rassismus und Rassisten", „Soll Sport (im Fall Tibet) politischen Druck ausüben?", "Frauen und Kirche: Ausschluss vom Einfluss", "Flirt mit der Folter", "Ich kenne sehr viele Banker, denen ich nichts mehr glaube", "Die Erde kann auch ohne uns, aber wir nicht ohne die Erde...
", "Regionalgeld in der Wirtschaftskrise: ernst zu nehmendes Hilfsmittel oder naive Spielerei?", "Ja, wir tun's - aber wie?", "Atomkraft: Ausstieg aus dem Ausstieg?" und "Die Deutschen und ihre Nachbarn".
Weitere Veranstaltungen fanden u.a. in
- Leipzig („Öffentliche Haushalte: Die Schulden von heute
sind die Steuern von morgen“ und „Sind wir noch das Volk?“),
- Berlin („Corporate Social Responsibility“ und „Bedingungsloses
Grundeinkommen“), Stuttgart („Kinder sind unsere Zukunft!“),
- Linz („Wie kann demokratisches Handeln für Jugendliche
attraktiv werden?“) und Salzburg („Die Wirtschaftskrise – wider die
Resignation“) statt.
Über zukünftige Veranstaltungen und ihre Themen und Ergebnisse erfahren Sie auf der neuen Webseite von www.politik-im-raum.org
WER
Zielgruppe
Eingeladen sind alle Personen, die sich gern ganzheitlich mit (gesellschafts-)politischen Themen
auseinandersetzen wollen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich, Neugier und
Offenheit auf Überraschendes sollten allerdings mitgebracht werden. Denn
Achtung: Wer sich seiner Meinung ganz sicher ist und sich nicht erschüttern
lassen will, sollte besser fern bleiben!
Initiatorin
Dr.
Ruth Sander, systemische Beraterin und Coach. Erststudium Theater- und
Musikwissenschaft, Schwerpunkt Tanz. Vielleicht daher die Vorliebe für das
Arbeiten im Raum. Nach längerer Tätigkeit im österreichischen Kulturmanagement (u.a.
Aufbau des Posthofs in Linz) und der Kulturpolitik (Aufbau der
Interessengemeinschaft Freie
Theaterarbeit) Umzug nach Deutschland und Umorientierung zur systemischen
Beratung. Ich versuche in den
Alltag meiner Beratungspraxis außer Sprache möglichst viele Elemente von
Raum-Arbeit mit einfließen zu lassen.
WIE
Der
Ablauf eines Politik im Raum-Abends
- Warm werden
- mit einander
- mit der Methode
- mit dem Thema
- Aufstellen
- Vergemeinschaften
Im Detail:
Am Beginn steht eine Abfolge von Stellungnahmen im Raum.
Wenn sich die Teilnehmenden nicht kennen, wird z.B. abgefragt, woher sie gerade
kommen, wie weit ihr Weg zum Veranstaltungsort war. Um eine halbwegs
maßstabsgerechte Positionierung vornehmen zu können, müssen die Teilnehmenden
miteinander sprechen und machen sich dadurch auch miteinander bekannt.
Dann folgen Abfragen zum jeweiligen Thema, z.B. „Wer ist
für, wer gegen die Einführung der Rettungsfolter?“, „Wer hält Obama für einen
Populisten/für einen Hoffnungsträger?“, „Wer ist für/gegen Atomkraft?“ Die
Anwesenden erwärmen sich dadurch für das jeweilige Thema, zeigen den Anderen
ihren momentanen Standpunkt dazu und lernen die momentanen Standpunkte der
Anderen kennen. Neulinge gewöhnen sich außerdem daran, den Raum zu nutzen und
eine Position im Raum einzunehmen.
Danach steigen wir ins jeweilige Thema ein. Wenn wir einen
Gast haben, mache ich ein kurzes Interview mit ihm/ihr. Was hat Sie/dich
bewogen, das Thema einzubringen? Welche Fragen beschäftigen dich/Sie dazu?
Dabei braucht der Gast kein Experte für das Thema zu sein. So wurde z.B. von
einer Fernseh-Redakteurin einmal das Thema „Auslandseinsätze der Bundeswehr“
eingebracht, weil sie sich zu diesem Thema eine Meinung bilden wollte.
Anschließend unterhalten sich die Anwesenden in
Kleingruppen zum Thema: Was bewegt sie dazu? Welche Fragen haben sie? Im Plenum
gleichen wir dann die Fragen ab und destillieren eine Frage heraus, mit der
sich möglichst viele identifizieren können.
Zu dieser Frage bestimmen wir dann gemeinsam
Elemente/Aspekte, um die Frage im Raum abbilden zu können. Im Fall des Themas
„Ein Jahr Obama“ (vgl. Erlebnisbericht eines Teilnehmenden auf diesem Webportal) einigten wir uns z.B. auf die Frage: „Wie können wir zusammen mit dem
neuen Hoffnungsträger unsere Visionen in die Wirklichkeit bringen?“ und wählten
dazu folgende Elemente:
- der
neue Hoffnungsträger,
- unsere
Visionen,
- die
Hoffenden,
- die
SkeptikerInnen,
- die
Beobachtenden,
- das
Vertrauen,
- die
Wirklichkeit,
- die
Widerstände (das bestehende
politische/wirtschaftliche… System).
Freiwillige melden sich, um in die Rolle eines der
Elemente zu schlüpfen. Dabei empfiehlt es sich, eine dem eigenen Standpunkt
möglichst ferne oder ungeliebte Rolle zu wählen. So schlüpfte einst ein
engagierter Vertreter des Netzwerk Gemeinsinns in die Rolle des Kapitals und war bass erstaunt, wie
mächtig er sich fühlte und dass niemand der Anderen diese Mächtigkeit
hinterfragt hatte…
Wenn die Rollen verteilt sind, beginnt die eigentliche
Aufstellung: Diejenigen, die Rollen übernommen haben, suchen sich einen
stimmigen Platz im Raum und lassen sich überraschen, welche veränderten
Körpergefühle, Impulse, Assoziationen auftauchen. Beziehungsdynamiken entstehen,
Eskalations- und Deeskalationsmuster zeigen sich.
Nach Beendigung der Aufstellung kommt es zum Prozess der
Vergemeinschaftung. Alle Anwesenden, ob Rollenträger oder Beobachterinnen,
bekommen Gelegenheit, ihre Wahrnehmungen, Überlegungen und Fragen den Anderen
mitzuteilen. Dabei geht es nicht darum, dass am Ende alle mit einer einzigen
Meinung rausgehen, sondern um das respektvolle Zuhören und sich inspirieren
lassen, ähnlich wie beim Bohm’schen Dialog.
Kontakt
Dr. Ruth Sander
Beratung & Training
Rainackerweg 42
D-80939 München
Tel. +49 89 324 55 682
Fax +49 89 324 55 683
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http://www.politik-im-raum.org
Bilder vom 2. Münchner Methoden-Fachforum zum Thema "Ja, wir tun's!" am 03.04.2009 durch Markus Püttmann.
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Vernetzung erlebbar machen
Geschrieben von: Wolfgang Fänderl () am 11-01-2010 11:09