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Jan 11 2010
Politik im Raum - Aufstellungsarbeit zu Gesellschaftsthemen Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Ruth Sander   
Montag, 11. Januar 2010
 

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politik_im_raum_logo.jpgDer Methodenansatz ist eine Kombination aus Aufstellungsarbeit und anschließender Vergemeinschaftung. Behandelt werden im weitesten Sinne gesellschaftspolitische Themen, die im Raum abgebildet werden: Anwesende stellen sich als Rollenträger von System-Elementen zur Verfügung, die Dynamiken im System werden sicht- und erlebbar.

WAS

In früheren Jahren war ich regelmäßig Zuseherin politischer Talkshows. Nach so einer spätabendlichen Sendung wusste ich zwar über das jeweilige Thema faktisch recht viel, habe ich aber meist deprimiert und niedergeschlagen gefühlt, nach dem Motto: „und was jetzt?!“

Siegfried Essen war einer der ersten Aufsteller der nicht nach dem System von Bernd Hellinger arbeitete. Er erzählte davon, mit einer Weiterbildungsgruppe die Ereignisse von Hoyerswerda aufgestellt zu haben; damals brannte ein von Neonazis angezündetes Asylbewerberheim. Dabei hatte ich ein zündendes Aha-Erlebnis: man kann noch andere Dynamiken als nur die von Familien oder Organisationen aufstellen!

Es dauerte dann noch so manches Jahr, bevor Politik im Raum in seiner jetzigen Form Gestalt annahm: Zuerst traute ich mir selbst das nötige handwerkliche Geschick nicht zu, dann erschien mir die Idee, Politisches aufzustellen, als zu gewagt und anmaßend. Erst ab Frühjahr 2003 experimentierten wir zuerst im Aufsteller-Kollegenkreis, ab 2005 gibt es öffentlich zugängliche Veranstaltungen.

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Der unter WIE beschriebene Ablauf (s.u.) bezieht sich auf öffentlich zugängliche Veranstaltungen, die der politischen Meinungsbildung und dem Meinungsaustausch dienen. In abgewandelter Form kann das Format auch eingesetzt werden

  • als Mittel zum ganzheitlichen Lernen bei politischen Bildungsveranstaltungen
  • zur Strategieentwicklung von Verbänden, Vereinen und politischen Parteien und zur Aktivierung der Mitglieder
  • zum „Anwärmen“ und zum Einstieg von TeilnehmerInnen auf Tagungen, Kongressen und Open Space Konferenzen
  • zur Mobilisierung von InteressentInnen und AktivistInnen von NGOs
  • zur Beratung und Darstellung komplexer Situationen von Firmen, siehe auch „Topoi“.

Die meisten der Münchner Abende sind auch hier auf dieser Website dokumentiert (25.07.2005 bis 20.05.2009). Hier die Themen:

"Politik im Raum", "Vision Vollbeschäftigung", "Macht Geiz geil?", "Bedingungsloses Grundeinkommen", "Ein neuerwachtes Nationalgefühl", "Multikulturelle Teams", "Ausländer rein und / oder raus?", "Kein Krieg in Europa durch die EU? ", "Friedenssicherung durch Truppenpräsenz?", "Friedenssicherung durch Entwicklungshilfe ", "Ich habe 70 Wochenstunden gearbeitet, um die 35-Stunden-Woche durchzusetzen... ", "Gesicht zeigen gegen Rassismus und Rassisten", „Soll Sport (im Fall Tibet) politischen Druck ausüben?", "Frauen und Kirche: Ausschluss vom Einfluss", "Flirt mit der Folter", "Ich kenne sehr viele Banker, denen ich nichts mehr glaube", "Die Erde kann auch ohne uns, aber wir nicht ohne die Erde... ", "Regionalgeld in der Wirtschaftskrise: ernst zu nehmendes Hilfsmittel oder naive Spielerei?", "Ja, wir tun's - aber wie?", "Atomkraft: Ausstieg aus dem Ausstieg?" und "Die Deutschen und ihre Nachbarn".

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Weitere Veranstaltungen fanden u.a. in

  • Leipzig („Öffentliche Haushalte: Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen“ und „Sind wir noch das Volk?“),
  • Berlin („Corporate Social Responsibility“ und „Bedingungsloses Grundeinkommen“), Stuttgart („Kinder sind unsere Zukunft!“),
  • Linz („Wie kann demokratisches Handeln für Jugendliche attraktiv werden?“) und Salzburg („Die Wirtschaftskrise – wider die Resignation“) statt.

Über zukünftige Veranstaltungen und ihre Themen und Ergebnisse erfahren Sie auf der neuen Webseite von www.politik-im-raum.org

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WER

Zielgruppe

Eingeladen sind alle Personen, die sich gern ganzheitlich mit (gesellschafts-)politischen Themen auseinandersetzen wollen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich, Neugier und Offenheit auf Überraschendes sollten allerdings mitgebracht werden. Denn Achtung: Wer sich seiner Meinung ganz sicher ist und sich nicht erschüttern lassen will, sollte besser fern bleiben!

Initiatorin

Dr. Ruth Sander, systemische Beraterin und Coach. Erststudium Theater- und Musikwissenschaft, Schwerpunkt Tanz. Vielleicht daher die Vorliebe für das Arbeiten im Raum. Nach längerer Tätigkeit im österreichischen Kulturmanagement (u.a. Aufbau des Posthofs in Linz) und der Kulturpolitik (Aufbau der Interessengemeinschaft  Freie Theaterarbeit) Umzug nach Deutschland und Umorientierung zur systemischen Beratung. Ich versuche in den Alltag meiner Beratungspraxis außer Sprache möglichst viele Elemente von Raum-Arbeit mit einfließen zu lassen.

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WIE

Der Ablauf eines Politik im Raum-Abends

- Warm werden

  • mit einander
  • mit der Methode
  • mit dem Thema

- Aufstellen

- Vergemeinschaften

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Im Detail:

Am Beginn steht eine Abfolge von Stellungnahmen im Raum. Wenn sich die Teilnehmenden nicht kennen, wird z.B. abgefragt, woher sie gerade kommen, wie weit ihr Weg zum Veranstaltungsort war. Um eine halbwegs maßstabsgerechte Positionierung vornehmen zu können, müssen die Teilnehmenden miteinander sprechen und machen sich dadurch auch miteinander bekannt.

Dann folgen Abfragen zum jeweiligen Thema, z.B. „Wer ist für, wer gegen die Einführung der Rettungsfolter?“, „Wer hält Obama für einen Populisten/für einen Hoffnungsträger?“, „Wer ist für/gegen Atomkraft?“ Die Anwesenden erwärmen sich dadurch für das jeweilige Thema, zeigen den Anderen ihren momentanen Standpunkt dazu und lernen die momentanen Standpunkte der Anderen kennen. Neulinge gewöhnen sich außerdem daran, den Raum zu nutzen und eine Position im Raum einzunehmen.

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Danach steigen wir ins jeweilige Thema ein. Wenn wir einen Gast haben, mache ich ein kurzes Interview mit ihm/ihr. Was hat Sie/dich bewogen, das Thema einzubringen? Welche Fragen beschäftigen dich/Sie dazu? Dabei braucht der Gast kein Experte für das Thema zu sein. So wurde z.B. von einer Fernseh-Redakteurin einmal das Thema „Auslandseinsätze der Bundeswehr“ eingebracht, weil sie sich zu diesem Thema eine Meinung bilden wollte.

Anschließend unterhalten sich die Anwesenden in Kleingruppen zum Thema: Was bewegt sie dazu? Welche Fragen haben sie? Im Plenum gleichen wir dann die Fragen ab und destillieren eine Frage heraus, mit der sich möglichst viele identifizieren können.

Zu dieser Frage bestimmen wir dann gemeinsam Elemente/Aspekte, um die Frage im Raum abbilden zu können. Im Fall des Themas „Ein Jahr Obama“ (vgl. Erlebnisbericht eines Teilnehmenden auf diesem Webportal) einigten wir uns z.B. auf die Frage: „Wie können wir zusammen mit dem neuen Hoffnungsträger unsere Visionen in die Wirklichkeit bringen?“ und wählten dazu folgende Elemente:

  • der neue Hoffnungsträger,
  • unsere Visionen,
  • die Hoffenden,
  • die SkeptikerInnen,
  • die Beobachtenden,
  • das Vertrauen,
  • die Wirklichkeit,
  • die Widerstände (das bestehende politische/wirtschaftliche… System).

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Freiwillige melden sich, um in die Rolle eines der Elemente zu schlüpfen. Dabei empfiehlt es sich, eine dem eigenen Standpunkt möglichst ferne oder ungeliebte Rolle zu wählen. So schlüpfte einst ein engagierter Vertreter des Netzwerk Gemeinsinns in die Rolle des Kapitals und war bass erstaunt, wie mächtig er sich fühlte und dass niemand der Anderen diese Mächtigkeit hinterfragt hatte…

Wenn die Rollen verteilt sind, beginnt die eigentliche Aufstellung: Diejenigen, die Rollen übernommen haben, suchen sich einen stimmigen Platz im Raum und lassen sich überraschen, welche veränderten Körpergefühle, Impulse, Assoziationen auftauchen. Beziehungsdynamiken entstehen, Eskalations- und Deeskalationsmuster zeigen sich.

Nach Beendigung der Aufstellung kommt es zum Prozess der Vergemeinschaftung. Alle Anwesenden, ob Rollenträger oder Beobachterinnen, bekommen Gelegenheit, ihre Wahrnehmungen, Überlegungen und Fragen den Anderen mitzuteilen. Dabei geht es nicht darum, dass am Ende alle mit einer einzigen Meinung rausgehen, sondern um das respektvolle Zuhören und sich inspirieren lassen, ähnlich wie beim Bohm’schen Dialog.

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Kontakt

Dr. Ruth Sander
Beratung & Training
Rainackerweg 42
D-80939 München
Tel. +49 89 324 55 682
Fax +49 89 324 55 683
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
http://www.politik-im-raum.org

Bilder vom 2. Münchner Methoden-Fachforum zum Thema "Ja, wir tun's!" am 03.04.2009 durch Markus Püttmann.

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Vernetzung erlebbar machen

Geschrieben von: Wolfgang Fänderl () am 11-01-2010 11:09

Vernetzung erlebbar machen

Geschrieben von: Wolfgang Fänderl am 11-01-2010 11:09

Mit einem Seminar bei Dr. Mahr in Würzburg und einer 2 1/2 jährigen Ausbildung beim IFW in München, habe ich den Ansatz von Ruth Sander 2005 zum ersten Mal kennengelernt und bin ein Fan geworden. Die Möglichkeit Politik zu spüren ist genial! 
 
Zahlreiche Artikel haben wir im Rahmen von Netzwerk Gemeinsinn online gestellt, auch wenn es nicht zur Aufgabe unseres Portals gehört, inhaltliche Ergebnisse zu transportieren.  
 
Seit Sommer 2009 hat Ruth einen eigenen Webauftritt - übersichtlich gestaltet mit einer Reihe wertvoller Hinweise und Terminen...  
 
Viel Erfolg bei den weiteren Vorhaben 2010!

 

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