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Dez 22 2009
Topodrama in der Philosophischen Praxis Drucken E-Mail
Geschrieben von Kay Hoffman & Wolfgang Fänderl   
Dienstag, 22. Dezember 2009
 

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menschen_unter_einer_kuppelb.jpgAm 25.01.2010 konnte uns die Philosophin Kay Hoffman mit dem Ansatz des Topodrama im Kontext der Philosophischen Praxis durch das Regionaltreffen des Netzwerk Gemeinsinn in München führen. Es war thematisch die Fortführung des Regionaltreffens vom Dezember2009: "Was ist Gemeinsinn und wozu ist er gut?".

WAS

Topos: Thema und Ort zugleich. Erweitert: Der Ort wird zum Feld, in dem wirkende Kräfte = „Energien" und Einflüsse wirksam werden. Das Thema oder die Themen können durch eben diese Wirkkräfte bestimmt und dramatisiert werden, z.B. indem ihnen bestimmte Rollen zugewiesen und diese durchgespielt werden.

Topodrama: Das Dramatisieren von Topoi, d.h. Themen ins Handeln bringen, indem ihnen ein Ort zugewiesen wird. Wenn der Ort bestimmt wird, kann das Thema unbestimmt bleiben und prozessorientiert sich ergeben. Es können sich neue unerwartete Phänomene zeigen und körperlich sinnlich erlebt werden. Utopien können mit Mitteln des Topodrama als Szenario und Arbeitshypothese durchgespielt werden und führen zu Ereignissen, die subjektiv erlebt werden. Diese Erlebnisse bilden die Ausgangsbasis weiterer Wunschvorstellungen, die sich zunehmend realisieren und im Zuge dessen konkretisieren.

Zu Besuch in Hypertopia: Ausgehend von den Hyperräumen der Mathematik und der Science-Fiction stelle ich mir Hypertopia als einen Ort vor, an dem Menschen zusammen kommen, um gemeinsam eine Hyper-Erfahrung zu machen. Ich sehe diesen Raum in Kugelgestalt, in dem Vergangenheit und Zukunft in einem Jetzt-Punkt zusammenfließen, ergänzt durch die Vertikalspannung einer ungewöhnlichen Intensität (Ekstase = Herausstehen aus dem Gewöhnlichen und den Gewohnheiten). Das Hypertop entsteht im Schnittpunkt von Vertikale und Horizontale, im Jetztpunkt, der sich ausdehnt und einen Raum bildet. Dort ist die gewöhnliche Zeit aufgehoben, das Raum-Zeit-Universum erweitert sich und wird multidimensional.

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In Hypertopia herrschen multidimensionale Verhältnisse, die es ermöglichen Lösungen zu finden, die in unseren Dimensionen noch nicht denkbar, geschweige denn realisierbar sind. Eine gemeinsame Exkursion nach Hypertopia ist ein Experiment, das unser gewohntes Weltbild radikal in Frage stellen und unseren Bewusstseinshorizont phänomenal erweitern kann.

In Hypertopia herrschen die Regeln der Frequenzen und der Resonanz: Information ist nicht alleine durch das Sender-Empfänger-Modell bestimmt. Neben dem Mein und Dein herrscht ebenso Wir und Ihr und Die da. Es gibt keine Ausgrenzung, keine Getrenntheit, sondern ein durchgängiges Prinzip der Verbundenheit und Teilhabe an allen Verbindungen, die existieren.

Es ereignet sich JETZT, als ein synchrones, unmittelbares Teilhaben an einem Schwingungsmuster, das spontan zu Vernetzungen führt. Ähnlich wie das Feuern der Synapsen im Gehirn neue Bahnungen schafft. Das JETZT als erweiterter Gegenwartsraum bewirkt Gemeinsinn durch synergetische Effekte, wenn der Fokus auf energetische Phänomene wie etwa den FLOW etc. gerichtet wird. In Hypertopia erleben wir uns als reine pulsierende Energie jenseits von festgelegter Form und Identität.

Lösungen erreichen uns als Eindrücke, die wir zunächst nicht einordnen können. Es sind Gefühle und Empfindungen, mehr als vereinzelte Gedanken, die sich logisch zu einer Gedankenfolge verknüpfen. Um möglichen Fehlern durch Fehlinterpretationen zu vorzukommen, wird den Besuchern auf Hypertopia geraten, sich für die Dauer ihres Aufenthaltes der Wertung zu enthalten und ES nicht festhalten zu wollen, sondern offen zu lassen.

Beim Regionaltreffen am 25.01. war die Gelegenheit gegeben, auf den Nullpunkt der eigenen Erfahrungen zu kommen und nur die Energie zu spüren, die den Raum durchdringt. Diese Energie - eine Nullpunktenergie als kleinster gemeinsamer Nenner, die alles durchdringt, ohne Spuren zu hinterlassen - konnte zu Erfahrungen verhelfen, die GEMEINSINN als „participation mystique" neu und vorbehaltlos als Ressource erleben ließ. 

Diese Ressource steht uns jederzeit zur Verfügung, wenn wir uns darauf einschwingen können, was nur über das FÜHLEN ermöglicht wird, denn das Denken trennt uns wieder. Das WUNSCHFÜHLEN als neue Lebenskunst ergänzt die alte Kunst des visionären Wunschdenkens, aus dem die Utopien entstanden sind. Ausgangsbasis und Voraussetzung dafür ist allerdings der Mut, sich auf das NULLGEFÜHL einzulassen.

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Hypertopia mit leerer Mitte, die die Null-Erfahrung im Feld einer subtilen Energie versinnbildlichen soll. Dieses Bild entspricht dem Muster buddhistischer Mandalas.

WER

Beteiligte

Die 18 Teilnehmenden kamen aus Beratung, Wirtschaftsleben, Schauspielerei, Freiwilligen-Agenturen, Architektur, Therapie und Philosophie,  waren zu einem großen Teil ganz neue Interessierte des Netzwerks Gemeinsinn und wurden häufig durch 'Zufälle' auf diesen Abend aufmerksam.

Referentin 

400_starnberg_portrait.jpgKay Hoffman, geb. 1949, Studium der Musik (Komposition), der Philosophie und Psychologie in München, der Kulturanthropologie in den USA;  Ausbildung in körpertherapeutischen Methoden und Hypnosetherapie; 1972-1980 in Italien, Kontakt zur Anti-Psychiatrie-Bewegung. Seit 1980 in München ansässig, freiberuflich tätig als Tanztherapeutin und systemischer Coach; zahlreiche Publikationen; neuerdings engagiert im Bereich des Interkulturellen Tanztheaters mit Kompositionen, Installationen, Inszenierungen und Choreografien, Events und Performances. Mehr Informationen unter www.kayhoffman.de, Kontakt: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , Tel. 089. 95 23 36

Veranstalter und Kooperationspartner

Netzwerk Gemeinsinn e.V. veranstaltet seit 2003 Regionaltreffen am letzten Montag im Monat (LeMoMo), die als kollegiale Beratung mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten angelegt sind. Das Ökologische Bildungszentrum stellte die Räume zur Verfügung. Gastgeber war Wolfgang Fänderl (www.vernetzungsberatung.de).

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WIE

Ablauf (Bericht Wolfgang Fänderl & Kay Hofmann 29.01.)

Das Regionaltreffen am Montag dem 25.01. begann seit diesem Jahr um 18:00 Uhr. Zum Mitbringbuffet, trugen auch diesmal viele bei und konnten sich in der ersten halben Stunde begrüßen und angeregt unterhalten.

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In einer Vorstellungsrunde wurde die spannende Zusammensetzung der Runde offenbar. „Was hat Euch angezogen und was erwartet Ihr an diesem Abend?“ fragte Kay Hoffman. Und hier einige der Aussagen:

  • Mir kam bei dem Einleitungstext der Gedanke eines Hauses, das wie eine Gebärmutter schützt und nährt.
  • Ich wollte das Thema „Gemeinsinn Wozu?“ vom letzten Regionaltreffen weiter reifen lassen.
  • Mich hat angesprochen, das ähnlich wie in meinen „Integralen Salons“ hier Zukunft greifbar und kollektive Intelligenz sichtbar werden wird.
  • Ich kenne Kay als Autorin meines Verlags und freue mich auf ihre Gedanken und die Entwicklung des Abends.
  • Ich fand in der Beschreibung vor allem das Kugelraum-Erlebnis und das Resonanzprinzip besonders anziehend
  • Ich wollte einfach das Netzwerk Gemeinsinn kennenlernen.
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Willkommen im Hypertop

Kay Hoffman gab dann  zunächst 60 Minuten einführende Informationen in die Philosophische Praxis, die bereits in der Einleitung kurz dargestellt wurden.

10-01-25_lemomo_topodrama_-_22.jpgAnhand einer Flipchart-Zeichnung machte sie darauf aufmerksam, dass in der Philosophischen Praxis zwischen Ja (affirmativer Konsens) und Nein (kritischer Dissens) gependelt wird. Daraus ergibt sich ein Diskurs oder im besten Fall ein Dialog, jedoch können sie nicht aus der Ebene des Vorgegebenen herausführen. In der Philosophie versuchen wir aus dem Hin und Her der Ja-Nein-Ebene zur „höheren Oktave“ der Synthese zu gelangen, die hier als Spitze eines Dreiecks dargestellt ist.

Die Basis ist die „Realität“ mit all den Gewohnheiten, die sich eingeschliffen haben. „Ethos“ sehen wir als Spezialfall, nämlich als "gute Gewohnheiten". „Daimon“ hingegen bringt in Kontakt mit inspirierenden Energien, die sich kreativ und innovativ auf das kollektive Feld auswirken können. Die "Synthese" bringt das radikal Neue in die Welt – es ist kein Kompromiss, und auch keine gewöhnliche Kooperation.

Als „Ekstase“ bezeichnet die Mystik Erlebnisse, welche solch radikalen Überwindungen der gewohnten Realität erfahren lassen. In Zusammenhang mit der Quantenphilosophie kann Ekstase auch als "Quantensprung" bezeichnet werden. Er führt nicht irgendwo an einen anderen Ort, sondern auf eine höhere Bewusstseinsebene, wobei sich hier Quantentheorie und buddhistische Philosophie begegnet. Dieses Erlebnis jedoch muss verkörpert werden, wenn es im Alltagsleben Einfluss gewinnen und so die Realität verwandeln will.

Sie erzählt das "Heureka-Erlebnis" von Archimedes, der in der Badewanne sitzend, die Eingebung für eine schwierige mathematische Aufgabe hat und anschließend hellauf begeistert nackt durch die Stadt läuft: „Heureka, ich habe es gefunden!“ Heureka-Zustände sind also Zustände, in denen die Lösung gefunden und das entsprechende Wohlgefühl als erlösende Entspannung eingetreten ist. Quantensprünge sind also nicht linear-kausal durch logische Folgerung, harte Arbeit  und Anstrengung zu erreichen, sondern eher durch das Zulassen von „Wundern“, von Diskontinuität und Entspannung im Hier und Jetzt.

Kay schlägt vor, den Heureka-Zustand als Haltung einzunehmen und so zu tun als ob er schon eingetreten wäre. 

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Quellen der Philosophischen Praxis

Kay Hoffmann begleitet mit ihrer sowohl körpertherapeutisch als auch philosophisch orientierten Methode solche Quantensprünge und nutzt sie als Zugang zu den sogenannten „Hyperräumen“. Diese sind Räume, in denen Mathematiker ihre Lösungen errechnen, die es in den realen Dimensionen nicht gibt. Auch wir können mittels von Empathie (Einfühlung) und Mimesis (Nachahmung), uns in irreale bzw. hyperreale Zustände hinein versetzen, um dort auf der Suche nach neuen Lösungen fündig zu werden.

Die Philosophische Praxis kommt aus der Tradition der Mystik und der Trance. Kay erwähnt als historische Quellen die Berichte der Theresa von Avila, die sich von Gott regelrecht entführt fühlte („raptus“), bzw. den Neuplatoniker Plotin, der ein Stufen-System entwarf, das von der gewöhnlichen Welt in die geistigeren Dimensionen führen sollte. In vielen Mythen und Märchen wird von Menschen erzählt, die in einen ungewöhnlichen Bewusstseinszustand verfallen und danach Wissen angesammelt haben, die sie ihrem Kollektiv mitteilten.

Kay kannte und schätzte die Kulturantropologin Felicitas Goodman, deren Lebenswerk darin bestand, sogenannte rituelle Haltungen, die sie sich von frühgeschichtlichen Skulpturen oder Felszeichnungen abschaute, nachstellte, um dadurch "veränderte Bewusstseinszustände“ (altered states auf consciousness = Trance) zu erlangen.

In der Quantenphilosophie (vertreten u.a. von Amrit Goswami) werden solche Zustände einer erhöhten Geistigkeit angepeilt, da sie erfreuliche Nebeneffekte der spontanen Heilung mit sich bringen (vgl. Ausführungen des Arztes Derek Chopra). Hier treffen sich Theorienbildung und Meditation um ein neues Bewusstsein zu bewirken, das sich kollektiv verankern kann. Es würde sich um einen kollektiven Quantensprung handeln, von dem man sich die Rettung der Welt erhofft.

Eine der relevanten Aussagen des Mystikers Hafiz ist in diesem Zusammenhang: „Zero is where the fun starts, everything else is to much counting“ (Der Nullpunkt ist Ausgangspunkt für Freude, alles andere zählt und belastet viel zu sehr). Die Null wird zum Symbol für eine kosmische Energie, die mit ihren Schwingungsmustern und Impulsen alles durchdringt und somit vereint – wer zur Null wird, hat, symbolisch gesprochen, sein Ego überwinden und ist ein „Nobody“.

Der mittelalterliche Philosoph und Mystiker Nikolaus von Cues fand in Gott sowohl den kleinsten als auch den größten gemeinsamen Nenner gegeben. Der kleinste Nenner ist durch die Nullpunktenergie repräsentiert, die in vielen wissenschaftlichen Experimenten tatsächlich nachgewiesen werden konnte; das Quantenvakuum ist keineswegs ein Vakuum, sondern ein Nullpunktenergiefeld, in dem eine minimale Restenergie erhalten bleibt. Der größte gemeinsame Nenner hingegen wäre eine übergeordnete Einheit und Ganzheit, die früher Gott oder das Göttliche genannt wurde. Heute gibt es neue Umschreibungen dafür, wie z.B. „die göttliche Matrix“, aus der alles kommt und in die alles wieder eingeht.

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Elemente des Topodrama

Im Topodrama gibt es verschiedene Zutaten bei der Inszenierung:

  1. Die „Als-ob-Philosophie“ nach Vaihinger. Schamanen inszenieren die Heilung, sie sind Performer. Sie tun so, als ob, und die vorgespielte Wirklichkeit wirkt sich aus, als hätte sie tatsächlich statt gefunden. Statt dem chronologischen, kausal-linearen „wenn-dann“ kommt es zu einem „so tun als ob“, in dem das Wunderbare beschworen wird (vgl. Kurzzeit-Therapie nach Steve de Shazer, und die  Wunderfrage) und als äußerst wirksame hypnotische Suggestion auf die Realität einwirkt.
  2. Entscheidend ist die Erwartungshaltung – oft auch Glauben genannt. Sie trägt dazu bei, dass sich das Positive nicht nur denken lässt, sondern tatsächlich gefühlt und empfunden und auf diese Weise herbei geführt wird. Dann wird das Gebet nicht zur Bitte, sondern zu einem Danken für etwas, was schon während des Gebets eingetreten ist.
  3. Empathie und Mimesis ermöglichen den Schritt vom Wunschdenken zum Wunschfühlen. Die Einfühlung basiert auf Gefühlen, die sich auf körperlicher Ebene als Zustände herstellen und bestimmte Motive (z.B. der Verehrung heiliger Gestalten) körperlich erfahren lassen. Nicht nur der Bewusstseinszustand, auch der körperliche Zustand verändert sich spontan, es handelt sich um „Verkörperungen“, man spricht von Inkorporationen (besonders im Kontext entsprechender Rituale und Kulte).
  4. 10-01-25_lemomo_topodrama_-_23.jpgDer neue Lösungsansatz operiert nicht in der Ebene der „Getrenntheit“, sondern geht gleich vom Zustand der „Nichtgetrenntheit“ (Sanskrit „Advaita“) aus. Unsere Realität ist zwar von einem Bewusstsein der Getrenntheit dominiert, denn nur aufgrund von Trennung können wir Abstand nehmen, Unterschiede wahrnehmen, Vergleiche anstellen, uns ein Urteil erlauben, etc. Aber wir können uns auch (z.B. in der Meditation) in den Zustand versetzen, in dem wir uns „all-eins“ und verbunden fühlen. Solche Ausnahmezustände sind zwar nicht alltäglich, aber durchaus normal und sehr menschlich. Bestes Beispiel sind überwältigende Naturerfahrungen oder das Verliebtsein.
  5. Die Überwindung des abendländischen Dualismus mit seinen Hochreligionen, Hierarchien und starken Spannungen aufgrund der Polarisierung der Gegensätze (Gut-Böse, Licht-Dunkel etc.) gelingt in den Zeiten der Globalisierung heute immer leichter, da aus dem Osten Einflüsse der Balancierung zu uns gelangen und in die Alltagspraxis einfließen durch chinesische / japanische Traditionen. So wurde in München der Auftritt des Künstlers Awai weiwei vom französischen Philosophen und Sinologen Jullien begleitet und „übersetzt“. Solche „Übersetzungen“ der fremden Lebensweisheiten in einen globalen Lifestyle können helfen, den Horizont zu erweitern und neue Formen der Integration, aber auch der Toleranz und des Friedens anzunehmen.
  6. Der transpersonale Ansatz der Dramatisierung im Topodrama ist ein weiteres Element. Letztlich spiele nicht ich, sondern „Es spielt mich“. Ich verlasse gewohnte Bahnen, lasse mich auf Entwicklung ein, begebe mich auf Expedition und Exploration. Im Rahmen der Gruppe ist es noch intensiver und ein echtes Abenteuer. Der „Hyperraum“ ist wie ein Feld, in dem man sich auf- und ausrichtet nach einer Quelle, die das Leben bereichert. In unserer Evolution waren wir einst Pflanzen, die sich sowohl nach dem Sonnenlicht als auch nach der Schwerkraft bzw. dem Nährboden ausgerichtet haben. So wird noch heute aus dem Keim die sich entwickelnde Pflanze.
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Die Topodrama-Inszenierung

Für die Umsetzung des „Topodrama“ bildeten wir einen gemeinsamen Kreis, einen äußeren Kreis der „Beobachtenden“. Je nach Entwicklung konnten wir dann in den Innenkreis der „Reisenden“ eintreten und den imaginären Hyperraum betreten. Wer sich raus halten wollte, blieb Beobachter oder ging ganz aus dem Kreis. Wer bereit war für das gemeinsame Experiment einer nicht-rationalen Lösungsfindung, näherte sich dem Innenkreis, um schließlich in „Hypertopia“ einzutreten.

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TOPODRAMA - Prozess in Fünf Schritten:

  1. Der Ort HYPERTOPIA wird im Raum markiert:  Dort soll er als multidimensionaler Hyperraum dazu einladen, gemeinsam „Lösungen zu erträumen", ohne rational zielorientiert festzulegen, was Thema ist. Die Gruppe findet sich im Kreis ein, jede und jeder visualisiert eine „Energiekugel“ als Raum zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und Zukunft. Zeitlich stehen bis zu 20 Minuten zur Verfügung; in unserem Fall waren 7 Minuten angekündigt.
  2. Die Gruppe begibt sich auf eine Reise: Eine leichte Trance wird durch gemeinsames Atmen und Schunkeln induziert. Es fühlt sich an, wie das Argumentieren eines Für und Wider, bei dem innerlich alles zerredet wird. Heidegger bezeichnet dies als „Palaver der Welt“. Der Einzelne geht in sich, spürt nach, welche Themen sich in ihm abzeichnen und enthält sich voreiliger Schlüsse. Dabei kann er sich dem Innenkreis je nach Bedarf nähern. 
  3. Der Heureka-Effekt tritt ein: Im Laufe der Entwicklung entsteht aus dem argumentierenden Schaukeln an einem selbstbestimmten Punkt eine sich öffnende, leicht nach oben gerichtete und sich entspannende Haltung. Es ist ein Wundern, ein Innehalten (freeze) und im Idealfall kommt es dabei zum Heureka-Effekt, der durch den Wechsel der Körperhaltung unterstützt wird. Tritt der Effekt noch nicht ein, kann man sich weiter auf die Reise begeben.
  4. Zurück in den Alltag: Nach Beendigung des Aufenthalts in Hypertopia kommt eine  Übergangsphase, in der sich die Teilnehmer „neutralisieren" um wieder ins gewohnte Gleichgewicht zu kommen. Die Gruppe der Reisenden geht wieder in den Kreis der  Beobachter zurück und berichten zwanglos, spontan und assoziativ von ihren Erlebnissen. Der Fokus liegt auf gefühlten Erlebnissen!
  5. Reiseberichte austauschen: Es folgt eine Zusammenfassung der Erlebnisse während der Reise (einschließlich der Zeugenaussagen der Beobachter) und eine erste Auswertung, wie die erhaltenen Botschaften im Alltag genutzt werden können. 
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Methodische Nachfragen

Frage: Wodurch kann in Phase 1 ein gemeinsamer Fokus in der Gruppe gefunden werden? Ich erlebte es als Überforderung. Eine offene gemeinsame Fragestellung hätte geholfen den Hyperraum der Gruppe zu stabilisieren; z.B. das angekündigte "Wozu Gemeinsinn?"

Kay: An dem Abend leitete ich mit einer starken Suggestion die „Tranceinduktion“ ein. Zugegebenermaßen versteckte ich sie geradezu in einem Nebensatz und führte sie kaum aus, als sei sie nebensächlich – auch das ein Trick aus der Trickkiste der Zauberer. Ich erzählte von einer Visualisierung im Yoga, so als ob es allgemein bekannt sein, dass die Vorstellung von einströmendem Licht, das sich unter der Schädeldecke ausbreitet, instinktiv und prompt den Körper sich auf- und ausrichten lässt, ähnlich einem Keim unter der Erde, der sich durch die Dunkelheit der ihn umgebenden Erde nach oben ans Licht wachsen will.

Durch das Zusammenkommen der Gruppe in einer erhöhten Bereitschaft, sich auf ungewöhnliches(Wunder) einzulassen, entsteht ein Kraftfeld, das auch die Unbeteiligten involviert und stark suggestiv wirkt. Die Erwartungshaltung springt über wie ein Funke. Die Lösung „emergiert“ aus diesem aktivierten Feld (Matrix).

Die Frage „Wozu Gemeinsinn“ lag in der Luft. Ich denke da sind auch noch einige Eingebungen unterwegs. Manchmal braucht der direkte Draht zur Wahrheit ein wenig länger, sich hindurch zu finden und uns zu erreichen. Die gemeinsame Fragestellung hätte als konkrete Vorgabe / Aufgabe zu einer einengenden Fokussierung geführt und nicht den energetischen Effekt - zu dem das befreiende Lachen einer Teilnehmerin zum Abschluss gehörte - ermöglicht.

Frage: Welche Technik verwendest du beim Abschluss? Ich habe das nicht mitbekommen. Das Lachen hatte in diesem Fall von sich aus einen Schlusspunkt gesetzt.

Kay: Das Neutralisieren als Beenden des energetischen Ausnahmezustands und als Überleitung zur gewohnten Realität ist Teil aller Rituale und Kulte. Hier wurde es durch das Lachen abgenommen: es signalisierte unwillkürlich, dass es mit dem Ernst vorbei sei. Jede weitere Anleitung wäre zuviel gewesen und mir irgendwie doof vorgekommen. So war es kurz und bündig, wie Überraschungen eben sind.

Techniken der Neutralisierung sind z.B. das Klatschen nach einer Vorstellung, der Ortswechsel, das Verlassen des rituellen Raumes, Essen und Trinken „erdet“, Gespräche integrieren persönliche Erlebnisse, auch Zweifel und Anstrengungen...

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Auswertung

In Tradition der Dialog-Runde vom vorherigen Regionaltreffen - mit einem „imaginären Sprechstein“ als Objekt zum Weitergeben und in den Händen halten - wurden folgende Rückmeldungen zum Vortrag und der gemeinsamen Übung gegeben:

  • Ich mag es gern, wenn das Leben ein Geheimnis bleibt
  • Ich fand es anstrengend
  • Ich konnte das Arbeiten in Räumen mit dem „Dazwischen“ besser verstehen
  • Mir haben die Bilder bei der Übung sehr gefallen
  • Mich hat der Vortrag mit den Hinweisen auf die Quantenphysik positiv überrascht und die Kombination mit der Körperarbeit, die mir relativ kurzweilig vorkam
  • Ich fühle mich gerade sehr wohl und mag gar nicht so viel nachdenken was ich sagen soll
  • Ich habe meine Frage in Bezug auf Gemeinsinn nur schwer finden können.
  • Ich konnte mit diesen Erfahrungen Theorie und Praxis gut verbinden. Herzlichen Dank!
  • Meine Ahnung wurde zur Gewissheit: Hyperräume sind vorhanden!
  • Die Vorstellungsrunde hat mich beeindruckt. Es war ein toller Hyperraum.
  • Wie mache ich diese Erkenntnis nun im Alltag mit anderen praktikabel? So tun als ob sie den Hyperraum schon mitbringen?
  • Mich hat es erinnert, dass ich an meiner Sensibilisierung noch arbeiten muss.
  • Ich bedanke mich bei Kay und der Gruppe. Es war ein tolles Erlebnis... meine Hände haben gekribbelt.
  • Ich habe aus dem Vortrag viel mitgenommen. Im praktischen Teil habe ich noch nicht viel mitnehmen können.
  • Das Angestoßene werde ich in meinen Alltag mitnehmen. Es braucht wohl auch Zeit um es für sich nutzbar zu machen.

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Zum Abschluss wies ein Teilnehmer noch darauf hin, dass er gerne die Adressen der Teilnehmenden hätte, um sie gezielt ansprechen zu können. Eine Liste wurde herumgegeben und jeder sollte zum Abschluss noch mal ein Stichwort sagen, das man dann mit ihm verbinden konnte.

Als weitere Idee für ein Treffen wurde der „Open Satsang“ angekündigt. Ein Stuhl symbolisiert die Weisheit in der Gruppe und jeder der sich auf den Stuhl des „Meisters“ setzt kann dann – getragen von der Gruppe – weise auf anstehende Fragen reagieren.

Gegen 21:15 Uhr endete das Regionaltreffen und mit mehreren kleinen Nachgesprächen löste sich schließlich der Kreis auf.

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