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Am 25.01.2010 konnte uns die Philosophin Kay Hoffman mit dem Ansatz des Topodrama im Kontext der Philosophischen Praxis durch das Regionaltreffen des Netzwerk Gemeinsinn in München führen. Es war thematisch die Fortführung des Regionaltreffens vom Dezember2009: "Was ist Gemeinsinn und wozu ist er gut?".
WAS
Topos:
Thema und Ort zugleich.
Erweitert: Der Ort wird zum Feld, in dem wirkende Kräfte = „Energien" und
Einflüsse wirksam werden. Das Thema oder die Themen können durch eben diese
Wirkkräfte bestimmt und dramatisiert werden, z.B. indem ihnen bestimmte Rollen
zugewiesen und diese durchgespielt werden.
Topodrama: Das Dramatisieren von Topoi, d.h. Themen ins Handeln bringen,
indem ihnen ein Ort zugewiesen wird. Wenn der Ort bestimmt wird, kann das
Thema unbestimmt bleiben und prozessorientiert sich ergeben. Es können sich
neue unerwartete Phänomene zeigen und körperlich sinnlich erlebt werden. Utopien können mit Mitteln des Topodrama als Szenario und Arbeitshypothese
durchgespielt werden und führen zu Ereignissen, die subjektiv erlebt werden.
Diese Erlebnisse bilden die Ausgangsbasis weiterer Wunschvorstellungen, die
sich zunehmend realisieren und im Zuge dessen konkretisieren.
Zu Besuch in
Hypertopia: Ausgehend
von den Hyperräumen der Mathematik und der Science-Fiction stelle ich mir
Hypertopia als einen Ort vor, an dem Menschen zusammen kommen, um gemeinsam
eine Hyper-Erfahrung zu machen. Ich sehe diesen Raum in Kugelgestalt, in dem
Vergangenheit und Zukunft in einem Jetzt-Punkt zusammenfließen, ergänzt durch
die Vertikalspannung einer ungewöhnlichen Intensität (Ekstase = Herausstehen aus
dem Gewöhnlichen und den
Gewohnheiten). Das Hypertop entsteht im Schnittpunkt von Vertikale und
Horizontale, im Jetztpunkt, der sich ausdehnt und einen Raum bildet. Dort ist
die gewöhnliche Zeit aufgehoben, das Raum-Zeit-Universum erweitert sich und
wird multidimensional.
In Hypertopia herrschen multidimensionale Verhältnisse,
die es ermöglichen Lösungen zu finden, die in unseren Dimensionen noch nicht
denkbar, geschweige denn realisierbar sind. Eine gemeinsame Exkursion nach
Hypertopia ist ein Experiment, das unser gewohntes Weltbild radikal in Frage
stellen und unseren Bewusstseinshorizont phänomenal erweitern kann.
In Hypertopia herrschen die Regeln der Frequenzen und der
Resonanz: Information ist nicht alleine durch das Sender-Empfänger-Modell
bestimmt. Neben dem Mein und Dein
herrscht ebenso Wir und Ihr und Die da. Es gibt keine Ausgrenzung, keine
Getrenntheit, sondern ein durchgängiges Prinzip der Verbundenheit und Teilhabe
an allen Verbindungen, die existieren.
Es ereignet sich JETZT, als ein synchrones, unmittelbares
Teilhaben an einem Schwingungsmuster, das spontan zu Vernetzungen führt. Ähnlich
wie das Feuern der Synapsen im Gehirn neue Bahnungen schafft. Das JETZT als erweiterter Gegenwartsraum bewirkt Gemeinsinn durch synergetische Effekte, wenn der Fokus auf energetische
Phänomene wie etwa den FLOW etc. gerichtet wird. In Hypertopia erleben wir uns als reine pulsierende
Energie jenseits von festgelegter Form und Identität.
Lösungen erreichen uns als Eindrücke, die wir zunächst
nicht einordnen können. Es sind Gefühle und Empfindungen, mehr als vereinzelte
Gedanken, die sich logisch zu einer Gedankenfolge verknüpfen. Um möglichen Fehlern durch Fehlinterpretationen zu
vorzukommen, wird den Besuchern auf Hypertopia geraten, sich für die Dauer
ihres Aufenthaltes der Wertung zu enthalten und ES nicht festhalten zu wollen,
sondern offen zu lassen.
Beim Regionaltreffen am 25.01. war die Gelegenheit gegeben, auf den Nullpunkt
der eigenen Erfahrungen zu kommen und nur die Energie zu spüren, die den Raum
durchdringt. Diese Energie - eine Nullpunktenergie als kleinster gemeinsamer
Nenner, die alles durchdringt, ohne Spuren zu hinterlassen - konnte zu Erfahrungen verhelfen, die GEMEINSINN als „participation mystique" neu
und vorbehaltlos als Ressource erleben ließ.
Diese Ressource steht uns jederzeit zur Verfügung, wenn wir uns darauf einschwingen können, was
nur über das FÜHLEN ermöglicht wird, denn das Denken trennt uns wieder. Das
WUNSCHFÜHLEN als neue Lebenskunst ergänzt die alte Kunst des visionären
Wunschdenkens, aus dem die Utopien entstanden sind. Ausgangsbasis und Voraussetzung dafür ist allerdings der
Mut, sich auf das NULLGEFÜHL einzulassen.
Hypertopia mit leerer Mitte, die die Null-Erfahrung im
Feld einer subtilen Energie versinnbildlichen soll. Dieses Bild entspricht dem
Muster buddhistischer Mandalas.
WER
Beteiligte
Die 18 Teilnehmenden kamen aus Beratung, Wirtschaftsleben, Schauspielerei, Freiwilligen-Agenturen, Architektur, Therapie und Philosophie, waren zu einem großen Teil ganz neue Interessierte des Netzwerks Gemeinsinn und wurden häufig durch 'Zufälle' auf diesen Abend aufmerksam.
Referentin
Kay Hoffman, geb. 1949, Studium der Musik (Komposition), der Philosophie
und Psychologie in München, der Kulturanthropologie in den USA; Ausbildung in körpertherapeutischen
Methoden und Hypnosetherapie; 1972-1980 in Italien, Kontakt zur
Anti-Psychiatrie-Bewegung. Seit 1980 in München ansässig, freiberuflich tätig als Tanztherapeutin und systemischer
Coach; zahlreiche Publikationen;
neuerdings engagiert im Bereich des Interkulturellen Tanztheaters mit
Kompositionen, Installationen, Inszenierungen und Choreografien, Events und
Performances. Mehr Informationen unter www.kayhoffman.de,
Kontakt:
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, Tel. 089.
95 23 36
Veranstalter und Kooperationspartner
Netzwerk
Gemeinsinn e.V. veranstaltet seit 2003 Regionaltreffen am letzten
Montag im Monat (LeMoMo), die als kollegiale Beratung mit unterschiedlichen
inhaltlichen Schwerpunkten angelegt sind. Das Ökologische
Bildungszentrum stellte die Räume zur Verfügung. Gastgeber war Wolfgang Fänderl (www.vernetzungsberatung.de).
WIE
Ablauf (Bericht Wolfgang Fänderl & Kay Hofmann 29.01.)
Das Regionaltreffen am Montag dem 25.01. begann seit diesem
Jahr um 18:00 Uhr. Zum Mitbringbuffet, trugen auch diesmal viele bei und
konnten sich in der ersten halben Stunde begrüßen und angeregt unterhalten.
In einer Vorstellungsrunde wurde die spannende Zusammensetzung
der Runde offenbar. „Was hat Euch angezogen und was erwartet Ihr an diesem
Abend?“ fragte Kay Hoffman. Und hier einige der Aussagen:
- Mir kam bei dem Einleitungstext der Gedanke eines Hauses,
das wie eine Gebärmutter schützt und nährt.
- Ich wollte das Thema „Gemeinsinn Wozu?“ vom letzten
Regionaltreffen weiter reifen lassen.
- Mich hat angesprochen, das ähnlich wie in meinen „Integralen
Salons“ hier Zukunft greifbar und kollektive Intelligenz sichtbar werden wird.
- Ich kenne Kay als Autorin meines Verlags und freue mich auf
ihre Gedanken und die Entwicklung des Abends.
- Ich fand in der Beschreibung vor allem das
Kugelraum-Erlebnis und das Resonanzprinzip besonders anziehend
- Ich wollte einfach das Netzwerk Gemeinsinn kennenlernen.
Willkommen im
Hypertop
Kay Hoffman gab dann
zunächst 60 Minuten einführende Informationen in die Philosophische
Praxis, die bereits in der Einleitung kurz dargestellt wurden.
Anhand einer Flipchart-Zeichnung machte sie darauf
aufmerksam, dass in der Philosophischen Praxis zwischen Ja (affirmativer
Konsens) und Nein (kritischer Dissens) gependelt wird. Daraus ergibt sich ein Diskurs
oder im besten Fall ein Dialog, jedoch können sie nicht aus der Ebene
des Vorgegebenen herausführen. In der Philosophie versuchen wir aus dem Hin und Her
der Ja-Nein-Ebene zur „höheren Oktave“ der Synthese zu gelangen, die hier als Spitze
eines Dreiecks dargestellt ist.
Die Basis ist die „Realität“ mit all den Gewohnheiten, die
sich eingeschliffen haben. „Ethos“ sehen wir als Spezialfall, nämlich als "gute Gewohnheiten". „Daimon“
hingegen bringt in Kontakt mit inspirierenden Energien, die sich kreativ und
innovativ auf das kollektive Feld auswirken können. Die "Synthese" bringt das radikal Neue in die Welt – es ist
kein Kompromiss, und auch keine gewöhnliche Kooperation.
Als „Ekstase“ bezeichnet die Mystik Erlebnisse, welche solch radikalen Überwindungen der gewohnten Realität erfahren
lassen. In Zusammenhang mit der Quantenphilosophie kann Ekstase auch als
"Quantensprung" bezeichnet werden. Er führt nicht irgendwo an einen anderen Ort, sondern auf eine
höhere Bewusstseinsebene, wobei sich hier Quantentheorie und buddhistische
Philosophie begegnet. Dieses Erlebnis jedoch muss verkörpert werden, wenn es im Alltagsleben Einfluss gewinnen und so die Realität verwandeln will.
Sie erzählt das
"Heureka-Erlebnis" von Archimedes, der in der Badewanne sitzend, die Eingebung
für eine schwierige mathematische Aufgabe hat und anschließend hellauf
begeistert nackt durch die Stadt läuft: „Heureka, ich habe es gefunden!“
Heureka-Zustände sind also Zustände, in denen die Lösung gefunden und das
entsprechende Wohlgefühl als erlösende Entspannung eingetreten ist. Quantensprünge sind also nicht
linear-kausal durch logische Folgerung, harte Arbeit und Anstrengung zu erreichen, sondern eher durch das
Zulassen von „Wundern“, von Diskontinuität und Entspannung im Hier und Jetzt.
Kay schlägt vor, den Heureka-Zustand als Haltung einzunehmen und so zu tun als
ob er schon eingetreten wäre.
Quellen der Philosophischen Praxis
Kay Hoffmann begleitet mit ihrer sowohl körpertherapeutisch
als auch philosophisch orientierten Methode solche Quantensprünge und nutzt sie
als Zugang zu den sogenannten „Hyperräumen“. Diese sind Räume, in denen
Mathematiker ihre Lösungen errechnen, die es in den realen Dimensionen nicht
gibt. Auch wir können mittels von Empathie (Einfühlung) und Mimesis
(Nachahmung), uns in irreale bzw. hyperreale Zustände hinein versetzen, um
dort auf der Suche nach neuen Lösungen fündig zu werden.
Die Philosophische Praxis kommt aus der Tradition der Mystik und der Trance. Kay erwähnt als historische Quellen die Berichte der Theresa von Avila, die sich von Gott
regelrecht entführt fühlte („raptus“), bzw. den Neuplatoniker Plotin, der ein Stufen-System entwarf, das von der
gewöhnlichen Welt in die geistigeren Dimensionen führen sollte. In vielen Mythen und Märchen wird von Menschen erzählt, die
in einen ungewöhnlichen Bewusstseinszustand verfallen und danach Wissen
angesammelt haben, die sie ihrem Kollektiv mitteilten.
Kay kannte und schätzte
die Kulturantropologin Felicitas Goodman, deren Lebenswerk darin bestand,
sogenannte rituelle Haltungen, die sie sich von frühgeschichtlichen Skulpturen
oder Felszeichnungen abschaute, nachstellte, um dadurch "veränderte
Bewusstseinszustände“ (altered states auf consciousness = Trance) zu erlangen.
In der Quantenphilosophie (vertreten u.a. von Amrit Goswami) werden solche
Zustände einer erhöhten Geistigkeit angepeilt, da sie erfreuliche Nebeneffekte
der spontanen Heilung mit sich
bringen (vgl. Ausführungen des Arztes Derek Chopra). Hier treffen sich Theorienbildung und Meditation um ein neues
Bewusstsein zu bewirken, das sich kollektiv verankern kann. Es würde sich um einen kollektiven
Quantensprung handeln, von dem man sich die Rettung der Welt erhofft.
Eine der relevanten Aussagen des Mystikers Hafiz ist in
diesem Zusammenhang: „Zero is where the fun starts, everything else is to much
counting“ (Der Nullpunkt ist Ausgangspunkt für Freude, alles andere zählt und
belastet viel zu sehr). Die Null wird zum Symbol für eine kosmische Energie, die mit
ihren Schwingungsmustern und Impulsen alles durchdringt und somit vereint – wer
zur Null wird, hat, symbolisch gesprochen, sein Ego überwinden und ist ein
„Nobody“.
Der mittelalterliche Philosoph und Mystiker Nikolaus von Cues fand in
Gott sowohl den kleinsten als auch den größten gemeinsamen Nenner gegeben. Der
kleinste Nenner ist durch die Nullpunktenergie repräsentiert, die in vielen
wissenschaftlichen Experimenten tatsächlich nachgewiesen werden konnte; das Quantenvakuum ist keineswegs ein
Vakuum, sondern ein Nullpunktenergiefeld, in dem eine minimale Restenergie
erhalten bleibt. Der größte gemeinsame Nenner hingegen wäre eine übergeordnete
Einheit und Ganzheit, die früher Gott oder das Göttliche genannt wurde. Heute
gibt es neue Umschreibungen dafür, wie z.B. „die göttliche Matrix“, aus der alles
kommt und in die alles wieder eingeht.
Elemente des Topodrama
Im Topodrama gibt es
verschiedene Zutaten bei der Inszenierung:
- Die
„Als-ob-Philosophie“ nach Vaihinger. Schamanen inszenieren die Heilung, sie sind
Performer. Sie tun so, als ob, und die vorgespielte Wirklichkeit wirkt sich aus,
als hätte sie tatsächlich statt gefunden. Statt dem chronologischen,
kausal-linearen „wenn-dann“ kommt es zu einem „so tun als ob“, in dem das
Wunderbare beschworen wird (vgl. Kurzzeit-Therapie nach Steve de Shazer, und
die Wunderfrage) und als äußerst
wirksame hypnotische Suggestion auf die Realität einwirkt.
- Entscheidend
ist die Erwartungshaltung – oft auch Glauben genannt. Sie trägt dazu bei, dass
sich das Positive nicht nur denken lässt, sondern tatsächlich gefühlt und
empfunden und auf diese Weise herbei geführt wird. Dann wird das Gebet nicht zur Bitte, sondern zu einem Danken
für etwas, was schon während des Gebets eingetreten ist.
- Empathie
und Mimesis ermöglichen den Schritt vom Wunschdenken zum Wunschfühlen. Die
Einfühlung basiert auf Gefühlen, die sich auf körperlicher Ebene als Zustände
herstellen und bestimmte Motive (z.B. der Verehrung heiliger Gestalten)
körperlich erfahren lassen. Nicht nur der Bewusstseinszustand, auch der
körperliche Zustand verändert sich spontan, es handelt sich um
„Verkörperungen“, man spricht von Inkorporationen (besonders im Kontext
entsprechender Rituale und Kulte).
Der neue Lösungsansatz operiert nicht in
der Ebene der „Getrenntheit“, sondern geht gleich vom Zustand der
„Nichtgetrenntheit“ (Sanskrit „Advaita“) aus. Unsere Realität ist zwar von
einem Bewusstsein der Getrenntheit dominiert, denn nur aufgrund von Trennung
können wir Abstand nehmen, Unterschiede wahrnehmen, Vergleiche anstellen, uns
ein Urteil erlauben, etc. Aber wir können uns auch (z.B. in der Meditation) in den
Zustand versetzen, in dem wir uns „all-eins“ und verbunden fühlen. Solche
Ausnahmezustände sind zwar nicht alltäglich, aber durchaus normal und sehr
menschlich. Bestes Beispiel sind überwältigende Naturerfahrungen oder das
Verliebtsein.
- Die
Überwindung des abendländischen Dualismus mit seinen Hochreligionen,
Hierarchien und starken Spannungen aufgrund der Polarisierung der Gegensätze
(Gut-Böse, Licht-Dunkel etc.) gelingt in den Zeiten der Globalisierung heute
immer leichter, da aus dem Osten Einflüsse der Balancierung zu uns gelangen und
in die Alltagspraxis einfließen durch chinesische / japanische Traditionen. So wurde in München der Auftritt des
Künstlers Awai weiwei vom französischen Philosophen und Sinologen Jullien
begleitet und „übersetzt“. Solche „Übersetzungen“ der fremden Lebensweisheiten in einen globalen
Lifestyle können helfen, den Horizont zu erweitern und neue Formen der
Integration, aber auch der Toleranz und des Friedens anzunehmen.
- Der
transpersonale Ansatz der Dramatisierung im Topodrama ist ein weiteres Element. Letztlich spiele nicht
ich, sondern „Es spielt mich“. Ich verlasse gewohnte Bahnen, lasse mich auf
Entwicklung ein, begebe mich auf Expedition und Exploration. Im Rahmen der
Gruppe ist es noch intensiver und ein echtes Abenteuer. Der „Hyperraum“ ist wie ein Feld, in
dem man sich auf- und ausrichtet nach einer Quelle, die das Leben bereichert.
In unserer Evolution waren wir einst Pflanzen, die sich sowohl nach dem
Sonnenlicht als auch nach der Schwerkraft bzw. dem Nährboden ausgerichtet
haben. So wird noch heute aus dem Keim die sich entwickelnde Pflanze.
Die Topodrama-Inszenierung
Für die Umsetzung des „Topodrama“
bildeten wir einen gemeinsamen Kreis, einen äußeren Kreis der „Beobachtenden“. Je nach Entwicklung konnten wir dann in
den Innenkreis der „Reisenden“ eintreten und den imaginären Hyperraum betreten.
Wer sich raus halten wollte, blieb Beobachter oder ging ganz aus dem Kreis. Wer
bereit war für das gemeinsame Experiment einer nicht-rationalen Lösungsfindung,
näherte sich dem Innenkreis, um schließlich in „Hypertopia“ einzutreten.
TOPODRAMA - Prozess
in Fünf Schritten:
- Der Ort HYPERTOPIA wird im Raum
markiert: Dort soll er als multidimensionaler Hyperraum dazu
einladen, gemeinsam „Lösungen zu erträumen", ohne rational
zielorientiert festzulegen, was Thema ist. Die Gruppe
findet sich im Kreis ein, jede und jeder visualisiert eine „Energiekugel“
als Raum zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und
Zukunft. Zeitlich stehen bis zu 20 Minuten zur Verfügung; in unserem
Fall waren 7 Minuten angekündigt.
- Die Gruppe begibt sich auf eine Reise:
Eine leichte Trance wird durch gemeinsames Atmen und Schunkeln induziert.
Es fühlt sich an, wie das Argumentieren eines Für und Wider, bei dem
innerlich alles zerredet wird. Heidegger bezeichnet dies als „Palaver der
Welt“. Der Einzelne geht in sich, spürt nach, welche Themen sich in ihm
abzeichnen und enthält sich voreiliger Schlüsse. Dabei kann er sich dem
Innenkreis je nach Bedarf nähern.
- Der Heureka-Effekt tritt ein: Im
Laufe der Entwicklung entsteht aus dem argumentierenden Schaukeln an einem
selbstbestimmten Punkt eine sich öffnende, leicht nach oben gerichtete und
sich entspannende Haltung. Es ist ein Wundern, ein Innehalten (freeze) und
im Idealfall kommt es dabei zum Heureka-Effekt, der durch den Wechsel der
Körperhaltung unterstützt wird. Tritt der Effekt noch nicht ein, kann man
sich weiter auf die Reise begeben.
- Zurück in den Alltag: Nach
Beendigung des Aufenthalts in Hypertopia kommt eine Übergangsphase,
in der sich die Teilnehmer „neutralisieren" um wieder ins gewohnte Gleichgewicht zu
kommen. Die Gruppe der Reisenden geht wieder in den Kreis der
Beobachter zurück und berichten zwanglos, spontan und assoziativ von ihren
Erlebnissen. Der Fokus liegt auf gefühlten Erlebnissen!
- Reiseberichte austauschen: Es folgt
eine Zusammenfassung der Erlebnisse während der Reise (einschließlich der
Zeugenaussagen der Beobachter) und eine erste Auswertung, wie die
erhaltenen Botschaften im Alltag genutzt werden können.
Methodische Nachfragen
Frage: Wodurch kann in Phase 1 ein gemeinsamer Fokus in der Gruppe
gefunden werden? Ich erlebte es als Überforderung. Eine offene gemeinsame
Fragestellung hätte geholfen den Hyperraum der Gruppe zu stabilisieren; z.B.
das angekündigte "Wozu Gemeinsinn?"
Kay: An dem Abend leitete ich mit einer starken Suggestion die „Tranceinduktion“ ein. Zugegebenermaßen versteckte ich sie geradezu in einem Nebensatz und führte sie kaum aus, als sei sie nebensächlich – auch das ein Trick aus der Trickkiste der Zauberer. Ich erzählte von einer Visualisierung im Yoga, so als ob es allgemein bekannt sein, dass die Vorstellung von einströmendem Licht, das sich unter der Schädeldecke ausbreitet, instinktiv und prompt den Körper sich auf- und ausrichten lässt, ähnlich einem Keim unter der Erde, der sich durch die Dunkelheit der ihn umgebenden Erde nach oben ans Licht wachsen will.
Durch das Zusammenkommen der Gruppe in einer erhöhten Bereitschaft,
sich auf ungewöhnliches(Wunder) einzulassen, entsteht ein Kraftfeld, das auch
die Unbeteiligten involviert und stark suggestiv wirkt. Die Erwartungshaltung springt über wie ein
Funke. Die Lösung „emergiert“ aus diesem aktivierten Feld (Matrix).
Die Frage
„Wozu Gemeinsinn“ lag in der Luft. Ich denke da sind auch noch einige
Eingebungen unterwegs. Manchmal braucht der direkte Draht zur Wahrheit ein
wenig länger, sich hindurch zu finden und uns zu erreichen. Die gemeinsame
Fragestellung hätte als konkrete Vorgabe / Aufgabe zu einer einengenden
Fokussierung geführt und nicht den energetischen Effekt - zu dem das befreiende Lachen einer Teilnehmerin zum Abschluss
gehörte - ermöglicht.
Frage: Welche Technik verwendest du beim Abschluss? Ich habe das nicht mitbekommen. Das
Lachen hatte in diesem Fall von sich aus einen Schlusspunkt gesetzt.
Kay: Das Neutralisieren als Beenden des energetischen
Ausnahmezustands und als Überleitung zur gewohnten Realität ist Teil aller
Rituale und Kulte. Hier wurde es durch das Lachen abgenommen: es
signalisierte unwillkürlich, dass es mit dem Ernst vorbei sei. Jede weitere
Anleitung wäre zuviel gewesen und mir irgendwie doof vorgekommen. So war es
kurz und bündig, wie Überraschungen eben sind.
Techniken der Neutralisierung sind z.B. das Klatschen nach einer
Vorstellung, der Ortswechsel, das Verlassen des rituellen Raumes, Essen und
Trinken „erdet“, Gespräche integrieren persönliche Erlebnisse, auch Zweifel und
Anstrengungen...
Auswertung
In Tradition der Dialog-Runde vom vorherigen Regionaltreffen
- mit einem „imaginären Sprechstein“ als Objekt zum Weitergeben und in den Händen
halten - wurden folgende Rückmeldungen zum Vortrag und der gemeinsamen Übung
gegeben:
-
Ich mag es gern, wenn das Leben ein Geheimnis bleibt
-
Ich fand es anstrengend
-
Ich konnte das Arbeiten in Räumen mit dem „Dazwischen“
besser verstehen
-
Mir haben die Bilder bei der Übung sehr gefallen
-
Mich hat der Vortrag mit den Hinweisen auf die Quantenphysik
positiv überrascht und die Kombination mit der Körperarbeit, die mir relativ
kurzweilig vorkam
-
Ich fühle mich gerade sehr wohl und mag gar nicht so viel
nachdenken was ich sagen soll
-
Ich habe meine Frage in Bezug auf Gemeinsinn nur schwer
finden können.
-
Ich konnte mit diesen Erfahrungen Theorie und Praxis gut
verbinden. Herzlichen Dank!
-
Meine Ahnung wurde zur Gewissheit: Hyperräume sind
vorhanden!
-
Die Vorstellungsrunde hat mich beeindruckt. Es war ein
toller Hyperraum.
-
Wie mache ich diese Erkenntnis nun im Alltag mit anderen
praktikabel? So tun als ob sie den Hyperraum schon mitbringen?
-
Mich hat es erinnert, dass ich an meiner Sensibilisierung
noch arbeiten muss.
-
Ich bedanke mich bei Kay und der Gruppe. Es war ein tolles
Erlebnis... meine Hände haben gekribbelt.
-
Ich habe aus dem Vortrag viel mitgenommen. Im praktischen
Teil habe ich noch nicht viel mitnehmen können.
-
Das Angestoßene werde ich in meinen Alltag mitnehmen. Es
braucht wohl auch Zeit um es für sich nutzbar zu machen.
Zum Abschluss wies ein Teilnehmer noch darauf hin, dass er
gerne die Adressen der Teilnehmenden hätte, um sie gezielt ansprechen zu
können. Eine Liste wurde herumgegeben und jeder sollte zum Abschluss noch mal
ein Stichwort sagen, das man dann mit ihm verbinden konnte.
Als weitere Idee für ein Treffen wurde der „Open Satsang“
angekündigt. Ein Stuhl symbolisiert die Weisheit in der Gruppe und jeder der
sich auf den Stuhl des „Meisters“ setzt kann dann – getragen von der Gruppe –
weise auf anstehende Fragen reagieren.
Gegen 21:15 Uhr endete das Regionaltreffen und mit mehreren
kleinen Nachgesprächen löste sich schließlich der Kreis auf.
KONTAKT
Wolfgang Fänderl
Netzwerk Gemeinsinn e.V.
Tel.: 089 / 95422911
Mail:
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