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„Bäcker sind für Brötchen da und Künstler für Bilder" verkürzt der in St. Johann-Gächingen arbeitende Medienkünstler die hohe Komplexität künstlerischen Schaffens und deren gesellschaftliche Relevanz und Verantwortung. Er selbst ist beharrlich auf der Suche nach immer wieder neuen Bildern zur Darstellung der Gleichzeitigkeit von Individuum und Kollektiv und entwickelt diese auch in vielen Teilen der Welt, wie z.B. hier in Asien.
WAS & WIE
Der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle lebt und arbeitet in St. Johann-Gächingen auf der Schwäbischen Alb. Das Ausgangsmaterial für die meisten seiner Arbeiten sind Menschen wie du und ich. Seine Kommunikationsfähigkeit setzt er ein, um Menschen zu gewinnen, Teil seiner Arbeiten zu werden. In dieser Beziehung ist er unermüdlich, alleine im Jahr 2009 wird er in 10 verschiedenen Projekten mit tausenden von Menschen zu tun haben.
Verschiedene Möglichkeiten, Arbeiten zu realisieren, zu welchen Menschen in einem automatisierten Prozess Teil der Arbeit werden, lehnte er ab, da ihm die persönliche Kommunikation mit jeder einzelnen Person wichtig ist. Dafür reist er gar um die halbe Welt.
Die Techniken, die er einsetzt, um zu seinen Bildaussagen zu gelangen sind Fotografie, Video und Computertechnologie. Es gibt jedoch keine einzige Ausstellung von Wolf Nkole Helzle, in welcher er ausschließlich reine Fotografien oder reine Videos zeigt. Immer geht es ihm darum, aus dem Ausgangsmaterial neue Kompositionen, neue Bilder herzustellen, wie beispielsweise das multiple Porträt im der Donzdorfer Ausstellung.
Seine Inhalte beziehen sich weitgehend auf das Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv, die er in immer wieder neuen Performances, Bildern und interaktiven Installationen zu fassen sucht. In dieser Ausstellung sehen wir 100 Einzelporträts und das multiple Porträt, in welches alle 100 Einzelnen zu gleichen Teilen eingeflossen sind. Wie hier also zu sehen ist, geht es Helzle immer wieder um die Darstellung der Gleichwertigkeit von individuellem und kollektivem, da es nach seiner Ansicht weder das eine noch das andere alleine geben würde.
Helzle´s Publikum sind wiederum Menschen wie du und ich. Die Betrachter seiner Arbeiten haben die Möglichkeit, soziale Aspekte, die Abhängigkeiten von Individuum und Kollektiv neu zu sehen, beteiligte Personen sind zusätzlich zu einem Teil eines Kunstwerks geworden und haben dadurch nochmals einen erweiterten Bezug.
Es ist Wolf Nkole Helzle´s innerstes Anliegen, dass seine Arbeiten nach Möglichkeit auch für nicht speziell kunstgebildete Menschen zugänglich sind. Er möchte die Menschen dort abholen wo sie sind und sie mitnehmen zu seinen Bildfindungen. Und hier zeigt sich in vielen Fällen, dass ihm dies auch gelingt. Der eine bleibt bei der Wahrnehmung des gelungenen Porträts, beim Erkennen eines anderen Abgebildeten stehen, der andere denkt und fühlt, was die Bildaussage darüber hinaus bedeutet und auslöst.
In den hundert Einzelporträts sehen wir die Gesichter von Menschen. Eigentlich ja nichts besonderes, will man vielleicht zuerst sagen. Sobald man jedoch aufmerksam und unvoreingenommen hinschaut, sind es genaueste Berichte von 100 individuellen Leben und Schicksalen. In den Gesichtern zeigen sich all die Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben macht. Glück und Unglück, Freude und Schmerz, Liebe und Enttäuschung, Geborgensein und Verzweiflung. Ohne geht Leben nicht.
Und da muss sich Wolf Nkole Helzle immer wieder gegen Wünsche von Teilnehmern wehren, Falten oder andere - oft ungeliebte Details - zu retuschieren. Im multiplen Porträt versucht der Künstler das eigentlich unsichtbare Kollektive dieser 100 Personen sichtbar zu machen. Jeder ist darin zu gleichen Teilen enthalten und es ergibt wieder ein Gesicht. Nach dem ersten Aufatmen bei der Ausstellungseröffnung - Gott sei Dank, es wirkt freundlich, jung und offen - entstehen auf den zweiten Blick ziemlich viele Fragen:
- Wo sind die Ausgeprägtheiten der Einzelnen geblieben?
- Bin ich im Kollektiv gar nicht mehr erkennbar?
- Ist es ein soziales Netz, das ich mit anderen zusammen flechte, das wiederum mich und andere auffängt, wo es gebraucht wird?
- Bin ich wirklich zu dem Teil im Kollektiv vertreten, das es benötigt, um gut zu funktionieren?
- Mute ich dem Kollektiv zu viel zu und gebe ich zu wenig hinein?
- Wie gehe ich mit meinem Nachbarn um, der ebenfalls Teil desselben Kollektivs ist und damit Teil von mir?
- Was ist das eigentlich Menschliche, das ja nicht aufgrund einer einzelnen Individualität beantwortet werden kann?
- Was stehen uns als Kollektiv (Familie, Firma, Gemeinde, Land, Staat, Welt) für Aufgaben ins Haus und wie sollte und kann ich mich individuell beteiligen und was habe ich davon?
Und so schließt sich der Kreis. Wolf Nkole Helzle versucht Menschen zu gewinnen, Teil seiner Arbeit zu werden, entwickelt daraus seine Bildsprache und entlässt sie am Schluss mit der Möglichkeit, eine neue Sichtweise gewonnen zu haben auf etwas, das so alltäglich und vertraut ist, dass man es oft gar nicht wahrnimmt oder wenn, dann nur ausschnitthaft, die eigenen Belange betreffend.
Wir sind in eine Zeit hineingeboren, in welcher es so scheint, als ob die Ausprägung des Individuellen gegenüber dem Kollektiven überwiegt. Das ist zum einen gut und ungeheuer wichtig nicht nur eine willenlose Masse zu sein, zum anderen ist es jedoch nicht ganz so einfach, den solchermaßen individualisierten Menschen wieder als aktiven Teil des Kollektivs zu gewinnen. Das eine ohne das andere ist nicht lebensfähig. Gerade in diesen Tagen und Wochen erkennen wir, wie einige nur an dem eigenen Profit Interessierte ein kollektives Gesamtsystem zum Einsturz bringen.
Spätestens hier erkennen wir, wie entscheidend kollektive Systeme sind und wie unerlässlich wichtig, dass Individuen sich aktiv an diesen beteiligen:
„... Es sieht so aus, als ob der Mensch das, was er beharrlich will, schließlich auch zu tun fähig sein muss. Denn das Bewusstsein in der Menschheit findet am Ende immer die Mittel dazu. Diese Allmacht drückt sich aber nicht im einzelnen Menschen aus, sondern der kollektive Wille der Menschheit bewirkt das und verwendet das Individuum als Werkzeug. Schauen wir aber noch tiefer, dann ist das nicht ein bewusster Wille des Kollektivs, vielmehr eine überbewusste Macht, die das Individuum als Zentrum und Mittel und das Kollektiv als Grundbedingung und Feld verwendet. Was ist dieser Wille aber anderes als der Gott im Menschen, die unendliche Identität, die vielfältige Einheit, der Allwissende, der Allmächtige?" Sri Aurobindo - Das göttliche Leben, Band 1, Seite 28
WER
Internet: www.helzle.com
Homo donzdorfensis samt Ausstellungskatalog mit allen Fotos:
http://www.helzle.com/deutsch/fotografie_Donzdorf.htm
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Komplementär zu Ojekere
Geschrieben von: arthur digby sellers () am 30-06-2009 09:36