|
Talking Stick? Blitzlicht? Dialogrunde? Die neueste und relativ fundierte Form dieser Entwicklung - den Teamkreis - wollten wir uns von Partnern der Sinn-Stiftung beim Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn am 27.04. im Ökologischen Bildungszentrum in München vorstellen lassen und entsprechende Fragen vertiefen.(Bericht mit Bildern anbei)
WAS
Teamkreis - ein systemischer Ansatz gruppendynamischer Prozessbegleitung
Basierend auf dem klassischen Redekreis haben wir mit Teamkreis ein Konzept entwickelt, das
- einen offenen und wertschätzenden Ausdruck und Umgang fördert,
- dem einzelnen Raum gibt sich darzustellen, auch bei schwierigen Themen,
- die Beziehungsfähigkeit fördert, um das Individuum, wie auch die Gemeinschaft zu stärken,
- Wege der Gewaltprävention anbietet (Gewalt nach aussen, wie auch gegen sich selber gerichtete Gewalt),
- systemische Zusammenhänge in der Gruppe erfahrbar und ansprechbar macht,
- alters- und zielgruppenorientiert eingesetzt werden kann und
- aus Gruppen echte Teams werden lässt.
Teamkreis fördert einen freien Geist und eine Kultur des Miteinanders sowie Gruppen die das Individuelle wertschätzen und fähig sind einen gemeinsamen Konsens zu finden.
Die Idee für den Teamkreis findet sich in der Tradition der alten Stammesversammlungen. Früher, als es zum Überleben der Gruppe von grundlegender Wichtigkeit war, jede Stimme zu hören, traf man sich abends am Feuer, um sich auszutauschen. Geschichten, Legenden und altes Wissen wurde geteilt, es war die Identität und die Überlebenssicherung des Stammes. Alle wichtigen Entscheidungen wurden im Kreis gefällt. Damit man immer wusste, wem gerade die Aufmerksamkeit gebührte, hatte man einen Redestab. Derjenige, der den Stab hielt, hatte die Autorität zu sprechen und er wurde unter gar keinen Umständen unterbrochen. So konnte ein jeder sprechen und bekam die volle Aufmerksamkeit aller.
Auf unsere Zeiten und Bedürfnisse abgestimmt und modernisiert, bietet der Teamkreis eine Möglichkeit, sich in der Gruppe zu treffen und zu organisieren, Konflikte zu bewältigen, Teamgeist und Gruppengefühl zu entwickeln, Erlebnisse mitzuteilen und aufzuarbeiten, Beziehungen zu vertiefen, Gruppen auch über Wandlungsphasen hinweg zu stabilisieren und zusammenzuhalten. Achtsamkeit und Aufmerksamkeit für jedes einzelne Gruppenmitglied werden geschult, was ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander fördert. Teamkreis bietet einen Raum kreative, gewaltfreie Möglichkeiten der Konfliktlösung zu erforschen.
Beim Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn am 27.04. konnten wir den Ansatz ausführlicher vorstellen und mit Kollegen vertiefen. Hierzu hatten wir folgende zwei Fragen:
- Was für Einsatzmöglichkeiten finden Kollegen aus anderen
Bereichen für den Teamkreis?
- Wo gibt es Möglichkeiten das Konzept noch
klarer und transparenter zu gestalten?
Evtl. entsteht dabei auch Lust auf eine Ausbildung zum
Teamkreis-Leiter A von 01.10. - 04.10.09 & 21.01. - 24.01.10 in
Glonn
Weitere Infos: http://www.symbiosys-akademie.eu/teamkreis.html
WER
Beteiligte
Anwesend waren neun Methodenexperten aber Kolleginnen und Kollegen, die
sich überlegen, diese Methode für Ihre Fortbildungen, Teamsitzungen und sonstige Veranstaltungen zu nutzen.
Schwerpunktreferenten
Caroline Willer hat eine Ausbildung in systemischer Therapie und katathym-imaginativer Therapie. Sie besuchte Council-Redekreis-trainings und Council-in-business-Training am Center for Counciltraining (CCT, Ojai CA). Sie war in mehrmonatiger Assistenzen in Council-basierten Work-Retreat-Programmen der Ojai Foundation, Kalifornien und absolvierte Council-Redekreis-Praktika in diversen Schulen in Los Angeles: Palms Middle School, Open Charter School und Crossroads High School, Santa Monica. Des weiteren war sie Assistenz bei Susanna Knittel (CCT Europe) in Italien und Leon Berg (CCT Israel) bei Counciltrainings in Italien und Deutschland.
Aus den vielfältigen Erfahrungen als Councilleiter im sozialen und therapeutischen Bereich, aber auch in Kursen und Trainings und den Erkenntnissen aus der systemischen Therapie entstand das Konzept für Teamkreis.
Stefan Günzinger ist Dipl.-Betriebswirt (FH), war 14 Jahre Geschäftsführer eines Kommunikationsunternehmens und langjähriger Trainer im leistungsorientierten Jugendsport. Er hat eine Coaching-Ausbildung (Sage Innovations, USA), NLP-Ausbildung (NLP am Ammersee), eine Zusatzausbildung Erlebnispädagogik (Outward Bound), Outdoorguide (plano alto, CH) sowie eine Fortbildung zur Systemischen Prozessbegleitung im Outdoor (Outward Bound)
SINN-STIFTUNG Kinder. Lernen. Zukunft & symbiosys akademie
Valleystr. 49
81371 München
089-72 45 87 50
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
www.sinn-stiftung.eu
www.symbiosys-akademie.eu
Gastgeber
Netzwerk Gemeinsinn e.V. als Veranstalter und das Ökologische
Bildungszentrum als Kooperationspartner waren Gastgeber dieses monatlich, am
letzten Montag im Monat stattfindenden Regionaltreffens (LeMoMo).
Moderiert wurde es von Wolfgang Fänderl, Vernetzungsberater,
Methodenentwickler, Berater, Seminarleiter und Vorstand von Netzwerk
Gemeinsinn e.V. (www.vernetzungsberatung.de). Weitere organisatorische Unterstützung kam von Dagmar Königer.
WIE
Bericht (28.04.09 Wolfgang Fänderl & Carolin Willner)
Das Regionaltreffen begann am Montag dem 27.04.09 gegen 18.30 Uhr mit der informellen Eröffnung des Mitbringbuffets. Um 19.00 Uhr wurde in einer kurzen Kennenlernrunde nach dem Hintergrund den dem Anliegen der Beteiligten gefragt.
Caroline Willer und Stefan Günzinger erläuterten dann wesentliche Aspekte des Teamkreises im Dialog. Zu den oben genannten Erläuterungen kamen hinzu:
- Originalmethode heißt Council, wird in den USA an der Ojai Foundation gelehrt und praktiziert, entstand in den 80er Jahren aus der Gewaltprävention an Schulen in Los Angeles,
- Persönliche Erfahrungen: Carolines Erfahrungen an der Ojai Foundation
- Kombination mit tier- und naturgestützter Arbeit... Hund Djego
- Einsatzfeld symbiosis + Sinn-Stiftung
- Erkenntnis Gerald Hüther + Forschungsprojekte in Jena und Heidelberg: statt Hackordung ein „Klasse Team" in der Schule; Einsatz von Teamtrainer zu Beginn des Schuljahres
- Weitere Einsatzfelder: Paargespräch + Business-Training
- Erforschen als wesentliche Haltung beim Teamkreis
- Systemischer Ansatz gruppendynamischer Prozessbegleitung... was heißt das?!
Im Anschluss wurde eine systemische Vernetzung mit Bambusstäben angeleitet. Erst im Zweier- und Dreierteam und dann in der gesamten Gruppe hatte jeder Teilnehmer die Enden von zwei Bambusstäben mit den Zeigefingern der rechten und linken Hand zu berühren, so dass der Stab nicht herunter fiel. Die Bewegungen Einzelner hatten natürlich enorme Auswirkungen auf die anderen, welche ihrerseits Gegenmaßnahmen oder auch weitere Aktionen ausführen konnten. Die Übung zeigte recht anschaulich die komplexe Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) in komplexen Systemen.
Der Teamkreis lebt vom Machen und deshalb wurden zunächst drei Fragestellungen für Runden gesammelt, die mit dieser Methode behandelt werden sollte. Zwei Merkblätter gaben Hinweise zum Gelingen des Teamkreises:
1. Was ist Teamkreis?
2. Teamkreis Grundgedanken
3. „Die Wahrheit liegt in der Mitte des Kreises" - das Setting
4. Eröffnen des Teamkreises
5. Grundlagen
6. Beenden des Teamkreises
(weitere Informationen über Symbiosys)
Die Moderation kann nun durch die Art der Fragestellung zu Beginn eines Durchgangs eher Verstand, Körper, Herz oder Geist ansprechen, generell ist es ein Ziel den ganzen Menschen anzusprechen.
Caroline Willer hatte eine Sammlung an Redestücken dabei, die je nach thematischen Anlass genutzt werden können. Ein Holz- bzw. Wurzelwerk, wenn es um die Beziehung zur Natur geht, Rasseln wenn es auch mal lauter werden darf, bis hin zu etwas Selbstgebastelten, wenn es um das Teamwork einer Kindergruppe geht.
Die wesentliche Botschaft: Jeder wird gehört und es ist wichtig in wacher Entspanntheit aufmerksam zuzuhören und nicht gleich eigene Argumente zurechtzulegen.
Eine besondere Erfahrung war auch der Hinweis, den eigenen Beitrag nicht an die anderen in der Gruppe zu richten, sondern einfach in die Mitte zu sprechen und damit stärker zu sich selbst zu kommen. Der Teamkreis möchte, dass die Beteiligten wertfreier zuhören können und eher ihre eigenen Schatten erkennen - wenn sie ein Thema oder eine Aussage besonders stark berührt - als die des anderen. Durch das Bei-sich-selbst-bleiben wird auch die Gruppe stärker entlastet und man sinkt im Gespräch immer tiefer zur Essenz, wo die Zusammenhänge klarer werden.
Zentral wichtig auch der Hinweis, dass alles was gesagt werden will im Kreis bleibt. Jedoch sollte je nach Kontext auch darauf hingewiesen werden, dass Straftaten zur Anzeige gebracht werden müssen. Das betrifft sowohl Drogendelikte, als auch Missbrauch und andere Gewalttaten. Hintergrund: gerade in offenen Gruppen mit Kindern ist eine Vertraulichkeit nicht zu halten und man macht sich strafbar, wenn man etwas anderes vereinbart. Manchmal sind gerade diese Hinweise dann Auslöser um diese Themen allgemein aufzugreifen.
Die Themen, welche in der kommenden Stunde aufgegriffen wurden:
- Was fällt uns zum Thema des Netzwerks „Gemeinsinn" ein?
- Was hat uns zu diesem Netzwerk gebracht?
- Welche Berufung sehe ich für mich in der Welt?
Ergänzende Fragen:
- Was könnte zwischen den Regionaltreffen Gemeinsinniges passieren?
- Wo lässt sich der Teamkreis einsetzen?
Die Ergebnisse dieser Runden waren Teil des Gruppenprozesses und werden hier nicht veröffentlicht. Daraus entstanden jedoch spannende Fragestellungen, welche von den Schwerpunktmoderatoren beantwortet wurden:
Frage: Inwieweit werden ähnliche Formen der Auseinandersetzung (Dialog, Themenzentrierte Interaktion, Gewaltfreie Kommunikation etc.) in die Vermittlung des Teamkreises einbezogen?
Antwort: Basiert ursprünglich auf indianischem bzw. keltischem Kommunikationsformen und Riten, Erkenntnisse aus der TZI und der gewaltfreien Kommunikation sind mit eingeflossen.
Frage: Wie ist der Unterschied zwischen dem Einsatz in bestehenden und nachhaltig bestehenden Gruppen und bunt zusammengewürfelten, kurzfristigen Gruppen?
Antwort: Die Möglichkeit tiefer in den Gruppenprozess und die systemischen Zusammenhänge einzusteigen bietet sich natürlich eher bei bestehenden Gruppen. Kurzfristige Gruppen werden den Teamkreis als Tool benutzen sich schnell und sehr effektiv kennenzulernen, innerhalb kurzer Zeit eine Vertrauensbasis zu entwickeln und für die Gruppe wichtige Themen zu explorieren.
Frage: Zu welchen Schulformen gibt es Erfahrungen?
Antwort: In Kalifornien laufen Councilprogramme sowohl an privaten, wie auch an staatlichen Schulen in allen Altersstufen.
Frage: Wie geht ihr mit schwierigen Gruppen um, wo diese Methode abgelehnt oder missbraucht wird?
Antwort: Dann ist genau diese Ablehnung oder der Missbrauch Thema, des weiteren bieten sich Übungen aus der Natur- und Erlebnispädagogik, um die Bereitschaft sich einzulassen zu fördern. Was dann wieder im Kreis gesammelt werden kann.
Frage: Wie sieht die Ausbildung zum „Teamkreis" aus?
Antwort: Beispiel wäre die Ausbildung zum Teamkreis-Leiter A von 01.10. - 04.10.09 & 21.01. - 24.01.10 in Glonn; weitere Informationen auf der Webseite.
Frage: Wieso braucht es für so ein einfaches Verfahren eine mehrteilige Ausbildung?
Antwort: Die Redekreise wirken wie eine sehr simple Methode und werden häufig unterschätzt, gerade weil sie auf eine nicht-direktive Art und Weise geleitet werden. Aber um das volle Potential zur Teamentwicklung und Prozessbegleitung auszuschöpfen steckt mehr dahinter: psychologisch-pädagogisches Wissen, systemisches Verständnis und die Kombination mit Elementen aus der Natur- und Erlebnispädagogik. Wissen um die innere Haltung eines Teamkreisleiters und viel Eigenerfahrung, um das auch umsetzen zu können und den emotionalen Raum zu halten....
Frage: Habt ihr auch offene (unkommerzielle) Runden, wo man einfach dazu kommen kann?
Antwort: Ja, Interessenten können sich gerne bei uns melden.
Zum Abschluss, gegen 21.15 Uhr wurden noch Rückmeldungen gesammelt, wie die Methode ankam und was man nach Hause mitnimmt:
- Der Teamkreis hat viel Freude gemacht, man konnte andere besser kennenlernen auf natürliche und tiefgründige Weise
- Die Begeisterung der Moderatoren war ansteckend,
- Da das Element des Teamkreises auch in anderen Methoden steckt wäre es lohnend die Historie genauer zu erfahren. Wer hat hier von wem gelernt und abgeschaut?
- Ich nutze das „unkommentierte Sprechen im Sitzkreis in meiner Schule und werde es jetzt noch bewusster einsetzen.
- Für mich war es eine neue Erfahrung, meditativ und entspannend; ein wenig fürchte ich, dass ich mit Teams in denen ich täglich arbeite nicht so offen sein würde.
- Die Redestücke waren beeindruckend und anregend, schön auch dass kein Tisch im Weg stand.
- Ich werde die Erkenntnisse in mein Arbeitsteam mitnehmen. Mir hat es geholfen, dass man bei diesen Runden nicht antworten darf bzw. muss und lediglich zuhören übt.
- Es war etwas anstrengend, weil ich Abendtermine nicht gewohnt bin. Aber ich fand es beeindruckend, wie viele verschiedene Aspekte diese relativ bekannte Methode hat.
- Es hat mich sehr berührt, was durch diese Form des Gesprächs an Tiefe entstanden ist.
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Kontakt (Veranstaltungsrahmen)
Netzwerk Gemeinsinn e.V.
Wolfgang Fänderl
Tel.: 0179/5319938
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Kontakte Inhalte: vgl. Schwerpunktreferenten
Bilder: Wolfgang Fänderl
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|