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Dr. Norbert Müllert und Horst
Mauer beschreiben in ihrem Buch gruppenbestimmte Verfahren, um
gemeinsam Probleme zu lösen, Themen zu durchdringen, Fragestellungen -
vielleicht neu und in einer ungewöhnlichen Art und Weise aufzuschließen. Sie werden durchgehend nach einem einheitlichen, praxisorientierten und
überzeugenden Schema vorgestellt. Mehr hierzu in einer Rezension von Dr. Walter Spielmann.
WAS
Kreativität hat Methode
Mit der Kreativität ist es so eine Sache. Sie wird vom Einzelnen wie von Gruppen erwartet, wird als unabdingbare Voraussetzung für Erfolg angesehen und wird im beruflichen Alltag überwiegend doch sträflich vernachlässigt. In der Regel lassen Folgeprobleme aller Art den Ruf nach einer von ExpertInnen moderierten „Kreativbesprechung" laut werden, um Denk- und Strukturblockaden aufzulösen, bisher Ungedachtes zu entwickeln und mit frischer Energie und voller Tatendrang gemeinsam zu neuen Ufern aufzubrechen.
Die Autoren, seit vielen Jahren vor allem als Moderatoren (insbesondere in der Durchführung von Zukunftswerkstätten) erfahren, bieten in diesem grafisch sympathisch und doch unaufwändig gestalteten Buch zunächst eine überraschende Erklärung für die alphabetische Reihung der präsentierten Kreativmethoden von „(Einfaches) Analogieverfahren" bis „Zufallswort". Ob damit der Devise „Allen Kreativitätsmethoden die gleiche Chance" tatsächlich Rechnung getragen wird, sei dahingestellt, denn in der Praxis wird die jeweils unterschiedliche Ausgangssituation - sei es die Verbesserung der Gesprächs- und Arbeitskultur in Teams oder Abteilungen, die Zusammenarbeit an Schulen oder die Ideenfindung in Stadteilen, Gemeinden oder Wohngemeinschaften -, die Zusammensetzung der Mitwirkenden und vor allem auch die Erfahrung der ModeratorInnen die Wahl des Werkzeugs bedingen.
Im bunten Strauß des Angebots finden sich analytische und assoziative, kontemplative und imaginative Verfahren. Sie werden durchgehend nach einem einheitlichen, praxisorientierten und überzeugenden Schema präsentiert. Eine „Allgemeine Beschreibung" skizziert u. a. die Geschichte des Ansatzes, verweist auf die Intentionen der „Erfinder", nennt besondere Vorzüge (oder auch Hürden) und informiert über Erfahrungen der Autoren. Unter der Rubrik „Schrittweise Vorgehen" werden die einzelnen Teile jeder Methode im Gesamtablauf skizziert und in Form einer „Beispielhaften Anwendung" auch exemplarisch erläutert (was der erfolgreichen Umsetzung sehr entgegen kommt). Unter „Wichtige Merkmale" werden schließlich weitere Hinweise zur erfolgreichen Anwendung (Zahl der Mitwirkenden, Zeitaufwand und Materialbedarf etc.) gegeben.
Um Ideen und Hypothesen erfolgreich Raum zu geben, bedarf es freilich mehr als nur eines prall gefüllten Methodenarchivs mit Gebrauchsanweisung. Ebenso wichtig sind die Kenntnis und der gesicherte Umgang mit den Grundlagen „sozialer Kreativitätsarbeit". Diesen widmen sich die Autoren im Anschluss an die Methodensammlung. Kreativität, so eine Definition unter vielen, bedeute vor allem, „sich von gängigen Denkmustern freizumachen, seine Gedanken schweifen zu lassen, den Bezugsrahmen zu ändern. Kreative - und die Summe dieser Eigenschaften sind natürlich weit eher in Gruppen als bei Einzelpersonen zu finden - sollten zugleich vielseitig, originell, unkonventionell, phantasie- und humorvoll, experimentierfreudig, spielerisch, fit und flexibel sein, betonen H. Maurer und N. Müllert (S. 111), in der Tat eine Herausforderung der besonderen Art.
Der weitaus größte Teil der präsentierten Methoden ist verbal akzentuiert, nützt und spielt auf verschiedene Weise mit den Möglichkeiten der sprachlichen Assoziation, auch dort, wo Verfahren aus fremden Kulturkreisen (wie etwa die „Yin-Yang-Runden") vorgestellt werden: Dabei etwa geht es darum, einem Wunsch (etwa „Persönlich angesprochen werden") ein „Killerargument" (z. B. „Ist reine Zeitverschwendung") entgegenzusetzen, um dieses wiederum positiv zu wenden („Sinnvolle Zeitnutzung") und zur Grundlage weiterführender Überlegungen zu machen.
Auch wenn einige bildnerische und gestaltende Kreativitätstechniken mit aufgenommen wurden, sucht man an dieser Stelle vergebens nach theatralischen und spielerisch-assoziativen Elementen. In der Vielfalt der verbalen Kreativitätswerkzeuge und der überzeugenden Praxisorientierung hingegen liegen die Stärken dieses Buchs. Der positive Eindruck wird durch den letzten Abschnitt noch verstärkt. In ihm stellen die Autoren „Hauptelemente des Moderierens" vor und geben in zwölf Schritten methodische Hinweise zur erfolgreichen Durchführung von „Kreativitätszusammenkünften".
Das hier, soweit ich sehe, erstmals skizzierte Konzept der kreativen Lösungssuche in kaum mehr als drei Stunden (von der Problembenennung bis zur Gestaltung eines „Projektumrisses") geht wohl auf die Erfahrung zurück, dass es zunehmend schwierig ist, eine Gruppe für die Durchführung einer herkömmlichen Zukunftswerkstatt (von zumindest 1 bis 1,5 Tagen) zu gewinnen. Doch um es klar zu sagen: Ersatz für eine Zukunftswerkstatt ist eine „Kreativitätszusammenkunft" nicht, sie kann aber sehr wohl Teil einer Zukunftswerkstatt sein.
Letztlich bleibt es der Erfahrung (und Kreativität) des ModeratorInnenteams anheim gestellt, zum Zweck bestmöglicher Problemlösung bzw. Ideenfindung die jeweils stimmigen Elemente zu einem Gesamtkonzept zusammenzufügen. Anregungen dazu werden an dieser Stelle viele gegeben.
Zitate
„Ob Gesellschaft oder Wirtschaft, ob Wissenschaft oder Industrie - ohne Kreativität scheint niemand mehr auszukommen. (...) Schätzungen gehen von 120 bis 180 mehr oder weniger unterscheidbaren Kreativitätswerkzeugen aus." (H. Maurer / N. R. Müllert, S. 109)
„Es ist die Vielseitigkeit aller Beteiligten, die es erlaubt, Grenzen zu überschreiten, spielerisch und phantasievoll Konventionen außer Kraft zu setzen, das Probieren und Variieren zu wagen, das Hinterfragen als selbstverständlich anzusehen, zunächst auch als verrückt anmutende Perspektiven vorzustellen." (H. Maurer / N. R. Müllert, S. 111)
WER
Über die Autoren
Norbert R. Müllert hat zusamen mit Prof. Dr. Robert Jungk das Problemlösungskonzept »Zukunftswerkstatt« in den
siebziger Jahren entwickelt und seitdem in vielen Zukunftswerkstätten
erprobt und verfeinert. Haupttätigkeitsfelder sind Zukunftsstudien,
Durchführung und Auswertung von Zukunftswerkstätten sowie
Moderationsausbildungen und Workshops zur Entfaltung, Sozialer
Kreativität und zum Stressabbau.
Horst
Mauer ist seit über zwanzig Jahren selbständig tätig auf dem Gebiet
kreativer Problemlösung mit den unterschiedlichsten Gruppen. Die
Schwerpunkte liegen hier bei konsensorientierten Planungen und
Bürgerbeteiligungsverfahren. Er hat langjährige Erfahrungen in der
Großgruppenmoderation und arbeitet u. a. mit den Methoden
Zukunftswerkstatt, Zukunftskonferenz, Open Space und Perspektiven
werkstatt. Trainings zur Moderation von Zukunfts werkstätten und
Sozialen Kreativitätsmethoden
WIE
Bestelldaten:
Mauer, Horst; Müllert, Norbert R.: Moderationsfibel Soziale Kreativitätsmethoden von A - Z. nachschlagen - verstehen - einsetzen. Das Praxisbuch zu Problemlösungsverfahren mit Gruppen. Neu-Ulm: AG SPAK, 2007. 137 S. € 19,- [D], 19,60 [A], sFr 33,25; ISBN 978-3-930830-91-6
Rezension
Dr. Walter Spielmann
Robert-Jungk-Platz 1A
5020 Salzburg
Tel. 0043(0)662.873.206
Fax. DW 14
Mail:
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Web: www.jungk-bibliothek.at
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