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Am 29.03.2008 wurde auf der Tagung „Networking - what works?!" in mehreren Kleingruppen gearbeitet. Am Ende des Tages moderierte Wolfgang Fänderl einen Fishbowl mit den Moderatoren der Themen-Workshops, um auf Fragestellungen der Tagung Antworten zu finden. Hier die Ergebnisse!
WAS - Aufgabe
Das Thema "Networking - what works" wurde von der persönlichen bis zur gesellschaftlichen Ebene in 5 Themen-Workshops beleuchtet. Der Fishbowl half erste Antworten zusammenzufassen. Das Moderationsformat konzentrierte sich auf die Ergebnisberichte der 5 Workshop-Moderatoren im Innenkreis, die sich im Gespräch aufeinander bezogen und auf vertiefende Fragen des Moderators antworteten. Interessenten aus dem Außenkreis konnten sich (bei freien Stühlen) zeitweise im Innenkreis einbringen, während alle anderen zuhörten.
WER - Beteiligte
- Dr. Marie-Luise Stiefel (Gesellschaftliche Vernetzung von Bürgerschaft, Politik & Verwaltung)
- Markus Weißkopf (Interdisziplinäre Netzwerke in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft)
- Thomas Krepkowski (NetWorking und Zusammenarbeit via Web)
- Jörg Latuske (Teamwork in der Arbeitswelt)
- Jaakko Johannsen (Persönliche und zwischenmenschliche Vernetzung)
- Wolfgang Fänderl (Moderation)
- Sabine Zeller (Dokumentation)
- u.v.a. die Wortbeiträge aus dem Außenkreis lieferten
WIE - Fragen & Antworten
WOZU?
Wann machen Vernetzung und Zusammenarbeit Sinn?
Gelangweilt von Visitenkartenparties, bei denen man nicht wirklich in Kontakt geht, die Marketing-Motivation die Oberhand behält und man schließlich kaum mehr weiß, was man mit dem Haufen Kontakten anfangen soll, gibt es Gründe warum Vernetzungsprozesse auch langfristig Sinn machen:
- wenn in Wissensnetzwerken interdisziplinäre Lösungen entwickelt und Durchbrüche erzielt werden können
- wenn Ziele gemeinsam effektiver angegangen werden können
- wenn für den einzelnen und dessen Organisation Nutzen entsteht (Teamgeist, Austausch, Geschäft)
- wenn die Flexibilität und Offenheit eines Netzwerks gebraucht wird
- wenn zu einem Thema gruppenübergreifende Identität entstehen soll
WAS?
Was verstehen wir unter „Networking" bzw. Vernetzung? (positiv wie negativ)
„Net-working" ist ein (hässlicher) Anglizismus, der häufig als Synonym für „Vernetzung" oder „Beziehungsaufbau" verwendet wird. Es gibt formelle und informelle Netzwerke, Macht- und Fachnetzwerke und sicher noch eine Reihe weiterer Differenzierungen.
Im Gespräch entstand aber auch die Frage, ob der Begriff „networking" die persönlichen und zwischenmenschlichen Vernetzungen des Alltags umfassen sollte (vgl. Fänderls Vortrag „Vom Net-working zum Net-living"). Netz'werke' beziehen sich eher auf die Arbeitssituation und müssen in diesem Zusammenhang bewertet und vom Privaten entkoppelt werden (strategisches Networking).
Entsprechend ist dann der „Vernetzungs-Begriff" als der passendere Überbegriff für unterschiedliche Formen des Zusammenwirkens zu sehen.
In welchen Bereichen des persönlichen, institutionellen wie gesellschaftlichen Lebens finden (die behandelten) Vernetzungsprozesse statt? Wie wirken sie sich aus?
Mit Bezug auf die vorherige Unterscheidung zwischen „networking" und „Vernetzung" war auch die Kernfrage der Tagung „Networking - what works" fokussierter zu beantworten.
Die persönliche und zwischenmenschliche Vernetzung, bezogen auf offiziellere networking-Prozesse, hat zu dem Ansatz von Etienne Wenger geführt. In "Communities of Practice" beschreibt er Grundlagen einer handlungsorientierten zwischenmenschlichen Vernetzung im gesellschaftlichen Kontext (vgl. Artikel Johannsen).
Im Bereich der Bürgerbeteiligung ist auf die Transparenz zu achten und eine gewählte legitime Struktur nicht auszuhebeln, sonst sind die demokratischen Strukturen gefährdet. Letztlich kommt es auch hier auf die Umsetzung der Ergebnisse an, sonst führt sich ein Netzwerk ad absurdum (vgl. Artikel Stiefel)
In der Wissenschaft wird networking dort als hilfreich angesehen, wo interdisziplinäre Vernetzungsprozesse (Wissenschaftsdialog) zu Anstößen für neue Entwicklungen führt (vgl. Artikel Weisskopf).
Im Internet ist Networking und die Nutzung von Social-Networking-Websites zwar weit verbreitet aber noch relativ unerforscht. Von zuhause aus Kontakte zu knüpfen, die ein gewisse Tiefe haben können, aber dennoch weitgehend anonym, unverbindlich und ohne direkten persönlichen Kontakt ablaufen können wird von vielen Personengruppen gerne angenommen (vgl. Artikel Krepkowski).
Die Teamentwicklung im Arbeitskontest unterscheidet sich von freiwilligen Netzwerken die sich über Teams hinaus entwickeln können. Auf die Unterscheidung wird später noch mal eingegangen (vgl. Artikel Latuske).
WER?
Wer stellt Vernetzungsansätze zur Verfügung? Wer bietet etwas an?
Reale Vernetzungsprozesse brauchen ähnlich wie das Networking im Internet Administratoren, die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen, mit der Redakteure und Beteiligte inhaltlich arbeiten können.
Für non-virtuelle Netzwerke könnte man von "Netzwerk-Moderatoren" oder "Netzwerk-Beratern" sprechen, die methodisches und technisches Wissen einfließen lassen, aber einen gewissen Abstand zum inhaltlichen Thema haben. Dadurch können sie bei Interessenkonflikte schlichten und sollten idealer Weise von extern kommen und ohne Doppelfunktionen sein.
Netzwerke brauchen auf Grund ihrer hohen Unverbindlichkeit solche Instanzen, die Struktur und Aufbau eines Netzwerks analysieren und dem Bedarf gemäß beraten, auf- und umbauen helfen.
Mit wem ist Zusammenarbeit sinnvoll? Wer sind wichtige Kooperationspartner?
Der Kreis der Beteiligten setzt sich aufgrund der Attraktivität von Thema, Beteiligten und Umgang miteinander zusammen. Dabei sind langfristig aktive Mitglieder ebenso willkommen, wie sporadische Besucher, welche sich dazu entwickeln können. Netzwerke müssen keine Angst vor Trittbrettfahrern haben, da sie sich im Prozess entweder eingeladen fühlen selbst aktiv zu werden oder sich nach kurzer Zeit zurückziehen.
Sonderrollen sind neben dem Netzwerk-Berater oder -Moderator:
Kreative und begeisterungsfähige Entwickler, die sich intensiv einbringen ohne schon die Folgen zu kalkulieren. Sie schaffen damit eine offene, tabulose Haltung und bringen Schwung in den Vernetzungsprozess
Grenzgänger zwischen den beteiligten Gruppen (z.B. Politik, Verwaltung und Bürgerschaft) helfen bei der Übersetzung und Erläuterung jeweiliger Gruppenkodizes und erkennen schneller den Mehrwert von Vernetzungsoptionen.
Koordinatoren und Bewahrer der Ergebnisse, die helfen aus dem verbalen einen handlungsorientierten Austausch zu generieren, die Interessenten zusammenzuhalten und neue hinzuzugewinnen.
Instanzen mit Außenperspektive (z.B. Experten zu einem Thema, Impulsgeber aus einem anderen Arbeitsfeld), die helfen „Betriebsblindheit" zu vermeiden und neue Blickwinkel zu öffnen.
weitere?
WIE?
Wie funktionieren erfolgreiche Vernetzungsansätze
Zunächst braucht es eine offene Haltung der Betreiber: Jeder ist frei zu kommen und zu gehen!
Vernetzungsregeln sind wichtig für die Teilnahme und sollten bereits zu Beginn festgelegt werden. Natürlich sind regelmäßige Anpassungen an sich entwickelnde Bedürfnisse sinnvoll und müssen gut kommuniziert und einvernehmlich abgesprochen werden, um nicht zu irritieren.
Gemeinsame Ziele müssen immer wieder ins Bewusstsein gebracht und transparent gemacht werden, damit sie die intrinsische Motivation fördern (vgl. Motivationsformel).
Kommt die Balance zwischen persönlichem und gemeinschaftlichem Nutzen in Schieflage besteht Beratungsbedarf durch Externe; hilfreich: bereits im Vorfeld entsprechende Strukturen schaffen.
Wie ist die Schrittfolge von guter und nachhaltiger Zusammenarbeit?
In Arbeitsgruppen werden vier Phasen der Teamentwicklung unterschieden: forming, storming, norming und performing. Networking unterscheidet sich in der storming-Phase. Während sich das ergänzende Team ‚zusammenraufen' muss, findet sich das weitgehend unabhängige Netzwerk eher freiwillig zusammen und umgeht in der Regel größere Krisen.
Community-Building beschreibt bei Gruppen einen dynamischen Prozess, der von Pseudocommunitiy über Chaos und Emptiness zur True Community führt (vgl. Artikel). Netzwerke sind weniger geschlossen und dadurch braucht es sowohl in der Gesamtheit Netzwerktreffen und Selbstfindungszyklen als auch in Teilgruppen intensivere psychodynamische Prozesse. So werden u.a.
- Grundsätze gemeinsam erarbeitet (Ethik, Präambel)
- eine „gemeinsamen Sprache" entwickelt
- die Netzwerk-Kultur konkretisiert und in Arbeitsabläufe integriert
- das Ende des Vernetzungsprozesses auch am Anfang mit berücksichtigt
Welche Empfehlungen an Dritte gibt es?
Zwischen den realen Treffen kann die Gleichzeitigkeit des Internet genutzt werden. Damit spielen räumliche Distanzen keine so große Rolle mehr und gemeinsame Termine können leichter gefunden werden.
Die Biete-Suche-Wand hilft beim Maching von Einzelpersonen und Einzelinteressen, bereichert das networking auf kleinteiliger Ebene und führt zu Kennenlernprozessen und Aktivitäten jenseits gemeinsamer Netzwerkarbeit.
Freizeit und Spaß entstehen aus freiwilligen Interessen und sympathischen Beziehungen. So entstehen natürliche Vernetzungsprozesse auf freiwilliger Basis die auch im Berufsleben - beim net-working - genutzt werden können.
Hinweise zur Vernetzung und zur Optimierung von Vernetzungsprozessen sind letztlich sehr persönliche Entwicklungen und müssen entsprechend methodisch angegangen werden.
Kontakt
Wolfgang Fänderl
Vernetzungsberatung
Richard-Strauss-Str. 40
81677 München
Tel: +49 / 89 / 95422911
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mit Dank an an alle Beteiligten sowie insb. an
Markus Püttmann (Fotos)
und Sabine Zeller (Aufzeichnungen)
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