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Apr 19 2008
Vom net-working zum net-living! Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Fänderl   
Samstag, 19. April 2008

zum_net-living-titel_s.jpgZu Beginn der Tagung „Networking – what works?!“ am 28.03.08 stellte Gastgeber und Vernetzungsberater Wolfgang Fänderl Trends moderner Vernetzungsarbeit vor. Hier eine Zusammenfassung des Impulsvortrags mit Bildern aus der Powerpoint‐Präsentation.

 

Vernetzung - was ist das?

Wenn wir heute von 'Networking' sprechen, was assoziieren wir eigentlich damit? Denken wir an die 100 Milliarden Nervenzellen, die über 10.000 Synapsen mit mindestens 10.000 anderen Gehirnzellen verbunden sind? Denken wir an die 6,7 Milliarden Menschen, die durch eine Vielzahl von Kommunikationsmittel in Austausch sind. Kommt uns das Internet in den Sinn, in dem weltweit 1,2 Milliarden Internet‐Nutzer über Computer und Datennetze miteinander kommunizieren?

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Denken wir an die gegenseitige Abhängigkeit und das sensible Gleichgewicht, wie sie im Biotop vorherrschen? Erinnern wir uns deshalb der 30 % Farn‐ und Blütenpflanzen , die in den letzten 100 Jahren ausgestorben sind? Oder geht uns die Balance gesellschaftlicher Vernetzung durch den Kopf, die wir auch mit „Gemeinsinn" bezeichen können.

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Auch bei Wikipedia (der Online-Enzyklopädie) sorgt eine Gruppe von Betreibern mit einem riesigen Netzwerk von freiwilligen Autoren mit Hilfe einer Open‐Source-Software und inzwischen über 500.000 Artikeln für exponentielle Zuwachsraten. Mit 300 Millionen Seitenaufrufen durch 154 Millionen Menschen im Monat hat es seit einiger Zeit die größten Lexikas der Welt in den Schatten gestellt.

Ein Teil der Networking‐Definition lautete dort im März 2008: „'Vernetzung' ist ein Begriff aus der Systemtheorie. Ein System besteht aus einzelnen Teilen, die durch Ursache‐Wirkungs‐Beziehungen und allgemeine und besondere Systemeigenschaften miteinander vielfältig verknüpft sind. Bildhaft spricht man daher von einem ‚Beziehungsnetz'."

Was passiert beim net‐working?

08-03-28_networking-tagung_-_155.jpg„Eine gut 'vernetzte' Person hat ein tragfähiges Geflecht von guten Beziehungen zu Personen in verschiedenen Organisationen, die ihr helfen, rasch und frühzeitig an wichtige Informationen zu kommen. Im Beruf nennt man diese Art Vernetzung 'Karrierenetzwerk'. Die Vernetzung soll auch helfen, Krisensituationen zu vermeiden bzw. rasch zu bewältigen."(ebd.)

Nun hat der Begriff „net-working" zwangsläufig eine Anlehnung an den Arbeitsbegriff (work) und klingt etwas mühsam. Tatsächlich sind Vernetzungsprozesse jedoch Teil unseres Alltags. Sie gestalten unser Leben eher unbewusst als bewusst und so kommt es dann zu merkwürdigen Trennungen zwischen Arbeit und Freizeit, Erwerbs‐ und Privatleben.

Am Beispiel von Anna A., die Sekretärin in einer Firma ist, haben wir diese vermeintliche Trennlinie deutlich gemacht:

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Doch wer von uns befindet sich noch in der klassischen Zweiteilung bzw. hat sich jemals darin befunden? Arbeits‐ wie Privatleben überschneiden sich permanent und das war eigentlich schon immer so. Die Kontakte im Geschäftsleben entwickeln sich zu Freizeitbeziehungen und umgekehrt.

Die Verfechter der 35‐Stunden‐Woche haben jedoch ihre Spuren hinterlassen und auch die Work‐Live‐Balance‐Welle ist nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Die bewusstere Trennung von Arbeitszeit und Freizeit schützt vor Ausbeutung und Workaholismus. Doch letztlich ist sie nicht praxistauglich.

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Wie unterscheidet sich net‐living?

Unser facettenreiches Leben läuft der traditionellen Zweiteilung oder einer moderneren Facette der Dreiteilung (1/3 Erwerbsarbeit, 1/3 Bürgerschafliches Engagement, 1/3 Privatleben) immer wieder entgegen. Das macht das einfache Beispiel von Anna A. recht deutlich, die sich als Mensch tagtäglich in unterschiedlichen Lebenszusammenhängen wiederfindet. Sie wechselt von Rolle zu Rolle, von Gruppe zu Gruppe und was dabei passiert ist so komplex, dass wir von „lebendiger Vernetzung" bzw. "net-living" sprechen.

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Auch hier versuchen wir durch drei Ebenen der Vernetzung etwas mehr Übersichtlichkeit zu schaffen und unterscheiden:

  • Menschliche Ebene und die Vernetzung von Person zu Person (emotionale Ebene, Sympathie und Antipathie, zwischenmenschliche Beziehungen)
  • Institutionelle Ebene und die Vernetzung unter Institutionen und ihren Rollenträgern (funktionale Ebene, Kompetenz‐ und Verantwortungsübernahme, Rollenerwartungen und organisatorische Beziehungen)
  • Gesellschaftliche Ebene und die Vernetzung auf Gesellschaftsebene mit deren Rollenträger (Interessenebene, Entwicklung und Erhalt von Gemeinschaft, Zusammenhalt, Gemeinsinn)

Auf den jeweiligen Ebenen kommt es zur horizontalen Vernetzung zwischen den jeweiligen Personen, Rollen und Gruppen. Aber letztlich gibt es auch eine vertikale Vernetzung über die einzelnen Ebenen hinaus.

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Wozu dient diese Untergliederung? Sie macht den Mehrwert deutlich, den eine Einzelaspekte übergreifende Vernetzungsarbeit bewirken kann.

Im Rahmen der Gemeinsinn‐Werkstatt haben wir versucht diesen Mehrwert von verantwortlichem Handeln für Individuum, Gruppe und Gesellschaft durch den Triple‐Win‐Effekt darzustellen.

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Der Einzelne kann mit seinen Potenzialen viel mehr bewirken, wenn er sich mit anderen zusammenschließt und sich dadurch die unterschiedlichen Potenziale multiplizieren.

Doch diese individuum- und gruppenübergreifende Zusammenarbeit ist nicht ganz reibungslos und braucht erst einmal Energie bevor sie zur Synergie führt. Außerdem sind dafür Rahmenbedingungen zu schaffen, die Ressourcen der verschiedensten Art benötigen:

  • Harte Faktoren: Zeit, Räume, Geld, etc.
  • Weiche Faktoren: Kontakte, Offenheit, Wertschätzung etc.

Doch wo ein Wille, da ein Weg!

So lautet unsere Definition für „lebendige Vernetzung" bzw. „net‐living":

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Erfolgreiches net‐living hat aus unserer Sicht Voraussetzungen, die wir mit 3 Thesen zur Diskussion stellen: 

These 1: Lebendige Vernetzung braucht passende Motivation

Vernetzung ist also stark von den Personen und Rahmenbedingungen abhängig, die freiwillig kooperieren wollen. Im Gegensatz zu Organisationen, die stärker auf Pflichten, Regeln und Sachzwänge verweisen (Müssen, Dürfen, Sollen), werden offene Netzwerke in erster Linie auf vorhandene Kompetenzen, freiwilliges Engagement und gemeinsame Perspektiven bauen (Können, Mögen, Wollen).

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Sie setzen deshalb auf den eigenmotivierten, selbstorganisierten und am Sinn des Netzwerks orientierten Partner (Mehr zur Motivationsformel auf diesem Webportal).

These 2: Lebendige Vernetzung braucht (spezielle) Interaktion!

Es reicht der gute Wille allein leider nicht aus, um erfolgreiche - d.h. effektiv und effizient arbeitende - Netzwerke zu etablieren und zu erhalten. Wenn auch viel zum methodischen Vorgehen und den Rahmenbedingungen gesagt werde könnte (vgl. Beteiligung übers Reden hinaus. Gemeinsinn‐Werkstatt: Materialien zur Entwicklung von Netzwerken; Hrsg. Wolfgang Fänderl, Bertelsmann‐Stiftung, 2005), hier nur der Hinweis auf die zuvor erwähnte zwischenmenschliche Interaktion. Erfolgreiche Vernetzung funktioniert ...

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Vernetzung braucht also Menschen, die sowohl emotional, funktional als auch interessenorientiert in Kontakt treten und Beziehungen aufbauen und beenden können. Diese sozialen Fähigkeiten bzw. 'soft skills' sind je nach Neigung und Erziehung recht unterschiedlich entwickelt, können aber bis zu einem gewissen Grad auch später noch durch Fortbildung und praktische Erfahrungen weiterentwickelt werden.

These 3: Lebendige Vernetzung ist alltäglich

08-03-28_networking-tagung_-_153_kopie.jpg Es kommt also nicht nur auf die Arbeitszeit an, in der Geschäftsbeziehungen aufgebaut und entwickelt werden, sondern auf den Gesamtkontext eigener Beziehungen und Vernetzungsbemühungen. Vieles lässt sich im Privaten lernen, was dann später im Geschäftsleben sinnvoll zu nutzen ist und umgekehrt.

Net-living ist jenseits von „Visitenkarten‐Parties" und "Business-Plattformen" ein persönlicher wie institutioneller Entwicklungsprozess, der hilft Kontakte aufzubauen und langfristig zu halten, für gemeinsame Probleme optimierte Lösungen zu erarbeiten und die Qualität von Beziehungen zu verbessern.

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In einer praktischen Einheit

wurde dann das Publikum gefragt: „Wie kann net-living unterstützt werden?"

Dabei erzählten die Beteiligten in Dreierteams sowohl positive als auch negative Erlebnisse aus ihrer Vernetzungsarbeit, um anschließend herauszufiltern, was bei Vernetzung speziell zu beachten ist?"

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Hier die stichwortartigen Ergebnisse vom 28.03.08:

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Wie führt die net‐working‐Tagung zu lebendigen Ergebnissen? (3 Tipps)

Da dieser Impuls für den Einstieg zur Tagung „Networking - what works?!" genutzt wurde, wollte Wolfgang Fänderl konkret zur Tagung noch ein paar Hinweise geben:

Tipp 1: Komplexität willkommen heißen

Anhand von zwei Bildern von Ursus Wehrli („Kunst aufräumen") machte er deutlich, dass Lebendigkeit und Komplexität nicht einfach vermittelt und kategorisiert werden kann. Wir müssen sie in ihrem chaotischen Zustand erst zulassen, um später Schlüsse daraus ziehen zu können.

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Tipp 2: Kreativ ausschweifen

Mit Blick auf das Gehirn und seine Regionen wurde deutlich, dass das Zusammenwirken von Rationalem und Intuitivem, Bewusstem und Unbewussten eng verzahnt ist und sich gegenseitig bedingt. Deshalb also nicht nur logisch vorgehen, sondern auch mal kreativ ausschweifen, ein Bild malen, von was ganz anderem Reden, Assoziationen zulassen.

Tipp 3: Dann wieder zum Punkt kommen!

Bereits der Titel der Veranstaltung hatte etwas Konkretes im Auge und war wohl dadurch auch einladend für alle Beteiligten: „Erfolgserlebnisse der Vernetzungsarbeit auf den Punkt gebracht." Wer also wieder zum Kern der Tagung zurückfinden wollte, der konnte sich an den 4 Kernfragen bzw. 12 Detailfragen orientieren:

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WOZU?

  • Wann machen Vernetzung und Zusammenarbeit Sinn?
  • Wofür braucht es Methoden-Wissen und -Erfahrung?
  • Wozu sind wir hier?

WAS?

  • Was heißt für uns „Networking"?
  • In welchen Kontexten finden Vernetzungsprozesse statt?
  • Welcher Mehrwert wird für Beteiligte und Nicht-Beteiligte erzielt?

WER?

  • Wer kann Vernetzung brauchen? Wem kommt Vernetzung zu Gute?
  • Wer stellt Vernetzungsansätze und -anlässe zur Verfügung?
  • Mit wem macht Vernetzung Sinn? Wer ist ein wichtiger Kooperationspartner?

WIE?

  • Wie funktionieren erfolgreiche Vernetzungsansätze? Welche Tipps lassen sich auch an andere weitergeben?
  • Wie können wir auch aus Fehlern lernen?
  • Wie lassen wir es uns und anderen bei der Veranstaltung gut gehen?

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Der Programmablauf spiegelte die Vernetzungsidee der Veranstaltung wieder, die zunächst ein gegenseitiges Kennenlernen, die thematische Einführung und den Austausch als auch eine Konkretisierung von nächsten Schritten gefördert hat.

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Vielen Dank für das wunderbare Zusammenspiel einer gelungenen Netzwerk-Tagung!

Kontakt

Wolfgang Fänderl
www.vernetzungsberatung.com

Dokumentationsaufnahmen:
Markus Püttmann
www.impulsraum.eu

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