Aktuell
Termine
Initiativen
Gedanken
Hinweise
Erläuterungen

Apr 07 2008
Community Organizing als Wahlkampfmittel Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang C. Goede   
Montag, 7. April 2008

obama-portraitDas war bisher nicht vorstellbar - jetzt greift ein Afro-Amerikaner nach dem Weißen Haus. Barack Obama will US-Präsident werden und hat „CHANGE" auf seine Fahnen geschrieben. „Yes! We. Can" lautet der Schlachtruf seiner Unterstützer. Community Organizing auf breitester Ebene, über alle Grenzen hinweg - das soll den Sieg einfahren und die Nation verändern. Der Politologe und Journalist Wolfgang C. Goede hat Mediabeiträge gesichtet.

In der Tradition des Community Organzing ist es Gesetz: Hier die Bürger, dort die Politiker - die Grenze ist wie eine Mauer. Ein Community Organizer, der sie überspringt und in die Politik geht, gilt als treuloser „verlorener Sohn".

Diesen Tabubruch hat Barack Obama begangen. Nach dem Collegeabschluss arbeitete er in Chicago im Schwarzenghetto als Community Organizer, bevor er sich dem Jurastudium zuwendete, danach sich der Politik verschrieb und Senator des US-Bundesstaates Illinois wurde, um sich jetzt mit Hillary Clinton, Frau von Ex-Präsident Bill Clinton, ein heißes Rennen um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei bei den Wahlen am 4. November 2008 zu liefern.

Warum sich der Afro-Amerikaner mit einem schwarzen Vater aus Kenia und einer weißen Mutter aus Kansas, der großteils in Hawaii und Indonesien aufwuchs, für das Community Organizing entschloss, welche „Soft Skills" er dabei lernte und wie er die Empowerment-Methode für seine politische Karriere nutzte, das erzählen Zeitungsberichte in der US-amerikanischen „New Republic" und der britischen „Sunday Times":

http://www.pickensdemocrats.org/info/TheAgitator_070319.htm

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/us_and_americas/...

In einem Youtube-Beitrag berichtet der Kandidat, wie ihn die Bürgerrechtsbewegung inspirierte und wie er erkannte, dass man nur auf der Graswurzelebene Änderungen bewirken kann, die von unten nach oben arbeiten und die Menschen auf diesem Weg mitnehmen.

Seine Kampagne setzt die Werkzeuge des Community Organizing gezielt ein, um die US-Bürger dazu zu bewegen, ihre Wählerstimme dafür einzusetzen, dass die Macht der Lobbyisten und der großen Konzerne in Washington gebrochen wird, letztlich durch Obama selbst, wenn er den Sprung ins Oval Office schaffen sollte. Community Organizing ist ein absolutes Novum in der Politik.

Obama bleibt ein Down-Top-Organizer, nur hat er durch seine Entscheidung für die Politik einen Quantensprung auf eine höhere und energetischere Ebene gemacht, um das mal physikalisch auszudrücken, nachdem er in seiner Arbeit in Chicago erkannte, dass die Veränderungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene, selbst bei hoher Vernetzungsdichte, beschränkt bleiben: 

http://www.youtube.com/watch?v=htnL6QRCqK0&sdig=1

Der Senator geht sogar noch weiter. Er hat ein Projekt mit dem Namen „Obama Organizing Fellows" angekündigt. Darin sollen im Sommer 2008 junge Leute zu Community Organizern ausgebildet werden, die nicht nur für seine Kampagne aktiv werden, sondern später in den über das ganze Land verteilten Community Organisationen. Obama erinnert daran, dass seine „Lehrzeit in Chicago" sein Leben bestimmt und verändert hat, nicht zuletzt durch das Erfahren der eigenen Macht (und Ohn-Macht):

http://my.barackobama.com/page/s/fellowsapp

Darüber hinaus begreift der bekennende „Graswurzler" auch Wissenschaft, Forschung und Technologie als Machtzentren in unserer Gesellschaft, über die viel mehr öffentlich gesprochen werden sollte. Deshalb ist er bereit, während seines Wahlkampfes über Schlüsseldisziplinen und Kontroversen eine Debatte zu führen. Das könnte dazu führen, dass auch in anderen Ländern bei Wahlkämpfen die Wissenschaft aus ihren Elfenbeintürmen herausgeholt und transparent gemacht wird.

Dies ist ein weiteres Novum in der Politik, der zur Aufklärung der Bürger beiträgt sowie dem Empowerment der Steuerzahler und Konsumenten, die erfahren: Welche Art von Forschung finanzieren sie und wie nützlich sind die Dinge, die sie kaufen:

http://blogs.pm-magazin.de/openscience/stories/25507

obama__hillary

Derzeit, Anfang April 2008, liegt Obama in dem Wettrennen vor Clinton. Auch das verdankt er seinem Ansatz und der enormen elektronischen Vernetzung seiner Unterstützer: Während sie kaum mehr Geld hat, um die entscheidenden Vorwahlen im Frühjahr zu überstehen, klimpern in seiner Wahlkampfkasse die Dollar-Millionen. Nach acht grauen Busch-Jahren, während derer sich manch US-Amerikaner aus Scham im Ausland als Kanadier ausgab, erlebt die Nation eine „Obamania", und Eltern bekennen, dass sie für ihn stimmen, weil ihre Kinder sie davon überzeugt haben.

Es wird befürchtet, dass sich die Demokraten mit dem ungewöhnlichen Rennen selber kanibalisieren und die Republikaner mit ihrem Kandidaten John McCain die lachenden Dritten sind. Das könnte aber auch der Friedensnobelpreisträger Al Gore sein, wenn der sich entschlösse, seinen Hut noch in den Ring zu werfen und es ihm gelänge, Obama den Vize-Posten anzutragen.

Sollte Obama es schaffen und im Januar 2009 George W. Bush ablösen, werden die nächsten vier Jahre außerordentlich spannend, wie er als mächtigster Mann der Welt den Graswurzeln treu bleibt und als Down-Top-Präsident den Herausforderungen der globalisierten Welt begegnet.

Wie auch immer der Ausgang, der Mann hat bereits tiefe Spuren hinterlassen, auch in Deutschland. Er hat hierzulande das Community Organizing bekannt gemacht, es aus seiner Nische geholt und mit Beispielen aus seiner Organizer-Arbeit klar gemacht, dass es mit Sozialarbeit im klassischen Sinne nichts gemein hat, sondern ein völlig neues Feld der sozialen und politischen Arbeit eröffnet: Hier wird nicht einem Hilflosen in der Tradition karitativer Arbeit beigestanden, sondern er lernt, wie er sich selber helfen kann, mit den Mitteln solidarischer und auf Selbstinteressen fokussierender Vernetzung und des Machtgewinns.

Diese Klärung wird helfen, das neue Berufsfeld auch in Deutschland und Mitteleuropa weiter zu etablieren und letztlich der Sozialforschung und der Ausbildung in den sozialen Berufen einen frischen Schub zu geben: 

http://blogs.pm-magazin.de/openscience/stories/22370/

Last not least: In US-Amerika hat der Kandidat mit seiner denkwürdigen Rede über Rassen Geschichte geschrieben, die Barack Obama in den Rang eines Martin Luther Kings hebe, so einflussreiche US-Medien:

http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=88478467

obama_am_23.02.07

Kontakt:

Wolfgang C. Goede
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
www.empowerhaus.de
Forum Community Organizing Foco e.V.
http://www.fo-co.info

Kommentare

Nur angemeldete Besucher können Kommentare verfassen.
Bitte melden Sie sich an oder erstellen Sie sich ein neues Benutzerkonto.

Powered by AkoComment 2.0!

 
Mai 2008
Mo Di Mi Do Fr Sa So
2829301 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1
 


© 2006 Netzwerk Gemeinsinn e.V. | Web-Design: 01Null GbR Baernreuther & Schmitz