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Die Veranstaltung "Networking - what works " hatte am 30.03.2008 Dr. Ruth Sander als Referentin für einen Erlebnisbaustein zu Gast. Mit Politik im Raum wurde die Tibet-Frage aufgestellt und die Ergebnisse liegen bereits als Bericht vor.
Da ein üblicher Durchlauf von ‚Politik im Raum' drei Stunden und mehr dauert (vgl. letzten Workshop), einigen wir uns anfangs auf eine Kurzfassung.
Nach kurzen Kennenlern-Übungen (ordnen nach den Vornamen, eigene Beziehung zu Politik ausdrücken durch Nähe - Distanz zeigen) gibt's ein Brainstorming, um ein geeignetes Thema zu finden. Nach kurzem Austausch einigen wir uns auf die Frage
„Soll der Sport im Fall Tibet Druck ausüben?"
und auf die Elemente
- „Wir" (= die mehr oder minder informierte Öffentlichkeit)
- China
- Tibet
- die Sportwelt (ohne Unterscheidung Sportler - Funktionäre)
- die UNO
und gehen in die Aufstellung.
Im ersten Bild ist Wir mehr nach außen orientiert und an vielem interessiert. Es ist ambivalent, ob es seinen Blick in den Raum richten will; wenn es das nämlich täte, würde es nämlich vielleicht die moralische Verpflichtung zum Handeln fühlen...
China steht breit in der Mitte des Raumes und fühlt sich mächtig. Allerdings fühlt es auch Wut auf Wir: „Die kritisieren uns schließlich! Dann sollen sie auch Stellung beziehen!"
Tibet steht weit abgeschlagen im Hintergrund des Raumes. Es fühlt sich im Dunkel, im Schatten, ohne Handlungsspielraum.
Die Sportwelt steht nahe bei China und zwischen Wir und Tibet. Sie fühlt sich ambivalent: einerseits will sie zu China, andererseits fühlt sie große Spannung und Druck zwischen Wir und Tibet.
Die UNO hat nahe Tibet im Hintergrund des Raumes Position bezogen. Sie will Tibet helfen, fühlt sich aber hilflos und wütend angesichts der Dominanz Chinas und der Sportwelt, die die Mitte des Raumes besetzen.
Aufgefordert, den eigenen Impulsen zu folgen, ergeben sich folgende Veränderungen:
Die Sportwelt verändert die eigene Position so, dass sie nicht mehr zwischen Wir und Tibet steht. China macht einige Schritte auf die UNO zu und versucht Kontakt aufzunehmen. Das ist erleichternd für die Sportwelt: „Jetzt wird das auf der richtigen Ebene behandelt und hat mit mir nichts mehr zu tun."
Für die UNO verändert sich durch Chinas Kontaktaufnahme viel. Sie fühlt sich nun mächtig und versucht China zu rügen und zurechtzuweisen - worauf China seinen ursprünglichen Platz wieder einnimmt und sich von der UNO wieder abwendet.
Tibet durchläuft ein Wechselbad der Gefühle: Es ist enttäuscht von der Sportwelt, hofft auf die UNO, ist dann auch von dieser enttäuscht und schwankt zwischen Gewaltmaßnahmen gegen China und dem Versuch, verbal Kontakt zu China aufzunehmen.
Die Schlussmeldungen aus der Aufstellung:
Wir: „Wir bräuchten gut aufbereitete Informationen und Angebote zu Interaktionen. Denn es ist Frühling, es gibt viele interessante Sachen und Themen, und wir können uns ja schließlich nicht um alles kümmern..."
China: „Ich würde mich gern mit der UNO auseinandersetzen - aber nur auf gleicher Augenhöhe. Wenn ich von dort gemaßregelt werde, mache ich zu. Und was Tibet betrifft: Ich weiß gar nicht, was die wollen."
Tibet: „Ich habe von niemandem wirklich etwas zu erwarten. Ich muss mich selbst um meine Angelegenheiten kümmern."
Die Sportwelt: „Ich bin heilfroh, wenn ich mit Politik nichts zu tun haben muss."
Die UNO: „Hier geht es um Wertschätzung. Wenn die nicht da ist, geht nichts."
In der Nachbesprechung werden noch folgende Einschätzungen geäußert:
„Die Bürger brauchen nicht nur gut aufbereitete Informationen, sondern auch Angebote zur Interaktion. Also sich zusammensetzen, sich austauschen, gemeinsam was tun. Wenn's das nicht gibt, dann bleibt's bei Internet-Petitionen, die schön das Gewissen beruhigen..."
„Mich beschäftigt, dass China geäußert hat, dass es nicht weiß, was Tibet will. Vielleicht ist das ja so zu erklären: Die Sprecher Tibets sitzen im Ausland und werden von China nicht anerkannt, also auch nicht gehört. Vielleicht muss sich wirklich im Land selbst eine Opposition bilden, die dann von China gehört werden kann."
„Ich meine, eine unheilvolle Dynamik erkannt zu haben: Je mehr der Westen Tibet zum Opfer stempelt, desto hilfloser und handlungsunfähiger wird es auch. Ich denke, wir sollten konkrete Hilfsangebote machen, wie die Tibeter sich organisieren könnten anstatt für die Tibeter zu sprechen, ihnen quasi Hilfe zur Selbsthilfe geben. Ich denke, Tibet wird irgendwann ein eigener Staat sein. Aber das wird ein mühevoller und opferreicher Prozess werden, den wir den Tibetern nicht abnehmen können."
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Nach diesem inhaltlichen Teil beschäftigen wir uns noch mit der Methode. In diesem Zusammenhang wird auch noch ein weiteres Setting vorgestellt:
Topoi (Erörterungen, Verortungen):
Im Gegensatz zum Format ‚Politik im Raum', das für öffentlich zugängliche Veranstaltungen gedacht ist und zur Sensibilisierung für aktuelle Themen dient, ist Topoi ein Format, das sich an politische Gremien und Institutionen wendet, die in schwierigen Fragen oder Entscheidungsprozessen feststecken oder präventiv auf die Komplexität reagieren wollen.
Hier wird im geschützten Rahmen mit den Entscheidungsträgern an ihrem Thema gearbeitet und das Format zu folgender Abfolge erweitert:
- sich vertraut machen mit dem Thema
- eine gewohnte, rationale Auseinandersetzung mit dem Thema, z.B. eine Debatte oder eine Sammlung von Pro- und Contra-Argumenten für eine Entscheidung
- eine ungewohnte, analoge Auseinandersetzung mit dem Thema, z.B. eine Aufstellung wie bei ‚Politik im Raum'
- eine Runde der Vergemeinschaftung des Erlebten, z.B. ein Dialog nach David Bohm
- die konkrete Planung nächster erforderlicher Schritte.
Ansprechpartner für dieses Format sind Wolfgang Fänderl und Ruth Sander . Ein Artikel hierzu befindet sich auf diesem Webportal.
Näheres über ‚Politik im Raum' und die aktuellen Termine sind unter www.politik-im-raum.org und unter www.netzwerk-gemeinsinn.net zu finden.
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