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Feb 21 2008
Gelassenheitstraining im Park - eine Volksbewegung Drucken E-Mail
Geschrieben von Helke Fussell & Wolfgang Fänderl   
Donnerstag, 21. Februar 2008

henner.infochinadiashow_2004 Gelassenheit? Wie ist es möglich, in unseren bewegten Zeiten Gelassenheit zu bewahren? Das Regionaltreffen am 31.03.08 im Münchner ÖBZ mit Helke Fussell als Gelassenheitstrainerin hatte die Vision im Zentrum, mit Körperübungen das 'Volk' in öffentlichen Parks in Bewegung zu bringen.

WAS 

Vieles ist im Umbruch, alte Strukturen lösen sich auf, neue sind noch nicht tragfähig. Da ist der Mensch wieder auf sich zurückgeworfen und Ängste, Überforderung, Druck etc. sind vorprogrammiert. Sich nicht von den Emotionen überrollen zu lassen, den Überblick zu bewahren, Kreativität zu fördern, klare und pragmatische Entscheidungen zu treffen - all das soll mit dem Gelassenheitstraining bewirkt werden.

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Das Gelassenheitstraining ist eine Form der mentalen und körperlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Person, das auf das körperorientierte Coaching von Dr. Boudewijn Vermeulen zurückgeht. Helke Fussell hat sich in dieser Arbeit ausbilden lassen und sie in den letzten fünf Jahren in verschiedenen Projekten umgesetzt. Eines davon wollte Sie beim Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn e.V. näher beleuchten:

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Das Parkprojekt:

Eine große Bewegung fängt immer mit einer kleinen Welle an.

Das Plätschern:

Zu unterschiedlichen Zeiten (morgens um 7 Uhr, in der Mittagspause, abends um 18.00 Uhr) haben wir in den letzten Jahren im Luitpoldpark und im Englischen Garten in München das „Gelassenheitstraining im Park" angeboten. Das Training besteht aus einer Bewegungsmeditation mit Musik, die in alle 4 Himmelsrichtungen ausgeführt wird. Diese Meditation ist von der Bewegung her mit Tai Chi zu vergleichen, ist allerdings wesentlich leichter erlernbar und zeigt sofortige entspannende und zugleich energetisierende Wirkung.

In der freien Natur ist das Erlebnis besonders intensiv, da die Stimmung immer wieder anders ist, der Sauerstoff gut tut und auch die Öffentlichkeit eine neue Dimension bietet. Wir haben mit der Übung immer wieder experimentiert und sie auch auf dem Streetlife Festival mitten auf der Leopoldstraße mit einer größeren Gruppe praktiziert - eine außergewöhnliche Erfahrung!

Eine kleine Welle:

In diesem Jahr haben wir uns entschieden, ein Team zu formieren und das Gelassenheitstraining in verschiedenen Münchner Parks anzubieten.  Die Trainer sind Körpertherapeuten, Coachs und Menschen, die Dienstleistung am Menschen anbieten und Freude daran haben, die Teilnehmer in empathischer Weise durch diese Meditation zu führen. Together we are strong.    

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Die große Welle - eine Volksbewegung

Ich könnte mir vorstellen, dass in ganz Deutschland die Menschen Gelassenheit in den Parks trainieren. Mich haben die Bilder aus Asien fasziniert, wo es eine Selbstverständlichkeit ist, morgens vor der Arbeit den Körper in Schwung zu bringen und dies auch öffentlich und in Gemeinschaft zu tun. Die Synchronisation der Bewegungen mit anderen Menschen hat eine sehr stärkende Wirkung, und danach kann wieder jeder sein eigenes tun.

Meine Fragen an den Kollegen/innen-Kreis 

Bislang suche ich noch Trainer, die bereit sind, ein Commitment einzugehen und Gruppen im Park anzuleiten. Und dann wünschen wir uns viele Teilnehmer für alle Kurse. Gelassenheitstraining im Park soll seinen Auftakt am 19. April 2008 haben und die Einzelstunde wird 10 € kosten (mit 10er Karte 80 €).

Als Fragen wurden beim LeMoMo am 31.03. vor allem folgende Fragen behandelt (vgl. Bericht im Anschluss) 

  • Wird das so geplante funktionieren? Wird daraus eine "Volksbewegung" entstehen?
  • Was kann aus anderen Bewegungen gelernt werden? Welche strategischen Tipps gibt es dafür?
  • Wer möchte mitmachen?

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WER 

Die Beteiligten:

Die 12 Interessierten und KollegInnen des Netzwerks kamen aus Beratung, Moderation, Training, Pädagogik, Verwaltung und Politik. 

Die Initiatorin:

helke_fussell Helke Fussell, Jahrgang 1964, 2 Kinder, verheiratet, Hotelfach gelernt, in Paris und London gearbeitet, seit 1994 Unternehmensgründung und -aufbau in der IT-Branche, 2002/2003 Ausbildung bei Vermeulen, seit 2003 selbständig als Gelassenheitstrainerin, Film mit dem Bayerischen Fernsehen, Artikel in SZ, Interviews in Regionalradios, Hobbies: Singen, Tanzen, Klavier, Lesen, Philosophieren, Ideen aushecken. Angebot professioneller Seminare „Mit Gelassenheit zum Erfolg", „Gelassen in jeder Beziehung" und Einzelcoachings über www.gelassenheitstraining.de

Moderation / Gastgeber

Die Regionaltreffen für Fachkolleginnen und -kollegen werden von Netzwerk Gemeinsinn e.V. in Kooperation mit dem Ökologischen Bildungszentrum veranstaltet. Als Gastgeber stellen sie Räume und Basis-Catering zur Verfügung. Moderation übernahm Vernetzungsberater Wolfgang Fänderl. 

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WIE 

Ablauf des Abends (Bericht Wolfgang Fänderl)

Das Regionaltreffen am letzten Montag im Monat (LeMoMo) wurde gegen 18.30 Uhr informell mit einem Mitbringbuffet eröffnet. Um 19.00 Uhr begannen wir mit ein paar Informationen zur Netzwerk-Tagung des vorherigen Wochenendes, einer Vorstellungsrunde aller Beteiligten und klärten die Erwartungen an den Abend.

Helke Fussell machte nach einer kurzen Einführung (s. WAS) mit uns eine praktische Bewegungsübung mit Erfahrungsrunden, um die Wirkung des Gelassenheitstrainings am eigenen Leib zu erfahren.

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Hierzu wurden in der Reflexion am Ende der 30 Minuten z.T. gegenläufige Aussagen getroffen:

  • Es war leicht zu lernen und mitzumachen; die integrative Schlussübung fiel mir erstaunlicher Weise am leichtesten - es gab Aerobic-Stress am Anfang, da die Bewegungen noch ungewohnt waren
  • Mir wurde es warm während der Bewegungen - es war etwas kalt und ich bin reingegangenIch konnte bei Konzentration auf Atmung und Bewegung gut abschalten - ich denke nach wie vor an viel zu viel während der Übungen
  • Ich habe die Körperübung genossen; es war ganz schön schnell - ich bin kein Fan von langsamen gleichförmigen Bewegungen
  • Ich fand die Synchronität in der Gruppe als Bereicherung; der Gleichklang hat mir gut gefallen - Monotonie macht mich kribbelig und ich habe eher Stress empfunden als bei schnellen Sportarten
  • War da nicht eine Stelle in der Musik, wo es etwas schneller wurde? Das hat mich irritiert - der Schnelligkeitswechsel hält bei gleichbleibenden Bewegungen die Spannung und verhinderte Langeweile und Müdigkeit
  • Mich interessiert was hinter der Anwendung steckt; gibt es eine Philosophie? - mich interessiert nur das was ich erlebe, egal welche Philosophie

Weitere Rückmeldungen: 

  • Die Verspannungen sind weg; die Hüfte ist beweglicher geworden; ich kann mich jetzt gut spüren;
  • Was mich reizt ist die Übung im Park, an der frischen Luft; selbst Hunde finden es spannend, gehen näher brechen aber nicht in die Formation der Gruppe ein
  • Ich hatte eine Vision: ich stehe mit Hunderten von Menschen im Regen, der „Gelassenheits-Blaster" in Folie verpackt und es macht Spaß

Helke Fussell bedankt sich für das Feedback, das Mitmachen, aber auch das Aufhören und für sich selbst sorgen, als es unangenehm wurde.

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Entwicklung der Methode: Sie selbst hat die Übung in ihrer Coaching-Ausbildung erlernt. Entwickelt wurde dieser einfache und doch tief wirksame Bewegungsablauf von einem marokkanischen Sufi mit schamanistischem Hintergrund, der in Europa seine Arbeit auf Kongressen vorgestellt und Fortbildungen für Psychotherapeuten durchgeführt hat.

Im Unterschied zu Tai Chi ist diese Übungsfolge leicht erlernbar und auch individuell mit Komplexität anreicherbar (z.B. parallel rückwärts Zählen).

Helke Fussell sieht die Übungen als einen Ausdruck von "Freiheit in Gemeinschaft". Die Synchronität der Bewegungen wirkt nach innen und nach außen. Auch bei den Abfragen wird jede Äußerung unkommentiert stehen gelassen und als Toleranz fördernder Aha-Effekt stellt sich ein, dass jeder Mensch ein und die selbe Übung höchst unterschiedlich empfinden kann.

Es werden sowohl Geist als auch Körper angeregt und miteinander verbunden und seit längerem möchte sie die Erfahrungen der Einzelcoachings auf Team- und Großgruppenerfahrungen übertragen.

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Nach drei Jahren des öffentlichen Ausprobierens steht für Sie nun ein Projekt an, zu dem sich inzwischen ein Kreis von TrainerInnen gefunden hat. Jeder Gelassenheitstrainer wählt seinen Park und seine Zeit (über die gemeinsame Webseite angekündigt) und sorgt für seinen Kreis an Mitmachern. Von den 10,- €  gehen 20 % an die organisatorische Begleitung des Projekts und am 19.04.08 geht es offiziell los, wenn auch kaum aktiv Medienwerbung gemacht wird, um ein organisches Wachstum zu gewährleisten. Parallel gibt es in Hamburg und Berlin weitere Trainerkreise, die gerade entstehen.

Rückmeldungen aus dem KollegInnenkreis:

Die Idee ist wunderbar und wie sich zeigt scheint es ein breites Interesse zu geben, Gelassenheitstrainings im Park umzusetzen. Die Motivation der vorhandenen Trainer und Trainerinnen sowie eine bunte Mischung an Teilnehmenden wird diese Auftritte im Park recht attraktiv machen.

Die Übungen sind wunderbar und könnten evtl. auch bei größeren Tagungen oder in Mediationsprozessen wunderbare Wirkung entfalten. Wichtig ist wohl, dass die Teilnahme freiwillig möglich ist und kein Gruppenzwang besteht.

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Die positive Erfahrung hat dennoch die Frage aufgeworfen: Sind die Teilnehmer bereit für eine Übung im öffentlichen Raum Geld zu bezahlen? Aus Sicht von Helke Fussell ist die Idee einen Spendentopf aufzustellen oder sich über eine öffentliche Förderung zu finanzieren nicht unbedingt förderlich. Es wird eine qualitativ hochwertige Leistung geboten und dafür sind Menschen bereit etwas zu zahlen: Was nichts kostet ist nichts wert.

Angesiedelt zwischen Stadtsport (2,50 € die Stunde) und Aerobic-Studio (bis 80,- € im Monat) scheint für die Mehrzahl der Kollegen die 10,- bzw. 8,- € verhältnismäßig hoch. Auch stellte sich die Frage, ob man von einer „Volksbewegung" sprechen kann, wenn die Hürden für Teilnehmer zu hoch sind (Intensität, Öffentlichkeit und Preis). Andererseits wird aber durch das Kaufen einer Zehnerkarte Wertschätzung und ein gewisses Commitment ausgedrückt, die es braucht, um Kontinuität herbeizuführen.

In einer weiteren Runde wurden andere „Bewegungsmethoden" und ihre Entwicklungsgeschichte verglichen, um möglicher Weise Lösungsideen für eine breitere Beteiligung zu finden. Dabei kamen von Tai Chi über Chi Gong, Nordic Walking und Aerobic, Tango Argentino im Hofgarten bis hin zum "Trimm Dich Pfad" und Stadtsport-Angeboten verschiedene ‚Bewegungen' zur Sprache. Jede Bewegung war gesellschaftlichen Entwicklungen und Moden unterworfen und prägte sich in unterschiedlichen Formen aus. Es bleibt also offen, wie sich das Gelassenheitstraining im Park aufstellen muss, um in unserer Zeit erfolgreich zu sein. Das Thema ist jedenfalls höchst aktuell, wie sich aus dem Medieninteresse schließen lässt.

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Die Abschlussrunde fand gegen 21.40 Uhr statt und fasste die wesentlichen Eindrücke des Abends wie folgt zusammen:

  • Herzlichen Dank für die Praxiserfahrung und die Präsentation im gemeinnützigen Rahmen; super Anleitung; ein tolles Engagement; klasse Erfahrung so ein Training zu machen;
  • Helke ist eine Sympathie-Trägerin, die Trainings im Park ergeben ein schönes und attraktives Bild und es wird sicher ein gutes Modell daraus erwachsen.
  • Die letzte Auseinandersetzung war besonders wertvoll; gut dass es die Regionaltreffen auf kollegialer Ebene gibt

Kontakt Regionaltreffen München

Wolfgang Fänderl
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