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Feb 10 2008
Gemeinsinn-Werkstatt Hamburg - Zwischenstand Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Fänderl & Ilse Grant   
Sonntag, 10. Februar 2008

08-02-07_interview_ilse_debler_1Die Kunst liegt nicht alleine in der Planung als vielmehr in der Durchführung eines Beteiligungsprozesses. Da Kunst von Können kommt, hier wertvolle Hinweise einer Projektleiterin, die das Beteiligungsverfahren Gemeinsinn-Werkstatt mitentwickelt hat und für die Nachmittagsbetreuung von Kindern in einem Hamburger Stadtteil nutzt.

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Die Wildschweinfigürchen, einst im Logo von HoG'smittkids, sind inzwischen nur noch auf der Website zu finden und trotz Risiko der Missverständlichkeit möchte Ilse Grant auch nicht auf sie verzichten. "HoG" steht für die Horner Geest, aber es bedeutet im Englischen auch "Grosses Schwein" - und das können die Kinder brauchen!, heißt es im Infotext der BürgerStiftung Hamburg für das Projekt.

Netzwerk Gemeinsinn: Liebe Ilse Grant, kannst du uns kurz auf den Stand deiner Gemeinsinn-Werkstatt in Hamburg bringen? Es ging ja um die vernetzte Schulbetreuung im Stadtteil Horner Geest (vgl. Bericht vom 17.10.06 ). Was habt ihr Euch denn für Ziele gesetzt und wie hat sich der Kontext des Projekts entwickelt?

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Wolfgang Fänderl im Gespräch mit Ilse Grant am 07.02.2008 während einer Tagung in Loccum

Ilse Grant: In unserem Stadtteil wollen wir Nachmittagsprojekte für Kinder und Jugendliche kultivieren, die allgemein- und persönlichkeitsbildend sind. Die Horner Geest ist ein Stadtteil mit überdurchschnittlich hohem Migrations- und Hartz IV-Hintergrund. Deshalb möchten wir für Kinder, die nicht an Ganztagsschulen sind, Nachmittagsangebote zu erschwinglichen Preisen offerieren können. Die Teilnahme an dem ganzen Programm kostet eine Familie ab 15,- € pro Halbjahr und Kind. Somit verbessern sich langfristig die Bildungs- und Entwicklungschancen der Zielgruppe, und eine gesellschaftliche Teilhabe und Integration wird wahrscheinlicher. 

Wir sind uns einig, dass in  Zukunft die Kooperation von Jugendsozialarbeit und Schulen immer wichtiger wird, und mit  diesem Projekt schlagen wir eine Brücke über den Graben zwischen diesen beiden Institutionen. Schulen sind der Ort, an dem Kinder einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbringen. Dies in einem entspannten Verhältnis und mit guten Ergebnissen in Erinnerung zu haben, ist eine Investition in die Gegenwart und Zukunft. 

Netzwerk Gemeinsinn: Wie hat sich das Projekt und seine Teilprojekte entwickelt? 

Ilse Grant: Anfangs wurden mit einem Initiativkreis, bestehend aus einem Querschnitt von Beteiligten, Erwartungen und Wünsche erarbeitet, Möglichkeiten, Mitwirkende und Methoden (Was, Wer, Wie) ausgehandelt. Einiges sieht aus heutiger Sicht wieder anders aus, denn die neuen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit haben neue Themen entstehen lassen.

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Beteiligter im Initiativkreis beim Präsentieren der Gruppenergebnisse zum Was, Wer, Wie  

Nach und nach sind dann Projekte zu der als Herzstück und roter Faden etablierten Hausaufgabenhilfe hinzugekommen. So wird inzwischen Mittagessen angeboten, es gibt Brettspiele und Sportaktivitäten, eine Mädchengruppe ist am wachsen und seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 gibt es auch Kreativtraining und eine Breakdance-Gruppe. Weitere Projekte sind gerade in der Entwicklung. 

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'Just do it - Hausaufgaben & mehr' - Betreuende und Kinder an der Schule Steinadlerweg

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Projekt Brettspiele - die Kinder lernen sehr schnell, wie Schach funktioniert

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Im HipHop-Projekt lieben die Kinder die 'Freeze'-Positionen beim breakdance  

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Beim Kreativitätstraining 'Tanz der Farben' ist der Andrang so groß, dass zwei Kurse daraus entstanden sind. Der neuere mehr mit Schwerpunkt auf Fingerfertigkeiten 

Netzwerk Gemeinsinn: Wer ist denn bei dem Projekt die Zielgruppe und wer sind Kooperationspartner?

Ilse Grant: Die Initiative hatte ihren Ursprung beim türkischen Elternbund Hamburg Ost e.V. Zusammen mit dem JuZ Horner Geest e.V. und dem Beschäftigung & Bildung e.V. haben sie die Hausaufgabenhilfe an zwei Bildungseinrichtungen angeboten.

Inzwischen gibt es nicht nur eine Zielgruppe.

Da sind zunächst die Kinder und Jugendlichen, für und mit denen wir die Situation am Nachmittag verbessern wollen. Dazu sind wir in engem Kontakt mit dem Schulpersonal und auch sehr daran interessiert, die Eltern mit einzubeziehen. Zudem werden Aktivjobber integriert, die maßgeblich an der Umsetzung der Hausaufgabenhilfe beteiligt sind und dies größtenteils auch mit Freude tun.

Inzwischen kooperieren 5 lokale Einrichtungen: das Jugendzentrum, das Kinder- und Familienzentrum und 3 Schulen (eine Grundschule zwei Haupt- und Realschulen). Mit kollegialer Hilfe werden gut 200 Kinder und Jugendliche erreicht. Hinzu kommen etliche weitere Kooperationspartner.

Dabei ist ein großes Netzwerk entstanden, das miteinander im Austausch steht. Die bereits vorhandenen Strukturen werden genutzt, das Projekt ist in knapp zwei Jahren zu einer bekannten Instanz im Stadtteil gereift und findet allerseits Anerkennung.

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Nachgereichter Artikel vom 09.02.2008 im Hanse-Journal

Netzwerk Gemeinsinn: Wie habt ihr Euch organisatorisch bei dem Projekt aufgeteilt?

Ilse Grant: Ich selbst habe die Projektleitung und Gesamtkoordination übernommen. Mein Kollege Uli Nehls übernahm die Moderation von Initiativkreistreffen und einer Großgruppenveranstaltung im ersten Jahr. 

Das Jugendzentrum ist als Träger für die Verwaltung von Finanziellem zuständig und beratend tätig bei Antragstellungen für Fördermittel. Die dortigen Mitarbeiter unterstützten  die Vorbereitungen von Großevent, einzelner Bühnenaktionen und Sportangebote. So haben sie z.B. ein Wissensquizz ausgestaltet und die  Organisation der Basketballtorständer und deren Transport übernommen. Ein Kollege betreut die Kinder beim Fußballspielen nach den Hausaufgaben.  Im Jugendzentrum findet der Mädchentreff statt. 

Die BürgerStiftung Hamburg hat als Fundraiser und Geldgeber sowie wichtige Instanz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit eine tragende Rolle. Auch bei der Akquise von Ehrenamtlichen ist sie aktiver Partner.  Sie inszenierte z.B. auch die symbolische Scheckübergabe durch den Rotary Club Alstertal, einem wichtigen Sponsor für unser Projekt.

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Rotary Club Alstertal-Vorstand und Vorstand der BürgerStiftung Hamburg bei der symbolischen Scheckübergabe an die Projektleiterin 

Die Schul- bzw. Einrichtungsleiter geben als Ansprechpartner und Entscheider Informationen weiter in beide Richtungen (z.B. Elternbriefe und Werbung für Einzelprojekte, Rückmeldungen von Schülern, Eltern, Lehrkräften), sind auch an erfolgreichen Aktionen interessiert und helfen nach Kräften mit Rat und Tat. Dies nicht zuletzt, weil es neben der spürbaren Hilfe für ihre Schüler zum eigenen Image positiv beiträgt und die Chancen erhöht, künftig Ganztagsschule zu werden oder aber die bestehende Angebotspalette zu erweitern sowie die Anzahl der Neuanmeldungen zu erhöhen.

Des Weiteren unterstützen diese Leiter die 'Infrastruktur' des Projekts durch Räumlichkeiten, Beschaffung von Materialien und ggf. Finanzierung von Honorarkräften, z.B. durch ‚Neigungskurs'-Abrechnung. Sie beteiligen sich auch bei Anschaffungen (z.B. Spielesammlungen, Verbrauchsmaterialien) und Antragstellungen für Fördermittel (z.B. für Investitionen beim Aufbau von niedrigschwelligen Mittagessensangeboten). Sie delegieren zudem bestimmte Aufgaben an Hausmeister, re-organisieren Reinigungspersonalzeiten u.ä., je nach Bedarf. 

Netzwerk-Gemeinsinn: Wie könnt ihr Euch die betreuungsintensive Arbeit leisten? Wie organisiert ihr die Zusammenarbeit von professionellen und Ehrenamtlichen?

Ilse Grant: Der Träger Beschäftigung & Bildung e.V. sorgt für die Akquise, Vorauswahl und Hintergrundsbetreuung der  sog. ‚Aktivjobber' (1€-Kräfte). Dies sind zumeist Studienabbrecher, die in der Hausaufgabenhilfe und beim Mittagessen, aber auch bei den Brettspielen im Einsatz sind. Je nach Neigung und Fähigkeiten sind sie auch bei anderen Aktionen dabei. Einer zeichnete z.B. Cartoons für Werbemaßnahmen

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Witzige Cartoons gab es außerdem für Tae Kwon Do und in der Werbung für den Großevent

Eine Mitarbeiterin half bei Telefonaktionen um das Interesse am Mittagessen-Angebot zu erkunden, andere sind Co-Ansprechpartner beim Elternabend, halfen im Hintergrund beim Open Space oder bei der Auswertung der Evaluation.

Ein Aktivjobber hat z.B. auch die Website unseres Projektes [www.hogsmittkids.de ] erstellt. Wir machen viele gute Erfahrungen mit diesen Menschen und sie gehen als Freunde nach 10 Monaten. Leider viel zu bald, denn gut eingearbeitete Mitarbeiter sind schwer zu ersetzen und Gold wert. Gerade bei uns, denn der wichtigste Teil unserer Arbeit ist Beziehungsarbeit.

Die Bezahlung einiger Honorarkräfte für Projekte wie Kreativtraining, Tae Kwon Do, Breakdance etc. hat die BürgerStiftung übernommen bzw. wir haben für sie anderswo Fördermittel eingeworben.

Insgesamt ist allerdings eine beständigere Finanzierung wünschenswert, denn viel Zeit wird darauf verwendet, Gelder einzuwerben. Die Gesamtkoordination sollte deutlich besser honoriert werden - mehr als die Hälfte der Zeit leiste ich bis heute ehrenamtlich. 

Netzwerk Gemeinsinn: Wie ist das Umfeld Eures Projekts eingebunden?

Ilse Grant: Die lokalen Akteure unseres Netzwerks helfen theoretisch und praktisch mit, wo sich dies anbietet oder Not tut. Der Vorstand vom Jugendparlament Horn (JuPa) hat z.B. der Projektleiterin die Koordination der HipHop-Sequenz bei der Großveranstaltung im Billstedt-Center abgenommen. Er entwickelte für die Veranstaltung Kontakte zu Einzeldarstellern, übernahm die Moderation und war auch maßgeblich an der Beschaffung der Beschallungsanlage für die HipHop-Bühnenauftritte beteiligt.

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Großveranstaltung im Billstedt-Center mit Breakdance, Rappen, Beatboxen und HipHop-Tanz

Zudem hat ein JuPa-Mitglied schon beim Bearbeiten der Website und bei PC-Reparaturen ausgeholfen.

Die Straßensozialarbeit Horn stellte Kontakte her zu jugendlichen Basketballern und dem künftigen Projektleiter für Tae Kwon Do. 

Auch die Lehrkräfte als wichtige Ansprechpartner an der Schnittstelle Hausaufgabenhilfe - Kinder - Schule kommen nun immer mehr ins Spiel; Vom Elternbeirat werden wir ernst genommen und bekommen Bälle zugespielt, sind bei Sitzungen eingeladen und erhalten hier - wie auch von den unorganisierten Eltern - erstes feedback und auch Anregungen für weitere Schritte. Dies ist allerdings von Schule zu Schule verschieden intensiv. 

Netzwerk Gemeinsinn: Welche Methoden und Veranstaltungsformen habt ihr angewendet?

Ilse Grant: Von Einzelgesprächen bis hin zur Großgruppenveranstaltung gab es ein breites Spektrum, das ich gerne unchronologisch aufzählen kann: 

Wünsche der Jugendlichen wurden bei Wertschätzenden Interviews  entwickelt - dem sogenannten "Appreciative Inquiry" - und an Pinnwänden visualisiert. Es gab und gibt Evaluationsfragebögen sowohl für die Zielgruppe der Kinder als auch für Mitarbeiter, die stets fortentwickelt werden.  

Initiativkreistreffen wurden mit diversen Moderationsvariationen gestaltet, von Kartenabfragen via Mindmapping bis hin zur Kleingruppenarbeit. 

Während des gesamten Projekts gibt es regelmäßige Treffen des Projektteams, v.a. zur Hausaufgabenhilfe, und Schulvertretungssitzungen. Natürlich auch laufend Einzelgespräche u.a. mit ‚aktivem Zuhören', brainstorming für Konzepte etc. 

Wir organisieren immer wieder mal Info- und Aktionsstände auf Veranstaltungen der Schule sowie Vorstellungs'auftritte' in den Klassen.

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Auf dem Adventsbazar der Schule Sterntalerstraße gab es regen Andrang beim Infostand, bei dem auch Ausweise für die Kinder verteilt wurden

Es gab auch einen großen Malwettbewerb und gibt schon Nachfragen, wann wir den nächsten veranstalten. Hinzu kommen Elternabende und eine Telefonumfrage, die mit den Eltern in verschiedenen Sprachen durchgeführt wurde. 

Gegen Anfang des Projekts organisierten wir einen 3-tägigen Event für Kinder- und Jugendliche in einem großen Einkaufszentrum mit integriertem Open Space für Streitschlichter der Region und vielen Bühnenauftritten und Aktionsständen kooperierender Akteure.

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Streitschlichter-Plakat 

Die Bilder des Malwettbewerbs wurden dabei ausgestellt und deren Sieger geehrt. Im Rahmen des Events gab es auch Vor- und Nachtreffen der Veranstaltenden mit Flipchart & Zuruftechnik, Planungs- und Feedbackfragebögen. 

Daneben wurden zur internen Öffentlichkeitsarbeit z.B. jüngst 'Ausweise für Kinder' erstellt und immer wieder Plakate gestaltet. Jedes Jahr verteilen wir Weihnachtsgeschenke z.B. die Kinder-Uni-CD ‚Warum ist die Schule doof?' oder Bleistifte mit Radiergummi und unserer webadresse. Ungezählte Mails werden individuell und über einen internen Verteiler verschickt. 

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Mädchentreff-Poster mit Ausschnitten eines Bildes vom Malwettbewerb

Die Dokumentation einzelner Aktionen und des Gesamtprojektes findet fortlaufend  über Berichte und Fotos statt - schon auch für unsere Sponsoren! Dazu gehört auch der ein oder andere Zeitungsartikel.  

Netzwerk Gemeinsinn: Wie wurde denn die breitere Öffentlichkeit informiert?

Ilse Grant: Für den Großevent im Einkaufszentrum haben wir in der ganzen Region Plakate aufgehängt und an alle Kitas Handzettel für die Eltern verteilt. Das Billstedt Center hat in seiner eigenen Zeitung, die in all seinen Häusern in Hamburg kostenlos verteilt wird, vor und nach der Veranstaltung Ankündigungen und einen Rückblick veröffentlicht. Auch im Hamburger Wochen- und Abendblatt gab es größere und kleinere Hinweise.

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Artikel in ‚Billstedt-Center Aktuell' (Nr.5 2007) nach der Veranstaltung

Die externe Öffentlichkeitsarbeit findet bislang vor allem in Form von Presseartikeln und Journalisteninterviews statt, was natürlich auch wieder Resonanz innerhalb des Projektes erzeugt. Nicht zu vergessen die Website, die durchaus öfters aktualisiert und ausgebaut werden müsste.

Die BürgerStiftung Hamburg hat eine Projektbeschreibung als Handzettel in Umlauf gebracht und auf ihrer Website plaziert, nicht nur um Mitarbeiter zu werben und zu informieren. Auch Sponsoren sollen aufmerkam werden. 

Außerdem entsteht weitere Vernetzung mit lokalen Akteuren und Mund-zu-Mund-Empfehlung durch sowohl meine persönliche Teilnahme an den verschiedensten Veranstaltungenund Tagungen als auch die Unterstützung vom Leiter des Jugendzentrums und anderer Mitwirkender. Ob in Stadtteilbeiratssitzungen oder öffentlichen Bürgertreffen und Eröffnungsfeiern, beim Ideenschmieden für Drogenprojekte im Stadtteil oder der Akquise von Ehrenamtlichen auf der Freiwilligenbörse ‚Aktivoli' am Stand der BürgerStiftung Hamburg, wie im Januar 2008...  überall sind Menschen ansprechbar und offen oder von sich aus interessiert.

Es ist auch anvisiert, die Vernetzung und Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen für Jugendliche im Stadtteil auszudehnen. Neben der üblichen kleinteiligen Kontaktierung könnte sich eine mittelgroße Großgruppenveranstaltung im späten Frühjahr entwickeln?

 The rest is ‚muddling through'.

Netzwerk Gemeinsinn: Du meinst „durchwursteln"?

Ilse Grant: Harrison Owen nennt das so, wenn es mal wieder Überraschungen gibt, auf die man nicht vorbereitet ist und man dann improvisieren muss... (grinst)

Netzwerk Gemeinsinn: Aber was kam nach den zahlreichen Monaten der Zusammenarbeit im Projekt an Erfolgen heraus und wie hat sich das auf die Beteiligten ausgewirkt?

Ilse Grant: Als großer Erfolg kann der überwältigende Zulauf der Kinder gewertet werden. Dadurch beschäftigen wir inzwischen gut ein Dutzend regelmäßig Mitarbeitende. Was uns immer wieder besonders freut, ist natürlich, wenn die Kinder gute Noten erhalten und sich auf weiterführenden Schulen anmelden können. Oder anfangs schwach angelaufene Kurse inzwischen so viel Zulauf haben, dass wir zwei Termine daraus machen müssen...

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Eine unserer Schülerinnen zeigt stolz ihre ‚Ehrenurkunde’ für die regelmäßige Teilnahme bei der Hausaufgabenhilfe. Sie wird eine weiterführende Schule besuchen

Die Ergebnisse der Befragungen erwiesen sich stets als förderlich für die weitere Arbeit. Viele Lösungsvorschläge können somit erarbeitet werden. Unsere zunehmende Professionalisierung ist eine Art Nebeneffekt, der zur Verhandlungssicherheit beiträgt und für alle Beteiligten von Vorteil ist.

Der 3-tätige Event trug zum Bekanntwerden im Stadtteil und im Hamburger Osten bei und hat sehr viele Menschen erreicht. Gleichzeitig war er für Kinder und Eltern ein Riesenspaß, gemischt mit Stolz bei den Gewinnern des Malwettbewerbs.

Die Hinzunahme weiterer Kooperationspartner hat nochmals einmal einen kräftigen Schub bedeutet. Anfangs etwas unausgegorene Ziele und Verhaltensunsicherheiten haben sich in klare USPs [A.d.R.: Unique Selling Propositions bzw. Alleinstellungsmerkmale] des Projekts und deutliche Handlungsempfehlungen transformiert. So entstand Haltungs- und Verhaltenssicherheit.

Die Ausweisaktion erwies sich als guter Motivator und war identitätsstiftend. Die Kinder fühlen: "Ich bin dabei" und das schärft die Sinne für die Besonderheit des Angebotes und die darin enthaltende Chance.

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Vorlage für laminierte Ausweiskärtchen der Kinder

 

Aktivjobber können diesen 'Durchlauferhitzer' für ihr eigenes Fortkommen nutzen, da sie sich im Projekt ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend einbringen können. Mit größerer Zufriedenheit entsteht bei ihnen auch eine Anschlussfähigkeit für Künftiges. 

Netzwerk Gemeinsinn: Gab es auch Schwierigkeiten und Konflikte? Wie seid ihr damit umgegangen?

Ilse Grant: Da am Anfang noch kein klares Konzept für die Hausaufgabenhilfe und schon gar nicht für das Gesamtprojekt vorlag, konnte im Sinne einer Gemeinsinn-Werkstatt ein ressourcenorientiertes Konzept entwickelt werden. So kam es zu einem Expansionskurs, mit dem weitere Beteiligte gewonnen werden und sich Profil und Struktur im Sinne der Beteiligten entwickeln konnten.

Durch das Aufgabenprofil der Gemeinsinn-Werkstatt zeichnete sich deutlicher ab, wer im 'Initiativkreis-Boot' sitzt und mitrudert oder eben nicht.  

Es gab durchaus Probleme bei der Verbindlichkeit von Absprachen, was wir aber regelmäßig auswerten und besprechen. Unsere bisherigen Schlussfolgerungen für den Zwischenbericht: Wir haben gelernt, dass es wichtig ist

a) Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen

b) die Energien dort einzusetzen, wo sie fließen können

c) immer wieder guten Willens zu sein und nicht vorschnell zu urteilen, denn:

d) mit Überraschungen ist zu rechnen! ;-)

08-02-07_interview_ilse_debler_7Auf der Veranstaltung „Woran hängt's?" in Loccum hörte ich von Raban Fuhrmann einen interessanten Satz, der mir sympatisch ist und sehr der Praxis entspricht: „Wenn der Prozess so läuft, wie er konzipiert wurde, hat man etwas falsch gemacht".

Netzwerk-Gemeinsinn: Wie ging es Euch im Projektteam?  

Ilse Grant: Unter den Teammitgliedern gab es durch unterschiedliche Betreuungs- und Arbeitsstile sowie ungleichen Status von Honorar- und Aktivjobbern in der letzten Zeit Reibereien, die bei einer Teamsitzung deutlich zu Tage traten. Es geht wohl in erster Linie um die gegenseitige Wertschätzung und ein gewisses Maß an Rollenklarheit, für die ich und wir in den kommenden Wochen zu sorgen haben.

Ich orientiere mich dabei gerne am „Pygmalioneffekt" (vgl. pdf "das positive Prinzip" 64.24 Kb), und nehme eine positive Erwartungshaltung ein. In der Realität zeigt sich, dass dadurch Positives eintreten kann.

Netzwerk Gemeinsinn: Wie wirst du hier konkret vorgehen?

Ilse Grant: Inzwischen ist ein hilfreiches Papier entstanden, in dem die Voraussetzungen der Zusammenarbeit und das Selbstverständnis im Projektteam bis hin zu Handlungsempfehlungen festgehalten wurde. Damit können sich alle Beteiligten - auch die Eltern - auseinandersetzen und dies als Diskussionsgrundlage verwenden. Kenntnisse und Beherzigung des Pygmalion-Effektes sind darin festgehalten.

Wir werden also auch künftig im Pygmalion-Sinne arbeiten ohne uns davor zu scheuen, Tacheles zu reden und dies auch anderen zuzugestehen. Führungsklarheit beginnt bei der Leitung und muss deutlich gemacht werden, damit es bis hin zur Kinderbetreuung wirken kann.

Netzwerk Gemeinsinn: Welchen Tipp kannst Du persönlich geben, um sich in Konfliktsituationen wertschätzend und positiv verhalten zu können? 

08-02-07_interview_ilse_debler_3Ilse Grant: Gut ausschlafen und sich von gegensätzlichen Positionen nicht aufreiben lassen. Dann hat man selbst eine gute Basis, wenn es darauf ankommt. Mein Vorsatz ist, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und es mir v.a. jenseits der Arbeitszeit gut gehen zu lassen und für hinreichend Bewegung und Ausgleich zu sorgen.

Außerdem ist es wichtig sich nicht selbst auszubeuten, mehr zu delegieren und wo möglich abzugeben, ohne damit andere auszunutzen. Perfektionismus adjeu. Vertrauen ahoi.  

Netzwerk Gemeinsinn: Inwieweit ist das Wissen der Gemeinsinn-Werkstatt eingesetzt worden?

Ilse Grant: Die Gemeinsinn-Werkstatt war und ist der rote Faden, das Ideal im Hintergrund. Sie war ja auch die Grundlage des Konzeptes. Einiges geht im Alltag unter. Manches müsste wohl auch noch im Konzept fortgeschrieben werden. Aber es kommt vor allem darauf an, sich Erfahrungswerte in der Praxis anzueignen und über kollegialen Austausch bzw. individuelles Coaching zu reflektieren.

Vielleicht inspiriert dieses Interview auch andere dazu Gemeinsinn-Werkstätten praktisch umzusetzen. 

Netzwerk Gemeinsinn: Was sind die Vorhaben bis zum Abschluss des Projekts?  

Ilse Grant: Bestimmt nochmals ein Jahres-Abschluß-Event am Ende des Halbjahres im Sommer. Außerdem stehen wir vor der Herausforderung, ob wir die Finanzierung der Fortführung des Bestehenden sichern können - sofern das von allen Beteiligten so gewollt ist.  

Netzwerk Gemeinsinn: Herzlichen Dank für das offene und begeisternde Gespräch und viel Erfolg auch weiterhin.  

Kontakte

Netzwerk_Gemeinsinn_Logo.jpgWolfgang Fänderl ist Chefredakteur des Webportals von www.netzwerk-gemeinsinn.net und Entwickler des Projektverfahrens Gemeinsinn-Werkstatt; Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Ilse Grant ist Projektleiterin des HoG'smittkids-Projekts in Hamburg, Regionalsprecherin Netzwerk Gemeinsinn e.V. und ehemals zuständig für die Durchführung einzelner Modellprojekt-Veranstaltungen in Frankfurt Oder und Augsburg; Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

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