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Irgendwo zwischen Poetry-Slam und Powerpoint-Karaoke befindet sich der neue Präsentationsansatz aus Japan. Er macht Veranstaltungen kurzweilig und anregend und es gibt inzwischen auch in Deutschland regionale Treffen für [Petscha Kutscha]. Ein Bericht von der 1. Veranstaltung in München am 11.12.2007 ist anbei!
"In der Kürze liegt die Würze"
Ein Satz, den einst William Shakespeare seinem Hamlet in den Mund legte, und das nun das Motto einer neuen Bewegung ist. „Pecha Kucha" heißt auf japanisch soviel wie „wirres Geplapper". Die Regeln der Veranstaltung sind einfach erklärt. Zu 20 Bildern, die je 20 Sekunden lang gezeigt werden, berichtet ein Vortragender, was ihm in den Sinn kommt.
Langatmig kann der Beitrag nicht werden, denn nach 6:40 Minuten ist die Zeit unweigerlich abgelaufen. Pro Abend gibt es ca. 15 Vorträge, die auch prämiert werden. Weitere
Überraschungen gibt es viele - werden hier aber nicht verraten.
Weg von langen Vorträgen

Das Architekturbüro Klein-Dytham hat sich das Event-Format einfallen lassen, um ihre „SuperDeLuxe" Lounge in Tokio zu beleben. Der neue Lifestyle kommt zwar aus Japan, die Vortrags- und Präsentationsform, wurde aber von der in Italien geborenen Astrid Klein und vom Engländer Mark Dytham ins Leben gerufen.
Beide suchten nach einer effizienten Form der Präsentation, die nicht langweilt. Weg von langen Vorträgen, unnötigen Sprachhülsen. Bei einem Vortragsabend im Jahr 2003 sollten sich möglichst viele Kollegen beteiligen. Da sich aber niemand durch stundenlange Reden quälen sollte, wurden strenge Regeln für die Präsentatoren aufgestellt. Kein Vortrag durfte länger als sechs Minuten und 40 Sekunden sein - die Idee zum „wirren Geplapper" war geboren.
Was als einmaliges Happening gedacht war, entwickelte sich schnell zur unterhaltsamen Abendveranstaltung für Bars und Kneipen. Denn die Pecha-Kucha-Idee kam so gut an, dass mittlerweile neben Tokio, auch in Amsterdam oder New York bis zu 1000 Gäste an einem Pecha-Kucha-Abend zusammenkommen, um sich anzuhören, was so manche zu erzählen haben. Und auch in Deutschland finden vermehrt Pecha Kucha Nights statt.
Natürlich gibt die Pecha Kucha Night auch Gelegenheit andere Kreative
zu treffen, mit ihnen zu diskutieren oder sich einfach inspirieren zu
lassen. "Kreative" sind nicht nur Leute aus Kunst, Architektur, Design
und Werbung, sondern alle, die Ideen, Visionen und Projekte haben.
Darüber hinaus findet jede Veranstaltung an einem anderen Ort statt.
Die Locations sind natürlich auch immer inspirierend und überraschend.

Labern bis zum Abpfiff
Mitmachen kann jeder, der etwas Interessantes zu erzählen hat. Und die Themenpalette ist endlos, denn gesprochen werden darf über alles. Für die Vorträge können Folien oder Dias verwendet werden, jedoch nicht mehr als insgesamt 20 Stück. Hinzu kommt, dass zu jedem Bild nur 20 Sekunden erzählt werden darf. Keine Chance also, die Zuschauer mit ausschweifenden Gelaber zu langweilen. Außerdem entscheidet das Publikum, ob der Redner gut oder schlecht ist. Wer Pech hat, wird nach wenigen Sekunden von der Bühne gebuht - ähnlich wie beim Karaoke-Singen.
Das verbindende Element dieser visuellen Events besteht in der Weise, wie eine technische und mediale Konfiguration für soziale Ereignisse genutzt wird. Die Mittel, um Bilder selbst am helllichten Tag zu projizieren, werden stetig verbessert und sind mittlerweile leicht zugänglich. Zugleich dehnt sich die Zahl der Menschen, die aktiv mit Bildern umgehen - sie also nicht nur sehen und verstehen, sondern auch zeigen und herstellen - immer weiter aus.
Pecha Kucha, Public Viewing oder Powerpoint-Karaoke stellen die Anfänge neuer Kultformen des Visuellen dar. Wenn Bilder zu einer Projektionsfläche sozialer Identität werden, übernehmen sie eine Funktion, die bislang vorrangig der Musik vorbehalten ist: „Zeig mir deine Bilder und ich sage dir, wer du bist."
Kontakt und Termine
Webseite: www.pecha-kucha-muenchen.de
Bericht von der 1. Pecha Kucha Night in München am 11.12.2007 in der Badeanstalt (Lutz Dziarnowski)
Drei, zwei, eins - die Show geht los. Es ist 20.20 Uhr, die Badeanstalt in München ist mit über 150 neugierigen Menschen gefüllt und alle schauen auf das an die Leinwand projizierte Logo von Pecha Kucha Nights München.
Vorher allerdings gab es schon eine „Pre-Show-Performance" von Karla, einer Venezuelanischen Künstlerin, die sich selbst „Steinstellerin" nennt, und dies auch mit der Intonation von südamerikanischen Liedern darbot.
Alles ersten offiziellen Punkt führte der Moderator Marc Borgmann die Gruppe Theater interaktiv ein, die einen Erwartungsspiegel der Zuschauer als Improvisationstheater sehr kurzweilig zeigten. Dazu befragten die Theaterleute verschiedene Besucher vorher, welche Erwartungen sie an den Abend mitbringen. Die Mehrheit wollte sich überraschen lassen, da wenige mit dem Veranstaltungsformat etwas anfangen konnten.
Danach sprach der Organisator Lutz Dziarnowski über globales Pecha Kucha und auch über die Zukunft der Präsentation, die mehr in Bildern und konkreten Beispielen liegt als in tödlichen zu textlastigen Powerpoint Folien. 20 Bilder darf er zeigen, ein jedes wird genau 20 Sekunden gezeigt. Zeit ist Inhalt und weniger mehr.
Für die Vortragenden eröffnet sich die Möglichkeit, vor einem offenen, interessierten Publikum zu sprechen und die „6:40 minutes of fame" als Bühne zu nutzen und Werbung für sich und ihre Ideen zu machen. Darüber hinaus bietet sich der Abend auch als Networkingmöglichkeit an.
Dies wurde auch durch die Organisatoren mit einem Networking-„Spiel" in der Pause unterstützt. Denn ein wesentlicher Faktor von Pecha Kucha ist das Kennen lernen und das Austauschen von Meinungen und Ideen gerade auch unter den Gästen.
Christine Detering, die nächste Sprecherin jedenfalls fängt einfach mal „als Erste" an, sagt sie, und tut auch sofort genau das. Sie stellt sich kurz vor und manövriert sich von da durch Ihre 6:40 Minuten im Scheinwerferlicht. Berichtet von verschiedenen Möglichkeiten auch Bodenbeläge zu personalisieren, so dass ein ganz persönliches individuelles Stück entsteht.
Der Nächste, Dirk Rom, spricht über einen Künstler, der leider nicht selbst präsentieren kann, weil er durch eine cerebrale Lähmung behindert ist - Knitka. Die Kunstreise beginnt in Moskau mit beeindruckend, fast impressionistischem Pinselstrich durch Themen wie Don Quijote und immer wieder die Frauen.
Franz Glatz zeigt Photographien und Grafiken rund um den Dudelsack und seine Geschichte. Somit ein recht verrücktes Hobby und sehr interessante Geschichten, wie die Information, das „Oh Du Fröhliche" ein italienisches Dudelsacklied ist.
Einen Höhepunkt setzte sicher der Auftritt der legendären „Swingbones", eine A-Capella Gruppe, die zwei Weihnachtslieder zum humorigen Vortrage brachte. Auch das ist möglich, nicht nur Präsentationen, sondern auch alle anderen künstlerischen Ausdrucksformen sind nachdrücklich erwünscht.
So auch der Auftritt des Mimen und Körpersprache Trainers Jean-Marie Bottequin, der schon mit Andy Warhol zusammenarbeitete. Hier zeigte er eine komplette Lebensgeschichte von Marie Madeleine mit nur zwei Worten „Marie Madeleine". So wird eindrucksvoll klar, was alles nur mit dem Körper und der Betonung möglich ist.
Weiter im Abend zeigten Dominikus Zohner als Rhetoriktrainer und Sylke Gande als „Kampfkunstmalerin", die übrigens zum aller ersten Male vor Publikum stand, wie Ideen und Konzepte zu nachhaltigen Diskussionen anregen können.
Thomas Fischer ergänzte den Präsentationsreigen durch einen Vortrag über unterhaltsame Möglichkeiten um sein „Peter-Syndrom" um 6:30 Uhr morgens mit Sport den Tag zu beginnen zu bekämpfen.
Die Celebration Queen Frau Gitte Rollenhagen zeigte dem Publikum, wie man aus einem einfachen Fest und einfachen Utensilien einen rauschenden Abend feiern kann, der wie ein Film choreographiert ist.
Ein nochmaliger Auftritt der Swingbones und Theater interaktiv rundeten den Abend ab.
Kurzum, 20 Sekunden sind ein Tag. Das Erlebnis wie schnell 6:40 Minuten vergehen können und auch wie lange 6:40 Minuten dauern können, alles war dabei. Die Organisatoren haben viel Feedback bekommen und Erfahrungen gemacht, die in die kommenden Pecha Kucha Nights in München einfließen werden. Ein Anfang ist gemacht. Wir alle sind gespannt, wie sich die Dinge entwickeln.
Die nächste Münchner Pecha Kucha Night findet im März 2008 statt, unter www.pecha-kucha-muenchen.de finden Sie bald den genauen Termin und Ort. Der Eintritt kostet 10 Euro. Einen Film über die Premiere von Pecha Kucha in München kann man auf youtoube sehen.
Bericht & Grafiken: Lutz Dziarnowski
Fotos: Christian Vogel
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1 Bild ersetzt 1000 Worte Geschrieben von Faenderl am 2008-02-12 07:03:23 Wenn ein Kleinkind seine Eltern ansieht, weiß es sofort, was sie wollen. Wir Erwachsene setzen dann erst mal einen Schwall an Erklärungen dazu und meinen fälschlicher Weise erst durch Worte sei die Klarheit entstanden. Pecha-Kuche heißt womöglich deshalb wirres Geplapper, weil der Betrachter sich weniger auf den Text als auf die schnell wechselnden Bilder konzentriert. Dennoch tut es gut, wenn der Vortragende die Wirkung der Bilder nicht übertüncht mit belanglosem Geplapper. Ganz schräg wird es, wenn der Text von den Bilder abweicht, Wort-Bild-Scheren entstehen und sich der Betrachter entscheiden muss, ob er lieber zum Zuhörer wird. Warum sagt aber ein Bild mehr als 1000 Worte? Es wirkt unmittelbarer auf linke und rechte Gehirnhälfte. Die Liebe auf den ersten Blick ist ein guter Beleg. Die Forschung sagt, dass schon in den ersten Sekunden einer Begegnung die Weichen für eine Partnerschaft gestellt werden. Man/frau kann halt optisch mehr Informationen aufnehmen als akustisch. Das führt dann auch zu der Frage, was das Erleben noch ganzheitlicher werden ließe? ... die Berührung? Lassen Sie sich bei Pecha Kucha zumindest optisch berühren und berühren sie selbst mit ihren Bildern! Es lohnt sich. Wolfgang Fänderl www.Vernetzungsberatung.com |
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