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Nov 27 2007
Gemeinsinn-Werkstatt für Demografischen Wandel nutzen Drucken E-Mail
Geschrieben von Thomas Pfundstein & Wolfgang Fänderl   
Dienstag, 27. November 2007

07-10-19_nais-qualifizierung_10.jpg Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wurde das Projektverfahren entwickelt (2000 - 2004), veröffentlicht (2005) und zum ersten Mal bei einem Modell-Lehrgang für kommunale Multiplikatoren eingesetzt (2007). „Neues Altern in der Stadt" (NAIS) lautete die Herausforderung an ein 8-teiliges Qualifizierungskonzept, das von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg koordiniert wurde und dessen letzter Teil mit Erkenntnissen aus der „Gemeinsinn-Werkstatt" endete.

WAS

Beschreibung

„Nachhaltige Beteiligung, Vernetzung und Kooperation" lautete der Titel des Workshops im Rahmen des NAIS-Qualifikationskonzepts des Instituts für Weiterbildung an der EFH Freiburg. Er passte als Modul 4/2 wunderbar zum Thema „Planungs- und Beteiligungsmethoden" und fand von 19. bis 20.10.2007 in Bruchsal statt. Das zweitägige Workshop-Modul diente dazu, Prozesse in ihrer strategischen Entwicklung und motivationalen Dynamik besser einzuschätzen, zu planen und mit Methoden unterstützen zu können.

Impulsreferate wechselten mit ressourcen- und praxisorientierten Workshopteilen und boten dadurch eine größtmögliche Passung auf die jeweiligen Situationen in den Kommunen. Methodenansätze wurden am eigenen Beispiel erfahren, die Expertise des Referenten (Wolfgang Fänderl), des Workshopkoordinators (Thomas Pfundstein) wie der anwesenden Beteiligten floss gezielt ein.
 
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Wolfgang Fänderl bei der Einführung in den Tagungsablauf 

Ziele

Ganz allgemein wollte die Qualifizierung Fakten, Methoden, Themen und Verfahren kommunaler Sozialplanung im Kontext einer alternden Gesellschaft  vermitteln, neue Formen der Solidarität und kollektiven Daseinsvorsorge fördern, sowie Planung als Prozess der Entscheidungsfindung verstehen, um Beteiligung, Fairness und Transparenz zu unterstützen.

Spezieller Fokus von Modul 4/2 war es:

  • anschauliche Theorien zur strategischen Beteiligung, Vernetzung und Kooperation am Beispiel des international anerkannten Projektverfahrens Gemeinsinn-Werkstatt zu vermitteln
  • Orientierungshilfen bei der Unterstützung freiwilligen Engagements, intrinsisch motivierter Zusammenarbeit, förderlicher Delegationssysteme, nachhaltiger Prozessverläufe etc. zu geben
  • Planungs- und Beteiligungsmethoden für den eigenen Prozess aufzugreifen
  • Methodenkompetenzen bei Beratung, Evaluation und Moderation von Prozessen einschätzen zu lernen (u.a. Community Organizing, Wertschätzende Aktionsforschung, Szenario-Management, Projekträume, Netzwerk-Veranstaltungen und virtuelle Vernetzung)
  • Ressourcenorientierte, nachhaltige Planung weiterer Prozessschritte in den NAIS-Kommunen zu ermöglichen, sowie eine
  • abschließende Auswertung des Qualifizierungsworkshops vorzunehmen

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regelmäßige Aufteilung in Kleingruppen zur Vertiefung und Erarbeitung von Inhalten 

Kontext

Das NAIS-Qualifikationskonzept „Zukunft gestalten: Demografischer Wandel und (Alters-) Sozialplanung" wurde vom Institut für Weiterbildung (IfW) an der Evangelischen Fachhochschule (EFH) Freiburg für den Projektrahmen „Neues Altern in der Stadt" (NAIS) der Bertelsmann-Stiftung entwickelt. Die Beteiligten aus unterschiedlichen Kommunen konnten sich darin weiterqualifizieren und den Tendenzen des Demografischen Wandels und der damit verbundenen kollektiven Risikobewältigung und (Alters-) Sozialplanung besser begegnen.

 

WER?

Zielgruppe

7 Personen waren aus den NAIS-Modellkommunen Altena, Eschwege, und Hamm sowie aus Beckum, Dorsten, Hemer und Rheda-Wiedenbrück. Die Beteiligten kamen aus Kommunalpolitik, Verwaltung und Ehrenamt.

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Lehrgangsleitung Herr Pfundstein im Wertschätzenden Interview 

Initiator & Partner

Auftraggeber war das NAIS-Projekt der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. Hr. Pfundstein vom Institut für Weiterbildung an der EFH Freiburg war verantwortlich für die Gesamtkonzeption und -umsetzung. Vernetzungs-Beratung Fänderl aus München sorgte für die Durchführung von Modul 4/2. Darüber hinaus spielten die Gastgeber aus Bruchsal (Hr. Falkenstein und Hr. Freitag) eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Rahmens (Materialien, Unterbringung, Freizeitprogramm) und waren selbst zeitweise als Teilnehmende dabei.

Ressourcen

Für die Finanzierung der Honorare und Unkosten des Auftragnehmers kam die Bertelsmann-Stiftung auf. Für die Räume und Materialien vor Ort war die Gastgeber-Kommune zuständig. Anreise, Unterbringung und Verköstigung wurden von den Beteiligten bzw. deren Kommunen selbst finanziert.

 

WIE?

Ablauf

Am Freitag dem 19.10.2007 um  09.00 Uhr fand die offizielle Begrüßung und Orientierung statt. Herr Fänderl erläuterte dabei bereits kurz seinen Hintergrund als Vernetzungsberater und ehemaliger Forscher an der Universität München und stellte die Rahmendaten des Workshops vor. Gegen 09.30 Uhr wurden dann in Zweiergruppen weitere Erwartungen an die zwei Tage gesammelt und anschließend im Plenum präsentiert.

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Begrüßung durch Herrn Falkenstein aus der Kommune Bruchsal 

Weitere Inhalte (WAS): Wie erreiche ich den/die 'gemeine/n' Bürger/in? Wie binde ich den Bürger ein, ohne dass er sich gebunden fühlt? Wie entsteht Begeisterung und Neugier für den Prozess? Wie Begeisterung wecken / Beteiligung motivieren / Langredner stoppen / Schweiger zum Reden bringen / Befindlichkeit ertragen? Wie organisiere ich Erfolge? Welche Methoden braucht es wann? Können wir Methoden einüben / Theorien vertiefen? Wie werden Moderationstechniken eingesetzt? Wie wird mit Widerständen umgegangen? Welche Rahmenbedingungen braucht es? Wie muss die strukturelle Planung (Methodik) bzgl. Teilnehmern und Zeitpunkten aussehen? Welche Erfahrungen haben die Kollegen/innen mit praktischen Methoden?

Umgang im Workshop (WIE): Eigene Erwartung: offen, gespannt, neugierig („aus Erfahrung gut"); Authentizität gewährleisten → Offenheit für verschiedene Perspektiven; Entspannt bleiben - weniger ist mehr; Spannung aufrecht erhalten; Weniger Methodenhinweise und mehr praktisches Einüben; Verbindendes über den Tag hinaus; Verbindliche zukünftige Kommunikation vereinbaren.

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Impulsreferate zu Aspekten der Vernetzung und Beteiligung in Kommunen (Fänderl) 

Um 10.20 Uhr stellte dann Hr. Fänderl den Ansatz der Gemeinsinn-Werkstatt vor, gab Hinweise auf die Forschungsarbeit in Projekt Gemeinsinn an der Universität München und warf ein paar ‚merkwürdige' Schlaglichter auf die theoretischen Grundlagen der Beteiligungs- und Vernetzungsforschung (Motivation, Beteiligungsformen, Triple-Win, brennendes Anliegen, WAS-WER-WIE-Schema, Beteiligungsschritte).

Nach einer Pause ging es um 11.20 Uhr mit den Interviews zu eigenen „Erfolgsmethoden" weiter. Herr Fänderl stellte dazu den ressourcenorientierten Ansatz Appreciative-Inquiry (Wertschätzende Erkundung) vor. In Dreier-Interviews wurden wesentliche Tipps zu den bereits angewandten erfolgreichen Verfahren und Methoden auf Kärtchen gesammelt und nach dem Mittagessen um 13.50 Uhr vorgestellt und ausgewertet. Dabei wurden die erstellten Kärtchen in dem zuvor skizzierten Prozessverlauf einer Gemeinsinn-Werkstatt eingeordnet:

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Visualisierung und Zuordnung von erfolgreichem Vorgehen mit Metaplan-Methode 

Aktivierung:

  • Rahmenbedingungen auf kommunaler Ebene für intergenerativen Austausch schaffen
  • Rückhalt des Entscheidungsträgers sicher stellen
  • Positive / aktive Unterstützung des Bürgeranliegens
  • An der persönlichen Begeisterung andocken und dann das WIR in den Vordergrund stellen
  • Die eigene Betroffenheit erfahren (z.B. durchs Spiel)
  • Brainstorming mit anschließendem Clustern durchführen
  • Eigene (gemeinsame) Vision herausarbeiten
  • Ein gutes Konzept für den weiteren Verlauf auf Basis guter Recherchen vorstellen


Realisierung:

  • Immer wieder Begeisterung erzeugen
  • Wertschätzung jedes Einzelnen
  • Scheitern ist erlaubt
  • Methodenvielfalt nutzen
  • Durch positive Einstellung der Moderation Widerstände überwinden
  • Die Wichtigkeit von Kommunikation erkennen


Integration:

  • Erfahrungen austauschen, dass sich Engagement lohnt
  • Gewachsenes politisches Bewusstsein (WIR) spürbar machen
  • Die Prozessqualität, welche das Ergebnis bestimmt, beurteilen


Gesamtprozess:

  • Fachlichkeit einbeziehen
  • Klare Strukturen anbieten
  • Intergenerative Prozesse fördern und damit das Bild vom Altern positiv prägen
  • Persönliche Nähe herstellen, z.B. durch Schüler, die als Interviewer Hausbesuche machen
  • Von eigenen Interessen ausgehen
  • Weniger ICH-bezogenes (egoistisches) sondern mehr systemisches Denken
  • Ergebnisorientierung im Blick behalten

Nach einer Pause wurden von Herrn Fänderl gegen 15.30 Uhr Methodenbeispiele aus der Vernetzungsberatung vorgestellt:

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Stichpunkte zu methodischen Inputs (Fänderl)

16.10 Uhr begann dann das „Storytelling" mit Beispielen aus der Praxis. Herr Fänderl stellte die Bedeutung von Geschichten für den Alltag von Organisationen, Projekten und Netzwerken heraus:

  • Informationen vermittelbar und erfahrbar machen (Bsp. Narrative Ansätze, Mündliche Tradierung)
  • Wertschätzung und Vermittlung der Vergangenheit
  • Einbinden der Zukunft & Mut machen
  • Anschaulichkeit und Nachvollziehbarkeit von Regeln, Ritualen, Problemlösungen etc.
  • Erweiterung von Verhaltensweisen

Auch wenn das Erzählen gerade älteren Menschen nahe kommt, geht es nicht um beliebiges Erzählen, sondern um den bewussten Einsatz von Geschichten zum Beispiel zu „Neues Altern in der Stadt". Die Geschichten welche daraufhin von den Beteiligten erzählt wurden waren alle motivierend und hatten Anekdoten-Charakter. Sie zeigten anhand von kleineren Gegebenheiten auf, dass die Arbeit im Projekt Spaß macht, Aha-Erlebnisse und eine Vielzahl von Lernprozessen hervorbringt.

Hr. Freitag aus Bruchsal ergänzte eigene Geschichten mit einem kurzen Powerpoint-Vortrag. Nach der Abendrunde brach ein Großteil der Gruppe gegen 17.40 Uhr zu einem Spaziergang zum Schloss auf. Ein gemütlicher „Feierabend" fand dann beim Abendessen ab 19.00 Uhr im Wallhall statt.

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Ein Regenbogen zum Abschluss des Abendspaziergangs 

Samstag der 20.10.2007 begann gegen 09.00 Uhr mit einer Morgenrunde. Um 09.15 Uhr brachte Herr Fänderl sein Impulsreferat zu Nachhaltiger Prozessgestaltung ein (Vernetzungsebenen, Vereinbarkeit von Ehrenamt und Hauptamt, Aufgabendelegation, etc.) und zeigte anhand einer Online-Beamer-Präsentation wie die Materialien auf www.netzwerk-gemeinsinn.net zu nutzen sind, welche bis zur Beraterebene hin ausdifferenziert wurden.

Gegen 09.45Uhr wurden alle Beteiligten aufgefordert alleine oder in Zweiergesprächen ihre Schlüsse aus den bisherigen Erfahrungen mit der „Bildung und Entwicklung von Netzwerken" zu erarbeiten.

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Eine Mindmap zu Rückmeldungen aus dem Plenum

Um 11.30 Uhr stellte Herr Fänderl noch mal die Kernfrage zur „Entwicklung des kommunalen Prozessdesigns", das beispielhaft von den Kommunalvertretern in Kleingruppenarbeit auf Prozesse vor Ort (Veranstaltungen wie Projekte) angewandt wurde. Mittagessen gab es gegen 12.30 Uhr und nach der Gestaltung von 'Prozessdesigns' auf Flipchart begann um 13.50 Uhr das „Austauschplenum Prozessdesign" bei dem die 5 erarbeiteten Teil-Projekte vorgestellt und hinterfragt wurden:

  • Abschlussveranstaltung NAIS in Hamm: Neues Altern in der Stadt: Auf ins Leben und Älterwerden im Stadtteil
  • Zwischenstand und Ausblick NAIS in Altena: Wertschätzung getaner Arbeit und Verabschiedung Bertelsmann-Stiftung
  • Markt der Möglichkeiten in Dorsten: Neue Angebote in Seniorenbegegnungsstätten schaffen
  • Förderung der Freiwilligentätigkeit in Hemer: Aktivierung, Vernetzung und Begleitung einer Vermittlungsbörse
  • Krieg der Generationen - Jung und Alt 2020 in Riggau und Weißenborn: Auftaktveranstaltung für Planungsprozess

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Die "Prozessgalerie" mit Erläuterungen durch die Gestalter 

Die Beratung durch die Kollegen und den Referenten fiel leider etwas knapp aus, da nur wenig Zeit blieb. Dennoch empfand jeder der Teilnehmenden diese Konkretisierung als sehr hilfreich.

Um 14.50 Uhr begann entsprechend die „Offizielle Abschlussrunde mit Feedback zum Workshop und zum Gesamtprozess". Die Erwartungen vom Anfang wurden kurz durchgegangen und es waren über 2/3 davon erfüllt worden.

Herr Fänderl stellte dann noch die menschliche Feedback-Zielscheibe vor, bei der eine Person mit einer ICH-Aussage in die Mitte tritt und die anderen im Kreis sich so nahe positionieren können, wie sie der Aussage zustimmen.

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Menschliche Zielscheibe zur Abschlussreflexion 

Aussagen, die besonders positiv bewertet waren:

  • Mich hat die Methodik dieses Workshops überzeugt
  • Ich fand es klar und leicht hier zu arbeiten
  • Ich fand die Impulse sehr lehrreich
  • Die aktive Vermittlung von Theorie hat mir gut getan
  • Für mich war die Methodenvielfalt etwas verwirrend
  • Ich würde mich freuen, sich gesund wiederzusehen
  • Ich hoffe, dass die NAIS-Tandems nachhaltig weiterlaufen
  • Ich fand es schön mit Euch

Bis 15.20 Uhr wurde dann Dank an Beteiligte, Referenten, Koordination bis hin zur fördernden Bertelsmann-Stiftung und den Senioren vor Ort ausgesprochen.   

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