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Jul 16 2007
mitWirkung: Standard- Ruck- Zuck- Verfahren Drucken E-Mail
Geschrieben von Online Redaktion   
Montag, 16. Juli 2007

05-09-13 Cover mitWirkung_1.jpgBeim "Standard- Ruck- Zuck- Verfahren" beteiligen sich Kinder und Jugendliche in Flensburg an der Planung und dem Neu- oder Umbau von Kinderspielplätzen, Bolzplätzen, naturnahen Spielflächen, Jugendaktivitätsflächen und dem öffentlichen Raum. Das Projekt mitWirkung der Bertelsmann-Stiftung stellt dieses und ähnliche Verfahren in ihrer Toolbox Bildung vor.

WAS? 

Seit 1999 liegt die Planungs- und Budgetverantwortung für die städtischen Kinderspielplätze in der Hand der Abteilung für Kinder- und Jugendförderung der Stadt. Seitdem wurden in Flensburg jährlich drei bis vier Kinderspielplätze umgestaltet und zwei bis drei Spielplätze neu gebaut - mit Beteiligung der Kinder, Jugendlichen und Anwohner, wie es der § 47f der Gemeindeordnung seit 1996 vorsieht. Dies bedurfte schon aus zeitlichen Gründen einer neuen, alltagsorientierten Beteiligungs- und Planungskultur. In diesem Sinne entwickelte das Spielmobilteam der Stadt das "Standard-Ruck-Zuck-Verfahren".

WER?

Die Toolbox Bildung der Bertelsmann Stiftung stellt erfolgreiche Praxisbeispiele aus den Bereichen Elementarbildung, Schule und Jugendbeteiligung vor. Sie bietet erprobte Methoden und Materialien zur (Weiter-) Entwicklung von Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen im kommunalen Gemeinwesen.  

Das Projekt mitWirkung bietet nun schon seit mehreren Jahren Informationen zur Kinder- und Jugendbeteiligung über die Webseite www.toolbox-bildung.de an. Auch das Standard-Ruck-Zuck-Verfahren wird dort detailliert beschreiben.

Direkter Ansprechpartner in Flensburg:
Thomas Dau-Eckert
Stadt Flensburg
Kinder- und Jugendbüro Süderhofenden 40
24937 Flensburg
Tel.: 0461 85-2337
Fax: 0461 85-2092
E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Internet: www.flensburg.de

Methodensammlung – Projekte zur Partizipation von Kindern leicht gemacht, Hrsg.: Bundesarbeitsgemeinschaft Spielmobile e.V., ISBN-Nr. 3-00-007595, Trier, 2001 

WIE? 

"Das „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren“ umfasst die folgenden sechs Teilschritte, die hier modellartig beschrieben sind, um das Grundanliegen eines solchen Planungs- und Beteiligungsprozesses anschaulich zu machen:

1) Februar/März: Vorbereitende Gespräche werden mit den Investoren, dem Land­schaftsarchitekten und den Vertretern des Tiefbauamtes geführt, um ein genaues Zeitraster zu erstellen. Zum Teil musste diesen Mitstreitern natürlich auch die Idee der Partizipation und ihr Nutzen näher gebracht werden. Bei Neubaugebieten wird gewartet, bis ca. 2/3 der Häuser bezogen sind. Bei Umgestaltungen von städtischen Plätzen entfallen diese Gespräche, da alle Entscheidungen in der Verantwortung der Kinder - und Jugendförderung liegen.

2) April: Alle Anwohner werden an einem Montagnachmittag (17.00 Uhr) auf die Flä­che des Spielplatzes eingeladen. Briefe wurden eine Woche vorher in die Briefkästen verteilt, erste Gespräche wurden dabei schon geführt. Tische, Bänke und Pläne sind die Requisiten dieses Tages. Das Spielmobilteam stellt sich vor, erläutert anhand von Plänen das folgende dreitägige Projekt und fragt in erster Linie die Erwachsenen nach ihren Vorstellungen für den neuen Spielplatz. Dabei sind die Ohren weit offen, Ideen, die geäußert werden, werden mitgeschrieben. So entsteht ein erstes Bild vom nachbarschaftlichen Umfeld, dem Miteinander und von den Ansprüchen der Anwoh ner. Dieser Termin richtet sich in erster Linie an die Erwachsenen, auch wenn die Kinder mit eingeladen und anwesend sind. Dieser niedrigschwellige Einstieg macht es allen Beteiligten einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eltern können ihre Gedanken äußern, Anwohner ihre Bedenken vortragen und den Kindern ist ein erstes Beschnuppern der Mitarbeiter möglich.

3) Am nächsten Tag sind nur die Kinder eingeladen. Ziel des Tages ist es, mit den Kindern gemeinsam die Umgebung zu erkunden und die bereits vorhandenen Spiel­möglichkeiten zu erforschen. Dazu erhalten die Kinder einen Forscherausweis samt Mütze und Schreiber und erkunden in kleinen Teams mit Karten und Klemmbrettern bestückt die Umgebung, um die Spielmöglichkeiten der nähern Umgebung heraus­zubekommen und zu dokumentieren.

4) Der dritte Tag dient dann der konkreten Ideenfindung für den Spielplatz. Wieder ist um 15.00 Uhr Treffpunkt der Spielplatz. Je nach Alter malen oder schreiben die Kin der ihre Wünsche für den Spielplatz auf. An diesem Tag ist ein Landschaftsarchitekt dabei, dessen Funktion es ist, den Kindern bei Bedarf zu erklären, warum allzu unre alistische Ideen (finanziell oder technisch) nicht umsetzbar sind. Seine Aufgabe ist es weiterhin mit Tipps und Kompetenz den Prozess so zu begleiten, dass die Kinder wünsche ernst genommen werden ohne ins Uferlose abzudriften. Es entsteht so eine Wunschliste der Kinder, die dann per Abstimmung (jedes Kind hat je nach Menge der Wünsche und der finanziellen Ressourcen drei bis fünf Stimmen) nach Prioritäten sortiert wird.

Im Laufe der Zeit wurden viele verschiedene Modelle der gängigen Spielgeräte im Maßstab 1:10 gebaut. Erst nachdem die ersten vier bis sechs Plätze feststehen, werden die Modelle hervorgeholt und im Sand des neuen und umgebauten Spiel platzes maßstabsgerecht aufgebaut. Bei der Überlegung und Entscheidung, wo wel ches Gerät positioniert wird, berät der Landschaftsarchitekt die Kinder.

Am Ende dieses Tages haben die Kinder einen sinnlichen Eindruck, wie ihr Spiel platz einmal aussehen wird. Dieses Ergebnis wird anschließend interessierten Eltern von den Kindern vorgestellt. Mit diesen Eindrücken werden dann Pläne gezeichnet und Angebote von Spielgeräteherstellern eingeholt.

5) Mai/Juni: Die Pläne werden allen Anwohnern und Kindern auf dem Spielplatz an einem Nachmittag präsentiert. „Ist er das?“ „Können mit dem Entwurf alle leben?“ werden die Fragen des Tages sein. Wenn dies dann der Fall ist, kommt es zur Auf­tragsvergabe und zur Umsetzung.

6) August/September: Der Spielplatz wird mit einem kleinen Fest bei Saft, Kaffee und Keksen eröffnet. Den Kindern wird ihr Spielplatz übergeben." (unter "Standard-Ruck-Zuck-Verfahren" / "Vorgehensweise / Bausteine ")

Autor:

Redaktion Netzwerk Gemeinsinn e.V. 

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