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Apr 27 2007
Integrale Friedensarbeit und Tiefenökologie Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Peter Erlenwein   
Freitag, 27. April 2007

06_07_24_Integrales_Denken_2.jpgDas Institut für integrale Entwicklung (IiE) hat auf der Basis einer umfassenden Methodologie des Bewusstseins-forschers Ken Wilber ein schöpferisches Integrationsmodell entwickelt, dass neue ganzheitliche Perspektiven therapeutischer, gesellschaftlicher wie spiritueller Erkenntnis und Heilung eröffnet. Dr. Peter Erlenwein stellt in diesem Artikel Inhalt und Aufbau einer Fortbildung vor.

Grundwahrnehmungen

Gegenwärtig sind wir Zeugen ganz neuer Formen von Gewalt, wie sie u.a. der 11. September oder die Inszenierung des Irakkrieges exemplarisch gezeigt haben. Neben dem Niedergang des staatlichen Gewaltmonopols in vielen Ländern und dem Aufstieg von regelrechten Gewaltmärkten, gehören dazu gleichermaßen der massive Auftritt des gesichtslosen Einzelkämpfers bzw. Amokläufers, sowie der willkürliche Rückbezug auf nationale Geschichte, ethnische und/oder religiöse Identität zur Auslöschung Anderer wie ganzer Ethnien, oder der unverfrorene imperiale Anspruch und militärische Ausdruck jenseits internationaler Gesetzgebungen. Dies alles hat jede sogenannte klare Frontlinie zwischen offiziellen Gegnern aufgehoben. Der Hauptleidende bei all diesem Wahnsinn ist zu 90% die Zivilbevölkerung, d.h. zuallererst Frauen, Kinder und alte Menschen.

Die Fragen nach der Zukunft der Gewalt bzw. nach neuen und anderen Wegen von Friedensforschung- und handlung sind daher dringlicher denn je.

Eine Voraussetzung dafür, dass wir die Vision eines authentischen Friedensraumes verwirklichen können, beruht auf der Einsicht, dass man im Äußeren nur so viel Frieden ermöglicht, wie man in sich selbst realisiert hat. Frieden ist als ein Heilungsprozeß zu verstehen, der auf der Kooperation und allseitigen Solidarität zwischen Mensch, Tier, Pflanze und geistigen Wesenheiten beruht; ebenso auf der Basis von Liebe und Anerkennung zwischen den Geschlechtern. Im Zentrum steht die Erfahrung der Einheit allen Seins.

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Ken Wilber mit Hund Isaac 

Konkret bedeutet dies- gerade angesichts der immer größeren ökologischen - alle lebenden Wesen betreffenden - Katastrophen, fühlbare / erkennende Verbindungen zwischen unseren Angst-, Haß- und Ohnmachtsräumen und der Wahr-Nehmung der geistig-materiellen Einheit dieses Planeten herzustellen. Kommt diese Verbindung nicht zustande scheitert jede Friedensvision und mündet in unterschwelligen oder offenkundigen Zynismus.

In dieser Seminarreihe für Menschen unterschiedlichster Arbeitsfelder (u.a. Lehrer, Sozialarbeiter, Psychologen, Interkulturell Tätige..) werden neue Wege bzw. Verbindungen von Friedensforschung zur Darstellung gebracht und eingeübt. Ein grundlegendes Stichwort hierbei ist "Präsenz": Da-Sein in Harmonie, Achtsamkeit und Vertrauen aus dem lebendigen Kontakt mit dem eigenen inneren Rhythmus und dem schöpferischen Mitgefühl für die drängende Not der Welt, in der ich lebe.

Solche Präsenz des Geistes meint die Anwesenheit des ganzen Menschen. Dieser ist bereit, gewohnte Denkmuster und -schemata wie Erfolg, Leistungsorientiertheit, Autoritätsfixierung sowie religiöse und säkulare Wertevorstellungen zugunsten einer mehrdimensionalen, defokussierten Wahrnehmung loszulassen, bzw. zu erweitern. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die 30jährige Arbeit des berühmten amerikanischen Bewusstseinsforschers Ken Wilber, der für eine integrale und holistische Perspektive menschlichen Wachstums steht, sowie den norwegischen Friedensforscher und Träger des Alternativen Nobelpreises, Johan Galtung.

Menschliches Wachstum als Entfaltung sozio-spiritueller Bewusstheit ist eine immer neu zu findende Balance innerer/äußerer Feldkräfte (Morphogenense), die in der Übersetzung des englischen Wortes für Verantwortung am besten zum Ausdruck kommt: response-ability, d.h. die Fähigkeit zum adäquaten (stimmigen) Antworten.

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Ken Wilbers Vier Quadrantenmodell: Aqual

Die Fortbildung ist in vier Arbeitsblöcke unterteilt:

I. Friede mit mir selbst:

  • Was bedeutet dies Wort für mich? Welchen Stellenwert hat Frieden in meinem    Leben? Was bin ich bereit, dafür zu tun?
  • Welche Bereiche meines Lebens geben mir Frieden? Wie erfahre ich Frieden? (Beziehung, Beruf, Natur, Kunst, Meditation/Gebet)
  • Was macht mich innerlich friedlos? Wie erlebe ich diese Friedlosigkeit?
  • Welches Verhältnis habe ich zur Gewalt? Gibt es gravierende Gewaltsituationen in meiner Vergangenheit?
  • Gewalt und Aggression. Welche Erfahrung habe ich mit Vergebung mir selbst gegenüber?

Focus: Introspektion-Identität (Gestaltarbeit, Rollenspiel, Aufdeckung unbewusster Affirmationen und Negationen. u.a. The Work v. Byron Katie, Atem-Energiearbeit, Selbstwahrnehmung-Focusing..)

II. Friede im zwischenmenschlichen Raum:

  • Welche Beziehungen/Bindungen bin ich in meinem Leben eingegangen?
  • Welche Beziehungen vermisse ich?
  • Was bedeutet mir Gemeinschaft?
  • Was bedeutet mir die Liebe zum eigenen/anderen Geschlecht?
  • Wieviel Frieden/Unfrieden gibt es in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen?
  • Wieviel Authentizität erlaube ich mir in der Kommunikation mit anderen?                                                                   

Focus: Intersubjektivität/Freiheit und Grenze (Familienstellen, Authentische Kommunikation, Geschlechterdialog, Arbeit mit rituellen Ausdrucksformen, Kulturalität)

III. Friede im gesellschaftlichen Raum:

  • Was heißt für mich Gesellschaft? In welchem Verhältnis steht der Einzelne zur Gesellschaft?
  • Welchen Stellenwert nimmt politisches Handeln in meinem Leben ein?
  • Macht und Ohnmacht des Individuums?
  • Was heißt politisches Handeln?
  • Entwicklungspsychologie des Terrorismus: Täter/ Opfer
  • Friedenspädagogik: Können Menschen zum Frieden erzogen werden?
  • Das Verhältnis von Religion und Politik: Kampf für den Frieden?
  • Interkulturelle Ethik: Welchen Stellenwert hat Frieden im Wertesystem der verschiedenen Religionen? Ist Frieden eine Utopie? Vergebung und Versöhnung auf internationaler Ebene?

Focus: Systemisches Denken/Integrales Handeln (Politik des Herzens: Gandhi, Mandela, Pater Windey, Landkarten und Rituale zu Macht und Ohnmacht/Gewalt und Vergebung, Globalisierungsstrategien-, Medien und Öffentlichkeit: Film/Videomaterial)

IV. Friede mit der Natur:

  • Was bedeutet mir die Natur?                                          
  • Welche Erfahrungen mit ihr sind mir zentral?
  • Wie verstehe ich die menschliche Natur?
  • Das Verhältnis von natur und Kultur einst und jetzt?

Focus: Tiefenökologie / Buddhismus ( Evolutionstheorie, Visionssuche, Arbeiten zum Thema Mensch-Raum-Symbol, Konferenz des Lebens: Bedingtheit und Kooperation alles Lebendigen)

Grundlagen für alle vier Arbeitsblöcke bilden

  • Das integrale Muster der Evolution (Theorie und Praxis Ken Wilber et al)
  • Körperarbeit und Ausdruck: nonverbale Übungen zur Vertrauensfindung
  • Meditationen, Textkontemplationen: A-dvaita (Nicht-Dualität)
  • die direkte Begegnung: Wahrnehmen und Benennen, was ist
  • Visionsforschung: die inneren Landkarten entdecken
  • Empowerment: Ich/Wir will, kann, darf
  • Rituale und Feier, Gesänge und Tänze, die Künste
  • Übungen zum Netzwerkdenken und personalen Handeln (Projektarbeit)
  • Film/Videomaterial zur Dokumentation

Literatur (ausgewählt)

  • M. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation
  • K. Wilber: Ganzheitlich Handeln
  • A. Sharma: Innenansichten der großen Religionen
  • P. Nora: Erinnern und kollektive Identität
  • I. Zertal: Die Geschichte des Opfers als Politik
  • G. v. Lüpke: Die Alternative. Wege und Weltbild des Alternativen Nobelpreises
  • R. Moskovitz: Verständigung als Lebensgeschichte
  • P. Erlenwein:  Der Geist des Erwachens/ Projekte der Hoffnung
  • W. Sofsky: Gewalt als Verwandlung und Selbstbestätigung
  • M. Chossudovsky: Global brutal
  • J. Lovelock / R. Sheldrake:  Der wissende Kosmos

Autor und weitere Informationen

Dr. Peter Erlenwein
Baderfeld 18
86911 Dießen/Ammersee
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www.institut-fuer-integrale-entwicklung.de

Bildnachweis:

http://www.enlightenment.com/ (Hund Ken Wilber und Hund Isaac)

http://www.heartsopen.com/ (Aqual)

Weitere Artikel Dr. Erlenwein:

Bewußtsein, Demokratie und Spiritualität - der integrale Ansatz von Ken Wilber

Entwicklungshilfe anders: "Windows of Hope" in Namibia

 

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