Aktuell
Termine
Initiativen
Gedanken
Hinweise
Erläuterungen

Feb 24 2007
Politik im Raum: Kein Krieg in Europa durch die EU? Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Ruth Sander   
Samstag, 24. Februar 2007

Mohrvilla_Logo.gif"Politik und Kultur im Raum" ein Kolleginnen- und Kollegenkreis systemisch Beratender, hinterfragte am 28. März 2007 in Freimann die 50 Jahre Europäische Union. Inwieweit hatte sie Auswirkungen auf die Friedenssicherung und warum sind wir Europäer immer noch so skeptisch? Der Bericht ist online!

 

WAS 

Kein Krieg in Europa seit 1945, zumindest kein offiziell erklärter zwischen Staaten der EU. Es gibt Menschen, die diese Tatsache für erstaunlich halten (Europa ist damit der am wenigsten kriegsbetroffene Kontinent der Erde) und sie auf das Wirken der EU zurückführen, die im Nukleus vor 50 Jahren, im März 1957, als EWG das Licht der Welt erblickt hat. Wie kommt es dann aber, dass so viele EU-BürgerInnen herzlich wenig von der EU halten?

WER

Teilnehmende:
Interessierte, die bei einer solchen Aufstellung mitwirken wollten, ob aus der EU oder darüber hinaus!

Moderation: Dr. Ruth Sander

WIE

Zur Methode:

Die Nützlichkeit der Aufstellungsmethode wurde ursprünglich von FamilientherapeutInnen entdeckt. Inzwischen wird sie auch in beruflichen Beratungssituationen erfolgreich eingesetzt.

Dabei wird über das jeweilige Thema nicht primär geredet, sondern dieses wird im Raum abgebildet: Anwesende stellen sich als Rollenträger von System-Aspekten zur Verfügung, die Dynamiken im System werden sicht- und erlebbar.

In dieser Veranstaltungsreihe versuchen wir, komplexe Themen aufzugreifen und - für unsere westliche Welt - auf ungewohnte Weise gesamtheitlich und sinnlich erfahrbar zu machen, ohne dabei das Aufdecken endgültiger „Wahrheiten" zu beanspruchen.

Über Ablauf und Ergebnisse von Politik im Raum können Sie auch in weiteren Artikeln auf dieser Webseite erfahren:  "Politik im Raum" , "Vision Vollbeschäftigung", "Macht Geiz geil?", "Bedingungsloses Grundeinkommen", "Ein neuerwachtes Nationalgefühl", "Multikulturelle Teams" und "Ausländer rein und / oder raus?".

Zeit:
Mittwoch, 28.03.2007, 18.30 bis 22 Uhr

Ort:
Mohrvilla Freimann e.V. 
Situlistraße 75
80939 München
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können  
Tel.  324 32 64
Fax  32 19 53 54 
www.mohr-villa.de

Bericht

Diesmal in kleinem Kreis, ist schnell klar, welche Nationalitäten im Raum sind: nur Deutsche, moderiert von einer Österreicherin.

Eine Abfrage im Raum beleuchtet die Einstellung der Anwesenden zur EU: von leicht bis zu maximal positiv. Die maximal Positiven begründen ihre Position mit der friedenssichernden Funktion der EU, die nur leicht Positiven heben die Schwerfälligkeit und Bürokratie bzw. Intransparenz der EU hervor.

Es folgt ein Austausch zur Frage: Wer im Raum hat schon persönlich je Krieg oder einen bewaffneten Konflikt erlebt? Hier sind die Erfahrungen geteilt: Nur ein Teilnehmer hat als Kind den 2.Weltkrieg erlebt, eine Teilnehmerin noch die Nachkriegszeit. Die Jüngeren kennen Krieg nur aus Erzählungen bzw. haben in ihrer Jugend die Bedrohung durch den Ost-West-Konflikt erfahren und mehr oder weniger ernst genommen.

Die Abfrage, ob denn die Anwesenden überhaupt einen kausalen Zusammenhang zwischen Frieden in Europa und der Existenz der EU annehmen, wird überwiegend positiv beantwortet; allerdings wird auch der NATO eine wichtige Rolle für die Friedenssicherung zugeschrieben.

Nun gehen wir auf die Suche nach der Fragestellung oder These, mit der wir die Aufstellung beginnen könnten. Folgende Überlegungen und Fragen werden genannt:

  • - Frieden braucht Teilen. Wie kann ich das Bewusstsein fürs Teilen positiv besetzen?
  • - Was hat die Amerikaner bewogen, nach 1945 Care-Pakete nach Europa zu schicken? - bzw.: Warum ist bei uns jetzt die umgekehrte Stimmung?
  • - Was macht die EU eigentlich? Wie kann Transparenz hergestellt werden?
  • - Wie können die nationalen Egoismen überwunden werden?

Obwohl beim Brainstorming der Aspekt des Teilens zwecks Friedenssicherung im Vordergrund stand, wendet sich der Fokus im anschließenden Austausch der Frage der Transparenz in der EU zu - Transparenz quasi als Voraussetzung für eine breite Zustimmung zur EU. Dazu formulieren wir gar keine konkrete Frage aus, sondern gehen mit dem Thema

„Transparenz in der EU"

in die Aufstellung.

Als Elemente werden gewählt:

  • - die Transparenz
  • - die Medien
  • - die nationalen Politiker
  • - die EU-Politiker
  • - die wissenden Bürger
  • - die unwissenden Bürger

Im ersten Bild stehen nationale Politiker, Medien und unwissende Bürger nahe in einem Dreieck beieinander. Die nationalen Politiker fühlen sich sicher, gut verankert, haben ihre unwissenden Bürger gut im Blick und „füttern" sie nach eigener Aussage nach Gutdünken über die Medien. Zu den EU-Politikern haben sie keinen Bezug und wollen auch keinen haben. Die EU-Politiker werden von ihnen eher als lästige Konkurrenz empfunden.

Die Medien erleben sich als Transporteure von Informationen von nationalen Politikern zu unwissenden Bürgern . („Ich sülze ein, halte dumm, manipuliere, das ist meine Aufgabe, davon lebe ich. Schön, dass das der uninformierte Bürger als Information erlebt. Aber mir ist auch ein bisschen schlecht dabei, wenn ich mit meinen Fähigkeiten und meiner Macht nichts besseres im Sinn habe...") Ihr Hauptinteresse ist ihr Geschäft, und die Themen der EU erleben sie als zu sperrig, zu komplex, um sie gut aufbereiten zu wollen.

Die unwissenden Bürger fühlen sich zwar wohl und vertraut im engen Raum zwischen nationalen Politikern und Medien, wenden ihren Blick aber auch nach außen und nehmen dort größere Frische wahr.

Die EU-Politiker stehen im Abseits, im Rücken der nationalen Politiker. Sie haben große Sehnsucht nach der weit von ihnen entfernten Transparenz.

Die ebenfalls vereinzelt stehenden wissenden Bürger haben Mitleid mit den EU-Politikern, aber auch keine Idee zur Abhilfe.

Die Transparenz fühlt sich neutral und abwartend.

Aufgefordert, den eigenen Impulsen nachzugeben, ergibt sich ein neues Bild:

Das enge Dreieck von nationalen Politikern, Medien und unwissenden Bürgern löst sich auf. Die Transparenz sucht die Nähe der nationalen Politiker, findet die Position aber auch unglaublich anstrengend. Die unwissenden Bürger brechen aus der Enge von nationalen Politikern und Medien aus, suchen sich einen neuen Platz näher bei den EU-Politikern. Die Medien versuchen hartnäckig, die Transparenz, die sich zwischen sie und die nationalen Politiker zu drängen versucht, zu umgehen und den Kontakt zum uninformierten Bürger aufrecht zu halten.

Eine nochmalige Aufforderung, den eigenen Impulsen nachzugeben, ergibt nur noch wenige Veränderungen:

Die Transparenz stellt sich zwischen EU-Politiker und unwissende Bürger, Medien und nationale Politiker bleiben eher ein Doppel-Pack.

Die Schlussabfrage ergibt folgende Aussagen:

Die EU-Politiker: „Was mich überrascht hat: Ich lebe geradezu von der Transparenz. Für mich ist der Kontakt zu den Bürgern am Wichtigsten. Alles andere interessiert mich wenig."

Die nationalen Politiker: „Die EU erlässt viel zu viele Vorschriften. Das ist intransparent. Wie soll ich das meinen Wählern verkaufen?"

Die Medien: „Vom Thema ‚EU und Transparenz' können wir nicht leben. Wir orientieren uns an schlichten Wahrheiten für unsere unwissenden Bürger. Lokale Geschichten und Eifersüchteleien sind da viel leichter zu verkaufen als intellektuelle, visionäre Sachen."

Die wissenden Bürger: „Ich habe gern ein bisschen Distanz. Ich habe den Eindruck, die EU-Politiker sind eher als die nationalen Politiker in der Lage, über Parteigrenzen hinweg seriöse Politik zu machen. Ich habe aber nicht den Eindruck, umfassend informiert zu sein. Ich glaube, das umfassende Wissen hat keiner. Eigentlich bräuchte ich noch viel mehr Berichterstattung, um Stellung beziehen zu können."

Die unwissenden Bürger: „Mit ist klar geworden, dass wir alle im Gefängnis der Unwissenheit stecken, die Politik, die Medien und ich auch. Es ist einfach sehr schwer, sich Durchblick zu verschaffen. Ich hoffe einfach, dass die Koalition aus EU-Politikern, wissenden Bürgern und Transparenz so mächtig wird, dass sie mich rüberzieht aus diesem Gefängnis der Enge, dass ich belüftet werde mit einem neuen, frischen Geist."

Die Transparenz: „ Hier neben den EU-Politikern geht es mir gut, ich fühle mich angenommen, im Gegensatz zu vorher bei den nationalen Politikern und den Medien. Der Ball ist bei der EU, die wird noch viel tun müssen, um mich zu befördern."

An dieser Stelle lösen wir die Aufstellung auf und gehen in die Reflexion:

„Ich hatte mich ja zu Beginn des Abends hier als größter EU-Skeptiker geoutet. Jetzt bin ich ganz überzeugt davon, dass die EU-Politik nur über Transparenz wirken kann, weil sie im Gegensatz zu den nationalen Politikern viel weniger nah dran ist am einzelnen Bürger."

„Aus der Rolle als nationaler Politiker kann ich nur sagen: Die würden sich nur bewegen, wenn die Welt ideell mehr zusammenrückt, wenn schon ein Bewusstsein da ist. Deshalb glaube ich, dass wir eine Bewegung von unten brauchen, die sich dem Thema Europa widmet. Dazu müssen wir einige Mut machende Perspektiven aufzeigen, global und regional. Dadurch könnten unwissende zu wissenden und begeisterten Bürgern werden. Da würde ich investieren wollen."

„Ich habe die EU als nett und freundlich erlebt, aber nicht als griffig oder gestalterisch. Ich glaube, die EU braucht eine klare Vision, ein Leitbild, an dem man sich orientieren und auf das man sich beziehen kann. Da erlebe ich im Moment Mangel. Wobei ich nicht weiß, wie sie die Medien dafür einsetzen könnte..."

„Mein Eindruck war, da gab's zwei Bad Guys, die nationalen Politiker und die Medien. Die waren statisch und bequem, das wurmt. Andererseits hat die EU nicht bedeutsam gewirkt. Vielleicht sitzen wir ja der Illusion auf, dass die EU alles richten wird. Der EU-Sitz in Brüssel ist ja auch eine Festung, ich habe da eigene Erfahrungen gemacht, die mir eher Angst und Bange machen. Vielleicht wird Europa nie wieder Nummer 1. Und das ist heute eher wenig raus gekommen, diese Defizite und die Ohnmacht innerhalb der EU."

„Für mich war die Nähe zwischen EU und Transparenz überraschend und die Gefangenheit der nationalen Politiker in ihren Partikularinteressen. Ganz deutlich ist geworden, dass ohne die EU nichts Positives und kein Licht entsteht. Dass wir früher Nummer 1 waren, das waren wir durch Unterdrückung. Jetzt sind wir zum ersten Mal auf dem Weg zum Licht für alle Menschen. Damit ist der Karren Europa auf einem sehr guten Weg. Wir dürfen nur nicht erwarten, dass das sehr schnell geht. Mich hat die Aufstellung sehr motiviert, an Europa zu glauben und weiter dafür zu werben!"

„Ich hatte die Rolle der Medien gewählt, vielleicht grade, weil sie mich normalerweise nerven. Es war interessant, das körperlich zu erleben, diese Abhängigkeit von Bürgern und Politikern. - Insgesamt glaube ich allerdings, dass Interessierte auch jetzt schon gute Möglichkeiten haben, sich zu informieren - aber nicht über die normalen Medien. Wenn die Bevölkerung das mehr einfordert, wird es auch mehr sachliche Medien geben - aber eben nicht die Medien, die ich vorher repräsentiert habe. Aus der Rolle heraus glaube ich eher, dass es Wenige bleiben werden, die Information wollen."

„Mein Eindruck ist, dass es gar nicht so sehr um Sachinformationen und Fakten geht. Sondern dass wir was fürs Herz brauchen. Da reichen wirtschaftliche Argumente nicht. Wir brauchen was Verbindendes auf emotionaler Ebene. Wenn das nicht gefunden und transportiert wird, werden alle positiven Fakten nicht ausreichen, um die Bürger in einen Bezug zur EU zu bringen..."

Kontakt:

Dr. Ruth Sander
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Kommentare

Nur angemeldete Besucher können Kommentare verfassen.
Bitte melden Sie sich an oder erstellen Sie sich ein neues Benutzerkonto.

Powered by AkoComment 2.0!

 
Juli 2008
Mo Di Mi Do Fr Sa So
301 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3
 


© 2006 Netzwerk Gemeinsinn e.V. | Web-Design: 01Null GbR Baernreuther & Schmitz