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Werkstatt – ein Raum partnerschaftlicher Beteiligung Drucken E-Mail
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Was unterstützt freiwilliges Engagement? Wodurch kommt es bei Großgruppenprozessen zur wertschätzenden Selbstorganisation?

Zusammenarbeit nach dem Marktprinzip

Gemeinsinn entwickelt sich dort am besten, wo sich Menschen freiwillig für einen Rahmen entscheiden, in dem sie sich frei entfalten und wo sich die Rahmenbedingungen den Menschen anpassen können. Gemeinsinn-Werkstätten sind dabei methodisch vom Bild eines Marktplatzes inspiriert:

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Infomarkt im Ökologischen Bildungszentrum München 27.02.2003
  • Geben und Nehmen: Auf einem Marktplatz werden Angebot und Nachfrage ausgeglichen. Der Austausch findet auf sachlicher wie sozialer Ebene sowie auf gleicher Augenhöhe statt.

  • Aktivität und Passivität: Ein Marktplatz eröffnet parallel Inseln der Betriebsamkeit und der Ruhe, formeller wie informeller Kommunikation.

  • Suchen und Finden: Auf dem Marktplatz herrscht eine Komm- und Gehstruktur, in der Anbietende und Interessierte wechselseitig aufeinander zugehen, sich ergänzen und sich vernetzen können.

Stellen Sie sich vor, eine zentrale Instanz müsste alle Bewegungen steuern, die auf einem Marktplatz erfolgen. Unmöglich, denken Sie sofort. Wenn aber jeder selbst seinen Bedürfnissen und Notwendigkeiten gemäß handelt (Selbstorganisation), ein Rahmen geschaffen und Grundregeln vereinbart sind, funktioniert es. Selbstorganisation ist die effizienteste Organisationsform für die Lösung komplexer Aufgaben (frei nach Höflinger 2003).

Selbstorganisation als Voraussetzung

Damit Märkte funktionieren wird viel Eigen- und Mitverantwortung bei allen Beteiligten vorausgesetzt. Einfache Regeln, hilfreiche Methoden und eine angenehme Atmosphäre sind in der Verantwortung der Initiatoren bzw. der Begleitung. Alles andere wird den Beteiligten selbst überlassen. „Beteiligen“ im partnerschaftlichen Sinne bedeutet nicht nur „teilnehmen“, sondern auch „teilgeben“, „teilhaben“, „Teil sein“, „aufteilen“, „verteilen“ oder „Anteil nehmen“. Wer sich selbst als aktiver Teil des Ganzen erkennt und erlebt wird auch Verantwortung übernehmen.

Sozialpädagogischer Diskurs, 2004

"Zwischenbilanz Sozialpolitischer Diskurs" im Alten Rathaus in München 28.07.2004

"Im Unterschied zu gängigen Projektverfahren haben Gemeinsinn-Werkstätten nicht EINEN Projektmanager, sondern MEHRERE. Genau genommen sind es so viele, wie sich am Projekt beteiligen." (Fänderl 2005).

Wertschätzung als Grundlage

Gemeinsinn-Werkstätten konzentrieren sich auf ein „brennendes Anliegen“ und schaffen einen Rahmen, der durch geeignete Methoden gestaltet wird. Forschungsergebnisse bestätigen, dass Zusammenarbeit und nachhaltige Verbesserungen durch eine grundlegend positive Ausrichtung aller Beteiligten unterstützt werden (vgl. sich selbsterfüllende Prophezeihung, Pygmalion- und Placebo-Effekt). Negatives und Konflikthaftes werden nicht ausgeblendet, sondern zum passenden Zeitpunkt, wenn es konstruktiv angegangen werden kann, integriert.

"Ein positives Menschenbild erhöht die Selbstorganisationsfähigkeit von sozialen Systemen, die sich ‑ wie Pflanzen dem Licht ‑ immer dem zuwenden, was sie am Leben erhält, bestätigt und motiviert." (Cooperrider 1999)

Werkstatt als Rahmen

Die Gemeinsinn-Werkstatt ist weit mehr als ein Workshop oder eine Veranstaltung mit Eventcharakter. Gemeinsinn-Werkstätten sind Räume, in die man gerne hineingeht um mit anderen etwas Sinnvolles zu gestalten. Gemeinsinn-Werkstatt ist

  • ein Sozial-Raum, den verschiedene Personen und Institutionen nutzen können um brennende Anliegen zu bearbeiten,

  • ein realer, überregionaler oder auch virtueller Raum, der vielerlei Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung bietet,

  • ein Zeit-Raum, in dem Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart Beachtung finden,

  • ein innerer Raum, der die Reflexion des Inneren in der Auseinandersetzung mit dem Äußeren ermöglicht.

Sozialpaedagogischer Diskurs München, 2001

"Wir machen Ehrenamt attraktiv!" Haupt- und Ehrenamtliche beim Forschungsforum der Caritas München 18.11.2001

"Gemeinsinn-Werkstätten dienen als „Beteiligungsräume“, in denen Arbeit und Freizeit nebeneinander bestehen und ineinander fließen können, weil die Beteiligten das gemeinsame Handeln als sinnvoll erleben." (Fänderl 2005)

Differenzierung durch Vernetzungsebenen

Freiwilliges Engagement bezieht sich auf verschiedene Aspekte des Lebens, ist facettenreich und benötigt Flexibilität. Dazu werden bei Gemeinsinn-Werkstätten drei soziale Ebenen voneinander unterschieden:

  • Auf der „Ebene beteiligter Menschen“ bringen die Mitwirkenden ihre Fähigkeiten, Bedürfnisse und Visionen eigenmotiviert ein (Können, Mögen, Wollen) und lernen sich persönlich kennen und schätzen.

  • Auf der „Ebene beteiligter Institutionen“ nehmen die Mitwirkenden im privaten wie beruflichen Alltag Rollen in unterschiedlichen sozialen Netzen und Netzwerken ein, mit denen Erwartungshaltungen (Sollen, Mögen, Dürfen) verbunden sein können.

  • Auf der „Ebene des gemeinsamen Projektes“ bringen die Mitwirkenden ihre Erfahrungen und Ressourcen aus den beiden anderen Ebenen ein und übernehmen je nach Motivation für eine begrenzte Zeit Tätigkeiten und Funktionen als Interessierte, Mitwirkende und Koordinierende des Projektes.


 

Indem die Gemeinsinn-Werkstatt die sozialen Ebenen bewusst miteinander verknüpft, profitiert sie von den Kontakten und Ressourcen aller drei Ebenen. Bisherige Gemeinsinn-Projekte haben bestätigt, dass diese Dreiteilung zur Rollenklärung beiträgt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Rollenkonflikte und Motivationsschwächen sowie Defizite bei persönlichen und institutionellen Zuständigkeiten identifizieren und regeln.

"Gemeinsinn-Werkstätten sind ideale Übungsräume. Sie kennen keine Kontrolle oder Sanktion, da sie Zeit und Energie lieber in das partnerschaftliche Miteinander investieren." (Fänderl 2005)

 
 


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