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Wie kann die partnerschaftliche Vernetzung mit anderen Kollegen besser funktionieren? Berater und Methodenexperten hat die Frage im Lernforum Großgruppenmoderation am 22.01.2007 in Oberursel zur Idee einer Mehrwertanalyse für Netzwerke angeregt.
Sammeln von Assoziationen und Fragestellungen
Im ersten Schritt des 1 1/2 stündigen Workshops wurden konkrete Beispiele gesammelt, die von natürlichen Alltagsnetzwerken, Visitenkarten-Partys, Best-Practice-Plattformen, konkreten Business-Plattformen bis hin zu Konzepten von „Communities of Practice" reichten. Im Zentrum steht zumeißt der Wunsch nach Funktionsfähigkeit, Gewinn, wenig Streit, schnellerer, effizienterer Kommunikation.
Im Beratungsmetier kommt es häufig vor, dass auch Kunden die Vorstellung haben, dass kollegiale Vernetzung Mehrwert schafft. Und so kam es zu einer Reihe offener Fragen, die nicht alle im Workshop bearbeitet werden konnten:
- Wie viel Struktur, Initiative, Rahmen, Ressourcen brauchen Netzwerke?
- Wie können Netzwerke aufgebaut und würdevoll aufgelöst bzw. in neue Netzwerke überführt werden?
- Sind Netzwerke eine Organisationsform der Gegenwart und was unterscheidet sie von anderen Formen?
- Entsprechen Netzwerke dem weiblichen Prinzip, das sich am Menschen orientiert, während sich das männliche Prinzip an Horden und Regeln orientieren?
Was macht den Mehrwert von Netzwerken aus?
Definitionsversuch von „Netzwerk" (in Gegenüberstellung zur Organisation): offenere partnerschaftliche Beziehungsstruktur die stärker von Menschen durch Sympathie und Mehrwert von innen getragen und weniger durch organisatorische hierarchische Strukturen und Regeln von außen zusammengehalten wird.
Gegenüberstellung Seilschaft: Stärkeres Commitment mit nicht-öffentlichem Charakter und intensiverer gegenseitiger Abhängigkeit, dafür höhere Absicherung in Gefahrensituationen.
Gegenüberstellung Schwarm: kollektives Gespür für das was Notwendig ist, dem Einzelnen wie der Gemeinschaft dient und wofür es sich instinktiv einzusetzten lohnt.
Definitionsversuch von „Mehrwert" (in Bezug auf Vernetzung): Wenn Kooperation in Netzwerken mehr bringt als Einzelaktionen und andere Organisationsformen: z.B. die Lust auf Zusammenarbeit und Freiwilligkeit überwiegt, sich ergänzende Ressourcen und Funktionen abzeichnen, gemeinsame starke Ziele verfolgt werden, Lerneffekte entstehen, Kommunikationsvorsprung und hilfreiche Beziehungen langfristig möglich sind...
Idee Mehrwertanalyse
Zunächst im Interessentenkreis bzw. bestehendem Netzwerk 20 gute Gründe sammeln warum es lohnt ein Netzwerk zu gründen / im Netzwerk zu sein. Wie beim Brainstorming ist alles erlaubt was einem einfällt (auch Vermutungen was für andere gilt). Eine Liste erstellen mit den genannten Gründen sowie der Frage nach persönlichen Zeitressourcen und Motivationsgrad (im Vergleich zu den anderen), persönlich anonym ergänzen und bewerten lassen (z.B. Priorisierung). Extern auswerten und präsentieren lassen.
Das Lernforum Großgruppenmoderation von All-in-One (Matthias zur Bonsen) wurde in diesem Jahr 10 Jahre alt... ein erfolgreiches Netzwerk-Konzept!
Hilfreiche Tipps für kollegiale Netzwerke
- Auf pragmatischen Mehrwert für jeden einzelnen achten (s.o.),
- partnerschaftlichen Austausch (Chancengleichheit, Transparenz, flache Hierarchien, roulierende Systeme...) fördern
- Sympathie, Humor, Beziehungspflege als Grundlage: „die Chemie muss stimmen"
- Informations- und Kommunikationsfluss sicher stellen (direkt persönlich, elektronisch, die regelmäßige Telefonstunde, Schwarzes Brett...)
- Gestaltung regelmäßiger aber auch selbstorganisierter Treffen (deshalb sind regionale Vernetzungen erfolgreicher)
- Ideal eine gute Mischung unterschiedlicher Netzwerkpartnerinnen und -partner zu haben (Kultur, Alter, sozialer Hintergrund...), die das gleiche Ziel verfolgen, sich verständigen und verstehen und damit fruchtbar ergänzen können
- Den Charakter der Vernetzung klären (Austausch-, Lern-, Aktionsfokus bzw. zentrales oder dezentrales Netzwerk)
- mögliche Konkurrenzen anderer Vernetzungsebenen bedenken und in Konzept integrieren
- Geklärter und attraktiver Zugang sowie wertschätzender Abgang einzelner Netzwerk-Mitglieder
- Regelmäßige Herausforderungen und Erneuerungsimpulse, die ein gewisses Maß nicht überschreiten dürfen
- Geklärte Strukturen mit einfachen Regeln die auch nach außen einsehbar sind (Netzwerk-Ethik, ‚netikette‘) regelmäßig anpassen und überprüfen
- Geben und Nehmen in Balance bringen, reinen Altruismus wie Egoismus durch Regeln verhindern
- Vertrauensfördernde Maßnahmen (z.B. Spendenbereitschaft offen lassen, Vertrauensvorschuss...)
- schrittweiser Aufbau der Netzwerkstruktur, Orientierung an natürlichen Entwicklungsschüben, Unterstützung durch Meilensteine
- parallel laufende projekthafte Aufgaben, Nutzung von handlungsorientierten und Freiwilligkeit fördernden Projektverfahren (z.B. Gemeinsinn-Werkstatt)
- bewusstere Unterscheidung von Arbeit / Freiwilligem Engagement / Freizeit (je 1/3 nach Frithjof Bergmann)
- frühzeitigere Klärung wer wie viel Zeit einbringen kann (1/3, 1/6, ... 1/16)
- Regelmäßige Reflexion welche Prioritäten jeweils in Bezug auf das Netzwerk bestehen (1., 2., ... 9. Stelle)
- offenere Unterscheidung qualitativer Mehrwert einzelner Beiträge für das Netzwerk
- bessere Differenzierung von und Orientierung an klaren Funktionen (Aufgabenteilung auf Initiativ-, Projekt-, Veranstaltungs- oder Teilnehmerebene bzw. von hartem und weichem Kern)
- „Motivationsformel" als Begleitinstrument (mehr Können, Mögen, Wollen, weniger Müssen, Dürfen, Sollen)
- Deutlichere Unterscheidung von Zusagen: Interesse, Mitarbeit, Koordination
- damit Akzeptanz und offene Einladung unterschiedlichen Engagement-Potentials
- aber auch differenzierte Wertschätzung und Gegenleistungen im Netzwerk (Modell Tauschring)
- Netzwerke auf persönlicher wie institutioneller Ebene andenken (u.a. passende Trägerstrukturen)
- Stellvertretersystem nur für Institutionen zulassen
Viel Spaß beim kollegialen Networking!
Beteiligte: Myriam Mathys, Anja Burkhardt, Conrad Thimm, Klaus Meyersen
Impulsgeber: Wolfgang Fänderl http://www.vernetzungsberatung.de
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