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Dez 31 2006
PARTYzipation - wenn Beteiligung für alle zum Fest wird Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Fänderl   
Sonntag, 31. Dezember 2006

silvester-feuerwerkMit Blick auf die oft anstrengenden, frustrierenden und nicht immer erfolgreichen Partizipationsbemühungen: Was haben (Silvester-)Party und Beteiligung gemeinsam? Zum Jahreswechsel einige Reflexionen in Analogie zur Gemeinsinn-Werkstatt.

Ist für Sie das Jahresende 2006 ein Anlass zum Feiern? Wer ernten möchte hat zu säen, und es kommt auf die Samen, die Umweltbedingungen und die Pflege übers Jahr an, ob und welche Früchte auf den Gabentisch kommen. Erntedank, Weihnachten und Silvester sind dann würdigende Abschlüsse des Jahres, mit denen das Sammeln, Aussortieren und Veredeln einher geht. Über was wollen wir reflektieren? Was haben wir zum würdigen? Wofür wollen wir uns bedanken?

Das Silvester-Feuerwerk ist in alter Tradition dient der Vertreibung böser Geister und der Begrüßung des neuen Jahres. „Brennende Anliegen" werden in den Himmel geschossen, um die positiven Wünsche an das Neue Jahr wahr werden zu lassen. Heilig Drei König, Fasching und Fastenzeit sind weitere Schritte, um sich von negativen Einflüssen zu befreien und mit Ostern den Frühling und das neue Leben tatkräftig anzugehen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!" lautet der, während der Fußball Weltmeisterschaft 2006 häufig verwendete Spruch des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger. Und er gilt natürlich auch für Silvester! Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang, um aus Erfolgen wie Fehlern zu lernen und vom neuen Jahr neue Entwicklungsschritte zu erwarten. Der Anstoß des neuen „Spiels" trägt die Hoffnung auf Besserung oder zumindest Beibehaltung bisheriger Meriten, und er führt ins Handeln! Wir reden nach dem Anstoß nicht mehr vom Spiel sondern wir spielen es.

Doch mit was stoßen wir an? Sekt oder Champagner? champagnerDie Luftperlen des teuren Champagners entstehen durch die im Wein gelöste Kohlensäure, welche durch eine zweite Gärung in der Flasche durch die „Méthode traditionnelle" erreicht wird. Am anderen Ende der Skala steht billiger Prosecco Frizzante, der meist nur ein Verschnitt aus mehreren Weißweinen ist, dem man Kohlensäure zugesetzt hat. Es ist nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch eine viel tieferliegende Frage unserer schnelllebigen Zeit, ob wir die „aufgeblasenen" kurzfristig wirksamen Plagiate oder die gereiften längerfristig wirksamen Originale vorziehen.

Doch nun zur viel zentraleren Frage: Wann wird eine Silvesterparty zu einer echt gelungenen Party? Die einfachste Antwort: Wenn es allen gut geht! Da gibt es das „Gutgehen" im Hier und Jetzt, das gute Essen, die guten Gespräche, die Feierlaune... Es lässt sich aber nur schwer feiern, wenn man selbst oder andere Not leiden, wenn man sich die Probleme des nächsten Tages mit  Alkohol schön trinken muss oder die Wünsche an die Zukunft reine Utopie sind und man wie frau ohne Hoffnung nach der Party nach Hause gehen.

Der Weg zu einem gelungenen Fest ist also die Berücksichtigung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Integration aller Erlebnisse des Jahres und der Dank an alle Beteiligten. Zum eigenen Wohlergehen haben oft mehrere beigetragen als man denkt, und sie werden meist vor der Türe gelassen und beim Dank selten berücksichtigt. Gelungene Partys haben also mit PARTYzipation zu tun und damit ist weder die exklusive Clubfeier für die VIPs noch die Suppenküche für Arme gemeint.

Bei einer echten PARTY geht es nicht um das Abfeiern von Ritualen, die längst lästig geworden sind. Mit Lebendigkeit entwickelt sich eine Feier nur dann, wenn man Überraschungen zulässt und sich traut nach dem Gesetz der zwei Füße im Open Space zu leben:  Die, die da sind, sind die Richtigen! Was geschieht, ist das Einzige, das geschehen konnte! Es fängt an, wenn die Zeit reif ist! Vorbei ist vorbei, nicht vorbei ist nicht vorbei!

Eine gute Party fängt ja auch viel früher an als die Gäste eintreffen. Sie beginnt bei der Vorbereitung mit der Absprache der Gastgeber und mit der Einladung der Gäste. Sie steht und fällt mit dem Gefühl wirklich willkommen zu sein, sich ganz einbringen zu dürfen, Teil zu haben und integriert zu sein. Entsprechend hört die gelungene Feier nicht beim Verlassen des Partyraums auf, sondern beim gemeinamen Aufräumen, beim Öffnen der letzten Geschenke, beim Geschichten erzählen von der Party, bei der weiteren Pflege von entstandenen Beziehungen, die zu Gegeneinladungen führen können.

In Analogie beginnen Gemeinsinn-Werkstätten mit Gemeinsinn_Werkstatt_Spirale.jpgeinem brennenden Anliegen der Initiatoren, das im Frühling mit der Aktivierungsphase andere beteiligt, gemeinsam Aktionen für die Realisierungsphase des Sommers entwickelt, um sie in der Integrationsphase des Herbstes zu sortieren und im Winter genießen, entspannen und feiern zu können.  Diese Zeit zwischen den Gemeinsinn-Werkstätten (= zwischen den Jahren) ist also nicht unnütz, sie ermöglicht das was folgen kann.

Aus Gemeinsinn-Werkstatt-Sicht empfehlen sich Vorsätze für das kommende Jahr die nicht verpflichtend (extrinsisch, fremdbestimmt, zweckorientiert) als viel mehr begeisternd (intrinsisch, selbstbestimmt, sinnorientiert) sind. Sich also nicht das Abnehmen, Nicht-Rauchen oder Geld sparen vornehmen, sondern besser „ein gesundes, genussreiches, gemeinsinniges Leben mit viel Spaß an Interaktion, Entspannung und Wohlstand auf allen Ebenen" vornehmen (die natürlich zuvor verdient werden wollen).

Und hier noch ein Tipp für ein zufriedeneres Leben: Sich des Reichtums besinnen in dem wir leben und sich nicht über das beklagen über was wir noch nicht haben.  

In diesem Sinne eine schöne Silvester-PARTYzipation 2006/2007 mit integrativen Vorsätzen fürs neue Jahr!

Wolfgang Fänderl

Netzwerk Gemeinsinn Redaktion
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Hinweis auf Reflexion 2005 / 2006:

Jahresgutachten - 7 Anregungen zum integrativen Rückblick

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