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Was wird im Gemeinsinn-Kontext unter Vernetzung verstanden? Wie entstehen funktionierende Netzwerke? Welches Konzept steht hinter dem Begleitnetzwerk der Gemeinsinn-Werkstatt?
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Besonderheit von Netzwerken
„Vernetzung“ mit anderen gehört zum Alltag eines jedes Menschen. „Soziale Netze“ entstehen und vergehen. Nicht EIN soziales Netz trägt und verbindet Menschen, sondern MEHRERE. Daraus abgeleitet geht es bei „Netzwerken“ eher um eine inhaltliche Ausrichtung des gemeinsamen ‚Werkens’ und deshalb kommt es im Kontext der Gemeinsinn-Werkstatt zu folgenden Definitionen:
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Netze: geknüpftes Gewebe aus Knoten und Verbindungen (z.B. Schienen-, Schmetterlings-, elektronische und virtuelle Netze).
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Soziale Netze: Beziehungen zwischen Menschen (z.B. Kreise, Runden, Gruppen, Gemeinschaften, Familien).
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Soziale Netzwerke: offene Gemeinschaft mit gemeinsamen Werten, Interessen, Zielsetzungen (z.B. regionales, strategisches oder soziales Netzwerk, Team).
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Institutionen: weitgehend geschlossene Gemeinschaft mit Verbindlichkeiten, Regeln und fixierten Strukturen (z.B. Verbände, Organisationen, Unternehmen etc.).
Das Team des Projekts Gemeinsinn vor der Faber-Villa des Centrums für angewandte Politikforschung in München, 30.05.2003
"Der Begriff des „Netzwerks“ wird häufig als Synonym für offenere und flexiblere Strukturen benutzt, während „Institutionen“ hingegen Geschlossenheit, Stabilität und Langfristigkeit symbolisieren." (Fänderl 2005)
Attraktivität von Netzwerken
Flexible Beziehungsformen gewinnen an Anziehungskraft, da sie unterschiedlichen Menschen und Institutionen die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzubauen, Informationen, Knowhow und Ressourcen auszutauschen, Spielräume zur Mitgestaltung, Kooperation und Synergie zu entwickeln und Lernprozesse wie auch innovative Entwicklungen wahrzunehmen. Gerade bei großen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen wird die Vernetzungsfähigkeit zur wichtigsten Schlüsselqualifikation in einer komplexer und schnelllebiger werdenden Zeit.
Klausurtagung des Gemeinsinn-Begleitnetzwerks in Berlin/Grünau 19.03.2004
Als Kriterien für erfolgreiche Vernetzungsarbeit werden aus der Forschung sieben „subjektive Erfolgsfaktoren“ genannt:
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Gemeinsame Ziele und Visionen: Einvernehmen über die Ziele und nach Möglichkeit auch Identifikation mit den Visionen der Netzwerk-Beteiligten; Moderation durch Dritte wird empfohlen.
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Bereitschaft und Fähigkeit zum Perspektivenwechsel: Kompetenz, sich in andere Kooperationspartner hineinversetzen zu können.
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Sich auf etwas Neues einlassen: Bereitschaft, auf Ungewohntes und Riskantes einzugehen, auch wenn der Nutzen zunächst nicht vorauszusehen ist.
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Gegenseitiges Vertrauen: Vertrauensverhältnis im Sinne gegenseitiger Berechenbarkeit zwischen den Kooperationspartnern.
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Gewinner-Prinzip: die Gewinne der Kooperationspartner halten sich die Waage; entsteht der Eindruck, dass die Partner in erster Linie auf ihren eigenen Gewinn bedacht sind, besteht die Gefahr des Rückzugs.
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Gemeinsame Kommunikation: Vermeidung von Missverständnissen durch direkte Kommunikationswege, gleiche Sprache und klare Terminologie.
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Regelmäßige Kontaktpflege: kontinuierlicher Austausch, auch jenseits von Alltags- und Sachfragen.
"Soziale Netzwerke sind komplexe Beziehungsgeflechte, die vielfach unter den Prinzipien von Gegenseitigkeit, Freiwilligkeit und Autonomie einer intensiven Pflege bedürfen." (Endres 2001).
Nachhaltigkeit von Vernetzung
Auch wenn die Gemeinsinn-Werkstatt ein mittelfristiges Projektverfahren als methodischen Ansatz entwickelt hat, sind damit längerfristige Vernetzungen angestrebt. Gemeinsinn-Werkstätten fördern offene Vernetzung durch Stabilisierung von Beziehungen auf drei Ebenen:
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Die „Strategie“ dient dem Netzwerk zur inhaltlichen Orientierung, um zentrale Ziele und Visionen zu entwickeln, zu konkretisieren, festzuhalten und nicht aus dem Auge zu verlieren.
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Die „Struktur“ eines Netzwerks bildet den geeigneten Rahmen für die Etablierung, Umsetzung und langfristige Nutzung von organisatorischen Maßnahmen.
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Die „Kultur“ eines Netzwerks entsteht durch methodische Maßnahmen und Beziehungen, innerhalb derer sich die Beteiligten austauschen, vernetzen und qualifizieren können und dabei einen eigenen Umgangsstil entwickeln.
Forumtheater-Szene auf Gemeinsinn-Konzeptworkshop in Gauting 12.12.2000
Besonderheit von Gemeinsinn-Netzwerken
Gerade Gemeinsinn-Werkstätten lassen sich ideal zur Durchführung mittelfristiger Projekte wie zum Aufbau langfristiger Netzwerke mit unterschiedlichen Kooperationspartnern einsetzen. Die Gemeinsinn-Grundlagen können im Rahmen eines Projektverfahrens kennengelernt, eingeübt und für die weitere Zusammenarbeit übernommen werden. Da bei allen Beteiligungsschritten auf Freiwilligkeit, Wertschätzung und Partnerschaftlichkeit geachtet wird, können auch zukunftsfähige Netzwerke mit „Triple-Win-Effekt“ entstehen.
Strategie, Struktur und Kultur als Stabilisatoren bei der Vernetzung von Folgeprojekten
"Gemeinsinn entsteht durch die lebendige Zusammenarbeit von Menschen. Durch eine Kultur aktiver Vernetzung und wertschätzenden Umgangs können auch Institutionen offener und lebenswerter werden." (Fänderl 2005)
Entwicklung des Begleitnetzwerks
Von 2000 bis 2004 wurde die Gemeinsinn-Werkstatt im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts auf Initiative der Bertelsmann-Stiftung und des Centrums für angewandte Politikforschung (C·A·P) in Zusammenarbeit mit Experten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und praktischen Berufsfeldern entwickelt.
Projektlogo von 2000 bis 2004 (jetzt Logo des Netzwerk Gemeinsinn e.V.)
Bei Abschluss des Projekts entstand der Leitfaden „Beteiligung übers Reden hinaus“, der zusammen mit dem Gemeinsinn-Werkstatt-Baukasten (auf CD und im Internet) die Ergebnisse zusammenfasste. Die Entwicklung lässt sich in drei Phasen untergliedern, wovon bis Juni 2004 vor allem Phase 1 und 2 vollständig durchlaufen wurden:
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Erkundungsphase: deutschlandweite Bedarfsanalyse und weltweite Best-Practice-Recherche nach Methoden und Verfahren zur Förderung von Gemeinsinn; theoretische Fundierung und Erstellung der Grundlagenbroschüre „Gemeinsinn – Gemeinschaftsfähigkeit in moderner Gesellschaft“; Aufbau der organisatorischen Infrastruktur incl. Beteiligungsplattform im Internet sowie Ausbau von Kontakten;
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Entwicklungsphase: Konzeption des Großgruppenverfahrens; Umsetzung in fünf Modellwerkstätten; Aufbau und Austausch des Begleitnetzwerks, Reflexion, Evaluation und konzeptionelle Überarbeitung der Gemeinsinn-Werkstatt; Schaffung und Nutzung einer Baukasten-Entwicklungsplattform im Internet mit Open-Content-Lizenz; Konzeption von Informations- und Bildungsprogrammen;
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Implementierungsphase: Veröffentlichung des Informations- und Arbeitsmaterials zur Begleitung; Aufbau von monatlichen Regionaltreffen; Weiterentwicklung des Bildungsprogramms, Konkretisierung der Begleitangebote, Konzeption einer Marketing- und PR-Strategie; weitergehende Vernetzung in unterschiedlichen Themenbereichen und Umsetzung von Gemeinsinn-Werkstatt-Anfragen.
Überblick zu den international Beteiligten auf dem Aktivierungsforum der GW „Partnerschaft statt Partizipation“ Berlin 09.06.2002
Weitere Informationen über die Entwicklung des Beteiligungsansatzes und des Begleitnetzwerks können Sie im Gemeinsinn-Werkstatt-Baukasten (-> E421, E91) nachlesen.
Aktivitätszentren eines Netzwerks
Das bislang deutschlandweit angelegte Begleitnetzwerk wird durch seine Vielseitigkeit an Größe zunehmen und langfristig dezentral koordiniert und gesteuert werden. Die Stabilität eines Netzwerks nimmt mit der Anzahl der Knoten zu, bei denen die Fäden zusammenlaufen.
Als „Knotenpunkte“ werden nicht die Menschen sondern die Koordinationsstellen eines Netzwerks bezeichnet die durch Menschen ausgefüllt werden (vgl. Vernetzungsebenen). Einzelne Mitwirkende können sich aus dem Verbund jederzeit lösen, weil Mitwirkende aus dem sozialen Umfeld für Ersatz sorgen können. Das soziale Umfeld einer Koordinationsstelle, das sich um ein Anliegen kümmert, die Arbeit unterstützt und belebt, wird im Begleitnetzwerk als „Aktivitätszentrum“ bezeichnet.
Im Begleitnetzwerk entstehen „Aktivitätszentren“ und „Knotenpunkte“ dort, wo am meisten Bedarf und Motivation vorherrscht und Menschen bereit sind, sich freiwillig zu engagieren.
Arbeitsgruppe bei Anwendungsworkshop im ÖBZ München 28.02.2003
Aufbau des Begleitnetzwerks
Das Begleitnetzwerk dient der Erschließung, Aufbereitung und Vermittlung von Kenntnissen zu Beteiligungsverfahren. Es ist ein System, das sich selbst weiterentwickelt und neue Erfahrungen integrieren kann. Aus Sicht von Begleitenden besteht es aus zwei Teilsystemen:
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Externe Begleitung : Berater, Evaluatoren, Moderatoren und andere Fachleute können über das Begleitnetzwerk im Gemeinsinn-Werkstatt-Kontext Angebote zur Unterstützung anderer Gemeinsinn-Netzwerke unterbreiten.
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Interne Beteiligung: die Begleitenden können sich innerhalb des Begleitnetzwerks austauschen, vernetzen und qualifizieren, um das Verfahren weiterzuentwickeln sowie eigene Kompetenzen und Ressourcen auszubauen.
Zwei Wirkungsrichtungen des Begleitnetzwerks: Begleitung äußerer und Entwicklung innerer Prozesse
Netzwerk Gemeinsinn e.V.
Mit Auslaufen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes der Bertelsmann-Stiftung wuchs bei vielen Mitwirkenden von Gemeinsinn-Werkstätten der Wunsch, das entstandene Begleitnetzwerk und das Projektverfahren über den vierjährigen Projektzeitraum hinaus zu sichern und weiterzuentwickeln. Dafür wurde im September 2003 der „Netzwerk Gemeinsinn e.V.“ (vgl. Verein) als Trägerverein mit entsprechender Satzung gegründet. Hier wurde wegen der gemeinnützigen Ausrichtung ein Spendenkonto eingerichtet, das vor allem die Kosten der Außendarstellung der Gemeinsinn-Werkstatt abdeckt und durch Projektanträge und Spenden finanziert wird.
Gründung des Netzwerk Gemeinsinn e.V. auf dem Realisierungsforum der GW "Gemeinsinn begleiten" am 12.09.2003
Partner im Begleitnetzwerk
Im Verlauf der vierjährigen Projektlaufzeit haben sich auf unterschiedlichen Ebenen Hunderte von Menschen und mehrere Institutionen aktiv um die Forschung und Entwicklung des Beteiligungsverfahrens Gemeinsinn-Werkstatt gekümmert. Wichtige Partner werden im Gemeinsinn-Werkstatt-Baukasten namentlich genannt (-> N007). Die aktuell Begleitenden der Gemeinsinn-Werkstatt können Sie in der Kontaktbörse kennenlernen.
Nach wie vor laden die bisher Verantwortlichen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts Personen und Institutionen ein, sich als Kooperationspartner auf unterschiedlichen Ebenen zu betätigen:
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Beteiligung in Aufgabenfeldern und bei Teilaufgaben des Begleitnetzwerks, von der Web-Redaktion über die Veranstaltungsorganisation bis hin zur Bereichskoordination.
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Wissenschaftliche Forschung und theoretisch-praktischer Austausch zu Verfahrensfragen aus soziologischem, psychologischem, pädagogischem und betriebswirtschaftlichem Hintergrund.
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Mitgliedschaft bei Netzwerk-Gemeinsinn e.V. zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch Methoden und Verfahren.
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Akquisition und Vermittlung von Aufträgen für das Begleitnetzwerk, die über ein Provisions- und Vermittlungssystem den Aufbau der internen Netzwerk-Arbeit mittragen helfen.
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Co-Finanzierung bestimmter Teilbereiche zur Implementierung der Methoden, Aufrechterhaltung der Infrastruktur, Unterstützung weiterer Forschung und die Bereitstellung von Materialien.
Wer sich auf diese kooperative und innovationsfreudige Zusammenarbeit einlassen kann, eine Struktur mitentwickeln will, die von Gemeinsinn getragen ist und auf den bisherigen Erfahrungen aufbauen möchte, ist jederzeit willkommen!
Beteiligungsstufen und Netzwerkbereiche des Begleitnetzwerks
weitere Informationen zur Mitarbeit und Kooperation über
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