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Die Bertelsmann-Stiftung evaluiert seit Ende 2006 in mehreren deutschen Städten einen Methodenansatz, der ursprünglich aus den Niederlanden kommt. Die Marktplatz-Methode bildet eine Art Börse, auf der sich Partner aus dem Sozial- und Wirtschaftsbereich austauschen und zu "Guten Geschäften" im Sinne des Gemeinwohls kommen.
WAS
Kurzbeschreibung
Ganz wie auf einem Markt handeln die Akteure Kooperationsprojekte aus, bei denen Angebot und Nachfrage den Tausch bestimmen. Die Unternehmen können je nach ihren Möglichkeiten mit persönlichem Einsatz, mit ihrer geschäftlichen Kompetenz oder mit logistischer Beihilfe für Gemeinnützige Unterstützung geben. Gemeinwohlorganisationen bieten eine Mitwirkung bei ihren Projekten an und damit ungewöhnliche Einsichten in andere Lebenswelten.
Die Partner der gesellschaftlichen Bereiche lernen sich so besser kennen. Sie bauen gegenseitiges Vertrauen auf und entwickeln in gemeinsamen Projekten sozialen Zusammenhalt. Unternehmen kommen auf diese Weise ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und Gemeinwohlorganisationen können mit zusätzlichen Ressourcen ihre Zielsetzungen erreichen.
Ziele
Die beteiligten Unternehmen können
- für sich eine passgenaue Zusammenarbeit mit Gemeinwohlorganisationen entwickeln
- sich ohne großen Zeitaufwand einen Überblick über die lokale Bürgergesellschaft verschaffen
- ohne Geldeinsatz in die Entwicklung des Gemeinwesens investieren
- Ihren Mitarbeitern in Kooperationsprojekten ungewöhnliche Erfahrungen anbieten und damit die Mitarbeiterzufriedenheit und –bindung steigern
- ihre Mitarbeiter über Kooperationen mit Gemeinnützigen Personalentwicklung betreiben
- mit einer Kooperation eine ungewöhnliche Form von Öffentlichkeitsarbeit gestalten
- Kontakte zum sozialen und politischen Umfeld ihres Unternehmens knüpfen
- auf einem Marktplatz mit ähnlich innovativen Unternehmen zusammen kommen
- sich als „gutes Unternehmen“ darstellen
- über ihr Engagement ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln
- das eigene Netzwerk vergrößern
- ihre Kompetenzen in anderen Themenfeldern ausprobieren
- neue Kunden finden
- von Gemeinnützigen und Kommunen lernen
- …
Die Gemeinwohlorganisationen können
- über Kooperationen zusätzliche Ressourcen gewinnen, die Ihnen ermöglichen, besser ihre Ziele zu erreichen
- Kontakte zu Unternehmen aufbauen
- Kontakte zu anderen innovativen Gemeinwohlorganisationen aufbauen und vertiefen
- ihre besonderen Kompetenzen und Fähigkeiten darstellen
- den Mehrwert präsentieren, den ihr soziales Unternehmen für das Gemeinwesen leistet
- Public Relation für ihr soziales Anliegen betreiben
- über ihr Engagement ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln
- das eigene Netzwerk vergrößern
- das Selbstbewußtsein ihrer Organisation steigern
- von staatlichen Leistungen unabhängiger werden
- mit einer Kooperation eine ungewöhnliche Form von Öffentlichkeitsarbeit gestalten
- von Unternehmen und Kommunen lernen
- …
Die Kommunen können
- aktuelle Bedarfe in Teilbereichen der sozialen und kulturellen Daseinsfürsorge eruieren
- sich einen Überblick über die Aktivitäten der lokalen Bürgergesellschaft verschaffen und sie mit gestalten
- effektiv und zielgerichet Kosten einsparen
- innovative Unternehmen und Gemeinwohlorganisationen kennenlernen
- eine sozial-innovative Atmosphäre im Gemeinwesen mit gestalten
- ungewöhnliche Modelle der Erbringung sozialstaatlicher Leistungen kennen lernen und mit entwickeln
- sich ebenfalls über ihre Mitarbeiter an Kooperationen mit Gemeinnützigen beteiligen (Stichwort: freiwilliges Mitarbeiterengagement)
- eine ungewöhnliche Form von Öffentlichkeitsarbeit mit gestalten
- von Unternehmen und Gemeinnützigen lernen
- …
WER
Initiative
Zur Vorbereitung und Gestaltung von Marktplätzen können verschiedene gesellschaftliche Akteure eingebunden serden: Sowohl Wohlfahrtsverbände als auch einzelne Vereine, Mittlerorganisationen wie Freiwilligenagenturen und Bürgerstiftungen, aber auch Handelskammern, Unternehmen, Serviceclubs (Rotarier etc.) und andere Akteure aus der Wirtschaftswelt sind berufen.
Unerläßlich für den Erfolg eines Marktplatzes ist es, dass diese Initiative von Anfang an durch eine verbindliche Kooperation mit unterschiedlichen Akteuren aus Wirtschaft und Gemeinwohlorganisationen geprägt ist. Diese Notwendigkeit hat ihre Ursache in zwei elementaren Erfahrungen des Projektmanagements von „guten Geschäften“:
- Nur eine zwei- oder dreisektorale Zusammenarbeit in einer festen Projektgruppe gewährleistet die Berücksichtung der jeweiligen besonderen Interessen, die auf einem Marktplatz zusammen kommen.
- Die Gewinnung von Marktplatzteilnehmern hat dann am meisten Erfolg, wenn man sie persönlich anspricht. Eine Ansprache gelingt am besten aus der eigenen sozialen Umwelt heraus. Deswegen: Unternehmer werben Unternehmen und Gemeinnützige werben Gemeinnützige.
Anbieter in Deutschland
Die Bertelsmann Stiftung möchte mit dem Projekt „Gute Geschäfte“ erreichen, dass dieses Marktplatz-Szenario für die Anbahnung von Kooperationen zwischen Wirtschaftsunternehmen und gemeinnützigen Initiativen in Deutschland nicht länger ungewöhnlich bleibt. Auf diese Weise will die Stiftung gute Rahmenbedingungen für den gesellschaftlichen Austausch der lokalen und regionalen Akteure schaffen. Die Marktplatz-Methode ist dabei eine Chance, wie mit Qualität auf niedrigschwelliger Ebene effizient, transparent und flexibel solche Partnerschaften angebahnt werden können.
Das Projekt „Gute Geschäfte“ ist getragen von der Idee, dass solche neuen sozialen Partnerschaften vor dem Hintergrund des deutschen Sozialstaatsmodells keine Alternative zu den üblichen Leistungsangeboten darstellen. Sie sind aber eine unverzichtbare Ergänzung, wenn wir alle gesellschaftlichen Möglichkeiten für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft nutzen wollen.
WIE
Methodenelemente
Im weiteren Verlauf der Organisation gewährleisten folgende Faktoren den Fortschritt des Vorhabens
- Botschafter: Wichtige Multiplikatoren aus dem lokalen Umfeld werben im Vorlauf zum eigentlichen Ereignis mit ihrem Renommee für die Veranstaltung.
- Infoveranstaltungen: Die Projektgruppe informiert bei verschiedenen Gelegenheiten Interessierte aus Wirtschaft, Kommunen und Vereinen.
- Workshops: Potenziell interessierte Unternehmen und Gemeinwohlorganisationen nehmen an Workshops teil, in denen sie auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren für eine gelingende Anbahnung von Kooperationen aufmerksam gemacht werden.
Beispiel für Ablauf der Marktplatzmethode
Eine Stadt in Deutschland: Vertreter von jeweils vierzig gemeinnützigen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen kommen im großen Saal der Handelskammer zusammen. Anders als beim üblichen Wochenmarkt werden an diesem Nachmittag keine handfesten Produkte feilgeboten sondern „Engagementangebote". Unternehmen aller Größen bieten alles an - alles außer Geld: Persönlicher Einsatz von Firmen-Mitarbeitern, deren fachliche Kompetenz oder logistische Unterstützung.
Angeregt durch den lebhaften Moderator gibt es in einem Rahmen von zwei Stunden viele lebendige neue Begegnungen. Die Anwesenden prüfen Unterstützungsangebote und -nachfragen. Sie treffen Vereinbarungen unterschiedlichster Art. Zum Marktplatzschluss wird ein ausgehandeltes Engagementvolumen im Geldwert von 175.000 € als Ergebnis verkündet. Es ist die Grundlage geschaffen für zukünftige Engagementpartnerschaften - zum Wohle der Beteiligten und des Gemeinwesens.
Den Formen und Inhalten des vereinbarten Engagements sind auf einem Marktplatz keine Grenzen gesetzt. Das Ergebnis kann so vielfältig sein wie die gemeinnützigen Organisationen und ihre Unterstützungsnachfragen und wie die beteiligten Unternehmen. Hier einige praktische Kooperationsmöglichkeiten:
Ein Erste-Hilfe-Club sucht Trainingsräume. Ein Unternehmen stellt für diesen Zweck Räume zur Verfügung. Dafür erhalten drei seiner Mitarbeiter unentgeltlich ein Erste-Hilfe-Training.
- Eine Schule erhält Unterstützung bei der Suche nach Praktikumsplätzen für ihre Schüler durch eine Zeitarbeitsfirma, die hierdurch neue Kontakte zu Unternehmen knüpfen kann.
- Ein Sportverein mit finanziellen Problemen findet einen Schatzmeister, der ihnen bei der Organisation ihrer Buchführung hilft. Dies gibt dem jungen Buchhalter erste exzellente Praxiserfahrungen.
Es handelt es sich bei den ausgehandelten Arrangements nicht um „Einbahnstrassen". Es ergeben sich vielmehr „Win-Win-Situationen", weil auch die Non-for-Profit-Organisationen den Unternehmen interessante Offerten machen können. So unterschiedlich diese Angebote auch sein können, sie fußen letztlich auf der Vorstellung, dass die angestrebte gemeinschaftliche Arbeit für Menschen aus der Firmenwelt von großem Nutzen ist. Die neuen Kooperationserfahrungen bringen sie in ihren Arbeitsalltag zurück, sie erweitern ihren Horizont, schärfen ihr gesellschaftliches Bewußtsein und ihre Fähigkeit, mit zwischenmenschenlichen Situationen differenzierter umzugehen.
Weitere Informationen
Auf der neuen Internet-Plattform erhalten Interessierte wichtige Informationen zur Idee, zum Ablauf und zum Projektmanagement von solchen Marktplätzen: http://www.gute-geschaefte.org/
Auch ein Link zum niederländischen Orginal ist enthalten: http://www.beursvloer.com/ (Börsenparkett)
Autor
Dr. Gerd Placke
Projektmanager
Projekt "Corporate Social Responsibiliy"
Zivilgesellschaftliche Aspekte
Bertelsmann Stiftung
Carl-Bertelsmann-Str. 256
D-33311 Gütersloh
Phone: + 49 5241 81-81 233
Fax: + 49 5241 81-81 950
E-Mail:
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