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Dieser Titel, provokativ formuliert, könnte auf dem neuen Buch stehen, das der Germanistik-Professor Wolf-Andreas Liebert und der Wissenschafts-Kommunikator Marc-Denis Weitze herausgegeben haben. „Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?" stellt die These auf, dass erst Pro und Contra den Geist richtig in Spannung versetzen und der Widerstreit zwischen unterschiedlichen Meinungen die Mutter aller Wissenschaft ist.
Dazu legen die Autoren des Buches eine Fülle von Fallbeispielen vor, wie Kontroversen und das offene Austragen von Streit die Streitenden einbindet und neue Konsensmodelle schafft, die die Wissenschaft letztlich voranbringen und zu neuem Denken führen. Das Entmutigen und Abwürgen anderer Meinungen führt dagegen, wie in Diktaturen und patriarchalisch verfassten Gesellschaften, zum Stillstand.
Tatsache ist, dass die Grenzen zwischen Forschungslabors und Öffentlichkeit „durch die schiere Ausdehnung der Wissenschaften und der Technik" sich verwischen, wir alle - ob wir wollen oder nicht - Teilnehmer am Forschungsprozess und seinen Experimenten geworden sind, wie der französische Wissenschaftssoziologe Bruno Latour festhält. „Die einen sind als Forscher, andere als Geldgeber, wieder andere als Zeugen, und wieder andere schließlich als Versuchskaninchen im Labor. Ob es um die globale Erwärmung, um Handys, um das Passivrauchen, um die Ölreserven geht - wir alle haben uns auf Experimente eingelassen, für die wir manchmal vergeblich das Forschungsdesign suchen. Die künstliche und fragile Sphäre braucht die kontroverse Teilnahme aller ihrer Mitglieder. Wenn die wissenschaftliche Wahrheit nicht mehr zwingend ist, liegt es also nicht daran, dass das gute Volk irrational geworden wäre, sondern dass es zum Mitforschenden avanciert ist."
In die gleiche Richtung stößt P.M. Redakteur Wolfgang C. Goede, der in seinem Beitrag „Keine Innovation ohne Repräsentation: Die Zivilgesellschaft als neuer Akteur in der Wissenschaft" das Partizipationspotenzial der Öffentlichkeit auslotet. Er plädiert für eine umfassende öffentliche Teilnahme an Wissenschaft (Public Participation in Science, PPS) und nennt viele Beispiele, wie bürgerliches Engagement zur Schaffung sozial robusten Wissens führen kann, zum Beispiel die öffentliche Debatte umstrittener Wissenschaftsthemen wie Nano-Technologie, Gentechnik oder Atomkraft durch zivilgesellschaftliche Organisationen:
http://www.pm-magazin.de/de/nurinternet/artikel_id416.htm.
Zu dem Thema plant die Münchner Volkshochschule die Veranstaltungsreihe "Zoff im Elfenbeinturm", in der historische Kontroversen aus der Wissenschaft (Vakuum, deutsche Kollektivschuld, Kalte Fusion) vorgestellt werden. Dieser eher konventionellen Präsentation folgen zwei verschiedene, eher experimentelle Foren des Meinungsaustauschs: Für das eine steht das Londoner Dana Center Modell, in dem aktuelle Kontroversen (Gesichtstransplantationen, Kinderimpfungen, Rauchverbote) von Experten und Betroffenen in entspannter Atmosphäre kurz dargestellt werden, bevor Teilnehmer ihre Meinung dazu sagen, was besonders 18- bis 45-Jährige in Wissenschaftsthemen hineinzieht; das andere ist ein aus der angelsächsischen Debattiertradition stammendes und in München weiterentwickeltes Forum, bei dem eine Pro- und eine Contra-Seite ein ebenfalls aktuelles Thema auf seine Gegensätze zuspitzt, debattiert, das Publikum beteiligt und anschließend darüber abstimmt. 2007 ist das internationale Jahr der Geisteswissenschaften, da böte sich eine provokative Debatte an über das Thema: Sollten Goethe und Schiller von den Lehrplänen verbannt und durch Einstein und Hawkings ersetzt werden?
Mehr Information
Wolfgang C. Goede
Tel: 089/4152-558
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www.pm-magazin.de/de/openscience,
http://www.empowerhaus.de/
www.pm-magazin.de/de/nurinternet/artikel_id416.htm
Dr. Marc-Denis Weitze
Wissenschafts-Kommunikator
Tel: 089/2179-423, 08022/706 932
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Wolf-Andreas Liebert,
Marc-Denis Weitze (Hg.)
Kontroversen als Schüssel zur Wissenschaft?
Transcript Verlag
Bielefeld 2006, 24,80 Euro
www.transcript-verlag.de/ts448/ts448.htm
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