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Aug 14 2006
Ein Zentrum für "Neue Arbeit - Neue Kultur" im Raum München Drucken E-Mail
Geschrieben von Karin Ortner-Willnecker   
Montag, 14. August 2006

.thumb_05_06_14_Vom_Kennen_zum_Koennen___Buffetvorbereitung3.jpgDie Idee eines neuen Zentrums zum Austausch, zur Gestaltung und Umsetzung neuer Arbeitsformen orientiert sich an den Gedanken des international renomierten Philosophen, Aktivisten, Beraters und Wissenschaftlers Frithjof Bergmann. Die Münchner Initiative ist noch im Aufbau begriffen und die Weichen zur Konkretisierung werden gerade gestellt.

WAS

Was ist die Idee?

Wir wollen gemeinsam „Raum“ schaffen –  im übertragenen wie auch im ganz konkreten Sinne - für Menschen, die auf der Suche sind nach ihren persönlichen Interessen, nach ihren schöpferischen Fähigkeiten und nach ihren Möglichkeiten, diese zum Ausdruck zu bringen. Wir gehen von einer jedem Menschen innewohnenden, natürlichen Sehnsucht aus, sich als aktiv Gestaltender des persönlichen Lebenswegs und Mitgestalter des Lebensumfelds zu erleben. Dabei denken wir nicht nur an den für viele Menschen immer knapper werdenden Teil der sogenannten Frei-Zeit, die wiederum für viele andere Menschen aufgrund von Arbeitslosigkeit als erdrückende Last erfahren wird, sondern wir beziehen uns auf die gesamte Lebens-Zeit.

Um sich „mit Leib und Seele“ in den Fluß des Lebens einbringen zu können, bedarf es jedoch  einerseits der grundlegenden Erfahrung persönlicher Fähigkeiten und Werte; andererseits auch einer umfassenden Kenntnis der Möglichkeiten, diese entfalten und in den Dienst der Gesellschaft stellen zu können. Solche - jeweils sehr individuellen - Prozesse zu begleiten, Unterstützung anzubieten, eine Vielfalt der hierfür notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen sowie schließlich auf dem Weg der Realisierung hilfreich zur Seite zu stehen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.

05_06_15_Vom_Kennen_zum_Koennen___Besprechungsball.jpg

Wie entstand diese Idee?

Wer die Gelegenheit hat, über einen längeren Zeitraum hinweg in einer Atmosphäre des Vertrauens mit Menschen arbeiten zu können, kann immer wieder die gleiche ermutigende Erfahrung machen: Hinter all den Spannungen, Streitigkeiten, Verunsicherungen und Ängsten zeigt sich schließlich in allen Menschen ein innerer Kern, der unzerstörbar ist und aus dem sie – bewußt oder unbewußt – ungeahnte Kräfte schöpfen können. Dort – nur allzu oft völlig im Verborgenen - liegt ein sehr genaues Wissen jedes einzelnen Menschen darum, welche besonderen Fähigkeiten in ihm schlummern, worin sein Lebensziel besteht und schließlich wer er ist.

Für mich als Therapeutin ist es der schönste Moment, wenn Menschen, die sich ihm anvertrauen, dieser inneren Flamme bewußt werden und den Wunsch, ja die Sehnsucht zu entwickeln beginnen, diesen Schatz in die Außenwelt zu tragen. Dazu brauchen wir allerdings den Mut, Veränderungen willkommen zu heißen und das Vertrauen, daß wir schließlich – trotz aller Hindernisse – unsere Wünsche verwirklichen und unsere Ziele erreichen können.

Eine solch „ermutigende“ Atmosphäre zu schaffen und den Weg in dieses Vertrauen zu bereiten, gehört seit vielen Jahren zu meinen Hauptanliegen. Doch ich habe mich häufig gefragt, weshalb ich mich immer noch als Psycho-Therapeutin betrachte. Verbindet uns Menschen - TherapeutInnen wie Klienten - nicht alle die gleiche Sehnsucht, nämlich ein sinnerfülltes Leben zu führen? Müssen wir uns denn wirklich als „therapiebedürftig“ betrachten, um unser – wie ich meine - natürliches Anrecht auf die Erfüllung dieses Urwunsches geltend machen zu dürfen? Sollte es nicht ein selbstverständliches Anliegen jeglicher Gemeinschaft sein, jedes einzelne Wesen dieser Erde in seiner natürlichen – ganz individuellen - Entfaltung zu unterstützen?

Die Berührung mit unterschiedlichsten Kulturen dieser Erde, mit verschiedenen noch in ihren traditionellen Strukturen verankerten indigenen Völkern und nicht zuletzt die immer wieder aufs Neue gesuchte Begegnung mit mir selbst, als einem ebenso nach dieser inneren Flamme suchenden Menschen, lehrten mich, daß es Wünsche und Werte gibt, die uns Menschen alle miteinander verbinden unabhängig von Zeit und Ort, die Art und Weise der Verwirklichung hingegen sowohl vom jeweiligen Zeitgeist als auch von der Örtlichkeit abhängig sind.

Genau in dieses Spannungsfeld trat ich ein, als ich begann, mich näher mit unseren derzeitigen u.a. wirtschaftlichen, technologischen, bildungs- und gesundheitspolitischen Entwicklungen zu beschäftigen. Und so stellte sich mir die Frage: Was kann uns stärken, um einer in rasantem Wandel begriffenen Welt respektvoll, verantwortungsbewußt und zuversichtlich zu begegnen und uns als tatkräftige Mitgestalter erleben zu können?

Sicherlich gibt es sehr viele mögliche Antworten auf diese Frage in Abhängigkeit vom jeweiligen Interessensschwerpunkt des Fragestellers: Meine persönliche Antwort kristallisierte sich in der Vision von einem „Zentrum“, in welchem Menschen auf ihrem individuellen Weg - zunächst zu sich selbst und schließlich dann zurück in die Gemeinschaft - begleitet werden.

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WER

Wer ist Zielgruppe?

Zielgruppe sind alle Menschen - unabhängig von Alter, sozialem Status und Nationalität -, die sich bewußt und eigenverantwortlich auf die Suche nach ihren persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Werten begeben wollen sowie ein für sie sinnstiftendes Aktivitätsfeld erschließen möchten. Die Bereitschaft, hierfür Zeit und Mühe wie auch finanzielle Mittel - unter Berücksichtigung der jeweils gegebenen Möglichkeiten - einzusetzen, gilt jedoch als grundlegende Voraussetzung. Insofern soll das geplante Zentrum allen Menschen offenstehen,

die auf der Suche sind nach

  • einer geeigneten Qualifizierung (z.B. nach dem Schulabschluß),
  • einem Beruf (z.B. nach abgeschlossener Ausbildung, nach einer Kündigung oder aufgrund eines beruflichen Veränderungswunsches),
  • einer erfüllenden Möglichkeit, sich zu engagieren,
  • einer neuen Möglichkeit, aktiv zu werden nach einer Phase des Umbruchs (z.B. aufgrund  einer Scheidung, wegen Umzugs, nach einer Familienpause usw.),
  • einer Orientierung z.B. in der stürmischen Zeit des Jugendalters oder aber einfach für den weiteren Lebensweg,

die den Wunsch haben,

  • Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen oder aber Unterstützung zu finden, um bereits bestehende eigene konkrete Ziele verwirklichen zu können,
  • das Leben allgemein sinnvoller zu gestalten.

Wer sind die InitiatorInnen?

frithjof_bergmann.jpgWir als InitiatorInnen haben uns insbesondere aufgrund unseres gemeinsamen Interesses für die Idee Frithjof Bergmanns zusammengefunden, ein Verständnis von „Arbeit“ in Erinnerung zu rufen, welches die „Arbeit“ nicht auf „Erwerbstätigkeit“ reduziert – und damit zumeist den „Beruf“ zum „Job“ degradiert -, sondern den Beruf wieder mehr im Sinne einer „Berufung“ erfahrbar werden läßt.

Bergmanns wesentliche Fragen lauten: „Was will ich wirklich wirklich?“ und „Wie kann ich meine Ziele realisieren?“. Seit mehr als 25 Jahren beobachtet er u.a. wirtschaftliche und technologische Entwicklungen, um auf nunmehr offenstehende Möglichkeiten hinzuweisen, die trotz - oder vielleicht sogar wegen - der fatal erscheinenden weltwirtschaftlichen Lage - Wege in ein selbstbestimmteres und sinnerfüllteres Leben weisen könnten.

Wir als InitiatorInnen bringen teilweise langjährige Erfahrungen in unterschiedlichsten Berufen mit, verschiedenste Anschauungen und Lebensstile bilden unseren Hintergrund, unterschiedlichste Temperamente und vielfältige Perspektiven treffen aufeinander, und dennoch hat uns eine wesentliche Frage zusammengeführt: Was erfüllt unser Leben mit Sinn?

Diese Frage sich selbst gestellt zu haben und immer wieder das Wagnis einzugehen, sie erneut zu stellen, um nach Antworten zu suchen, erscheint uns die wesentliche Grundlage für ein tiefgreifendes Verständnis für Menschen, die sich ebenfalls „auf den Weg machen“ wollen.

Auf dieser Grundlage entstanden bereits mehrere Initiativen in einigen Städten Deutschlands, Österreichs und in der Schweiz, die in sehr unterschiedlicher Weise „Räume“ öffnen, um gemeinsam mit interessierten Menschen dieser Frage nachzugehen. Uns allen gemeinsam ist das Anliegen, nicht in einem ausschließlich philosophischen Diskurs oder in Wunschträumen stecken zu bleiben, sondern sehr konkret nach Möglichkeiten und Wegen und die dazu nötigen Informationen suchen zu wollen, um die ganz individuellen Antworten Realität werden zu lassen.

Wer Frithjof Bergmann in einem Vortrag vom 03.05.06 sehen möchte findet einen Video-Stream unter http://www.labor.entrepreneurship.de/tiki-index.php?page=Downloads

Informationen zur Person sind in Wikipedia nachzulesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Frithjof_Bergmann

WIE

Woran arbeiten wir im Moment?

Diese oben angeführten Initiativen (siehe entsprechende links) stehen miteinander im Austausch. Wir treffen uns an den Orten des „Geschehens“, um uns gegenseitig zu unterstützen.  Interessante und wegweisende Informationen zu sammeln wie auch in eine jeweils übersichtliche Darstellung zu bringen, ist derzeit eine unserer weiteren wesentlichen Aktivitäten. Dazu zählen wir: 

  • Adressen von Menschen, die in unterschiedlichsten Formen im Bereich der Neuen Arbeit-Neuen Kultur bereits arbeiten
  • Menschen, die bereits authentisch ihren Weg des Wirklich-Wollens gehen
  • kommentierte Bücher- und Zeitschriftenlisten, die in diesem Rahmen von Interesse sein können
  • Liste neu entstehender Berufe
  • bereits bestehende und insbesondere sich neu entwickelnde Ausbildungs- und Nachqualifizierungsmöglichkeiten
  • interessante, innovative Praktikumsstellen
  • herausfordernde Möglichkeiten des freiwilligen Engagements
  • Reisemöglichkeiten, um Kontakte herzustellen, Erfahrungen zu sammeln und Ziele zu verwirklichen
  • neueste Entwicklungen in Wirtschaft, Technik, Gesellschaft, Bildung und Kultur (innovative Projekte)
  • Ideen und Visionen zu einer gelingenden postmodernen globalen Gemeinschaft
  • wissenschaftliche Erkenntisse zu den Themen Lernen, Erziehung und Bildung der Zukunft
  • Filme und Dokumentationen (z.B. (Auto-)biographien über Personen, die ihren Lebensweg bewußt, tatkräftig und mit den verschiedensten damit verbundenen Höhen und Tiefen gestaltet haben)
  • Filme und Dokumentationen, deren Ziel es ist, kreative pädagogische Ansätze sichtbar und erlebbar zu machen
  • Materialien aller Art, die einen Eindruck von der Vielfalt möglicher Bereiche der Aktivität (im beruflichen wie auch im privaten Bereich) und möglicher Lebensentwürfe vermitteln
  • Ergebnisse aus der Trendforschung

Neben einer Mediathek, in der all diese Informationen in Form von Büchern, Zeitschriften, Videos, DVDs und natürlich über das Internet zur Verfügung stehen sollen, planen wir für das Münchner Zentrum mehrere Atelierräume unterschiedlicher Größe (ausgestattet mit verschiedensten Materialien, die zu schöpferischem Tun einladen: Malatelier, Werkraum für plastisches Gestalten, Werkraum zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen, zwei unterschiedlich große Räume für Musik, Tanz, Theater und Aufführungen); verschieden große Räume für Arbeitsgruppen, Diskussionen, Foren, Präsentationen, Vorträge, Kurse und Fortbildungen; mehrere kleinere Räume für die intensive individuelle Arbeit (in Gruppen oder in Form von individueller Begleitung); einen Restaurant-Betrieb (für Austausch, Geselligkeit und Stärkung im kleineren Rahmen, jedoch so flexibel, daß – je nach Wunsch - eine vorübergehende Versorgung von Gästen intern gewährleistet werden kann) und schließlich einen großen Raum für Feste wie auch für Austausch und Geselligkeit im größeren Rahmen.

Was planen wir für Ende diesen Jahres/Anfang nächsten Jahres?

Zunächst wird es jedoch in München darum gehen, einen Verein zu gründen. Eine Vereinssatzung ist bereits ausgearbeitet, muß aber noch überarbeitet werden.

Außerdem soll noch in diesem Jahr in München ein größeres Treffen all der Personen stattfinden, die sich für diese Initiative interessieren und bereits mit der Idee der „Neuen Arbeit - Neuen Kultur“ vertraut sind. Dabei wird es darum gehen, uns zu vernetzen und insbesondere abzuklären, wer sich für welchen Bereich innerhalb des Münchner Projektes einsetzen kann und möchte. Im November werden sich außerdem einige InitiatorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in München treffen. Eventuell wird auch Frithjof Bergmann dabei sein.

Parallel dazu sind wir dabei, uns mit bereits in und um München bestehenden Initiativen und etablierten Einrichtungen zu vernetzen und auf mögliche Zusammenarbeit oder Berührungspunkte zu überprüfen.

Des weiteren werden einige InitiatorInnen in München Kontakt zu verschiedenen Universitäten aufbauen; andere knüpfen Kontakte zu einem Freundeskreis für Kunst, der im Haus der Kunst angesiedelt ist.

Noch sehr kontrovers diskutieren wir die Frage, ob wir unsere gesamte Energie zunächst in den Aufbau des Zentrums mit entsprechenden Räumlichkeiten fließen lassen sollten, um sodann dort in der oben dargestellten Weise  arbeiten zu können, oder ob wir innerhalb bereits bestehender Einrichtungen (z.B. in Schulen, Universitäten, ...) in unserem Sinne zu arbeiten beginnen sollten, um weitere Erfahrungen zu sammeln und parallel dazu das Zentrum aufzubauen.

Unsere Ziele sind also relativ klar, weniger klar ist noch die Vorgehensweise der Realisierung. Diese sollte einerseits offen und flexibel genug sein, um aktuelle Entwicklungen und Ideen aufgreifen zu können, andererseits müssen wir den Ablauf - insbesondere für potentielle Geldgeber - nachvollziehbar darstellen können.

Bis Ende des Jahres sollte daher eine schriftlich festgelegte Orientierung erarbeitet sein, die den Ablauf der Realisierung in groben Zügen darstellt. Denn ein sehr wichtiges Thema wird dann natürlich das Eruieren von Geldern sein, da wir - abgesehen vom Aufbau des „Zentrums“ selbst - mehrere Personen brauchen, die hauptamtlich – oder zumindest nebenamtlich - an diesem Münchner Projekt arbeiten können.

Von wesentlicher Bedeutung für die weitere Arbeit aller bereits bestehenden und im Werden begriffenen Initiativen wird des weiteren die attraktive Gestaltung des Internetauftritts sein.

Und gewiß nicht zuletzt wird es darauf ankommen, immer wieder Menschen zu finden, die sich spontan von dieser Projekt-Idee begeistern lassen und damit den Mut und die Kraft aufbringen, sich in ihrer jeweils ganz persönlichen Weise einzubringen.

In diesem Sinne hoffen wir dann auch, daß diese Menschen es ebenfalls als Bereicherung empfinden, „dabei“ zu sein, eigene Ideen verwirklichen zu können, ja vielleicht sogar ein Stückchen Lebenssinn darin zu finden!

Kontakt

karin_ortner-willnecker.jpgFür Fragen, Austausch, das Organisieren von Treffen usw. stehe ich ab 18. September gerne wieder zur Verfügung unter der Telefonnummer 08106/305961 oder unter der vorläufigen email-Adresse Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können .

Bis Ende des Jahres hoffen wir auch, regelmäßige Newsletter an alle Interessierten versenden zu können.

Die Bilder sind übrigens von einem Community Organizing Workshop im Ökologischen Bildungszentrum (Mai 2005) in München übernommen worden. Herzlichen Dank.

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