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Zur Tagung: „Bürgergesellschaft – Wunsch und Wirklichkeit“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung von 19. bis 20.10.2006 wurde für die Arbeitsgruppe 1: „Soziale Bewegung und bürgerschaftliches Engagement: neue Formen, neuer Sinn?“ folgendes Papier zur Gemeinsinn-Werkstatt eingereicht.
1. Wandel der Machtstrategien! „Vom Zwang über die Bezahlung zur Beteiligung“, so könnte man die Strategieschwerpunkte beschreiben, auf die sich Macht in den letzten Jahrtausenden verlagert hat. Die Formen der Machtausübung haben neue Wege der Durchsetzung gefunden, sind subtiler, indirekter und global vernetzter geworden. Politik und Wirtschaft gehen nur selten einen Weg der offenen Auseinandersetzung. Vieles was in Medien zelebriert wird sind ‚rhetorische Schaukämpfe’ und ‚Rauchbomben-Taktiken’, die echte Interessenkonflikte (Überschuldung, Patentrechte, Privatisierung, Arm-Reich…) verschleiern. Kaum ein Großkonzern, eine Partei, ein Meinungsführer, die hier Fläche zum Frontalangriff liefern. Bürgerinitiativen und Graswurzelbewegungen hingegen mussten lernen mit Protestaktionen zu haushalten. Demonstrationen von Berufsgruppen beispielsweise, die in den Augen der Öffentlichkeit überzogen, nicht gerechtfertigt oder zeitlich fehl am Platz scheinen, eigennützig und unverantwortlich gegenüber dem Gemeinwohl geoutet werden, haben es schwer Rückhalt in der Bevölkerung zu bekommen und scheitern. Insgesamt hat sich die Vielzahl von ‚Wichtigkeiten’ erhöht, werden Sachzwänge heraufbeschworen, langfristige Ziele kurzfristig gekippt. Damit verbleibt beim Bürger Orientierungslosigkeit und das dumpfe Gefühl wichtige Dinge nicht mehr mitzubekommen, geschweige denn mit zu entscheiden oder gar selbst in die Hand nehmen zu können. Vereinzelung, Polarisierung, Egoismen, Ohnmacht und latente Wut sind die Folge; ein explosives Gemisch für demokratische Gesellschaften. 2. Methodisch neue Wege gehen? In den 30er und 40er Jahren konnte Saul Alinsky noch mit kreativen Protestaktionen erfolgreich für Bürgerrechte und gegen die illegitime Willkür von Machthabern in den USA aufbegehren. Robert Jungk konnte in Deutschland mit der „Zukunftswerkstatt“ seit den 60er Jahren unzählige Prozesse gegen Aufrüstung und Atomkraft anstoßen. Doch inzwischen sind selbst diese Protestmethoden subtiler, proaktiver und kooperativer geworden. Der Aufbau von Bündnissen und Netzwerken stellt sich allen Machthabern und ‚Machthaben-Wollenden’ als Zukunftsaufgabe. Dabei ist vor allem die Grundausrichtung zu beachten: Bündnis zur Ausbeutung oder Vernetzung zur Zukunftssicherung der Gesellschaft? Eigennutz oder Gemeinsinn? 3. Projektansatz Gemeinsinn-Werkstatt „Triple-Win“ heißt das Ziel beim Beteiligungsverfahren „Gemeinsinn-Werkstatt“. Es betont den Mehrwert gemeinschaftlicher Zusammenarbeit für die Einzelnen, die Gruppe in der sie sich engagieren und die Gesellschaft darüber hinaus: 11 + 11 + 11 < (1+1+1)1+1+1 Synergie entsteht vor allem durch die Ausrichtung unterschiedlicher, sich ergänzender Partner auf ein gemeinsames brennendes Anliegen und eine handlungsorientierte Beteiligung, bei der voneinander gelernt, miteinander gestaltet und sich füreinander eingesetzt wird. Schlüsselworte des Projektverfahrens lauteten „Wertschätzung“, „Selbstorganisation“ und „Vernetzung“. Wichtig ist dabei die inhaltliche Grundausrichtung (Gemeinsinn-Konzept) der Projektcharakter (Projektverfahren) und die methodische Vielfalt, die sich den Bedürfnissen der Akteure anpassen kann (Begleitnetzwerk mit Methodenbaukasten). Der komplexe Prozess orientiert sich an einem relativ einfachen Projektdesign mit unterschiedlichen Beteiligungsebenen: Aktivierung durch gute Rahmenbedingungen, schrittweise Beteiligung, Freiraum für Findungsprozesse und Absprachen zu eigenständigen gemeinsamen Aktionen ist nur Phase 1 des Gesamtprozesses. Die unaufdringliche Unterstützung bei der Realisierung der eigenverantwortlichen Aktionen und letztlich die Integration des Gelernten am Ende des Prozesses sind Phasen 2 und 3.
Endergebnis ist eine neue nachhaltig entwickelte Kultur der Zusammenarbeit, über Gesellschaftsgruppen hinweg, die sich an Bedürfnissen und Ressourcen vor Ort orientiert. Impulsgeber: Wolfgang Fänderl, Päd.M.A. Freiberuflicher Vernetzungsberater, Begleiter und Forscher sowie Mitarbeiter der Akademie Führung & Kompetenz Centrum für angewandte Politikforschung Maria-Theresia-Straße 21 D-81675 München Tel.: +49 / 89 / 2180 - 1333 Fax: +49 / 89 / 2180 - 5850 Mail:
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