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Wie wird im Unternehmenszusammenhang der ganze Mensch mit seinem geistigen und körperlichen, emotionalen, intuitiven und spirituellen Potential wahrgenommen? Ist Arbeitsklima messbar und damit neben einer qualitativen Analyse auch quantifizierbar? Welche Formen der Motivation sind für die Zusammenarbeit in Unternehmen sinnvoll? Beim Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn e.V. am 26. Juni 2006 in München wurden nicht nur drei Fragen gestellt, sondern auch drei Ansätze der Unternehmensentwicklung vorgestellt und gemeinsam diskutiert.
WAS?
Thema Arbeitsklima
Fragt man einen Manager nach der wichtigsten Ressource seines Unternehmens, so wird er wie aus der Pistole geschossen antworten: „Die Mitarbeiter!“ – denn so hat er es im Führungs-Coaching von seinen renommierten Beratern gelernt. Doch gerade in Deutschland wird dem „menschlichen Faktor“ nur geringe Beachtung geschenkt. Trotz des gegenwärtigen Börsenaufschwungs wird auf kurzfristige Einsparungen durch Personalabbau gesetzt. Konnte man diesen Maßnahmen in Krisenzeiten vielleicht noch etwas Verständnis entgegenbringen, stellen sie sich den Mitarbeitern in Zeiten wirtschaftlicher Entspannung als bedrohliches Mysterium dar, was eklatante Auswirkungen auf das Arbeitsklima hat.
Verschiedene Studien belegen eine eklatante Krise in allen Fragen der Führungs- und Mitarbeiterkultur. Der volkswirtschaftliche Schaden sowie der individuelle Verlust von Potential und kreativer Energie sind zwar spürbar und messbar, dennoch fehlt häufig das Bewusstsein und die Möglichkeit etwas an der Situation zu ändern. Die weichen Faktoren werden schnell abgelehnt, da sie sich häufig nicht „controllingfähig“ präsentieren. Auch scheinen die einschlägigen Berater Schwierigkeiten zu haben, ihre Botschaft in der „richtigen“ Sprache an das Management zu senden.
Das Regionaltreffen im Juni stellte sich also die Frage nach
des Arbeitsklimas in Netzwerken, Unternehmen und Institutionen?
Drei Methodenansätze
Lutz Dziarnowski von Sterling MacGregor stellte einen Methodenansatz zur Mitarbeiterbefragung vor, der einen Vergleich (Benchmarking) zu anderen Organisationen ermöglicht. Durch „controllingfähige Daten“ ergeben sich klare Handlungsfelder, die durch verschiedene Optionen verbessert werden können. Beispielhaft wurde hier die Einsetzung, Überprüfung und Implementierung eines Leitbildes genannt, bei dem der Ansatz trotz erheblicher vorheriger Skepsis, das Klima steuern konnte und auch rentable Ergebnisse hervorbrachte. Vorgestellt wurden auch Studienergebnisse und Vorgehensbeispiele, die Arbeitsklima messen und vergleichen können. Dabei stellte sich die Frage: Wer ist tatsächlich verantwortlich für Arbeitsklima in Unternehmen? Gibt es genügend Bewusstsein zur Steuerung von Arbeitsklima? Wenn nein, wie schafft man es?
Christl Riemer-Metzger von der Münchner Aktionswerkstatt G’sundheit stellte den holistischen Ansatz der Kanadierin Birgitt Williams vor, der seit 1999 für lebendige, kraftvolle, gesunde und ausbalancierte Organisationen und MitarbeiterInnen sorgt: das Genuine Contact™ Program (GCP). Der Ansatz geht davon aus, dass Organisationen als lebendige Systeme ständig Wandel und Veränderungsprozesse durchlaufen und dieser Wandel am erfolgreichsten verläuft, wenn er von innen, von Seiten der beteiligten MitarbeiterInnen bewusst und gemeinsam entwickelt wird und am gesamten „Betriebssystem“ ansetzt. Das GC™Program bietet dazu einfache, aber wirkungsvolle Arbeitsmittel und Diagnoseinstrumente, Workshops und Fortbildungen, die während des Regionaltreffens kurz vorgestellt, ausprobiert und diskutiert wurden. Nähere Informationen im Genuine Contact Konzept 06-06-30.pdf von Sabine Bredemeyer.
Wolfgang Fänderl von Netzwerk Gemeinsinn e.V. konnte nur am Rande noch Aspekte des Motivationsansatzes der Gemeinsinn-Werkstatt in Erinnerung bringen, die zwischen extrinsischer und intrinsischer, fremd- und selbstbestimmter, zweck- und sinnorientierter Motivation mit Hilfe einer einfachen Formel unterscheidet. Denn auch hier wird an einem Analyse- und Motivationsinstrument für Unternehmen gearbeitet, was in seinem aktuellen Stand kurz zur Diskussion gestellt wurde.
WER?
Zielgruppe:
Die 10 Beteiligten kamen aus Beratung, Forschung, Politik, Bildung und Wirtschaft. Viele als Freiberufliche ohne festen Arbeitgeber, jedoch mit vielen Vorerfahrungen als Mitarbeiter. Arbeitsklima betrifft uns alle!
Referentin und Referenten:
Lutz Dziarnowski, Inhaber der Unternehmensberatung Sterling MacGregor und Partner - der Initiative für besseres Arbeitsklima - beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Arbeitsklima in Unternehmen im In- und Ausland. Schwerpunkt bildet hier die Quantifizierung und die Ableitung bzw. Durchführung von punktgenauen Maßnahmen in Führung und Kultur. Er hat ursprünglich Grafik-Design studiert und sich in zwanzig Jahren durch verschiedene Seminare und berufliche Stationen im In- und Ausland zum Coach und Berater für wertorientierte Unternehmensführung entwickelt. Kontakt: www.betriebsklima.de und www.sterling-macgregor.de
Christl Riemer-Metzger ist Diplom-Soziologin, freiberufliche Moderatorin und Organisationsberaterin im Sozialbereich und eine der ersten deutschen Trainerinnen des Genuine-ContactTM-Prgrammes. Angestellt bei MAG’s - der Münchner Aktionswerkstatt G’sundheit – sorgt sie für beteiligende Gesundheitsförderung in Münchner Stadtteilen, sowie für Projekt- und Initiativen-Beratung. Kontakt: http://www.mags-muenchen.de
Wolfgang Fänderl ist Sozialwissenschaftler (Päd.M.A.) Vernetzungsberater, freiberuflicher Mitarbeiter der Akademie Führung & Kompetenz des CAP an der Uni München, Entwickler der Gemeinsinn-Werkstatt und der Motivationsformel. Für den Einsatz in Unternehmen entwickelt er ein Analyse und Entwicklungsinstrument zur Motivationsoptimierung. Die Grundlagen befinden sich auf http://www.netzwerk-gemeinsinn.net
Gastgeber:
Das Regionaltreffen veranstaltete der Netzwerk Gemeinsinn e.V. in Kooperation mit dem Ökologischen Bildungszentrum München. Als Gastgeber stellten sie Räume und Basis-Catering zur Verfügung. Wolfgang Fänderl zog sich bei der Veranstaltung mehr auf die Begleiterrolle zurück und dokumentierte zentrale Ergebnisse für die Webseite.
WIE?
Ablauf: Beim diesmaligen Regionaltreffen wurden die beschriebenen Ansätze theoretisch wie praktisch vorgestellt und anhand vorbereiteter Fragestellungen diskutiert.
Das Münchner Regionaltreffen des Gemeinsinn-Begleitnetzwerks fand am letzten Montag im Monat, am 26.06.2006 im Ökologischen Bildungszentrum München (Engelschalkinger Str. 166/ U4 Arabellapark) statt. Um 18.30 Uhr wurde ein Mitbringbuffet eröffnet und um 19.00 Uhr gab es eine Einstiegsrunde. Anschließend kam es zum Schwerpunktthema und zum Angebot der Reflexion weiterer Themen bis 22.00 Uhr.
Ergebnisbericht (Wolfgang Fänderl)
Zu Beginn der Veranstaltung wurde eine Kurzumfrage gestartet und auf Post-its festgehalten. Der zu ergänzende Satz lautete: "Gutes Arbeitsklima ist, wenn..."
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...ich als Chef nicht kontrollieren muss.
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...die Arbeitnehmer gerne arbeiten.
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...Arbeitnehmende das Gefühl haben anerkannt und geschätzt zu werden.
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...ich mich nicht ärgern muss.
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...ich mich gut mit meinen Kollegen verstehe.
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...alle freundlich sind und miteinander reden.
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...jeder sich mit seinen Möglichkeiten einbringen kann.
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...Menschlichkeit herrscht.
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...sich der Chef nicht blicken lässt / uns arbeiten lässt.
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...der Kaffee nicht ausgeht
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...ich am Morgen gerne die Treppe zum Arbeitsplatz hochsteige (3. Stock).
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...man sich so wohl fühlt, wie heute draußen an der frischen Luft am lauen Sommerabend.
Arbeitsklima ist mehr als Betriebsklima. Es geht um die Kultur des Arbeitens. Umfragen belegen, dass jeder 5. seinen Chef hasst, 88% ihre Chefs schwierig finden, durchschnittlich 4 1/2 Stunden während der Wochenarbeitszeit über den Chef gelästert wird. Muss das so sein und wer übernimmt dafür Verantwortung?
Sterling MacGregor nutzt eine in Skandinavien entwickelte und seit 40 Jahren standartisiert angewandte Mitarbeiterbefragung mit 63 Fragen die verschiedenen Indizes zugeordnet werden: Klima, Motivation, Beziehung, Gleichsetzung, physisches Klima, Risiko, Stress, Team, Führung, Teilhabe, Belastung, Sicherheit und Stimmulanz.
Über die Forschungsergebnisse aus 6 Jahren in Deutschland ist auch ein Benchmarking (Vergleich mit anderen Umfragen) möglich, betriebswirtschaftlich genial und eine Besonderheit dieser Methode. Einsetzbar in Betrieben ab 100 Mitarbeiter kosten die im "Institut für vergleichende Arbeits- und Motivationsforschung" ausgewerteten Fragebögen 9,- € pro Stück.
Wesentlich ist die Einbindung der Analyse in kontinuierliche Prozesse. So können aus den Ergebnissen punktgenau Verantwortlichkeiten festgehalten und Maßnahmen abgeleitet werden, die ihrerseits wieder mit Analysen überprüft werden können. Zusatzfragen können mit ausgewertet werden, die Basisfragen bleiben jedoch immer gleich.
Frage: Steuern wir mit dem Tool den Rauch oder das Feuer? Antwort: Wir rechnen den Rauch zurück auf das Feuer, damit die Führung steuernd eingreifen kann.
Frage: Was passiert mit den Fragen die sonst noch im Raum sind? Gibt es einen Abgleich mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter? Antwort: Dazu sind andere Prozesse vorgesehen bzw. ergiebiger.
Christl Riemer Metzger stellte daraufhin das ganzheitlich wirkende Genuine Contact™ Program vor. "Echer Kontakt" aller Mitarbeiter untereinander ist hier die Lösung für ein verbessertes Arbeitsklima.
Gleich zu Beginn wurde ein assoziatives Kartenspiel ausgelegt mit Rücken nach oben, und die Beteiligten wurden gebeten ihre Karte intuitiv auszuwählen. Auf jeder Karte befand sich ein Begriff und ein Bild, die in Bezug zur Frage standen: "Was hat diese Karte mit meiner Gesundheitsvorsorge zu tun?"
Zunächst in einer Dreiergruppe, später im ganzen Plenum wurden die persönliche Betroffenheit spürbar und die großteils überraschenden Antworten gegenseitig mitgeteilt.
Einfache Fragestellungen und gezielte methodische Interventionen hat Birgitt Williams aus ihrer Arbeit als Leiterin einer großen Sozialbehörde in Kanada eingesetzt. Dabei ist eine preisgekrönte Organisation entstanden, die sie "Open Space Organisation" genannt hatte.
Seit letztem Jahr existiert ein 15-köpfiges Trainer- und Beraterteam, das die Methode deutschlandweit vermittelt. Fragen nach dem Grund einer TM (Trademark) für so ein scheinbar 'einfaches Tool' und den benennbar erfolgreichen Erfahrungen damit, zeigten, dass sich das Programm noch stark auf die Person Birgitt Williams fokussiert.
Am Ende war war dann nochmal die Frage im Raum, ob es sich um unterschiedliche, sich ergänzende Ansätze handelt, die voneinander lernen und sich evtl. ergänzen könnten, oder ob es echte Haltungsunterschiede sind, die nicht versöhnt werden können? Einerseits die betriebswirtschaftlich rationale Analyse von Sterling MacGregor, die sich mit ihrer punktgenauen Benchmark- und Controling-Fähigkeit bei Personalabteilungen leichter verkaufen lässt. Und das ganzheitlich emotional betonte GC-Programm das den echten Einbezug des Mitarbeiters als Quelle von Lösungen sieht und auf ebenso persönliche ganzheitliche Weise die Führung überzeugen muss.
Im Feedback kam es zu folgenden Statements:
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die Statistiken bei Sterling MacGregor müssten noch nachvollziehbarer gemacht werden
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beide Ansätze waren sehr anregend, hinterließen in der Kürze der Zeit aber noch einig Fragen
- es war gut mit dem Kärtchenspiel direkte Erfahrungen zu sammeln
- Kann man das was Birgitt Williams vermittelt wirklich lernen?
Weitere Informationen
Wolfgang Fänderl: 089/ 2180-1333 oder
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www.gemeinsinn-werkstatt.de
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