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Gelingt es mit einer internetbasierten Bilanz die Zukunft zu sichern? Können damit demokratische Grundlagen gefördert werden? Kann mit "freibi" der Mehrwert freiwilligen Engagements für die Gesellschaft sichtbar gemacht werden? Das Regionaltreffen des Netzwerk Gemeinsinn e.V. in München LeMoMo am 24.04.2006 stellte die "Freiwillige Energiebilanz" (freibi.net) zur Diskussion. (Bericht im Anschluss!)
WAS? Wann immer Menschen Energie in die Gemeinschaft investieren, schöpfen Sie Werte: Werte die allen zugute kommen. Je mehr wir für die Gemeinschaft tun, umso mehr Wertschöpfung produzieren wir, und umso reicher werden wir alle. Wenn wir als Gesellschaft reich sein wollen, wäre es angebracht Gemeinsinn so darzustellen, dass sich Menschen dafür interessieren und engagieren. Wie wäre es mit einer Plattform, die mit einem Punktesystem Freiwilliges Engagement sichtbar macht und damit Transparenz, Austausch und weiteren Mehrwert für Beteiligte ermöglicht? Ein sinnvolles System, zunächst als Projekt in einer kleineren oder größeren Stadt angetestet, kann dann sowohl dem transparenteren Austausch von freiwilligen Leistungen dienen als auch durch Firmen-Rabatte und Sonderaktionen noch attraktiver werden. 
Wer hat welchen Mehrwert? 
Fragestellungen bei LeMoMo Eigentlich eine einfache und heutzutage auch technisch realisierbare Idee, die es attraktiv machen könnte, sich als Jugendlicher, alleinerziehende Mutter, Senior, Firmenchef oder auch Arbeitsloser einzubringen. Hierzu wurde auch eine "Vision" (pdf) geschrieben, eine Geschichte aus der Zukunft, in der diese freiwillige Energiebilanz bereits Alltagswirklichkeit ist. Aber ist das Ergebnis wirklich so erstrebenwert? Ist die Realisierung wirklich so einfach? Das Regionaltreffen im kollegialen Kreis von Netzwerk Gemeinsinn e.V. wollte den Initiatoren der Idee helfen, das Innovationspotenzial von freibi.net und das bislang überlegte System vorzustellen. Die Fragen und weiteren Anregungen der Kolleginnen und Kollegen wurden in der Diskussion aufgegriffen und heftig diskuttiert: - Lässt sich denn Freiwilligkeit kategorisieren und messen?
- Was passiert mit "Dank"barkeit (eine Werteinheit) wenn sie systematisiert wird?
- Wer sorgt hier für wessen Wertschätzung?
- Für wen ist so eine Internetplattform überhaupt geeignet?
- Geht es hier um alternative Währung oder um Wertschätzung von freiwilligem Engagement?
Diese und viele andere Fragen wurden an dem Abend thematisieren und es kam zu vielerlei erhellenden Momenten, weit über die damaligen Antworten hinaus! 
WER? Zielgruppe: Mit dabei waren 12 Kolleginnen und Kollegen aus Beratung und Forschung, Politik, Sozialbereich und Wirtschaft. Referentinnen und Referenten: Bernd Hückstädt (Entwickler Natürliche Ökonomie, Mediator, Diplom-Tonmeister), Margret Baier (Kauffrau, Geschäftsführung Joytopia Akademie), Nevio Dajerof (Begleiter, Medien- und Internetentwicklung) und Wolfgang Fänderl (Vernetzungsberater, Forscher, Methodenentwickler). Gastgeber: Das Regionaltreffen veranstaltete der Netzwerk Gemeinsinn e.V. in Kooperation mit dem Ökologischen Bildungszentrum München. Als Gastgeber stellten sie Räume und Basis-Catering zur Verfügung. Wolfgang Fänderl von der Akademie Führung & Kompetenz am CAP moderierte die Veranstaltung. 
WIE? Ablauf: Das Münchner Regionaltreffen des Gemeinsinn-Begleitnetzwerks fand am 24.04.2006 im Ökologischen Bildungszentrum München (Engelschalkinger Str. 166/ U4 Arabellapark) statt. Um 18.30 Uhr wurd ein Mitbringbuffet eröffnet und um 19.30 Uhr gab es eine Einstiegsrunde. Anschließend kam es zum Schwerpunktthema und zum Angebot der Reflexion weiterer Themen bis 22.10 Uhr. Die zentralen Ergebnisse(Zusammenfassung Wolfgang Fänderl 06-04-25) Proargumentation für eine Freiwillige Energiebilanz: freibi entstand aus dem Wunsch, freiwilligem Engagement eine adäquate "Sichtbarkeit" neben den Spenden- und Sponseringtabellen von Institutionen und Unternehmen zu geben. Heute verblasst das mehrwöchige Ehrenamt neben den 100,- € Spende. Das muss nicht sein. Zeitliches Engagement hat seinen Wert und sollte auch spürbarer und offensichtlicher gemacht werden können, um natürlichen Wettbewerb aller zu fördern und die Überforderung einzelner schneller sichtbar zu machen. Egoismus und Altruismus - beides krankhafte Formen sozialen Umgangs - könnten damit gleichzeitig überwunden werden. Freiwilliges Engagement und das Gefühl von Mehrwert entwickelt sich im Tun. Einige von uns sind mit Sprüchen aufgewachsen wie "Hast du was, bist du was!" "Sparst du was, hast du was" "Mach lieber einen Ferienjob und verdiene Geld als die Zeit hier mit Ehrenamt zu verschwenden" ... und hatten kaum Gelegenheit Eigenmotivation und Freude am gemeinnützigen Tun zu spüren. freibi schafft ein in diesem Kontext anerkanntes Status-Symbol (z.B. die freibi-gold-Rabatkarte) um dadurch soziales Engagement und Nachbarschaftshilfe auf mehrfache Weise als Gewinn zu erleben und darauf stolz sein zu dürfen. Was in engeren Großfamilien und Dorfgemeinschaften noch vorhanden ist, wird in der anonymen Großstadtgesellschaft und regional verstreuten Landgesellschaft oft nicht mehr empfunden: das Geben und Nehmen, das Füreinander da sein und die soziale Fürsorge in Zeiten der Not; "ich weiß, dass ich mich auf diese Menschen verlassen kann". So wie das Kind in der totalen Abhängigkeit lebt, der Jugendliche die totale Freiheit anstrebt und der Erwachsene die Interdependenz erfährt und schätzt, wandelt sich auch die Gesellschaft und das gesellschaftliche Verständnis (vgl. amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler Steven Covey "Die 7 Wege der Effektivität"). In Zeiten da die sozialen Systeme unzuverlässig werden kommt es wieder auf menschliche Nähe, Vernetzung und Vertrauen an... das kann nur durch eine entsprechende Grundlage geschehen, die wieder aus der Anonymität herausführt. Wir befinden uns heute im Bann der Wirtschaftprognosen und sehen den einzigen Ausweg zur Förderung sozialen Engagements, Kunst und Kultur in den Fördergeldern von Stiftungen, staatlichen bzw. betrieblichen Stellen. Nur die Kunst ist was wert, die sich gut verkaufen lässt. Die Staatsverschuldung lässt uns ärmer werden, die Erwerbsarbeit braucht nicht mehr alle um wettbewerbsfähig zu sein, Zukunftsängste und Stress lähmen unseren Alltag, ein ungesunder Wirtschaftskreislauf hat schon vor Jahren begonnen sich immer schneller (exponential) gegen die Bedürfnisse der Menschen zu drehen. Neue Wege und Oasen, spielerischen Umgangs mit dem freiwilligen sozialen Engagement (zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben) könnte den Blick weiten und alternative Lebens- und Umgangsformen eröffnen. Contraargumente gegen die Freiwillige Energiebilanz: Es ist wissenschaftlich erwiesen (z.B. Belohnungssysteme in Unternehmen), dass jede Form materieller Vergütung von Engagement die intrinsische freiwillige Haltung erdrosselt und extrinsisch verfälscht. Die Wirkung ist, dass Menschen sich auf das System der Entlohnung einstellen und es kalkuliert nutzen. Freiwilliges Geben ist mehr als Kalkül, es entspringt einer Bewusstseinsstufe, die über dem Aufrechnen steht. So steht die bedingungslose Liebe im neuen Testament über der gerechten Liebe des alten Testaments. Auch Kants kategorischer Imperativ findet man dort in positiver Wendung: " Was du willst das man dir tu, das füge auch den anderen zu." "Dank" (bei freibi auch als Währungseinheit gesehen) kann unmöglich systematisiert werden. Dank ist etwas Zwischenmenschliches und dort auch zu belassen. Für manche ist es auch eher peinlich, wenn man sich bei Ihnen vor allen anderen bedankt. Solche Systeme der öffentlichen Danksagung können manche auch abschrecken. Da sind andere Töne angesagt. Erziehung hat in der Regel auch die anderen Formen der Wertschätzung integriert. Habe ich einen Unfall, dann können meine Eltern gar nicht so materialistisch sein, als dass sie zuerst an den Blechschaden denken und dann an meine Gesundheit. Diese Fähigkeit zwischenmenschlicher Empathie kann mit Aufrechnen nicht geschaffen werden. Ein System, und wenn es auch noch so differenziert und ausgeklügelt ist kann nicht wirklich wertschätzen, was da gegeben wird. So wie man höchst ungenügend Äpfel mit Birnen lediglich über deren Gewicht vergleichen kann, ist es auch bei den unterschiedlichen Varianten freiwilligen Engagements. Außerdem fragt sich, ob die Zielrichtung des Engagements (z.B. für rechtsradikale, sportliche, kulturelle oder fürsorgliche Belange) so einfach zu differenzieren ist. Es ist nicht alles schlecht am Währungssystem, sonst hätte es nicht so lange überlebt. Schwierig ist es, wenn Systeme das Individdum vor ihren Karren spannen. Das kann auch für freibi gelten. So wie das Geld der Schleier realer wirtschaftlicher Verhältnisse ist, könnte freibi der Schleier realer Beziehungsformen werden. So wie der Job ein Ersatz für die Berufung ist, könnte Motivation der Ersatz für Sinn werden. Letztlich fragt sich, warum überhaupt eine weitere Währung gebraucht wird, um Engagement zu wertschätzen... warum denn dann nicht gleich das alte System der Euros übernehmen? Hier wäre es hilfreich, bestehende Systeme und praktische Erfahrungen vorzustellen, an denen konkrete Tatsachen und Geschichten und weniger theoretische Überlegungen überzeugen. Resumee Das meist gebrauchte Wort dieser Runde: SPANNEND! Dank von allen Seiten und hohe Übereinstimmung, dass dieser Abend enorm die eigene Vorstellung von Gemeinsinn bereichert hat. Trotz aller Gegenargmumente hohe Sympathie mit den und Glückwünsche für die Präsentatoren. Weitere Informationen: Wolfgang Fänderl: 089/ 2180-1333 oder
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