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Mär 17 2006
BÜCHERLEBEN: "Ich will, dass es mein Land wird" Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Strauss & Wolfgang Fänderl   
Donnerstag, 16. März 2006

06_05_15_BUECHERLEBEN_Leyla_019.jpgMit einem interaktiven Großgruppenkonzept - angelehnt an die Methode World-Café - wurde in München die erste BÜCHERLEBEN-Veranstaltung ausgerichtet. Die liberale jüdische Gemeinde Chaverim stellte am 15.05.06 das Buch „Leyla“ von Feridun Zaimoglu ins Zentrum des Austauschs. Zuvor hatte am 28.03.06 der Autor selbst eine Lesung in den gleichen Räumen abgehalten.

Leyla

"Integration ist keine Kuschelveranstaltung", betont der türkischstämmige Schriftsteller Feridun Zaimoglu seit Jahren, und so auch am 28.03. in der Verlagsbuchhandlung Kehayoff. Nicht für die Einwanderer der frühen 60er Jahre, wie etwa seine Eltern. Nicht für Kinder und Enkel, also für die zweite und dritte Generation, zu der Feridun Zaimoglu gehört. Er selbst ist noch in der Türkei geboren, dann aber in Deutschland aufgewachsen. Nun erschien Zaimoglus neuer Roman "Leyla", in dem sich alles um's Weggehen und Ankommen zwischen den beiden Kulturen Türkei - Deutschland dreht.

06_05_15_B_CHERLEBEN_Feridun_Zaimoglu.jpgSeit Mitte der 90er Jahre wird Feridun Zaimoglu oft als wortgewaltige, künstlerische Stimme der nachwachsenden Generation bezeichnet. Er selbst nennt sich einen deutschen Schriftsteller, der über "deutsche Verhältnisse" schreibt und sehr genau weiß, wie er um seine eigene Integration gerungen hat.

"Dann habe ich gedacht, meine Güte, die deutsche Sprache ist der Büchsenöffner", sagt Schriftsteller Feridun Zaimoglu. "Und ich bin hier, und will, dass es mein Land wird. Ich will keine heißen Sohlen kriegen, weil ich auf fremdem Boden spaziere. Ich will nicht stammeln, sondern diese ganze Aufregung auch mitteilen, teilnehmen." Das "Kanakertum", wie es sich anfühlt, ein Bastard zu sein, steht am Anfang in seinen Büchern, die auch verfilmt werden. "Teilnehmen" und "Mitteilen" heißt: Aufzeichnen, wie es klingt, wenn man noch nicht richtig Deutsch, aber auch nicht mehr richtig Türkisch sprechen kann und gerade deswegen mächtig unter Dampf steht. Das macht ihn bekannt, aber dabei bleibt er nicht stehen, denn er will kein "intellektueller Vorzeige-Türke" sein. Das ist die Rolle, die man ihm gerne zuweist.

Man muss sich weiter entwickeln, meint er, also sucht er neue Themen und Tonlagen und hat nun gerade einen Roman vorgelegt, der die Vorgeschichte all der Migranten behandelt, das Leben in der Türkei in den 50er Jahren, und warum man dort weg wollte. "Mich hat diese Geschichte wirklich frei gemacht", sagt Zaimoglu über seinen neuen Roman "Leyla". "Mich hat sie ein bisschen weg genommen von diesen Glaubenskriegen. Sie suchten das Glück, und das bedeutete in den meisten Fällen, raus, weg. Wann ist es endlich so weit, dass ich aus dem Elternhaus weg gehe, nicht, weil ich voller Hass bin, sondern, weil ich ersticke - so denkt Leyla."

Leyla heißt seine Titelfigur, anfangs ein junges Mädchen, dann eine junge Frau, aufgewachsen in sehr traditionellen Verhältnissen unter einem sehr strengen Vater - in einer archaischen Welt, die von Deutschland noch viel weiter weg zu liegen scheint als nur drei Tagesreisen mit der Bahn. (3Sat – Kultur)

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BÜCHERLEBEN

Bücher leben? … Mit Büchern das Leben besser leben! Bücher mit Leben erfüllen! Zu lebendigen Büchern werden!

Ob das Buch gelesen wurde oder nicht – macht nichts. Nach einer kurzen Einführung durch die Veranstaltenden wurde über das Buch „Leyla“ miteinander diskutieren, um sich mit seiner Thematik auseinanderzusetzen.

BÜCHERLEBEN verbindet unterschiedliche Interessen auf idealtypische Weise und ist damit ein echtes Synergieprojekt:

  • Aufgreifen und Vertiefen spannender gesellschaftlicher Themen
  • Umsetzung gemeinnütziger Ziele mit Hilfe öffentlicher und kommerzieller Förderer (Corporate Social Responsibility)
  • Integration unterschiedlicher Personen (alt, jung, arm, reich…) und Institutionen
  • Beteiligung übers Reden hinaus!

Unsere Diskussion am 15. Mai streifte dabei folgende Fragen:

  • Integration  - geht das überhaupt?
  • Gibt es Parallelen jüdischer und türkischer Integration in Deutschland?
  • Wie gehen wir mit Klischees um?

Zielgruppen: Eingeladen waren jene, die gerne mehr wissen und jene die sich gerne zum Thema einbringen und austauschen möchten. Aber auch jene, die den abwechslungsreichen Rahmen eines World-Café genießen wollen. Es kamen 26 Interessierte unterschiedlicher Kulturen und Altersgruppen. 

Moderation: Wolfgang Fänderl, Vernetzungsberater und Großgruppenmoderator, der die Methode World Café selbst erst zwei Jahre zuvor kennen- und schätzen gelernt hatte: "Ein Großgruppen-Ansatz, der auch kurzfristig zu regem Kennenlernen unterschiedlicher Personen führen kann... wenn das Thema anregend ist."

Und hier einige weitere Bilder des Abends:

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Gastfreundlicher Empfang mit Buffet auf Spendenbasis

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Inhaltliche Einführung durch die Gastgeber von Chaverim

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Die Beteiligten werden in die Methode eingeführt

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Die "World-Café-Etikette" als Spickzettel für die Gastgeber am Tisch

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Die Fragestellungen für Phase 1 + 2, jeweils 30 Minuten in komplett durchgewechselten Kleingruppen

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Die Besonderheit: Mit Stiften das Wichtige auf die Tischdecken "scribbeln" (kritzeln)

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Die Atmosphäre wird locker, die Kerzen waren nicht nur Deko, sondern wegen Stromausfall die einzige Beleuchtungsquelle (neben dem Blitz der Kamera ;-)

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Zwischen Runde 2 + 3 kurze Statements zu den wichtigsten Themen an den Tischen und dann Fragestellungen zum Abschluss und das Einsammeln der Ergebnisse:

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Die Tischdecken als Ergebnis? Das Wichtige ist eher in den Köpfen und Herzen geblieben!

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BÜCHERLEBEN hatte für das Thema zuwenig Migranten vor Ort... ansonst hatten alle Beteiligten viel mitgenommen: Eindrücke, Fragen, Kontakte... so die Abschlussrunde!

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Wenn Sie nähere Informationen über die liberale jüdische Gemeinde Chaverim und ihre Veranstaltungen wünschen, besuchen Sie uns im Internet unter www.chaverim-muenchen.de oder nehmen Sie direkt mit uns Kontakt auf.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias StraussChaverim_Logo.JPG
Geschäftsführender Vorstand
Tel.: 089 / 14334980
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Falls Sie weitere Informationen zur Methode und zum Ablauf der Veranstaltung Logo_VBF_klein_VL_o_Schrift.jpghaben wollen, wenden Sie sich an

Wolfgang Fänderl
VernetzungsBeratungFänderl.
Tel.: 089 / 95422911
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