|
Am 1. und 2. April 2006 können Sie sich im INKOMM in München Ansätze zu mitverantwortlichem Handeln gegenseitig vermitteln. Die Methode des brasilianischen Theaterpädagogen Augusto Boal wird dabei behilflich sein.
In dem zweitägigen Workshop, veranstaltet von Gabriele Rösing (CAP) und Kerstin Schmitt (INKOMM), wird mit der Methode „Forumtheaters“ gearbeitet. Wer selbst in der Bildungsarbeit tätig ist, wird sich schon überlegt haben, wie Rollenspiele in die Seminar- und Gruppenarbeit integriert werden können. Evtl. ist aber die Methode theoretisch bekannt und möchte bei der Gelegenheit mal selbst ausprobiert werden. Oder die Frage nach der Zivilcourage und ihrer alltagstauglichen Förderung steht im Mittelpunkt... Bei dem geplanten Seminar liegt uns daran, die Methode als Teilnehmende kennen zu lernen; also an einem „Endverbraucherseminar“, keiner MultiplikatorInnenschulung. Die Trainerinnen, die wir dafür gewinnen konnten arbeiten als Landesarbeitsgemeinschaft politisch-kulturelle Bildung in Sachsen seit geraumer Zeit mit diesem Tool im Kontext der politischen Erwachsenenbildung. Wir möchten gerne dieses Seminar nach München holen und brauchen nun Menschen, denen diese Art der Weiterbildung ebenfalls wichtig ist. Wichtig ist für uns dabei die Frage, ob es Bedarf gibt und wenn ja, was Sie und Ihr für zwei Tage bereit sein würdet zu bezahlen. Wir rechnen mit einem Betrag in Höhe von 100 bis 130 €, da es keine Förderung für unser Vorhaben gibt und die beiden Trainerinnen freiberuflich tätig sind. Wir freuen uns auf sämtliche Rückmeldungen, Anregungen, Hinweise und Wünsche! Mit herzlichem Gruß Kerstin Schmitt & Gabriele Rösing INKOMM Projektzentrum Centrum für angewandte Interkulturelle Kommunikation Politikforschung (CAP) Rupprechtstr. 29 Maria-Theresia-Straße 21 80636 München 81675 München Tel. 089-121643-06 Fax -07 Tel: 089 2180-1315 Fax -5058 
Hier folgt nun die angekündigte, detaillierte Beschreibung des Theaterworkshops: „Spielräume – Unterdrückung und Zivilcourage“ von Kerstin Knye Forumtheaterworkshop Das kennen Sie: Im öffentlichen Raum oder in Ihrem Arbeitszusammenhang erleben Sie eine rassistische, sexistische, gewalttätige und/oder diskriminierende Handlung. Sie sind erschüttert, doch statt zu handeln, stehen Sie fassungslos da. Vielleicht handeln Sie auch, sind aber am Ende mit Ihrer Handlung unzufrieden. Was bleibt ist ein flaues Gefühl im Magen und/oder Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Das bieten wir: Wir bieten Ihnen – mit Hilfe des Forumtheaters - ein Setting, in welchem die von Ihnen erlebten Situationen bearbeitet werden können. Mit Unterstützung aller Anwesenden, werden Szenen nachgespielt und alternative Handlungsoptionen ausprobiert und auf Alltagstauglichkeit überprüft. Mit dem von Augusto Boal (Brasilien) entwickelten Forumtheater werden: - Ihre erlebten Situationen klarer und gestaltbar
- Verschiedene Verhaltsweisen ausprobiert und auf Alltagstauglichkeit überprüft
- Situationen in ihrer Entwicklung beobachtbar
- Wirkungsweisen von Verhalten betrachtet
- Perspektivenwechsel möglich
Das haben Sie (nicht) davon: Nach dem Workshop werden Sie nicht unbedingt in jeder folgenden Unterdrückungssituation zu Ihrer Zufriedenheit handeln. Sie werden aber einen größeren Handlungsspielraum haben, und auf der Basis von erlebter und ausprobierter Zivilcourage handeln können. Kann ich anschließend mit dieser Methode selber arbeiten? Diese Frage können Sie sich dann nur selbst beantworten. Der von uns angebotene Workshop ist jedoch keine MultiplikatorInnenfortbildung, mit dem Ziel, diese Methode anschließend selbst anzuwenden. Ziel des Workshops ist, dass Sie bei der Arbeit oder im öffentlichen Raum MultiplikatorIn für die Verbreitung von Zivilcourage werden. Die TrainerInnen: Kerstin Knye, * 1970, Freie Trainerin in der politischen Bildung, Dipl. Sozialpädagogin, Dresden Juliane Dieckmann, *1975, Dipl. Sozialpädagogin, Dresden Wir arbeiten beide seit 2002 in der „Landesarbeitsgemeinschaft politisch-kulturelle Bildung Sachsen“. Im Rahmen unseres Moduls „Blickpunkt Rassismus. Rassistischem Verhalten handelnd begegnen“ bieten wir die Bearbeitung rassistischer Szenen mit Hilfe des Forumtheaters an. Beide TrainerInnen haben eine 9-tägige Fortbildung genossen, um als Joker (=ModeratorIn des Forumtheaters) arbeiten zu können. Was ist das Forumtheater denn nun genauer? Forumtheater ist eine Variation des „Theater der Unterdrückten“ nach Augusto Boal. Augusto Boal kommt aus Brasilien und hat das Theater der Unterdrückten ab 1971 in Argentinien im Exil entwickelt, um Probleme von unterpriveligierten Schichten aufzugreifen und soziale Veränderungen anzuregen. Die Trennung von SchauspielerInnen und ZuschauerInnen wurde aufgehoben, sodass die Betroffenen auf der Bühne ihre Veränderungs- und Lösungsvorschläge selbst erproben können. Ende der 70iger Jahre ging Boal nach Europa. Er hatte bisher das Ziel, Formen von politischer und sozialer Unterdrückung sichtbar und bewusst zu machen und kollektive Handlungsperspektiven gegenüber diesen Missständen zu entwickeln. In Europa wurde er häufig mit subtilen Unterdrückungsformen konfrontiert, z.B. Einsamkeit, Selbstzerstörung, Kontaktängste. Also differenzierte sich seine Theaterarbeit und sie wurde als Anstoß des „Lernens über sich selbst“ verstanden. Theater wird initiiert, damit der Mensch im Spiel eine Verwandlung vom passiven Objekt in bestimmten Strukturen oder Prozessen zum aktiven Subjekt erlebt. Im Schonraum Bühne und mit Hilfe der ZuschauspielerInnen können Alternativen zur einengenden Alltagsrealität ausgelotet werden. Literatur: Augusto Boal: Theater der unterdrückten, Übungen und Spiele für Schauspieler und Nichtschauspieler; Frankfurt 1979 und 1989; Suhrkamp – TBN 361 - Augusto Boal: Der Regenbogen der Wünsche; Kallmeyer 1999
- Fritz Letsch: Theater macht Politik; Die Methode de Teatro Oprimido in der Jugendbildungsarbeit; Werkstattbuch in der Reihe „Gautinger Protokolle“ erhältlich im Institut für Jugendarbeit des Bayrischen Jugendringes; Germeringerstr. 30, 82131 Gauting
Helmut Wiegand (Hrsg.):Theater im Dialog: heiter, aufmüpfig und demokratisch. Deutsche und europäische Anwendungen des Theaters der Unterdrückten , ibidem – verlag 20
Nur angemeldete Besucher können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an oder erstellen Sie sich ein neues Benutzerkonto. Powered by AkoComment 2.0! |