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Jan 04 2006
Macht Geiz geil? - systemische Aufstellung Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Ruth Sander   
Mittwoch, 4. Januar 2006

Mohrvilla_Logo.gif"Politik und Kultur im Raum" ein Kolleginnen- und Kollegenkreis systemisch Beratender, konnte am 31. Januar 2006 in Freimann die Auswirkungen des globalen Finanzsystems auf unser Leben aufstellen und reflektieren. Die Ergebnisse dieser Aufstellung wurden inszwischen in einem Bericht veröffentlicht.

WAS

Ausgehend von den Ideen des querdenkenden Volkswirtschaftlers Bernd Senf (www.berndsenf.de) befassten wir uns mit dem Widerspruch zwischen Sparzwang und Konsumappellen sowie möglichen Lösungen für diesen Widerspruch.

WER

Teilnehmende:
Interessierte, die bei einer solchen Aufstellung mitwirken wollten.

Konzeption:
Dr. Immo Fiebrig, Berater im Gesundheitswesen
Dipl.-Ing. Kuno Kübler, Umwelt- und Energieberater

Moderation: Dr. Ruth Sander

WIE

Zur Methode:

Die Nützlichkeit der Aufstellungsmethode wurde ursprünglich von FamilientherapeutInnen entdeckt. Inzwischen wird sie auch in beruflichen Beratungssituationen erfolgreich eingesetzt.

Dabei wird über das jeweilige Thema nicht primär geredet, sondern dieses wird im Raum abgebildet: Anwesende stellen sich als Rollenträger von System-Aspekten zur Verfügung, die Dynamiken im System werden sicht- und erlebbar.

In dieser Veranstaltungsreihe versuchen wir, komplexe Themen aufzugreifen und – für unsere westliche Welt – auf ungewohnte Weise gesamtheitlich und sinnlich erfahrbar zu machen, ohne dabei das Aufdecken endgültiger „Wahrheiten“ zu beanspruchen.

Über den Ablauf eines solchen Abends können Sie auch in den Artikeln "Politik im Raum" und "Vision Vollbeschäftigung" mehr erfahren.

Zeit:
Dienstag, 31. Januar 2006, 18.30 - 22 Uhr

Ort:
Mohrvilla Freimann e.V. 
Situlistraße 75
80939 München
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Tel.  324 32 64
Fax  32 19 53 54 
www.mohr-villa.de

Zusammenfassung

Das Thema dieses Abends ergab sich aus dem letzten Experimentier-Abend, an dem das Kapital sich sehr mächtig gefühlt hatte und sich verwundert darüber gezeigt hatte, dass niemand es hinterfrage. Wäre das nämlich passiert, hätte seine Macht nach eigener Einschätzung zu schrumpfen begonnen...

Dies war unser Ausgangspunkt dafür, diesmal den Begriff „Geld“ zum Thema zu machen. Immo Fiebrig und Kuno Kübler hatten sich mit den Ideen von Bernd Senf auseinandergesetzt, der davon ausgeht, dass wir blockiert seien in unserem Umgang mit Geld und es darum gehe, diese Blockade zu lösen.

Gerade weil das Thema Geld einerseits so überfrachtet ist mit persönlichen Glaubenssätzen und Assoziationen („wann habe ich genug davon; brauche ich es, um mich sicher zu fühlen; ...) und andererseits so tabuisiert wird (dürfen wir voneinander wissen, wie viel wir verdienen? wie viel wir gespart haben?...), mache ich den Vorschlag, „verdeckt“ aufzustellen, d.h. die RepräsentantInnen wissen nicht, wofür sie stehen und folgen nur ihren Impulsen.

Wir schicken mehrere erfahrene RepräsentantInnen vor die Türe und beratschlagen, welche Elemente aufgestellt werden sollten. Wir enden bei:
- A     das fließende Geld
- B     das gehortete Geld
- C     die Menschen

Die RepräsentantInnen erfahren nur, für welchen Buchstaben sie stehen und werden während der gesamten Aufstellung nur als A, B und C angesprochen. Des einfacheren Verstehens wegen werden hier in der Zusammenfassung allerdings die vollständigen Bezeichnungen wiedergegeben.

Die RepräsentantInnen werden in den Raum geführt. Sie werden aufgefordert, ihren Impulsen zu folgen.

Nur das gehortete Geld zeigt Bewegungsdrang. Es möchte tanzen, mit den anderen Elementen Kontakt aufnehmen, aber die reagieren nicht. Das fließende Geld fühlt sich uralt, irrsinnig mächtig (mit Betonung auf irrsinnig) und überheblich. Allerdings fühlt es auch eine Verdrehung im Körper, in der Wirbelsäule, die schmerzhaft ist. Die Menschen starren vor sich hin, fühlen sich als Marionette, als Roboter, können sich nicht bewegen.

Das gehortete Geld versucht, Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, diese kommen – stocksteif – aus dem Gleichgewicht, gehen zu Boden und bleiben mit weit ausgestreckten Armen in anstrengender Starre auf dem Boden liegen. Das Hinzunehmen des Elementes Inneres Gleichgewicht bringt für die Menschen keine Erleichterung. Es ist zu weit weg, ist zu schwach, um die Erstarrung zu lösen.

Der Kreis der BeobachterInnen überlegt, was nun helfen könnte. Verschiedene Begriffe werden genannt: das Lösen, die Erlösung, das Fließen, die Balance... Als wir die noch immer am Boden liegenden Menschen befragen, was von diesen Begriffen sie anspricht, wählen sie das Fließen. Eine Repräsentantin für das Fließen wird dazu gestellt.

Nun entwickeln sich die Dinge. Das fließende Geld und das Fließen scheinen etwas miteinander zu tun zu haben. Durch den Kontakt zum Fließen fühlt sich das fließende Geld geerdet, die Rückenschmerzen schwinden. Die Menschen zeigen große Erleichterung bei Kontakt mit dem Fließen, allerdings muss es sehr nah sein, um Wirkung zu zeigen: Wenn es am Kopfende der Menschen steht, löst sich deren Oberkörper aus der Erstarrung, wenn es zu den Füßen geht, lösen sich die Beine, während der Oberkörper wieder fest wird.

Fließen und fließendes Geld beginnen zu kooperieren: Das fließende Geld stellt sich zu den Beinen der Menschen, das Fließen zum Kopf. Endlich löst sich die Anspannung in den Gliedern der Menschen ganz, wird ersetzt durch große Erschöpfung und Erholungsbedürfnis. Der Versuch, die Augen zu öffnen, ist fast schon zu viel Anstrengung, auch der Versuch des Fließens, die Menschen aufzurichten, fruchtet – noch – nicht. Es muss viel Zeit vergehen, damit sich die Menschen von den Zeiten erholen können, da sie das Fließen vergessen haben...

Hier endet die Aufstellung, wir gehen zur Reflexion über. Viele verschiedene Aspekte, Meinungen, Fragen tauchen auf. Zwei Personen aus dem Beobachterkreis melden sich, die offenbar fehlende Elemente der Aufstellung repräsentierten:

  • Eine Person fühlte sich sehr mächtig, gewaltsam, hatte die Vorstellung: Wenn sich hier nicht bald was tut, drücke ich den Reset-Knopf. Sie verlor allerdings ihre Macht, als das Fließen dazugeholt wurde;
  • Eine Person war stark an die früheren Hofnarren erinnert, die den Herrschern mit Humor die Wahrheit ins Gesicht sagten; wo sind die Hofnarren heute, wo bleibt der Humor?!

Einigkeit bestand, dass Geld ein Konstrukt von uns Menschen ist und auch die Unterteilung in fließendes Geld (= gutes Geld), gehortetes Geld und Geld als Spekulationsobjekt (= böses Geld) ein Konstrukt ist. Von den Aufstellern waren das fließende Geld als „gutes“ Geld, das gehortete Geld als „böses“ Geld gemeint. In der Aufstellung zeigte sich aber, dass sich das fließende Geld offenbar als (irrsinnig) schnell fließendes Spekulationsgeld fühlte, während das gehortete Geld tanzen und sich bewegen wollte. Durch die Anwesenheit des Fließens, eines spirituellen Elements („Alles fließt“, nach Heraklit), wandelte sich das fließende Geld zur im Fluss befindlichen Materie – zu der auch das Geld als Ersatz für Tauschhandel gehört!

In großer Intensität und Nachdenklichkeit endete dieser Aufstellungsabend.

Individuelle Resumees:

  • „Ich hatte Angst, dass wir ähnlich wie beim letzten Mal im blockiert Sein hängen bleiben würden, kein Lichtblick am Ende wäre. Und nun erscheint es mir so einfach: Die Blockaden werden sich lösen, wenn wir uns das Fließen wieder ins Bewusstsein holen und unsere eigene Erstarrung sich dadurch lösen kann!“
  • „Das Geld, das zur Spekulation verwendet wird, findet seinen Wert nicht, während es um den Globus schwirrt. Es ist zum einen Teil das Äquivalent dessen, was den Menschen an (Selbst)-Wert genommen worden ist, was ihnen durch skrupellose Machenschaften vorenthalten wird und notwendig wäre, um sie aus dem Defizit heraus in das Gleichgewicht zu bringen. Es ist zum anderen Teil das Äquivalent dessen, was der Erde an natürlichen Ressourcen genommen worden ist, ohne die Erneuerung dieser Ressourcen zu berücksichtigen, seien dies Tiere, Pflanzen oder organische wie anorganische Stoffe. Wenn die Menschen ihren Wert und Sinn im Leben finden, dann kann es besser werden.“
  • „Mir war der Entwurf des volkswirtschaftlichen Gedankens im Kontext dieser Aufstellung zu groß, zu abstrakt, und daher nicht verlässlich. Interessant dabei gewesen zu sein war’s allemal.“

Autorin:

Dr. Ruth Sander
Beratung und Training
Reischlweg 9
D-80939 München
Tel. +49 89 324 34 84
Fax +49 89 324 55 683
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