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"Politik und Kultur im Raum" ein Kolleginnen- und Kollegenkreis systemisch Beratender, kam am Mittwochabend dem 23. November 2005 in Freimann zusammen, um eine Aufstellung zur Vision des Arbeitsmarktes mit anschließender Reflexion zu realisieren. Die Ergebnisse dieser Aufstellung sind in einem Bericht anbei.
WASÜber fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland. Tendenz eher zunehmend. Ohnmächtige, zerstrittene Politik. Gegeneinander von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den Unternehmen. Eine hoffnungsvolle Perspektive mit hoher Beschäftigung: Fehlanzeige. Also: Hilflosigkeit und wirkungsloser Aktionismus. Können wir aus diesem Teufelskreis aussteigen? WERTeilnehmende: Interessierte, die kostenfrei bei einer solchen Aufstellung mitwirken wollten. Moderation: Dr. Ruth Sander WIEZeit: Mittwoch, 23. November 2005, 18.30 - 22 Uhr Ort: Mohrvilla Freimann e.V. Situlistraße 75 80939 München
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Tel. 324 32 64 Fax 32 19 53 54 www.mohr-villa.de Zur Methode: Die Nützlichkeit der Aufstellungsmethode wurde ursprünglich von FamilientherapeutInnen entdeckt. Inzwischen wird sie auch in beruflichen Beratungssituationen erfolgreich eingesetzt. Dabei wird über das jeweilige Thema nicht primär geredet, sondern dieses wird im Raum abgebildet: Anwesende stellen sich als Rollenträger von System-Aspekten zur Verfügung, die Dynamiken im System werden sicht- und erlebbar. In dieser Veranstaltungsreihe versuchen wir, komplexe Themen aufzugreifen und – für unsere westliche Welt – auf ungewohnte Weise gesamtheitlich und sinnlich erfahrbar zu machen, ohne dabei das Aufdecken endgültiger „Wahrheiten“ zu beanspruchen. Den Ablauf eines solchen Abends können sie auch über den Artikel "Politik im Raum" etwas mehr erfahren. Zusammenfassung
Nach Vorstellung und Einführung unseres Gastes Roland Götz (Dipl.-Wirtschaftsingenieur, Berater, Visionär) erarbeiten wir uns gemeinsam unsere Leitfrage: „Arbeit und/oder Existenzsicherung – wo wollen wir hin?“ Im ersten Bild stehen Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Arbeitsuchende, Kapitalgeber und Verwalter. Jede Gruppe darf sich 1-2 Elemente wünschen, die für sie am wichtigsten sind: Die Arbeitgeber wählen Nachfrage und Kapital. Die Arbeitnehmer wählen Wohlwollen (eine schützende Hand). Die Arbeitsuchenden wählen Sicherheit und Selbstwert. Die Verwalter sind orientierungslos, wünschen sich einen Führer. Die Kapitalgeber wollen mit Zahlen spielen, brauchen dafür kein eigenes Element. Auf Anregung von Herrn Götz wird noch eine Blockade dazugestellt. Insgesamt herrscht Beziehungslosigkeit zwischen den Interessensgruppen. Das Kapital steht unterstützend den Arbeitgebern im Rücken, die Nachfrage ist wichtig für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Arbeitsuchende. Die Arbeitnehmer haben zwar ein schlechtes Gewissen gegenüber den Arbeitsuchenden („wir sollten teilen“), sind aber zugleich auf diese wütend („die sollen sich selbst um ihren Selbstwert kümmern“). Die Arbeitsuchenden fühlen sich ausgegrenzt, schließen sich immer mehr ab und entwickeln Fantasien von Molotow-Cocktails. Die Kapitalgeber halten sich abseits und wollen mit dem Rest des Systems nichts zu tun haben, fühlen sich für nichts verantwortlich. Die Verwalter atmen auf, als ein Führer mit dazu gestellt wird. Die Blockade ...? Der Führer ist guten Willens und versucht dann auch, Interventionen im System zu setzen: Er schickt sein Wohlwollen zu den Arbeitsuchenden, schickt die Verwalter vor, um Arbeitgeber und –nehmer in Bezug zu bringen, will die Kapitalgeber mit ins System holen, was diese verweigern. Auf Aussage der Kapitalgeber hin („hier fehlt Vertrauen“) wird Vertrauen als Element mit ins Spiel geholt. Es versucht, die Kapitalgeber näher zu holen, was ansatzweise gelingt. Die Arbeitsuchenden fassen sich ein Herz und nähern sich den Kapitalgebern an. An dieser Stelle beenden wir die Aufstellung, die wir alle als lang, anstrengend und wenig hoffnungsvoll erlebt haben. In der Nachbesprechung zeigt sich der Repräsentant des Kapitals entsetzt, wie unhinterfragt seine Rolle vom Rest des Systems hingenommen wurde. Er war sich sehr mächtig vorgekommen. Die Repräsentantin der Arbeitnehmer war entsetzt über den Egoismus, den sie in ihrer Rolle verspürt hatte, und gegen den sie im realen Leben täglich ankämpft. Die Verwalter waren entsetzt über ihren Wunsch nach einem Führer, der ihnen Orientierung geben sollte. Eine Psychotherapeutin berichtete von ihrer Arbeit mit Traumapatienten; dort träfe sie auf eine ähnliche Beziehungs- und Kommunikationslosigkeit, wie sie sich in dieser Aufstellung gezeigt habe. Sie stellte die Hypothese auf, dass wir es hier mit einem kollektiven Trauma (Stichwort: Führer) zu tun haben könnten. Die Methode der Wahl sei in diesem Fall: Die einzelnen fragmentierten Teile benennen und miteinander bekannt machen, um sie schließlich wieder zu einem Ganzen zusammenfügen zu können. Insofern hatten wir die Frage, die wir uns anfangs erarbeitet hatten, gar nicht durch die Aufstellung bearbeitet: Im Raum gab es zu keinem Zeitpunkt ein Wir-Gefühl aller, sondern immer nur ein Wir-Gefühl der einzelnen Interessensgruppen... Individuelle Resumees: „Was für ein trostloses (Zwischen-)Ergebnis! – Andererseits kann ich viel mit der Hypothese des kollektiven Traumas anfangen. Nur: Wie können wir zu tatsächlichem Benennen, Austausch und Wir-Gefühl kommen? Durch Worte offensichtlich nicht, da werden doch täglich mehr als genug zwischen Arbeitgebern und –nehmern, Arbeitsuchenden und Verwaltern, Führern (Politikern) und der Öffentlichkeit gewechselt?!“ „Ohne die regulierende und begrenzende Macht des Staates sind die Schwächeren des Systems chancenlos, die ungebremste Dynamik verschärft die Abgrenzung zwischen den Schichten, nimmt positive (Kreativität, Engagement) und stärkt negative (Zerstörungswut) Energien. "In der klaren und öffentlichen Wertschätzung und Unterstützung der Arbeitslosen durch den Staat (als Exekutive abstrakt für mich dargestellt durch den Führer) steckt Potential, diese zu Eigeninitiative zu motivieren. Ich dachte nach der Aufstellung, dass die Sache mit den Ich-AG's vielleicht gar kein so schlechter Ansatz war.“ „Am selben Abend habe ich ein weiteres Kapitel in Michel Chossudovsky´s Buch: GLOBAL BRUTAL, Der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg, gelesen und dachte mir, das passt ja direkt auf was wir in der Aufstellung an Themen hatten... Ich kann das Buch empfehlen, für den, der sich tiefere Einblicke in die Hintergründe der Weltpolitik wünscht - allerdings ist es kein schönes Buch!“ „Die 'Sprengkraft' der Arbeitssuchenden hat mir doch sehr zu denken gegeben... Die Ideologie 'Arbeit für alle' hat ausgedient... Das alte Dogma: Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, ist heute falsch... Ein garantiertes Grundeinkommen, basierend auf der Konsumbesteuerung, kann Schritt für Schritt die Bürger mit Geld, für den Konsum, versorgen... Es wäre eine völlig neue Situation arbeiten gehen zu können, nicht zu müssen. Welch' ungeahntes Potential an neuen frischen Ideen. Das Ende des sinnlosen, kompensierenden Konsums!“ Abschließend einige Zeilen von Bertolt Brecht, zur Verfügung gestellt von einem Teilnehmer: "Es ist alles still, wie in einer verschneiten Winternacht. Nur ein leiser, monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal auch klirrt etwas wie ein Messer, das gewetzt wird." Ansprechpartnerin:Dr. Ruth Sander
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