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Die
Beteiligung von Einwohnerinnen und Einwohnern hat spezifische Regeln
und verschiedene Ausprägungsformen, die von Dr. Adrian Reinert
(Geschäftsführer Stiftung Mitarbeit) zusammengefasst und auf den
Punkt gebracht werden. Er stellt diese erfolgreichen
Ausgangsbedingungen in Form von 24 Thesen vor, und beschreibt darüber
hinaus 12 der bewährtesten Beteiligungsmethoden.
I. Bürger(innen)beteiligung und lokale DemokratieEinmischung erwünscht
1.
"Demokratie ist im Grunde die Anerkennung, dass wir sozial genommen,
alle füreinander verantwortlich sind". (Heinrich Mann). Eine Demokratie
ist nur lebendig, wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger aktiv
engagieren und einmischen.
Engagement hat sich diversifiziert und spezialisiert
2.
Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil ist das bürgerschaftliche
Engagement keineswegs generell rückläufig. Das Engagement hat sich
vielmehr diversifiziert und spezialisiert. Dies gilt gleichermaßen für
Formen wie Inhalte und die ihm zugrunde liegenden Motive.
Erschwernisse des Engagements
3.
Allerdings dürfen auch negative Entwicklungen nicht übersehen werden,
die dem Engagement eher abträglich sind. Stichpunktartig angeführt
seien
die erschwerte Solidarität durch Individualisierungsprozesse
die überlokale Orientierung versus Cocooning,
die Ablenkungsgesellschaft und
die Marginalisierung großer Bevölkerungsgruppen.
Entwicklung lokaler Demokratie und von Sozialkapital
4.
Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements, die Stärkung der
Mitverantwortung der Nutzer(innen) in Einrichtungen und die Erweiterung
der Bürger(innen)beteiligung - oder eigentlich richtiger der
Beteiligung der Einwohner(inn)en und Einwohner oder der Bevölkerung -
an Entscheidungen sind gleichermaßen wichtige Elemente zur Entwicklung
lokaler Demokratie und zur Stärkung des Sozialkapitals. Die
nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die
Bürger(innen)beteiligung an Entscheidungen.
II. Bürger(innen)beteiligung: Wunsch und WirklichkeitRessource Bürger(innen)beteiligung
5.
Bürger(innen)beteiligung ist nicht nur ein demokratischer Wert, sondern
eine wertvolle gesellschaftliche Ressource. Sie kann helfen, die
Qualität von Entscheidungen zu verbessern, ihre Legitimation zu erhöhen
und die Politik zu entlasten. Wer sich jedoch schon länger mit Fragen
der Bürger(innen)beteiligung befasst, kennt ihre strukturellen
Probleme.
Traditionelle Bürger(innen)beteiligung ist oft oberflächlich ...
6.
Das klassische Instrumentarium der Planauslegung, Anhörung,
Erörterungstermine, Bürgerversammlungen usw. ist elementar und
weiterhin unverzichtbar. Es weist oft aber eine Reihe von Defiziten
auf. Abgesehen davon, dass die Beteiligung vielfach nur auf geringe
Resonanz stößt und oberflächlich erfolgt, ist sie ....
... sozial selektiv
7.
Es beteiligen sich vornehmlich organisierte Interessen und sozialaktive
Minderheiten. Dabei dominieren Hochausgebildete, Angehörige höherer
beruflicher Positionen, Männer in mittleren Jahrgängen, der öffentliche
Dienst. Schwach vertreten sind hingegen ausländische Mitbürger/innen,
Jugendliche, Frauen, ältere Arbeitnehmer, Behinderte sowie untere
Einkommensschichten.
Zeitliche Probleme
8.
Selbst wenn sie persönlich interessiert sind, fehlen vielen Bürgerinnen
und Bürgern ganz einfach die zeitlichen Möglichkeiten, um sich zu
beteiligen bzw. die dafür notwendigen Informationen zu beschaffen.
(Besonders zeitlich benachteiligt: Alleinerziehende Eltern von
Kleinkindern; Schichtarbeitende). Zudem steht Bürger(innen)beteiligung
in Konkurrenz mit vielen anderen Möglichkeiten, freie Zeit zu
verwenden.
Bürger(innen)beteiligung erfolgt vielfach zu spät
9.
Interesse und Engagement entstehen vor allem bei persönlicher
Betroffenheit. Nicht selten sind Entscheidungsprozesse dann jedoch
schon so weit fortgeschritten, dass die Möglichkeiten zur Einflussnahme
nur noch begrenzt sind.
Tendenz zur Segmentierung
10.
In unserer Gesellschaft besteht eine erkennbare Tendenz zum
Sich-Voneinander-Abschotten (Segmentierung). Es wird
Meinungsbestätigung statt Meinungsaustausch gesucht.
III. Neue Beteiligungsverfahren in der Diskussion Bürger(innen)beteiligung als kommunikativer Prozeß
11.
Um die angeführten Partizipationsprobleme zu vermindern und die
Qualität von Bürger(innen)beteiligung zu verbessern, sind in den
letzten Jahren eine Reihe von zumeist projektorientierten Ansätzen
erprobt worden, denen gemeinsam ist, dass Bürger(innen)beteiligung
nicht als formaler Akt, sondern als kommunikativer Prozess verstanden
wird.
Unterschiedliche Akzentuierungen
12.
Je nach Akzentuierung zielen sie schwerpunktmäßig z.B. auf den
Ausgleich divergierender Interessen (z.B. Runder Tisch, Mediation,
Forum, Zukunftskonferenz), die bessere Vertretung bisher unzureichend
beteiligter Interessen (z.B. Anwaltsplanung, Interessenbeauftragte),
die Aktivierung im Stadtteil (z.B. Gemeinwesenarbeit, Planning for
real, Community Organizing, Gemeinsinn-Werkstatt), die Entwicklung von
Kreativität und Kompetenz (z.B. Zukunftswerkstatt, Open Space), die
Beteiligung besonderer Zielgruppen (z.B. Frauen, Kinder und
Jugendliche) oder eine möglichst repräsentative Beteiligung der
Bevölkerung (Planungszelle/Bürgergutachten). Ganz neue Beteiligungswege
eröffnet darüber hinaus das Internet.
Mediation/Runder Tisch
Mediator(inn)en
führen anders als Richter(innen), Schlichter(innen), Schiedsleute
keinen Urteilsspruch oder Kompromiss herbei, sondern schaffen die
Voraussetzungen für einen Klärungsprozess, in dem die Konfliktparteien
miteinander verhandeln, um zu einer für alle Seiten wenigstens
hinnehmbaren Lösung zu kommen. Angestrebt wird ein diskursiver statt
positioneller Verhandlungsstil. Mediationsähnliche Verfahren haben in
der Bundesrepublik während der letzten Jahre auch in Form von sog.
Runden Tischen, Stadt- und Verkehrsforen etc. größere Verbreitung
gefunden.
Zukunftskonferenz
Bei
der Zukunftskonferenz versammeln sich ein bis zweieinhalb Tage lang (30
bis 72) von einem Problem betroffene oder unterschiedliche
Bevölkerungsgruppen vertretende Personen, um zu gemeinsamen Visionen
und zur Erarbeitung von Maßnahmenplänen zu kommen. In fünf Schritten
werden in Kleingruppen zunächst bestehende Unterschiede und
Gemeinsamkeiten ermittelt und b) mögliche externe - positive wie
negative - Trends bewertet, dann c) Zukunftsideen entwickelt, d)
Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und dann e) konkrete Maßnahmen zur
Umsetzung geplant.
Anwaltsplanung
Bei
der Anwaltsplanung werden benachteiligte Gruppen von
Bürgeranwält(inn)en unterstützt, die die Interessen dieser Gruppen in
Planungsprozessen einbringen und vertreten. Dies geschieht nicht etwa
losgelöst, sondern in enger Rücksprache mit den Betroffenen, mit
aufsuchender Arbeit, Bewohner(innen)versammlungen etc. Ebenso können
Beauftragte (z.B. zukünftige Generationen, Kinderbeauftragte) für
schwer organisierbare Interessen eingesetzt werden, die diese in
Entscheidungsgremien vertreten.
Gemeinwesenarbeit (Aktivierende Befragung)
Durch
aufsuchende Arbeit (Hausbesuche, Jugendtreffpunkte) versucht die
Gemeinwesenarbeit, Bürger(innen) zum Engagement anzuregen. Wichtiges
Hilfsmittel ist die sog. aktivierende Befragung. Zunächst werden die
Wünsche und Bedürfnisse ermittelt, dann gemeinsame Priorisierungen
vorgenommen und schließlich konkrete Umsetzungsschritte erarbeitet.
Eine Sonderform der aktivierenden Befragung ist auch Planning for Real.
Planning for Real
Planning
for real ist ein in Großbritannien entwickeltes Beteiligungsverfahren,
das in Berlin-Wedding erfolgreich ausprobiert worden ist. Es wird ein
transportables (Papp-) Modell des Stadtteiles hergestellt und an vielen
Orten (Kneipen, Straßenbahnen, U-Bahnen usw.) gezeigt, um Bürger(innen)
miteinander ins Gespräch zu bringen. Daraus entwickeln sich
Veränderungsvorschläge und neue Formen nachbarschaftlicher Aktivität.
Community Organizing
Community
Organizing zielt auf langfristige und kontinuierliche Veränderung in
Stadtteilen und Städten und baut als Basis dafür eine starke und
tragfähige Organisation auf. Dazu wird zunächst ein Gründerkreis
(Sponsoring Comitee) mit Schlüsselpersonen aus wichtigen intermediären
Organisationen gebildet. Erst wenn die personellen und materiellen
Ressourcen sichergestellt sind, beginnt der Prozess der Themenfindung.
Gemeinsinn-Werkstatt
Auf
Vernetzung und gemeinsames Handeln im Rahmen eines Projektverfahrens
zielt die Gemeinsinn-Werkstatt von Wolfgang Fänderl (Universität
München). Sie bringt dazu die in einem Stadtteil relevanten bzw. die
von einem Anliegen oder Problem besonders berührten Akteurinnen und
Akteure schrittweise zusammen. Unterstützt von einer kompetenten
methodischen Begleitung können mit vielen, verschiedenen
Menschen gemeinsam Projektideen und
Handlungsschritte geplant, umgesetzt und reflektiert werden. Die
Gemeinsinn-Werkstatt vereinigt mehrere methodische Ansätze und ist
ein flexibel einsetzbares Verfahren, dessen Stärke die Förderung
freiwilligen Engagements ist.
Zielgruppenworkshops
Für
bestimmte Zielgruppen werden zu spezifischen Themen Workshops
angeboten, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich erst einmal in der
eigenen Bezugsgruppe über Ziele und Inhalte von Planungen zu
verständigen. Beispiele etwa sind Workshops für Frauen zum Thema
"Frauenfreundliche Planung", "Frauenfreundlicher ÖPNV" oder
Zukunftswerkstätten mit Kindern/Jugendlichen.
Zukunftswerkstatt
Zukunftswerkstatt
ist eine maßgeblich von Robert Jungk entwickelte Arbeitsform, um in
Gruppen gemeinsam Ideen zu entwickeln und Möglichkeiten ihrer
praktischen Umsetzung zu erarbeiten. In der (1) Kritikphase erfolgt
eine Bestandsaufnahme von Problemen und Mängeln in einem Bereich. Diese
werden anschließend nach Bedeutung gewichtet. Die (2) Ideen- und
Phantasiephase dient der Vorstellung von Vorschlägen und Träumen, wie
es anders sein könnte. In der (3) Umsetzungs- oder Verwirklichungsphase
geht es schließlich darum, Wege und Möglichkeiten zu finden, wie diese
Ideen am besten realisiert werden können.
Open Space
Open
Space ist eine in den USA entstandene Versammlungstechnik. Statt feste
Programmstrukturen vorzugeben, kommen die Teilnehmenden zu Beginn
zusammen, um die Themen und Punkte zu benennen und aufzuschreiben, die
für sie höchste Aktualität haben und die sie persönlich gerne behandeln
möchten. Danach bilden sie in wechselnder Zusammensetzung nach Neigung
und Interesse Kleingruppen. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen werden
protokolliert. In einer Schlussrunde können dann Maßnahmen und
Prioritäten zur Umsetzung vereinbart werden.
Bürgergutachten/Planungszelle
Das
Modell Planungszelle wurde von dem Wuppertaler Soziologieprofessor
Peter C. Dienel entwickelt. Eine Planungszelle ist eine Gruppe von ca.
25 im Zufallsverfahren ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die für
ca. eine Woche von ihren arbeitsalltäglichen Verpflichtungen
freigestellt werden, um in Gruppen Lösungsvorschläge für ein
vorgegebenes Planungsproblem zu erarbeiten. Die Ergebnisse ihrer
Beratungen werden in einem sog. Bürgergutachten zusammengefasst.
Beteiligung via Internet
Via
Internet können Bürgerinnen und Bürger sich aktiv an Planungsprozessen
beteiligen. Neben Beratungen und Abstimmungen zu ganz konkreten
Planungsprojekten (Beispiel: Verkehrsberuhigung im Bremer Stadtteil
Horn-Lehe) können sog. Bürgerpanels aus einem festen Kern von z.B. 500
bis 1.000 Bürgerinnen und Bürgern gebildet werden, die über einen
Zeitraum von 3 Jahren an regelmäßigen Befragungen (3-4 mal jährlich) zu
lokalen Themen teilnehmen.
Einwände und Rückfragen
13.
Es liegen eine Vielzahl von ermutigenden Erfahrungen aus der
praktischen Anwendung der erwähnten Verfahren vor. Trotzdem bleiben
berechtigte Rückfragen und Einwände bestehen, die genügend Stoff für
Killerfragen bieten. Einige Beispiele:
-
Top down versus bottom up
14.
Wer entscheidet über die Anwendung solcher Verfahren? Kann
Demokratieentwicklung von oben erfolgen? Gegenargument: Die
Unterscheidung "von oben" und "von unten" spiegelt nur bedingt die
gesellschaftlichen Realitäten wider. Es ist wünschenswert, wenn sich
Entscheidungsträger und steuernde Instanzen in Politik und Gesellschaft
neuen Beteiligungsformen öffnen und diese finanzieren. Dies setzt
unabhängige Durchführungsträger und die Möglichkeit eines jederzeitigen
Opting outs voraus. (Zu Prüfkriterien aus der Sicht von
Bürgerinitiativen, vgl. Fischer/Schophaus/Trenel/Wallentin 2003)
-
Singuläre Sonderfälle
15.
Während zu einzelnen Fragestellungen spektakuläre Beteiligungsverfahren
durchgeführt werden, bleibt in anderen Bereichen alles beim Alten.
Gegenargument: Erfolgreiche Beispiele haben Modellcharakter und
Nachahmungswirkung und können die politische Kultur insgesamt positiv
verändern.
-
"Spielwiese"
16.
Für die Lebenswelt der Menschen relevante Entscheidungen werden
außerhalb des örtlichen Gemeinwesens getroffen, so dass sie von dort
nur bedingt beeinflussbar sind. Gegenfrage: Wo aber sonst, wenn nicht
in der unmittelbaren Lebenswelt gibt es sichtbare Ansatzpunkte für
erfolgreiche Gegenerfahrungen zu Hilflosigkeit und Apathie?
-
Erfolgsbedingung: Dialogbereitschaft
17.
Bei konsensorientierten Verfahren sind die Bereitschaft und das
Interesse aller Beteiligten, durch Verhandlungen "mit der Gegenseite"
zum Ziel zu kommen Grundvoraussetzung für das Gelingen. Wenn diese
fehlt, ist Dialog nicht möglich oder zum Scheitern verurteilt.
Gegenargument: Nichts spricht dagegen, es aber wenigstens zu versuchen.
-
Verselbständigungsgefahren
18.
Verfahren können leicht zum Selbstzweck werden. Durchführungsträger
stehen oft unter großem Erwartungsdruck, da ein Scheitern Rückfragen an
ihre fachliche Kompetenz und Schwierigkeiten bei der Akquise von neuen
Aufträgen beinhalten kann. Gegenmaßnahme: Die Auswahl von
Beteiligungsverfahren sollte transparent und möglichst einvernehmlich
zwischen allen Akteuren erfolgen. Eine formative Evaluation durch einen
plural zusammengesetzten Projektbeirat kann sinnvoll sein.
IV. Anforderungen an Bürger(innen)beteiligungKeine Patentrezepte
19.
Es gibt sehr unterschiedliche Wege und Formen der
Bürger(innen)beteiligung, aber keine Patentrezepte. Welche Methode die
jeweils sinnvollste ist, muss von Fall zu Fall am konkreten Projekt
abgewogen werden. Oft empfiehlt sich auch ein Methodenmix. Es kommt
nicht (allein) auf die Perfektion der Anwendung einer Methode an,
sondern auf die Glaubwürdigkeit und Seriosität der Beteiligung.
Ergebnisoffenheit, Frühzeitigkeit, faire Einflusschancen
20. Wichtig ist aber in allen Fällen, dass die Bürger(innen)beteiligung
- ergebnisoffen angelegt ist, d.h. nicht bloß zur Akzeptanzbeschaffung für bereits getroffene Vor-Entscheidungen dient,
- möglichst frühzeitig erfolgt, also zu einem Zeitpunkt, an dem noch reale Entscheidungsalternativen bestehen, und
- für
alle potentiell berührten Interessen faire Einflusschancen anstrebt,
wozu erforderlichenfalls auch eine im angemessenen Verhältnis zur
Bedeutung des Planungsgegenstandes stehende Zurverfügungstellung von
Ressourcen gehört, um Alternativplanungen durchführen oder in Auftrag
geben zu können.
Transparenz und Klärung des Stellenwertes
21.
Ebenso muss Konsens über die Regeln bestehen und klar sein, welcher
Stellenwert der Bürger(innen)beteiligung zukommt. Werden mehrere
Verfahren parallel oder sukzessiv eingesetzt, muss transparent sein,
wie sie aufeinander bezogen sind. Sie müssen einen klaren Adressaten
haben, und es muss sichergestellt sein, dass ihre Ergebnisse Beachtung
finden.
Konsultativ, nicht dezisiv
22.
Klärung des Stellenwertes bedeutet aber ebenso festzustellen, dass die
vorgestellten Modelle konsultativ und nicht dezisiv sind. Sie entlasten
nicht von der Notwendigkeit, sich um demokratische Mehrheiten zu
bemühen, sei es auf repräsentativ-parlamentarischer Ebene oder durch
direktdemokratische Entscheidungsverfahren. Anzustreben und
wünschenswert ist aber, dass Bürgerinnen und Bürger selber entscheiden
können, wann sie beteiligt werden wollen und ein entsprechendes
Initiativrecht für Bürger(innen)beteiligung haben. (vgl. Bürgerantrag
bei Direkter Demokratie)
Förderliche Bedingungen: Konkretheit und Befristung
23.
Die Motivation zur Teilnahme wird darüber hinaus erleichtert durch a)
thematische Konkretheit und Begrenzung, b) temporären Charakter der
Engagementverpflichtung und c) Arbeit in kleinen, überschaubaren
Gruppen, in denen der Wert des eigenen Engagements sichtbar wird.
Projekte der Bürger(innen)beteiligung sollten einen Anfang und ein Ende
haben, aus dem Runden Tisch keine lange Bank werden.
Empowerment unfreiwillig nicht-aktiver Gruppen
24.
Methoden der Bürger(innen)beteiligung müssen sich daran messen lassen,
inwieweit es ihnen gelingt, gerade auch die Teilnahmechancen bisher
unzureichend beteiligter Interessen und ressourcenschwächerer
("politisch armer") Bevölkerungsgruppen zu erhöhen. Neue
Beteiligungsangebote, die nicht von speziellen Aktivierungsstrategien
für ressourcenschwächere Personen begleitet werden, geraten, so positiv
sie im einzelnen auch sind, sonst in Gefahr, soziale Ungleichheit zu
reproduzieren.
Literaturhinweise:
- Stiftung
MITARBEIT / Agenda-Transfer. Agentur für Nachhaltigkeit (Hrsg.): Praxis
Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhandbuch, Bonn 2004
- Corinna
Fischer / Malte Schophaus / Matthias Trénel / Annette Wallentin: Die
Kunst, sich nicht über den Runden Tisch ziehen zu lassen. Ein Leitfaden
für BürgerInneninitiativen in Beteiligungsverfahren. Stiftung
MITARBEIT, Bonn 2003
- Maria Lüttringhaus / Hille Richers:
Handbuch Aktivierende Befragung. Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die
Praxis. Stiftung MITARBEIT, Bonn 2003
- Adrian Reinert:
Bürgergesellschaft fördern und entwickeln. Handreichung zum Wegweiser
Bürgergesellschaft. Stiftung MITARBEIT, Bonn 2003
- http://www.stadtteilarbeit.de/
Kontakt
Dr. Adrian Reinert
Stiftung MITARBEIT
Bornheimer Straße 37
53111 Bonn
Tel.: 0228/60424-(0),14
Fax: 0228/60424-22
Email:
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Internet: www.mitarbeit.de
www.buergergesellschaft.de
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