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Sep 08 2005
"Kunst der Gemeinschaft" - Community-Building-Seminar nach Scott Peck Drucken E-Mail
Geschrieben von Götz Brase   
Donnerstag, 8. September 2005

05_10_01_Community_Building_Hamburg_008.jpgWer kennt sie nicht, die Stimmung, die sich nach ein paar Tagen bei einem guten Seminar einstellt. Dafür verantwortlich: die Authentizität. Vom 30.09. bis 03.10.05 fand im Integralis Hamburg ein gruppendynamisches Seminar nach Scott Peck statt. Das Seminar mit 25 Beteiligten leiteten drei Community-Building-Experten aus den Niederlanden.

Weitere Termine 2006 sind im Kommentar am Ende zu finden!

WAS?

05_10_01_Community_Building_Hamburg_022.jpgScott Peck beschreibt in seinen Büchern, wie eine Gruppe verschiedene Phasen durchläuft, bis sie in dieser Herzensergie ankommt:

            • Pseudo-Gemeinschaft
            • Chaos
            • Öffnung
            • Real-Gemeinschaft 

In seinen 2-tägigen Seminaren kann man dies ganz konkret erfahren. In einer einfachen Struktur, mit wenigen Regeln, eigentlich eher Anregungen, entsteht erstaunlich schnell und intensiv dieser gruppendynamische Prozess. Die Leitung greift nur ein, wenn die Gruppe zu lange in einer der 4 Phasen stecken bleibt:

„Das verbreitetste Anfangsstadium und einzige Stadium vieler Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ist das der Pseudogemeinschaft, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte.

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Community-Building-Seminar im Integralis Hamburg 30.09.05

Zur Aufrechterhaltung dieser Vortäuschung bedient man sich vor allem einer Anzahl unausgesprochener allgemeingültiger Verhaltensregeln, Manieren genannt: Wir sollen unser Bestes tun, um nichts zu sagen, was einen anderen Menschen verstören oder anfeinden könnte; wenn jemand anderes etwas sagt, das uns beleidigt oder schmerzliche Gefühle oder Erinnerungen in uns weckt, dann sollen wir so tun, als mache es uns nicht das geringste aus; und wenn Meinungsverschiedenheiten oder andere unangenehme Dinge auftauchen, dann sollten wir sofort das Thema wechseln.

Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.

05_10_01_Community_Building_Hamburg_026.jpgMit der Zeit können dann allmählich tiefgehende individuelle Differenzen auftreten, und die Gruppe begibt sich ins Stadium des Chaos und zerstört sich nicht selten selbst. Bei der Pseudogemeinschaft geht es um das Kaschieren von individuellen Differenzen. Im Stadium des Chaos geht es vorrangig um den Versuch, diese Differenzen auszulöschen. Das geschieht darüber, dass Gruppenmitglieder versuchen, einander zu bekehren, zu heilen, auszuschalten oder ansonsten für vereinfachte organisatorische Regeln einzutreten. Es ist ein ärgerlicher und irritierender, gedankenloser, maschinengewehrmäßiger und oft lärmender Prozess, bei dem es nur um Sieger und Verlierer geht und der zu nichts führt.

05_09_30_Community_Building_Hamburg_003.jpgWenn die Gruppe diese unerfreuliche Situation durchstehen kann, ohne sich selbst zu zerstören oder in die Pseudogemeinschaft zurückzufallen, dann tritt sie allmählich in die „Leere“ ein. Dies ist ein Stadium sehr sehr harter Arbeit, eine Zeit, in der die Mitglieder daran arbeiten, alles beiseite zu räumen, was zwischen ihnen und der Gemeinschaft steht.

Und das ist eine Menge. Vieles von dem, was mit Integrität aufgegeben und geopfert werden muss, sind universell menschliche Eigenschaften: Vorurteile, vorschnelle Urteile, starre Erwartungen, der Wunsch zu bekehren, zu heilen oder auszuschalten, der Drang zu siegen, die Angst, sich zum Narren zu machen, das Bedürfnis, die Kontrolle über alles zu haben.

The_Different_Drum.jpgAndere Dinge mögen ausgesprochen persönlicher Art sein: ein verborgener Kummer, Abscheu oder tiefe Angst vor etwas, die öffentlich eingestanden werden müssen, bevor das Individuum für die Gruppe völlig „präsent“ sein kann. Es ist eine Zeit, die Risikobereitschaft und Mut verlangt, und wenn man sich auch oft erleichtert fühlt, so fühlt man sich doch oft auch sterbenselend.

Der Übergang von Chaos zur Leere läuft selten dramatisch ab und dauert häufig qualvoll lange. Ein oder zwei Gruppenmitglieder gehen vielleicht das Risiko ein, ihre Seele bloßzulegen, nur um zu erleben, dass ein anderes, das den Schmerz nicht ertragen kann, plötzlich das Thema zu irgendetwas völlig Unsinnigem wechselt. Die Gruppe als Ganzes ist noch nicht offen genug, um wirklich zuzuhören. Sie fällt in das zeitweilige Chaos zurück. Schließlich aber wird sie doch so leer, dass eine Art Wunder geschehen kann.

An diesem Punkt spricht ein Mitglied sehr präzise und authentisch etwas an. Die Gruppe scheut nicht davor zurück, sondern sitzt schweigend da und nimmt alles in sich auf. Dann sagt ein zweites Mitglied ganz ruhig etwas ebenso Authentisches. Es handelt sich vielleicht nicht einmal um eine Antwort auf das erste Mitglied, aber man hat auch nicht das Gefühl, es ist ignoriert worden. Vielmehr herrscht eher die Empfindung vor, das zweite Mitglied sei vorgetreten und habe sich neben dem ersten auf den Altar gelegt. Wieder kehrt Stille ein, aus der heraus sich ein drittes Mitglied ebenso präzise und eloquent äußert.

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Mittagessen während des Community-Building-Seminars 01.10.05

Die Gemeinschaft ist geboren. Der Wechsel zur Gemeinschaft tritt oft sehr plötzlich und dramatisch ein. Die Veränderung ist deutlich zu spüren. Ein Geist des Friedens durchdrängt den ganzen Raum. Es herrscht mehr Schweigen, doch es wird Bedeutungsvolleres gesagt. Es ist wie Musik. Die Menschen arbeiten mit einem präzisen Zeitgefühl zusammen, so als seien sie ein fein eingestimmtes Orchester unter der Leitung eines unsichtbaren himmlischen Dirigenten. Viele spüren tatsächlich die Anwesenheit Gottes im Raum.

05_10_01_Community_Building_Hamburg_023.jpgHandelt es sich um eine Gruppe vormaliger Fremder, die sich in einem öffentlichen Workshop versammelt haben, dann kann man eigentlich nichts weiter tun, als sich an diesem Geschenk freuen. Handelt es sich aber um eine Organisation, dann ist die Gemeinschaft nun bereit, sich oft mit phänomenaler Leistungsfähigkeit und Effektivität an die Arbeit zu machen, also Entscheidungen zu treffen, zu planen, zu verhandeln und so weiter.“

(aus „Eine neue Ethik für die Welt“ von Scott Peck)

WER?

Zielgruppe: Der Kreis der Beteiligten war offen eingeladen. Am 3.10. wurden konkretere Absprachen zu einer möglichen Wohn- und Lebensgemeinschaft getroffen. Es warn 25 Beteiligte anwesend.

Community_Building_013s.jpgLeitung: Der Workshop wurdr von 3 Holländern Adriaan Bertens, Liesbeth Kanters und Ingrid Weurmann geleitet, die über ausgezeichnete Deutschkenntnisse verfügten. Adriaan wurde in den USA von der FCE als Berater für diese Art von Workshops ausgebildet. Alle 3 sind langjährig als Unternehmensberater tätig und verfügen über umfangreiche Kenntnisse von diesem Prozess.

Weitere Informationen: Über diesen Prozess sind in den Büchern von Scott Peck „The Different Drum“ (Übersetzung ist in Arbeit) und „Einen neue Ethik für die Welt“ zu finden (das Buch ist leider zur Zeit vergriffen, kann aber über den Veranstalter Götz Brase bezogen werden).

peckPhoto.jpgScott Peck, der Gründer der Methode ist am Wochenende vor dem Seminar mit 69 Jahren in Warren (Conneticut / USA) verstorben. Sein Werk wird weltweit von vielen Tausend Community-Buildern weitergetragen.

WIE?

Das Seminar begann am Freitag, den 30.9.2005 um 19.00 Uhr und endete am Sonntag den 2.10.2005 um 18.00 Uhr. Für diejenigen, die an der Bildung einer konkreten Lebensgemeinschaft interessiert waren, stand noch ein zusätzlicher Tag am Montag von 9.00 bis 20.00 Uhr zur Verfügung, wo über die nächsten Schritte zur Bildung einer Gemeinschaft gesprochen wurde, was notwendig ist, damit die Gruppe immer wieder in den authentischen Zustand zurückfindet. Das Seminar fand in den Räumen des Integralis Hamburg, Stückenstr 74, 22081 Hamburg statt. (www.integralis-hamburg.de)

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Einer der Seminarräume des Integralis

Die Kosten betrugen zwischen 100,- und 200,- €, je nach Einkommen der Teilnehmer. Es wurden außerdem kostenlose Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Verpflegung erfolgt selbst versorgend, indem jeder Teilnehmer etwas mitbrachte.

Autor und weitere Informationen über

Götz Brase
Hamburgerstr 3
22083 Hamburg
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