|

Zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse von mitWirkung trafen sich Begleitende und Multiplikatoren beim Münchner LeMoMo (26.09.05) um nachzufragen, was junge Menschen an Netzwerken anzieht und was Netzwerke zur Beteiligung von mehr Jugendlichen tun können.
WAS?In vielen Netzwerken sind Jugendliche entweder Objekt der Vernetzung oder völlig außen vor. Dabei wird vielfach angestrebt, auch junge Menschen einzubeziehen, zu beteiligen und in die Gestaltung der Netzwerkarbeit einzubinden. Wenn es dann konkret wird, gibt es vielerlei Gründe, warum es nicht klappt. An dem Abend sollten vier Blickwinkel (philosophisch, praktisch, theoretisch und methodisch) das Thema Jugendbeteiligen beleuchten und zur Diskussion stellen. 
Sie hören, sehen und reden nichts ... unser Wunschbild von Jugendbeteiligung? WER?LeMoMo, das Regionaltreffen von Netzwerk Gemeinsinn e.V wird in Zusammenarbeit mit der Akademie Führung & Kompetenz am CAP (LMU) und der Münchner VHS am letzten Montag im Monat organisiert. Wolfgang Fänderl ist Gastgeber und führte durch das Programm. Gekommen waren 12 Partnerinnen und Partner, die im weitesten Sinne Interesse an Jugendbeteiligung haben. Die Referentinnen und Referenten sind alle Teil des Gemeinsinn Begleitnetzwerk, das an Vermittlung neuer Methoden und kollegialer Beratung Interesse hat. Das Gemeinsinn-Netzwerk setzt sich aus Methodenexperten/innen und Initiatoren/innen zusammen, die Beteiligung, Vernetzung und freiwilliges Engagement fördern wollen. Markus Nau ist Mitarbeiter im INKOMM – Projektzentrum Interkulturelle Kompetenz der AWO München – und zuständig für den Bereich „Übergang Schule – Beruf“. Wolfgang C. Goede ist P.M.-Redakteur, Initiator von FoCO (Forum Community Organizing) und anderen Initiativen zur demokratischen Erneuerung. Martina Mobley ist Studentin der Politikwissenschaften in Augsburg und Trainerin der Moderationsmethode „Technology of Participation“®. WIE?Wolfgang Fänderl stellte an diesem Regionaltreffen kurz seine Assoziationen zu den Begriffen „Netzwerke“, „Jugendliche“ und „Mitwirkung“ vor. Aus seiner Sicht eine ideale Passung, wenn die richtigen Methoden gefunden werden um junge Menschen einzubinden. 
Anschließend berichteten die weitgehend erwachsenen Begleitenden und Multiplikatoren in der Vorstellungsrunde von eigenen Erfahrungen ihrer Jugendzeit. Wann fühlten wir uns ernst genommen und erfolgreich eingebunden? Wann haben wir uns in der Vernetzung mit Erwachsenen wohl gefühlt? Hier einige Assoziationen:- der Sportverein vermittelte Teamwork-Gedanken
- die Funktion als Schülersprecherin und in der Partei brachte in intensive Auseinandersetzungen
- der Moment an dem einen selbst liebgewordene Lehrer gesiezt haben gab es das Gefühl der Eigenverantwortung
- es war ein gutes Gefühl, als Aufgaben übertragen wurden und man in den Gremien der Erwachsenen sitzen konnte
- toll war das Vorschussvertrauen, das der Pfarrer in die Jugendgruppe hatte
- nach dem Krieg gab es eher Gangs und als ich eine Verfassung für die Schule geschrieben habe, hat das keinen interessiert
- meine Tutorfunktion und Mitverantwortung für 5. und 6. Klässler war der erste Schritt, dann wurde ich Schülersprecher
- für mich war als Jugendvertreter meiner Partei wichtig, den ganzen Prozess der Mitwirkung kennen zu lernen und selbst zu gehen… bis zum Ergebnis
- beim Aufbau eines Jugendvereins hatten wir zwar wenig Geld aber viel Freiheiten und Selbstentscheidung… das machte Spaß
- auf dem Land kamen wir uns zwar immer etwas benachteiligt vor, aber dadurch organisierten wir viel mehr selbst.
- das Kennenlernen spannender neuer Methoden außerhalb der Schule hat mich dazu gebracht hier weiterzumachen und sie anderen weiterzuvermitteln.
- echter Durchbruch kam erst mit dem Freiraum des Studiums: Vernetzung auf vielen Ebenen und Kontakt mit allen Altersgruppen
- im Vergleich zu früher merke ich als Mutter von 4 Kindern und politisch aktiver Frau, dass Kindern und Jugendliche zwar selten beteiligt aber bei Entscheidungen häufiger mitbedacht werden
- als Berufsschullehrerin merke ich, dass Jugendliche die aus der Hauptschule kommen ihre Chancen der Mitwirkung automatisch geringer einschätzen als jene aus Realschule und Gymnasium.

Gemeinsinn-Werkstatt Dinkelscherben November 2001 Nach einer kurzen Zusammenfassung der aktuellen Ergebnisse der Jugendbeteiligungsstudie „mitWirkung“ stellte Markus Nau sein konkretes Projekt vor. „Jump into Jobs“ – Jugendpartizipation im Übergang Schule/Beruf (Markus Nau)Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist längst nicht mehr so einfach und selbstverständlich wie noch vor einigen Jahren. Deshalb brauchen Jugendliche Unterstützungen, um ihren Weg in das Berufsleben zu finden. INKOMM – Projektzentrum Interkulturelle Kommunikation der Arbeiterwohlfahrt möchte mit dem Projekt „Jump into Jobs“ ein interkulturelles Netzwerk zur Unterstützung von Jugendlichen im Ausbildungsmarkt aufbauen. Die verschiedenen Partner in diesem Netzwerk bestehen aus zwei Hauptschulen und einer Realschule, Einrichtungen der Jugendhilfe, verschiedenen Betrieben im Stadtteil Neuhausen und Vertretern/innen der kommunalen Politik. Die Jugendlichen selbst fungierten bisher eher als Zielgruppe für Berufsorientierungs-Maßahmen oder als Diskussionsgegenstand. „Sind es also wieder die ‚Erwachsenen’, die zum einem versuchen die Strukturen zu verbessern und zum anderen über die Jugendlichen sprechen, anstatt mit ihnen? Wie können wir sie diesmal aktiv teilhaben lassen, an den Fragen die sie betreffen?“ Aus der bisherigen Projekterfahrung heraus ist es den Initiatoren/innen wichtig, dass sich die Jugendlichen aktiv in den Diskurs einmischen, dass sie ihre Bedürfnisse, Wünsche und Ängste selbst darstellen und Ideen entwickeln, wie Berufsorientierung aussehen könnte. Hierzu möchten INKOMM und seine Partner (Schulen, Betriebe, Kommunalpolitik, Eltern) als weiters Projektziel die Jugendlichen motivieren und befähigen. Markus Nau präsentierte einen Projektrahmen mit den unterschiedlichen Ebenen der Beteiligung direkte Beteiligung der Jugendlichen (Interviews, Großgruppenveranstaltung, Aktionsplanung), Fortbildung von jungen Projektleitenden und Multiplikatoren (Peer-to-peer), Vernetzung des Projekts auf Institutioneller Ebene in München Wirkung als Modellprojekt auf Bundesebene
Viel was sich da INKOMM in der kurzen Zeit von einem guten Jahr vorgenommen hat. Was also können die Begleitenden als weitere Schritte empfehlen? eine überregionale Recherche (Best-Practice) was andere Initiativen machen stadtteilbezogen bleiben und die vorhanden Netzwerke nutzen als Veranstalter selbst klare Rahmenbedingungen setzen und verlässlicher Partner sein bei Veranstaltungen Jugendliche nicht alleine einladen sondern immer die Chance geben Freunde mitnehmen zu können Nachhaltige Entwicklung berücksichtigen „Schüler beraten Betriebe“ als Idee aufgreifen Die Schlüsselpersonen und Meinungsführer unter den Jugendlichen herausfinden und einbinden
Nach einer kurzen Pause wurde der P.M.-Redakteur Wolfgang C. Goede gebeten von seinen Erfahrungen einer Bildungsoffensive zu erzählen, die in einigen deutschen Stätten bevorsteht. Ziel ist es dabei wissenschaftliche Erkenntnisse zur demokratischen Beteiligung an Jugendlichen zu vermitteln. 
Partnerschaft statt Partizipation GW-Berlin 2002 Alltagsdemokratie im 21. Jahrhundert (Wolfgang C. Goede)“Demokratie lernen und leben“ lautet das Motto des Europäischen Jahres der Demokratieerziehung, das der Europarat 2005 ausgerufen hat. Ziel dieses Jahres ist es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zur Teilnahme am demokratischen Leben zu ermutigen. Leitbild sind Bürgerinnen und Bürger, die aktiv und verantwortungsvoll am demokratischen Leben teilhaben. Eine lebendige und starke Demokratie braucht Menschen, die sich “in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen“ (Max Frisch). Dazu gehören Toleranz, Solidarität, Gleichberechtigung, interkulturelle Verständigung und friedliche Konfliktbewältigung. (Text aus verteiltem Abstract) Wolfgang Goede ging im Vortragsstil auf verschiedene Aspekte demokratischen Lebens – von der Wiege bis zur Bahre ein – und stellte einige anregende Gedanken vor: Bundeswahlkampf ist nur oberste Spitze eines Eisbergs, der Demokratie genannt wird In den Sozialwissenschaften werden Innovationen nur dürftig vorangetrieben Der Soziologe Herringer vertritt die These, dass sich jeder Mensch zum Regisseur seiner eigenen Biografie entwickeln kann, wenn er ein entsprechendes Umfeld vorfindet (Empowerment-Ansatz) Fehlerfreundlichkeit ist eine wesentliche Voraussetzung um Eigenständigkeit zu lernen… nur dadurch lernen wir laufen Kinder werden in Zukunft als Forscher ihrer Umwelt erzogen werden Der amerikanische Soziologe Richard Florida betont, das vielfältige Lebensräume die Voraussetzung für demokratisches Lernen sind: „Städte boomen, wo sich Rock’n Roller und Schwule zuhause fühlen“
In Anbetracht der Zeit und des Anspruchs auf Beteiligung wurde dann die kritische Frage gestellt, ob denn die Zuhörer vom Vortragenden noch einbezogen werden? Einige kreative Ideen wurden gesammelt, wie dies auch in klassischen Settings vonstatten gehen könnte: mehr Fragen als Antworten Rückmeldungen aus dem Publikum… zumindest Zeit für Fragen am Ende Gesamtrahmen um den Vortrag herum partizipativ organisieren (Interaktiver Infomarkt) Als Journalist vor dem Vortrag einige Stellungnahmen beim Publikum erfragen und in die Ergebnisse einfließen lassen

LeMoMo-Gespräch in der Pause Was ist ToP®? (Martina Mobley)Martina Mobley schloss gleich mit der Vorstellung einer Moderationsmethode speziell für Jugendliche an: Die Technology of Participation (ToP®) ist eine Moderationsmethode, die es ermöglicht, sich in Gruppen oder Organisationen über ein Thema auszutauschen, Bedarfsanalysen und Feedbacks durchzuführen, kreativ an einem Thema zu arbeiten und konkrete Projektpläne zu erstellen. Sie basiert auf drei methodischen Bausteinen, die ja nach Bedarf einzeln oder kombiniert angewendet werden können: Die Austauschmethode Sie dient dazu, Gruppengespräche derart zu strukturieren, dass sie gleichzeitig so demokratisch ablaufen, dass sich alle mit ihren Gedanken, Gefühlen und Ideen einbringen können, aber auch so effektiv, dass konzentrierte Diskussionen in kurzer Zeit möglich sind Die Austauschmethode ist das grundlegendste Element der ToP, sie kann für sich allein in einem Gespräch oder einer Feedbackrunde eingesetzt werden, findet sich aber auch in den anderen Bausteinen wieder. Der Konsensworkshop Ausgehend von einer Fragestellung wird in der Gruppe ein individuelles Brainstorming eröffnet, die Ideen werden zusammengetragen und gemeinsam nach Zusammenhängen strukturiert. In relativ kurzer Zeit kann die Gruppe so unter Einbeziehung aller von einer Idee zu einem Konzept kommen, das die verschiedenen Perspektiven in der Gruppe berücksichtigt. Die Aktionsplanung Basierend auf der Austauschmethode und dem Konsensworkshop steht bei der Aktionsplanung die Umsetzung eines gemeinsam erarbeiteten Konzepts im Vordergrund. Nach einer Reflexion über gemeinsame Zielvorstellungen und die Ressourcen in der Gruppe wird eine Vereinbarung getroffen in der sich alle wieder finden und für deren Umsetzung sich deswegen auch alle verantwortlich fühlen. Schließlich erstellt die Gruppe einen konkreten Masterplan, Kleingruppen teilen sich die Arbeit auf und ein genauer Zeitplan wird festgelegt. Der Fokus liegt hierbei auf der Realisierbarkeit des Projektes. 
ToP-Moderationstraining 22. April 05 Die Technology of Participation wurde in den 1980er Jahren vom ICA (Institute for Cultural Affairs), einer weltweit agierenden Nichtregierungsorganisation, entwickelt. Im Jahr 2003 wurde die Methode auf Initiative der Bertelsmann- Stiftung nach Deutschland gebracht, um sie für den hiesigen Bildungsmarkt zu adaptieren. Inzwischen hat sich der Verein „Beteiligung ist machbar“ e.V gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die ToP Methoden zu vermitteln und MultiplikatorInnen auszubilden. Die Methode lässt sich in den verschiedensten Zusammenhängen, ob Projektplanung oder -durchführung, Themenerfassung, Seminarplanung an der Hochschule oder Leitbildentwicklung einsetzen. Vor allem aber richtet sie sich an Jugendliche. Indem Jugendliche das Handwerkszeug der ToP lernen, sollen sie dabei unterstützt werden, ihre Anliegen und ihre Ideen selbstbewusst, eigenständig und erfolgreich in demokratischer Zusammenarbeit umzusetzen. AbschlussTrotz der gedrängten Zeit am Ende war die Stimmung einhellig: ein informativer und intensiver Austausch zum Thema! Beeindruckend fanden einige dass Jugendliche als Experten wahrgenommen werden können, einzelne wünschten sich mehr Zeit zum Austausch und mehr Einblick in die methodische Umsetzung von Beteiligung und Vernetzung für und mit Jugendlichen. Weitere Informationen:Wolfgang Fänderl Netzwerk Gemeinsinn e.V. c/o Centrum für angewandte Politikforschung Maria-Theresia-Str. 21 81675 München Tel.: 089 / 2180-1333 Fax.: 089 / 2180-5850 Email:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Gemeinsinn-Werkstatt zum Thema "Damit Sie wissen was wir tun..." 2002 Nur angemeldete Besucher können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an oder erstellen Sie sich ein neues Benutzerkonto. Powered by AkoComment 2.0! |