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Community
Organizing, ein Beteiligungsverfahren aus den USA hat Wurzeln. Sie
liegen sowohl in sozialen Bewegungen Chicagos,
Gleichberechtigungskampagnen und sie werden begründet durch den
Empowermentansatz des Düsseldorfer Soziologen Norbert Herriger.
Grundsätzliches Es geht um eine Theorie des
sozialen Machtgewinns für Normalbürgerinnen und -bürger. Macht wird
dabei verstanden als die "Fähigkeit zum Handeln". Im Gegensatz zu
vielen anderen Ansätzen steht explizit der betroffene Mensch und Bürger
im Mittelpunkt. Er wird zusammen mit anderen handlungsfähig, lernt für
sich selbst zu sorgen und erschließt somit neues soziales Kapital. Der
herkömmlichen Top-down-Methode wird die Bottom-up-Methode
entgegengestellt. Wurzeln Der Ansatz
entstand in den USA während des "New Deal" von Präsident F.D.
Roosevelt. Die wissenschaftlichen, politischen und institutionellen
Grundlagen dieses Ansatzes liegen in der Stadtökologie der "Chicago
School of Sociology" (William I. Thomas, E.W. Burgess, R. E. Parl, L.
Wirth), den Organisationserfolgen der Industrie-Gewerkschaft "Congress
of Industrial Organizations" (CIO) unter J.L. Lewis (1880-1969) nach
der Weltwirtschaftskrise 1929 und der Unterstützung durch Bischof
Bernhard J. Sheil (1888-1969) von der katholischen Erzdiözese in
Chicago. Anfänge in Chicago Saul
D. Alinsky (1909-1972) entwickelte auf dieser Grundlage die Theorie und
Praxis des "Community Organizing" (CO), die er erstmals 1939 im
Chicagoer Schlachthofviertel "Back-of-the-Yards" erfolgreich umsetzte.
Einer Bürgerorganisation, die sich aus allen im Stadtteil befindlichen
Organisationen zusammensetzte, dem "Back-of-the-Yards Council", gelang
es, die Lebensverhältnisse in einem der berüchtigtsten Stadtteile
Chicagos nachhaltig zu verbessern. Dies gilt international als die
Geburtsstunde des CO, das die soziale Stadtlandschaft Amerikas
grundlegend veränderte.
Alinsky wird inzwischen als einer der großen Sozialreformer des 20. Jahrhunderts eingestuft (s. "Three Alinskys?"). Rezeption in Deutschland In
Deutschland wurde dieser Ansatz in den 1970-er Jahren insbesondere von
Sozialarbeitern und Stadtplanern rezipiert, geriet dann aber in den
Sozialwissenschaften wieder Vergessenheit. Besonders unterstützte auch
Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste CO. Von 1970 bis 1985 arbeiteten
ca. 30 deutsche Freiwillige in amerikanischen CO-Projekten. Seit Anfang
der 1990-er Jahre wird CO vor allem durch foco e.V. in Deutschland
aktiv gefördert (http://www.fo-co.info). Der
Ansatz hat wachsenden Einfluss auf die aktuellen Diskurse zur
Zivilgesellschaft, zum bürgerschaftlichen Engagement und zur
demokratischen Stadtteilerneuerung (s. "Community Organizing and the Alinsky Tradition in Germany").
Im November 2004 gestaltete FoCo die bundesweite Tagung
„BürgerInnen-Beteiligung im Stadtteil" in Hannover aktiv mit. Dabei
wurden auch die Unterschiede zwischen der traditionellen deutschen
Gemeinwesenarbeit und Community Organizing herausgearbeitet (s. http://www.stadtteilarbeit.de) Einbettung in Empowerment-Diskurs Der
Düsseldorfer Soziologe Norbert Herriger hat in seinem Buch „Empowerment
in der sozialen Arbeit" ganz klare Vorgaben für die
„Selbst-Bemächtigung" gemacht. Dabei hat er primär Sozialarbeiter im
Blick, seine Gedanken lassen sich aber genauso gut auf CO übertragen.
„Empowerment ist die Anstiftung zur (Wieder-)Aneignung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Lebens."
Sie verzichte auf bevormundende Hilfe und respektiere das Recht
der Adressaten auf Teilhabe, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
Im Politischen sei Empowerment die Bemächtigung der Ohnmächtigen.
Menschen befreiten sich aus eigener Kraft aus einer Position der
Schwäche und würden zu aktiv handelnden Akteuren, die für sich und
andere ein Mehr an Autonomie und Lebensregie erstritten. Im
persönlich-gesellschaftlichen Umgriff sei Empowerment ein
selbstinitierter und eigengesteuerter Prozess der (Wieder-)Herstellung
von Lebenssouveränität auf der Ebene der Alltagsbeziehungen wie auch
auf der Ebene der politischen Teilhabe. Experten in eigener Sache Diese
Definition betone den Aspekt der Selbsthilfe und der aktiven
Selbstorganisation der Betroffenen. Psychosoziale Arbeit mache Menschen
die verschütteten Ressourcen und Kompetenzen bewusst „ohne expertendefinierte Vorgaben". Im Empowerment-Ansatz würden Menschen in marginaler Position nicht mehr als „versorgungs-
oder behandlungsbedürftige Mängelwesen betrachtet, sondern als
‚Experten in eigener Sache‘ wahrgenommen und gestärkt werden". Empowerment laufe auf einen kollektiven Prozess der Selbst-Aneignung von politischer Macht hinaus, „der sich die Korrektur von sozialer Ungleichheit auf die Fahnen geschrieben hat". Wichtiger Motor: Martin Luther King Die
modernen geschichtlichen Wurzeln ortet Herriger in der amerikanischen
Civil-Rights-Bewegung, in der Schwarze durch kalkulierte
Regelverletzung, Boykott-Aufrufe und gewaltfreien Widerstand die
Rassentrennung aufgebrochen hätten. Der Hauptmotor dafür sei Martin
Luther King gewesen, der sich von folgenden Prinzipien habe leiten
lassen: „die Auskehr von Menschen aus ohnmächtiger Resignation und
ihre aktive Aneignung von Bastionen der Macht; das Gewinnen von Stärke
im Plural des Projekts kollektiver Selbstorganisation; die Entwicklung
von durchsetzungskräftigen Instrumentarien eines strittigen
bürgerschaftlichen Engagements".
Die Selbsthilfe-Bewegung Die
feministische Bewegung, so der Autor, sei ein zweiter Motor des
Empowerment-Diskurses. Hinzu komme die Selbsthilfe-Bewegung, die in den
70-er Jahren an den Start gegangen sei. „Selbsthilfe ist ein
kritisches Gegenprogramm gegen eine zugleich wohlmeinende und
entmündigende Staatsfürsorglichkeit, die in immer weiter beschleunigtem
Tempo Leistungen und Sicherungen der Daseinsvorsorge aus den primären
Netzen familiärer verwandtschaftlicher, genossenschaftlicher und
nachbarschaftlicher Nähe ausgrenzt und sie auf die sekundären Systeme
professionalisierter und organisierter Leistungsprogramme überträgt". In
der Bundesrepublik habe sich Selbsthilfe besonders im Gesundheitswesen
etabliert. Sie erlaube chronisch Kranken und Behinderten „neue
Ressourcen der Krankheitsbearbeitung und der Lebensgestaltung zu
schöpfen und zugleich im Sinne einer advokatorischen
Interessenvertretung nach außen einen Abbau von Strukturen der
Entmündigung in Rehabilitationsmedizin, Pflegeversorgung und
Alltagsmedizin einzufordern". Gemeindespychologie Ein
weiteres Standbein von Empowerment seien Community-Action-Programme und
Gemeindepsychologie, die ebenfalls in den Vereinigten Staaten eine
langjährige Tradition hätten, beginnend 1930 mit Saul Alinsky, der in
den Chicagoer Slums Bürgerrechtsgruppen aufbaute. „Die beiden
Säulen seiner politischen Mobilisierungsarbeit sind: die Bildung von
‚Machtkoalitionen‘ quer durch die Trennungslinien sozialer und
ethnischer Segregation und die Entwicklung von ‚konfrontativen
politischen Durchsetzungsstrategien‘". Alinskys Schriften, „Handreichungen
zur Eroberung der Macht, wurden in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung
und in der politischen Selbstartikulation von Migranten und
ethnischen Minderheiten breit rezipiert". Pädagogik der Bemündigung In
die Gallerie der Empowerment-Theoretiker und -praktiker stellt
Herriger auch den brasilianischen Pädagogen Paulo Freire, der in den
60-er Jahren seine politische Mobilisierungskampagne und
Alphabetiserung unter der Landbevölkerung seiner Heimat begann. Laut
ihm sei die Aufgabe von Erziehung, „Menschen das Werkzeug an die
Hand zu geben, durch das sie ein kritisch-analytisches Verständnis
ihrer Welt gewinnen und zu Subjekten der sozialen und politischen
Selbstgestaltung werden könnten". Kritisches Wissen und
Gestaltungskraft seien Qualifikationen, die im dialogischen Lernen mit
anderen Menschen in gleicher Situation kollektiv generiert
würden.
Daraus leitete der Brasilianer seine „Methodologie der drei Schritte"
ab: Engagiertes Zuhören, problemanalytischer Dialog, soziale Aktion.
Mehr als jedem anderen Pädagogen des 20. Jahrhunderts sei es Freire
gelungen, eine Pädagogik des Widerstands gegen die Unterdrückung zu
entfalten. Der Name dafür: Pädagogik der Bemündigung. Der Beitrag von Gilden, Zünften, Vereinen Die
historisch älteren Wurzeln des Empowerment macht Herriger in der
Selbstorganisation der Arbeiter in Gilden und Zünften fest, wofür ja
bereits spätmittelalterliche Handwerker Maßstäbe gesetzt haben. Diese
Vereinigungen hätten zum Teil Selbsthilfecharakter gehabt. „Im 18. Jahrhundert bildete sich das Vereinswesen als bürgerliche Variante sozialer Selbstorganisation."
Und im 19. Jahrhundert seien unter dem Druck der sozialen Frage in
Selbsthilfe die Arbeiter-, Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung
enstanden. Von den Defiziten zu den Stärken der Menschen Bei
der Arbeit mit Klienten, ob Strafentlassenen oder Straßenkindern, ist
Herriger aufgefallen, dass der Verlust von Autonomie bis zum „biografischen Nullpunkt"
führe, der aber auch die Chance berge, Wege aus der Ohnmacht zu suchen.
Er verweist auf den Depressionsforscher Martin Seligman und dessen „Theorie der erlernten Hilflosigkeit".
In einem günstigen Umfeld lassen sich diese und die
Defizit-Perspektiven der Betroffenen umdrehen. Dazu müsse sich aber
soziale Arbeit ändern, dürfe nicht länger eine „Buchhaltung von
Lebensschwächen" sein, „die allein das Versagen, das Misslingen,
die Lebenskapitulation registriert, während hingegen die (trotz aller
Alltagsniederlagen vorhandenen, aber lebensgeschichtlich verschütteten)
Fähigkeiten, Stärken, Kompetenzen des einzelnen keinen Eintrag in
dieses Bilanzbuch finden". Die Übernahme defizitgeprägter
Lebensdiagnosen und die Anerkennung der Gehorsamsregeln bedeute die
Einübung in eine abhängige Passiv-Rolle, sie verflichtet auf ein
Sich-Einfügen in eine unterlegene Position. Das ist kontraproduktiv für
den Gesundungsprozess des Klienten. Die Hegemonie der Experten – die
von Sozialarbeitern traditioneller Ausbildung vertreten wird –
produziere neue Muster der Unmündigkeit. Sie führen „zu einer immer weiterführenden Entwertung der verfügbaren Lebenskapitale und Bewältigungsressourcen". 
Menschen Regisseure ihrer eigenen Biografie werden lassen „Das
Empowerment-Konzept zeichnet so das Bild von Menschen, die kompetente
Konstrukteure eines gelingenden Alltags sind, die handelnd das lähmende
Gewicht von Fremdbestimmung und Abhängigkeit ablegen und in immer
größerem Maße Regisseure der eigenen Biografie werden ." „Empowerment-Prozesse
zielen auf die Stärkung der Teilhabe der Bürger an
Entscheidungsprozessen, die ihre personale Lebensgestaltung und ihre
unmittelbare soziale Umwelt betreffen. Sie zielen auf die
Implementation von Verfahren einer partizipatorischen Demokratie, die
ihren Wünschen und Bedürfnissen nach Mitmachen, Mitgestalten,
Sich-Einmischen in Dienstleistungsproduktion und lokale Politik
Rechnung tragen und eine eigenverantwortliche Gestaltung von lokalen
Umwelt zulassen. In dieser Strategie sozialpolitischer Einmischung
verbinden sich die Philosophie des Empowerments und die aktuelle
Diskussion über Zivilgesellschaft und ‚eine neue Kultur
bürgerschaftlicher Solidariät ‘". Weitere Informationen zu Community OrganizingSo bringen wir Deutschland wieder auf Trab Community Organizing in München Empowerment für ein bürgerorganisiertes München Autor Wolfgang C. Goede
(rechts neben Paul Cromwell) Koordination von FoCo in Deutschland, Redakteur bei dem Wissenschaftsmagazin P.M.
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Tel.: 089 / 361 01 704 und 089 / 4152-558
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